24 Oktober 2008, 10:20
Theologe: Schuld nicht psychologisch entschuldigen
 
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Rolf Sons: Seelsorger neigten dazu, Schuldgefühle zu verharmlosen und die Betroffenen zu entlasten

Tübingen (kath.net/idea)
Die heutige psychologische Sichtweise menschlicher Schuld und das biblische Schuldverständnis lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Darauf hat der Studienleiter für Praktische Theologe am Tübinger Albrecht-Bengel-Studienhaus, Rolf Sons, in einem Plädoyer „Wider die Psychologisierung der Schuldfrage“ aufmerksam gemacht.

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Wie er im Informationsblatt der studienbegleitenden pietistischen Einrichtung für angehende Theologen schreibt, lassen die verschiedenen psychologischen Erklärungsmuster die Schuld in einem gänzlich anthropologischen Horizont erscheinen: „Schuld wird als Ergebnis eines kindheitlichen, sozialen oder auch innerpsychischen Konfliktes verstehbar und damit erklärbar.“

Da der Einzelne für diesen Konflikt nicht verantwortlich sei, werde seine Schuld letztlich entschuldbar. So werde etwa die intime Beziehung einer verheirateten Frau zu einem fremden Mann auf dem Hintergrund einer unerfüllten oder schwierigen Ehe verständlich.

Nicht selten rieten Therapeuten dazu, die bisherige Ehe zu verlassen, um zu größerer Freiheit und Lebenserfüllung zu gelangen. Hier werde das Defizit des psychologischen Erklärungsmusters deutlich, so Sons. Zwar könne eine humanwissenschaftliche Betrachtungsweise verdeutlichen, dass Schuld immer auch soziale und psychologische Aspekte besitze. Es reiche aber nicht, Schuld zu verstehen und zu erklären: „Schuld ist immer ein Verstoß gegen das Gebot Gottes.

Daher will sie bekannt und vergeben werden.“ Der Weg dazu führe über das Kreuz von Jesus Christus: „Jesus übernimmt die Schuld des Sünders als seine eigene.“ Am Kreuz ende die Schuld: „Hier wird ein echter Neuanfang möglich.“

Echte und unechte Schuldgefühle

Seelsorger neigten dazu, Schuldgefühle zu verharmlosen und die Betroffenen zu entlasten. Für diese könne es aber eine große Hilfe sein, ihre Schuldgefühle ernst zu nehmen und sie vor Gott zu bringen. In jedem Fall müsse man zwischen echten und unechten Schuldgefühlen unterscheiden: „Die echten beruhen auf realer Schuld und bedürfen der Vergebung durch Gott. Unechte können auch Ausdruck einer Ich-Schwäche oder gar einer tiefer liegenden Störung sein.“ Für die Praxis der Seelsorge gelte, dass echte oder auch nur vermeintliche Schuldgefühle nicht vorschnell bagatellisiert oder beschwichtigt werden sollten. Fazit des Theologen: „So sehr die Psychologie dazu beitragen kann, Schuldzusammenhänge zu erhellen, stößt sie doch an eine Grenze, wo es darum geht, Schuld als Sünde vor dem lebendigen Gott zu begreifen.“

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