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Hören „Alexa“ und „Siri“ IHRE Beichte mit?

23. Oktober 2019 in Kommentar, 5 Lesermeinungen
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Frage nach Datensicherheit betrifft bei praktizierenden katholischen und orthodoxen Christen auch die sakramentale Ohrenbeichte sowie bei praktizierenden evangelischen Christen das Geständnis vor Pfarrer oder Hauskreis. Kommentar von Petra Lorleberg


Stuttgart (kath.net/pl) Man muss wahrlich kein Schwerverbrecher sein, um sich vor dieser Möglichkeit zu gruseln: Sprachaufzeichnung und Datenweiterleitung unserer Beichten durch das eigene Smartphone. Oder: Geheimes Ablesen des digital erstellten Beichtzettels. Wie real sind solche Möglichkeiten?

Man kann die Gefahren nicht von der Hand weisen. So berichtete die ARD schon im Sommer, dass Überlegungen laufen, diese Daten sogar als Beweismittel vor Gericht zuzulassen. Denn „Fernseher, Kühlschränke oder Sprachassistenten wie Alexa und Siri, die mit dem Internet verbunden sind, sammeln ... permanent wertvolle Daten, die für Sicherheitsbehörden von Bedeutung sein könnten.“ Diesen sogenannten digitalen Spuren komme, so informiert eine Beschlussvorlage des schleswig-holsteinischen Innenministers und des Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Hans-Joachim Grote (CDU) „‚eine immer größere Bedeutung‘ bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen und terroristischen Bedrohungslagen zu“.

In der Beichte tragen wir immerhin das vor Gott, wo wir konkrete Fehler gemacht haben „in Gedanken, Worten und Taten“. Keiner von uns ist fehlerfrei, was praktizierenden Christen und allen anderen Mitbürgern erfahrungsgemäß allein schon dann regelmäßig auffällt, wenn wir die Polizei auf der Straße auftauchen sehen und den Fuß vom Gas nehmen. Katholische und orthodoxe Christen bekennen ihre Schuld in der Ohrenbeichte. Auch gläubige evangelische Christen nutzen teilweise die Möglichkeit, ihre persönliche Schuld stellvertretend vor einem evangelischen Pfarrer, ihrem Hauskreis oder einem anderen gläubigen Christen auszusprechen. Schon Dietrich Bonhoeffer (hingerichtet 1945 im Konzentrationslager) empfahl dies - und ich kenne evangelische Christen, die diese evangelische Art der Beichte regelmäßig praktizieren.


Unsere großen leuchtenden Vorbilder im Ringen um den Glauben und um ein christliches Leben – wir nennen sie in der katholischen, der orthodoxen und gelegentlich sogar in der protestantischen Tradition „Heilige“ – hatten ein besonders geschärftes Sündenbewusstsein, vermutlich haben viele von ihnen längere und ausführlichere Beichten abgelegt als wir das je können. Wir Christen kehren unsere Vergehen ja nicht unter den Teppich, sondern holen diese unschönen Dreckhaufen – im Bild gesprochen – vor und tragen sie reumütig vor das Angesicht Gottes. Niemand von uns braucht dabei heimliche Mithörer.

Falls aber das, was Sie in Ihrer Beichte bekennen, strafrechtlich relevant sein sollte – und damit tatsächlich ein Fall für unsere Sicherheitsbehörden – dann wird Sie ein verantwortungsbewusster Seelsorger sowieso dazu auffordern, sich den Behörden zu stellen. Bei Katholiken gibt es die sakramentale Absolution für das abgelegte Geständnis dann möglicherweise erst in der Untersuchungshaft. Ich hoffe natürlich sehr, dass dies keinen meiner Leser betreffen wird.

Ihr Smartphone darf, wenn Sie in die Kirche gehen, also mal Pause machen, sofern Sie nicht gerade Rufbereitschaft als Arzt, als kath.net-Redakteur oder Eltern jüngerer Kinder haben.

Vergessen Sie nicht, auch Ihren Beichtvater und Ihre christlichen Freunde im Hauskreis darum zu bitten, das Smartphone bei seelsorgerlichen Gesprächen am besten in der Sakristei oder im Auto zu lassen.

Doch die Sorge um die Datensicherheit betrifft nicht nur Ihre sehr persönlichen Gespräche mit anderen. Denn: Neigen Sie dazu, dem Herrn in der persönlichen Gebetszeit zu Hause auch mal ungeschminkt das Herz auszuschütten? Das ist wundervoll - aber kümmern Sie sich zuvor Ihr Smartphone.

Was aber sollten Sie tun, falls sogar Ihre Heizung und Ihr Lichtschalter ferngesteuert sind und Sie trotzdem nicht darauf verzichten wollen? Tja - denken Sie daran: „Wer Sprachassistenten nutzt, kann sich relativ sicher sein, dass früher oder später auch ein Mensch zuhört“, schrieb Simon Hurtz in der „Süddeutschen Zeitung“ bereits vergangenen Sommer. Also Vorschlag: Dann reden Sie mit unserem Heiland am besten auf Ihrem handyfreien Waldspaziergang - wir bewegen uns eh alle viel zu wenig, nicht zuletzt dank all der Technologie, die uns jede Handbewegung abnimmt...

kath.net-Buchtipp:
Beichte konkret - Positive Erfahrungen mit dem Bußsakrament
Von Petra Lorleberg
Vorwort von Kardinal Paul Josef Cordes
Beiträge von: Paul Badde; Karl Wallner; Martin Lohmann; Michael Schneider-Flagmeyer; Dominik Schwaderlapp; Claudia Sperlich
Taschenbuch, 134 Seiten
2016 Dip3 Bildungsservice Gmbh
ISBN 978-3-903028-43-2
Preis Österreich: 9.80 EUR

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Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini Buchhandlung (Auslieferung Schweiz und Lichtenstein) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Titelblatt - Beichte konkret. Positive Erfahrungen mit dem Bußsakrament. Petra Lorleberg (Hrsg.)



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