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Damit die Männer ihre Identität finden und leben

11. April 2008 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Was Erzbischof Ludwig Schick den katholischen Männern zu sagen hat


Bamberg-Fulda (www.kath.net)
KATH.NET dokumentiert eine Predigt von Erzbischof Ludwig Schick, der in der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die Männerseelsorge zuständig ist.

1. Von der Bekehrung des Finanzministers der Kandake, der Königin von Äthiopien, berichtet heute die Lesung ausführlich. Warum eigentlich? Von dem Mann ist nicht einmal der Name bekannt bzw. wird nicht erwähnt und überliefert! Die Apostelgeschichte berichtet nur, dass er ein wichtiger Mann in der Politik war. Philippus machte ihn mit Christus bekannt. Dazu benutzt er einen Abschnitt aus dem Propheten Jesaja, den dieser Kämmerer gerade liest.

2. Warum liest der Kämmerer aus den Schriften des Ersten Testamentes? Die Antwort kann man nur vermuten! Wahrscheinlich, weil er sich als ein kluger Politiker und Diplomat näher mit der Kultur der Juden vertraut machen wollte. Zwischen Äthiopien und Israel gab es politische, wirtschaftliche und auch kulturelle Beziehungen. Der Finanzminister der Kandake sollte und wollte sie pflegen und ausbauen. Dafür war und ist es wichtig, dass man den Partner so gut wie möglich kennt. Die Schriften des Ersten Testamentes waren entscheidend und prägend für die Kultur Israels.

Aber der Kämmerer verstand nicht, was er las. Philippus, „gesandt vom Engel des Herrn“, gesellt sich ihm zu. Der Äthiopier las gerade eine schwierige Stelle im Propheten Jesaja, in der es um den Gottesknecht geht, „der wie ein Lamm vor seinem Scherer seinen Mund nicht auftat“. Philippus zeigt dem Kämmerer, dass damit Jesus Christus gemeint ist. Er hat alle Schuld der Welt bereitwillig auf sich geladen. Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen, um den Ungehorsam der Menschen zu tilgen. Er kann nun jedem, der ihn darum bittet, alle Schuld vergeben.

3. Aber noch einmal: Warum wird von diesem namenlosen Kämmerer so ausführlich berichtet? Die Apostelgeschichte will damit auch sagen, dass das Christentum und die Missionare von Anfang an auch in die Politik gegangen ist. „Gehet hin in alle Welt, macht alle Menschen zu meinen Jüngern, lehrt sie zu halten, was ich euch aufgetragen habe und tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes,“ diese Sendung war für die Jünger Auftrag, das Evangelium auch in die Politik, in die Wirtschaft und in die Kultur zu tragen.

Philippus geht anschließend nach Caesarea, die politische Hauptstadt Israel. Petrus und Paulus nach Rom, um in der Welthauptstadt das Evangelium zu verkünden. Die Kirche hat von Anfang an, die Botschaft Christi in die Politik, Kultur und Wirtschaft getragen.

4. Liebe Verantwortliche für die Männerarbeit! Was bedeutet das eigentlich heute für uns? Es bedeutet, dass wir als Kirche diesen Aspekt, Christentum in die Politik, Wirtschaft und Kultur, Katholiken in die Parlamente, niemals vernachlässigen dürfen. In den letzten Jahren haben wir uns in der Kirche um die Seele der Männer gekümmert. Es war und ist wichtig, dass die Männer Spiritualität haben, um mit ihrem Leben, mit ihrem Frust, mit ihrem Ringen um ihre Identität, ihre Stellung in Ehe und Familie, in Beruf, Gesellschaft und Freizeit fertig zu werden. Aber daneben darf nicht vergessen werden, dass kirchliche Männer - und auch Frauenarbeit -, auch für die Politik, für die Wirtschaft und für die Kultur bereiten muss. Wir, die Kirche, müssen das tun und unsere Gesellschaft braucht Christen und Katholiken in der Politik, Wirtschaft und Kultur.

5. Wir leben in einer Zeit der Politikverdrossenheit. Die mangelnde Wahlbeteiligung, das mangelnde Engagement in der Politik, in der Wirtschaft und in der Kultur zeigen es. Das darf nicht so weitergehen! Wir brauchen eine aktive „Bürgergesellschaft“ für unsere Zukunft. Es muss eine Trendwende, einen Umschwung geben. Dafür muss sich Kirche engagieren. Die mangelnde Christentumspräsenz in der Politik muss auch anders werden. Betrachten wir die Stammzellenforschungsdiskussion. Die Christen, vor allem Katholiken - nicht alle - lehnen die Verlegung des Stichtages ab und leisten damit einen Beitrag gegen die sogenannte „verbrauchende Embryonenforschung“. Es sind aber zu wenige. Katholiken setzen sich für den Schutz des Lebens von Anfang an und damit für die Würde des Menschen und seines Rechtes zu leben, von der natürlichen Empfängnis bis zum natürlichen Tod, ein.

Oder sehen wir den Sonntagsschutz. Christen und Katholiken verhindern, dass sich der Werktag immer mehr ausbreitet und die Sonn- und Feiertage verschwinden. Wenn es keinen Sonntag mehr gibt, dann gibt es nur noch Werktage. Wenn es nur noch Werktage gibt, dann geht es dem Menschen schlecht. Dann hat er keine Zeit mehr, Gott zu ehren und so den Sinn und die Freude des Lebens immer wieder zu erneuern.

Dann fehlt die Zeit für die Familie, die Mitmenschen, die Vereine und Freunde. Christen und Katholiken müssen den Sonntag und den Feiertag schützen gegen die krebsartige Ausbreitung von Arbeit und Werktag immer und überall, die alles zerstört. Wir brauchen mehr Christen und Katholiken in der Politik, um mehr Friedensstrategien und Forderungen nach Entwicklung der Entwicklungsländer auch in die internationale Politik zu bringen. Christen - und als Verantwortlicher für die Weltkirche spüre ich es allüberall - setzen sich dafür ein, dass die Entwicklungshilfe verstärkt und nicht geschwächt wird.

Sie fordern Friedenspolitik gegen Kriegsstrategien. Sie fordern Verbot von Waffen- und Rüstungsexporten ein. Ich könnte die Beispiele fortsetzen zum Beispiel Einsatz für die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Irak, für die Integrationspolitik. Wir brauchen Christen, die ein Auge dafür haben, wo Menschen wirklich in Not sind und bereit sind zu helfen.

6. Liebe Männer, liebe Verantwortliche in der Männerarbeit! Ob in der Männerarbeit vor Ort, ob in Kolping, KAB, BDKJ und auch die Frauenverbände wie KFD oder KDF waren Kaderschmieden für zukünftige christliche Politik. Das müssen sie auch bleiben oder wieder werden. Die Stärke der Katholischen Kirche bestand und besteht immer darin, dass sie Seele und Leib im Blick hat, dass sie den Einzelnen und die Gesellschaft zu fördern trachtet, dass sie die Erde sieht und deshalb Klimaschutz, Moral und Solidarität einfordert und zugleich den Himmel als ewige Heimat des Menschen als sein eigentliches Ziel verkündet.

Die Lesung heute macht uns darauf aufmerksam! Wir sollen dafür sorgen, dass katholische Männer und Frauen eine gesunde Seele haben, aber auch tatkräftig in der Politik, in der Wirtschaft und in der Kultur mitwirken. Wir müssen darauf achten, dass die Männer ihre Identität finden und leben. Dazu gehört auch, dass sie politisch und gesellschaftlich tätig sind. Unsere Männerarbeit muss darauf achten, dass der Mikrokosmos eines jeden Mannes zufriedenstellend und stimmig ist. Sie muss aber auch darauf wirken, dass der Makrokosmos, der gesellschaftliche, der politische, der internationale gesund ist und Fortschritte macht. Männer müssen auch Väter der Nation sein.

7. Liebe verehrte Männer, liebe Verantwortliche! Machen wir uns diese Aufgabe für unsere Männerarbeit bewusst. Jesus selbst hat im stillen Kämmerlein gebetet und ist auf die Marktplätze gegangen. Er hat vor den Verantwortlichen Pontius und Pilatus, dem Hohen Rat der Juden und vor Herodes bekannt, was den Menschen nutzt, ihm dient und das eingefordert. Er hat sich eingemischt in die gesellschaftlichen Verhältnisse. "Er hat sein Leben gegeben für das Leben der Welt", so heißt der Schlusssatz des Evangeliums heute. Das ist auch uns heute aufgetragen, auch in Politik, Wirtschaft und Kultur.

Amen.

Foto: © DAK



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