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Wo findet Europa seine 'Seele'?

vor Minuten in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Der Euro hat endgültig die alten Währungen abgelöst. Ist der Abschied von ihnen zugleich ein Symbol für die Verabschiedung bisher geltender Werte und Lebensformen? Ein Kommentar von Dr. Josef Spindelböck


Mit der Einführung des Euro wurde eine in ihren Folgen unabsehbare wirtschaftliche Dynamik verstärkt. Die friedliche Einigung des europäischen Kulturraums ist zu begrüßen, sofern sie nicht eindimensional erfolgt und bei aller Betonung der wirtschaftlichen Faktoren die geistig-kulturelle Identität neu zu begründen sucht.Alles wird davon abhängen, ob Europa seine „Seele“ findet. Diese kann von den Architekten des neuen Europa nicht ahistorisch aufgesetzt werden, sondern ist von den geistigen und kulturellen Wurzeln her zu entdecken, in Offenheit für neue Herausforderungen.

Weil faktisch das Christentum seinen prägenden Einfluß verloren hat, meinen manche, es habe sich grundsätzlich überlebt. Dabei wird vergessen, daß die freiheitlich-demokratische Kultur in ihrer Humanität von Voraussetzungen lebt, die sie nicht selber schaffen kann. Eine wesentliche Grundlage dafür ist ein mit innerer Überzeugung gelebtes Christentum. In der Botschaft dessen, den die Kirche als den menschgewordenen Sohn Gottes verkündet, steckt eine Dynamik und ein Feuer, das die Glut unter der Asche des müden Europa wieder neu entfachen kann. Es ist die Botschaft universaler Liebe aus jener Kraft, die der Glaubende allein bei Gott zu finden weiß.

Der christliche Glaube vermag Hoffnung zu vermitteln gerade in Zeiten der Krise und des Umbruchs: Wenn das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe (mit Einschluß der Feindesliebe) ernst genommen wird, sind im Ansatz und in Verbindung mit entsprechender sachlicher Kompetenz die wesentlichen Herausforderungen für die Menschen auch im 3. Jahrtausend zu bestehen. Sofern die Christen zu ihrer Glaubensidentität stehen und sie leben, werden sie als Partner im Dialog der Religionen geachtet. Dies gilt nicht zuletzt gegenüber dem Islam, der seine Wertüberzeugungen mit Entschiedenheit auch bei uns durchsetzen möchte.

Die Frage stellt sich: Wo findet Europa seine Seele? Papst Johannes Paul II., der große europäische Visionär, wird nicht müde, eine Antwort vorzuschlagen, die sich geschichtlich schon oftmals bewährt hat. Sie lautet: Das wirkliche Fundament für das neue Europa kann nur in der erneuten Besinnung auf den christlichen Glauben als Element einer umfassenden humanen Kultur gelegt werden. Dann wird er wie ein Sauerteig auch für die Zukunft ungeahnte positive Wirkkräfte entfalten!

Der Autor ist als Priester und Moraltheologe in der Diözese St. Pölten tätig.

Link-Tip: www.stjosef.at



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