16 Februar 2008, 08:10
Steht auf, wenn ihr Christen seid!
 
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Bei der "Grünen"-Attacke auf das Christival geht es ans Eingemachte - Niemand sollte glauben, dass sich diese Intoleranz nur auf das Gebiet der Homosexualität beschränken wird - Ein Kommentar von Ulrich Parzany

Berlin (kath.net/idea)
Bei den Angriffen des Bundestagsabgeordneten der Grünen Volker Beck auf das Christival wegen eines geplanten Seminars über Hilfen für Menschen, die ihre homosexuellen Neigungen als Not empfinden, geht es offensichtlich um grundsätzliche Fragen von Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, also auch Freiheit der Verkündigung in Deutschland. Ich verstehe und unterstütze die Reaktion der Verantwortlichen des Christival, das kritisierte Seminar angesichts der Angriffe nicht durchzuführen, weil den Teilnehmenden des Seminars der notwendige seelsorgerische Schutzraum nicht gewährleistet werden kann. Zugleich muss dieser Vorgang die Christen im Lande wachrütteln. Es geht nicht nur um das begrenzte Thema, wie einzelne Menschen Homosexualität ethisch beurteilen. Dass Herr Beck und die mit ihm verbundenen Gruppen anderen nicht einmal die Freiheit zugestehen, dass sie ihre homosexuellen Empfindungen als Problem sehen können und nach Hilfen suchen, die nicht im Ausleben der Homosexualität liegen, zeigt, dass es hier um Grundfragen unseres Freiheitsverständnisses geht. Die an biblischen Aussagen orientierte ethische Kritik an praktizierter Homosexualität wird nicht nur als Kritik am Verhalten von Menschen, sondern als Diskriminierung ihrer Identität und damit als Verletzung ihres Grundrechtes angesehen. Eine solche ethische Sicht wird anderen darum nicht einmal als selbstgewählte Möglichkeit zugestanden.

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Niemand sollte glauben, dass sich diese Intoleranz nur auf das Gebiet der Homosexualität beschränken wird. Mit der gleichen Logik lässt sich die christliche Verkündigung, dass der Mensch in seiner Gottlosigkeit unter dem Gericht Gottes steht und nur durch Christus gerettet werden kann, als Diskriminierung des selbstbestimmten Menschen, der nicht an Gott glauben will, beurteilen. Schon das Bekenntnis der Christen zu Gott, dem Schöpfer der Welt, kann so gesehen werden. Soll damit etwa unterstellt werden, dass Gott der Schöpfer aller Menschen ist und nicht nur derer, die an ihn glauben? Die aggressiven Reaktionen selbst auf die vorsichtigsten Versuche, die Evolutionstheorie als Theorie und nicht als allein wahres Dogma zu verstehen, zeigen, dass hier ein wunder Punkt getroffen wurde. An Gott, den Schöpfer, darf man offensichtlich nur glauben, wenn man zugleich augenzwinkernd zu verstehen gibt, dass dieser Glaube nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, sondern in das Reich der Märchen gehört. Halten diese Kritiker uns Christen eigentlich alle für Heuchler oder Vollidioten, wenn wir im Gottesdienst das Apostolische Glaubensbekenntnis sprechen?

Die Tonart in der angeblich so toleranten postmodernen Gesellschaft wird rauher. Toleranz gilt offensichtlich nur für die, die das Grunddogma "Alles ist gleich gültig, nichts ist verbindlich wahr für alle" glauben. Wer dem nicht wenigstens stillschweigend zustimmt, ist Fundamentalist und muss als Bedrohung für die Freiheit bekämpft werden. Hallo, ihr liberaleren Christen, fühlt euch nicht zu sicher, wenn ihr euch von den Evangelikalen distanziert! Die Fundamentalismuskeule reicht auch bis zu euch. Prof. Ulrich Beck (Uni München) - ein Beck kommt selten allein -, hat es pünktlich zu Weihnachten in der ZEIT angekündigt: "Das Samenkorn religiös motivierter Gewalt liegt im Universalismus der Gleichheit der Glaubenden begründet, die den Anders- oder Ungläubigen entzieht, was sie dem Glaubenden verheißt: Menschenwürde, Gleichheit in einer Welt von Fremden. Das ist die Sorge, die um sich greift: dass als Kehrseite des Versagens der Säkularisierung, ein neues Zeitalter der Verfinsterung droht. Die Gesundheitsminister warnen: Religion tötet. Religion darf an Jugendliche unter 18 Jahre nicht weitergegeben werden." (Ulrich Beck, Gott ist gefährlich, DIE ZEIT Nr. 52, 19. 12. 2007)

Zugegeben, wir Christen genießen die Freiheit, die wir in unserem Rechtsstaat bisher haben. Und wir werden alles tun, um diese Freiheit zu erhalten - auch für unsere Gegner. Allerdings muss man realistisch sein. Jesus hat seinen Leuten nicht versprochen, dass sie ihren Glauben unbekümmert in Freiheit leben und äußern können. Nur eins muss klar sein: Auch wenn uns diese Freiheit nicht zugestanden wird, werden wir Gott mehr gehorchen als den Menschen. Hoffentlich! Daran werden sich manche Christen erst wieder gewöhnen müssen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht - von bequemer Freiheit verwöhnt - selbst die Schere im Kopf betätigen und uns aus Feigheit den Mund verbieten. Wie man am Christival-Beispiel sehen kann, werden unsere ach so toleranten Kontrahenten durch Nachgeben nur ermutigt, umso dreister draufzuhauen. Nein, Gefängnis droht nicht so schnell. Erst einmal Streichung der staatlichen Zuschüsse, falls man sie erhält. Dann muss es wenigstens nicht mehr heißen: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing." Steht auf, wenn ihr Christen seid!

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