Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  2. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  3. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  4. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  5. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  6. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  7. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  8. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  9. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  10. Gericht verhandelt über Diskriminierung einer Lebensschutzgruppe an der Uni Heidelberg
  11. Kardinal Koch betont den zutiefst christozentrischen Charakter des Pontifikats von Papst Leo XIV.
  12. Viel Lärm um nichts?
  13. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  14. Papst um Entspannung bemüht: Reden in Afrika sind keine Fern-Debatte mit Trump
  15. Renaissance des Glaubens: Amerikas junge Männer kehren in die Kirchen zurück

Wo ist Timothy Mc Veigh?

vor Minuten in Spirituelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Es war vor acht Tagen: Der Tod von Timothy Mc Veigh, spektakulär inszeniert von den US- Medien, könnte Anlass sein, um über das eigene Leben nachzudenken. Worte zum Nachdenken von P. Robert Bösner


Wien(www.kath.net)
"Wo kommt Timothy McVeigh jetzt hin?" Nach der sauberen TV-Inszenierung derVollstreckung des Todesurteiles an dem aus Verzweiflung zum Bombenleger mit158 Todesopfern gewordenen Timothy Mc Veigh stellen sich viele Amerikanerdiese Frage. "In die Hölle!" sagen voll Abscheu über die Tat vor allem dieAngehörigen der Opfer und jene, die nach Vergeltung rufen. "An den Ort der innerenReinigung" meinen andere, und sie sind bereit für ihn zu beten. Zur gleichenZeit werben wieder andere mit viel Aufwand an "christlichen" Motiven dafür,dass die ganze amerikanische Öffentlichkeit dem schuldig gewordenen Timothyvergebe, damit er - nach all der Mühsal dieses Lebens - in den Himmel komme undan seinem Fall die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten abgschafftwerde.

Denn der Anschlag auf das Regierungsgebäude in Oklahoma-City mit den 158Toten war, wie sie mit Recht sagen, die Verzweiflungstat eines unglücklichenMenschen, der seine ganze Kindheit in einer zerbrochenen Familie unterzermürbenden Umständen verbracht hat, und der dann während seines "Dienstes für dieHeimat" als Soldat das äusserst fragliche seelische Abhärtungsprogramm desMilitärs über sich ergehen lassen musste. Der etwa im Paradeschritt gehen unddabei singen musste: "Kill! Kill! Kill! Mit Blut wächst Gras viel besser". Undder dann - zum Golfkrieg versetzt- dort mit anderen den Auftrag bekam, mitdem Panzer notfalls auch lebende Irakis zu überfahren. Die sich darausergebende Konsequenz: dass die "guys" dann die Leichenteile aus den Rädern derPanzerketten herauslösen mussten, um bei der nächsten Inspektion wieder einsauberes Gerät präsentieren zu können.

Wo gehört Timothy nun hin? In die Hölle der Rachsüchtigen? In denReinigungsort derer, die für ihn beten und alles andere Gott überlassen? Oder soll ervon der Vergebungsbereitschaft aller getragen in den Himmel kommen? Wer kannin solchen Zwickmühlen des Lebens die Entscheidung treffen? Nicht von ungefährhat Jesus unsere Aufmerksamkeit in dieser Frage in eine ganz andereRichtung gelenkt, wenn er sagt: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtetwerdet!"

Den interessierten Fernsehkonsumenten erscheint der Hinweis Jesu wie eineThemenverfehlung: dass es nämlich nicht nur ein Gericht über den vom Fernsehen"zum Abschuss" freigegebenen Timothy gibt, sondern auch ein Gericht über die- durch das Fernsehen "bedienten" - Zuschauer. Und für die Regisseure und diePräsentatoren dieser Sendungen. Mit anderen Worten:Wir sollten uns nicht nurGedanken darüber machen, was mit Timothy nach seinem Tode geschieht, sondernauch darüber, was mit uns, dem geneigten Publikum, nach dem eigenen Todegeschehen wird. Dann schaut nämlich die Beurteilung der eigenen und der fremdenLebensfragen ganz anders aus.

TV-Verantwortliche wissen genau, dass viele Menschen diese oft grausame Artvon Berichterstattung eigentlich sehr mögen. Denn sie nehmen sie als eingroßes "Entlastungsmanöver", das sie von einer viel wichtigeren Frage ablenkt.Es ist die bohrende Frage, die jeder mit sich herumträgt und die er meistensverdrängt: "Wie werde ich das Urteil, das über mich selbst einmal ergehenwird, bestehen?" Wenn man sich fortwährend über eine große Katastrophe oder einUnglück heftig entrüsten oder über die Rätsel des Lebens nachsinnen kann,dann ergibt sich die "wohltuende" Gelegenheit, dass man seine unaufgearbeitetenGrundfragen vergisst.

Der Fall McVeigh und seine Vorgeschichte könnten aber viel mehr sein: ZumBeispiel eine große Erinnerungshilfe. Dass es uns einmal auch so ergehen kannwie den Opfern des Attentates von Timothy. Oder wie Timothy selbst, der fürsein verkehrtes Tun die Strafe empfing. Auch ich kann einmal unvermutet undplötzlich vor das Ende meines Lebens gestellt werden.

Freilich, so ein schrecklicher Ereignis unter diesem Gesichtspunkt zubetrachten, ist keine angenehme Sache. Wir sind es gewohnt, die ureigene Frage fastwie selbstverständlich zu verdrängen. Mit "Entrüstungs-Styropor" über andereLebensschicksale geht das noch dazu auf "selbstlose" Weise. Jesus hat sichbei seinen Zeitgenossen unbeliebt gemacht, indem er einmal sagte: "Ihr werdetalle einmal so umkommen ... wenn ihr euch nicht von eurem gedankenlosen Leben bekehrt und euch dem himmlischen Vater zuwendet!" (vgl. Lk 13,1 ff)

Für die aktuelle Frage, mit der sich viele Amerikaner beschäftigen, heisstdas im Klartext: Das, was uns interessieren sollte, ist nicht sosehr Timothy´s Leben nach dem Tod, sondern unseres. Das Leben ist lebensgefährlich, undgerade katastrophale Umstände können uns helfen darauf zu achten, wie es mituns nach diesem irdischen Leben weitergeht.

Ist das nicht Egoismus, wird jemand einwerfen, die großen Probleme deranderen an die zweite Stelle zu setzen? Wahrscheinlich gibt es kein anderes Motiv,um aus den leeren, aber aufgepeitschten Rachegelüsten an uns schuldiggewordenen Menschen herauszukommen, als an das eigene Gericht zu denken und an dasGotteswort: "Vergebt, dann wird auch euch vergeben". Gerade dieamerikanischen Bischöfe spüren dies und der Heilige Vater schließt sich ihren Bitten anden höchsten politischen Repräsentanten, (derzeit Präsident Bush) an, um indiesem Fall die Todestrafe nicht zu exekutieren.

Eine abschließende Überlegung: Was wäre mit uns geschehen, wenn wirgemeinsam erreicht hätten, dass das Todesurteil nicht vollstreckt worden wäre? Hätteuns das geholfen, uns wieder Gott zuzuwenden? Oder würden wir uns dannzufrieden zurücklehnen und mit der Genugtuung weiterleben, gemeinsam ein Lebengerettet zu haben, aber mit der Gefahr, das eigene zu verlieren, weil wir unserereigenen Propaganda - sprich: der Ablenkung von der Frage, wie es mitunserem Leben vor Gott weitergeht - geglaubt haben.

Timothy McVeigh´s Lebensschicksal ist jetzt in der Hand Gottes. Aber seinLeben ist auch ein aufwühlendes Bild für unser eigenes Leben. Jesus istzwischen zwei Schächern gekreuzigt worden. Zu welchem von beiden gehört Timothy,gehören wir? Diese Frage bleibt offen, so wie im Evangelium bei den zwei Söhnendes barmherzigen Vaters. Wird der "im Guten Verhärtete", aber eigentlichunselbständige, ältere Sohn die Einladung des guten Vaters annehmen und zumFestmahl kommen oder in der Verweigerung verharren? Wo ist Timothy hingekommen?Von meiner, von unserer Antwort auf diese Frage wird abhängen, wo i c h, wo wir hinkommen...
[Copyright by www.kath.net]



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Todesstrafe

  1. USA: Mörder eines Pastors fordert Todesstrafe für sich selbst
  2. US-Katholiken mehrheitlich für die Todesstrafe
  3. Wollte Papst Franziskus von den Missbrauchsskandalen ablenken?
  4. Todesstrafe: US-Bischöfe begrüßen Änderung des Katechismus
  5. Franziskus: Todesstrafe ist unzulässig und gehört abgeschafft
  6. Franziskus will absolutes Nein zur Todesstrafe im Katechismus haben
  7. Bischof gegen Todesstrafe für Charleston-Attentäter
  8. Papst: Todesstrafe unter keinen Umständen zu rechtfertigen
  9. Erzbischof Schick gegen Todesstrafe für Boston-Attentäter
  10. USA: Katholiken und Evangelikale gegen die Todesstrafe







Top-15

meist-gelesen

  1. Große SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  3. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  4. "Derselbe Polarstern"
  5. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  6. Ein Brief vom Papst an die Kardinäle und der Stilwechsel in Rom
  7. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  8. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  9. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger
  10. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  11. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  12. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  13. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  14. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  15. „Die Generation Z, die in Manhattan zur Messe kommt, sucht keine alternative Clubszene“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz