07 November 2006, 09:44
Fulda: ‚Vertrauen der Bistumsleitung in den Orden zerstört’
 
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KATH.NET sprach mit dem Bistum Fulda über die "Entpflichtung" der 3 SJM-Priester und dokumentiert zwei Leserbriefe aus der "Tagespost" von Dechant Stefan Buß und Pater Hans-Peter Reiner.

Fulda (www.kath.net)
Der Rauswurf von drei Priestern der Kongregation „Servi Jesu et Mariae“ (SJM) aus dem Bistum Fulda sorgt nach wie vor für Diskussionen. KATH.NET hat am Montag beim Pressesprecher des Bistums Fulda nachgefragt. Christof Ohnesorge betonte, für das Bistum sei es „kein Rauswurf“ gewesen sondern eine „Entpflichtung“.

Die „Servi Jesu et Mariae“ sind eine Kongregation päpstlichen Rechts, die ihren Hauptsitz in Blindenmarkt in der österreichischen Diözese St. Pölten hat. Ordensoberer ist Pater Andreas Hönisch. Die Kongregation wurde 1994 aufgrund der Befürwortung durch den St. Pöltner Diözesanbischof Kurt Krenn durch die päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ errichtet.

Das Verhalten von Pater Hönisch sei „ursächlich“ für die „Entpflichtung“ gewesen, betonte Ohnesorge. „Dieser hat nicht dafür Sorge getragen, dass sich die Mitglieder seines Ordens in die seelsorgliche Konzeption des Bistums Fulda einordnen. Dabei war dies bereits im Gestellungsvertrag zwischen unserem Erzbischof Dr. Johannes Dyba und ihm vereinbart worden.“ Schon damals habe es diesbezüglich „Schwierigkeiten“ gegeben.

Der Pressesprecher verwies auch auf einen Leserbrief von P. Reiner in der „Tagespost“ vom 25. Juni 2005 mit dem Titel „Es wird Zeit, dass Rom einschreitet“. Mit diesem „verweigernden Verhalten“ der drei Patres sei der Widerspruch gegenüber der Pastoral des Bistums „in extremer Weise“ zum Ausdruck gebracht worden.

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Ohnesorge verwies auf einen weiteren Punkt, der das „Vertrauen der Bistumsleitung in den Orden zerstört hat und keine Zusammenarbeit mehr möglich“ macht: Pater Hönisch habe zwei an ihn persönlich adressierte Briefe von Bischof Heinz Josef Algermissen durch die Patres der pfarrlichen Öffentlichkeit weitergegeben. Dies sei ein „inakzeptables Verhalten“. Die Konsequenz von allem: „Die drei Patres sind endgültig mit Wirkung vom 1. Dezember 2006 entpflichtet.“

KATH.NET dokumentiert jene zwei Leserbriefe an die „Tagespost“, die in diesem Zusammenhang von Interesse sind:

Leserbrief 1: Kooperative Seelsorge: Der Pastorale Prozess im Bistum Fulda – Von Dechant Stefan Buß (Freigericht-Bernbach) in der „Tagespost“ am 23. Juni 2005

Als Pfarrer und Dechant des Bistums Fulda möchte ich zu der Diskussion der letzten Wochen um den Pastoralen Prozess im Bistum gerne Stellung nehmen. Immer wieder erscheinen in Ihrer Zeitung Leserzuschriften zu diesem Thema. Aus meiner Sicht möchte ich folgendes dazu sagen: Wir leben in einer Zeit gesellschaftlicher Veränderungen, die auch Auswirkungen auf die Kirche haben.

Auf diese veränderten Bedingungen müssen wir in unserer Zeit auch in kirchlicher Hinsicht reagieren. Zunächst ist einmal festzustellen, dass Veränderungen und Umstrukturierungen, wie sie in der Diözese Fulda vorgenommen werden, nichts Neues sind und viele andere deutsche Bistümer dies schon vor längerem getan haben oder sich in ähnlichen Prozessen befinden. Die seelsorgliche Situation in unserem Land macht größere Einheiten notwendig, weil es die Zusammenarbeit und das Zusammenwirken der Gemeinden und Mitarbeiter fördert.

Es ist eindeutig festgeschrieben, dass sich die Pfarreien nicht auflösen und selbstständig bleiben. Viele pastorale Aktivitäten, die in der kleinen Pfarrei nicht mehr möglich sind, gewinnen neu an Bedeutung im Zusammenwirken mehrerer. Ich habe gerade damit in meinem Dekanat Gelnhausen sehr positive Erfahrungen.

Einen Zusammenhang herzustellen zwischen den Pastoralverbünden und der Entwicklung der Priesterberufungen, finde ich völlig aus der Luft gegriffen. Sie sind im Gegenteil eine Antwort auf den bereits herrschenden Mangel an Priestern. Dieser Pastoral eine Provokation zum Rückgang von Berufungen zu unterstellen, wie es etliche tun, ist unsachlich. Dieser Rückgang zeichnete sich in den letzten Jahrzehnten schon ab, als noch nicht von Pastoralverbünden die Rede war.

Die Existenzberechtigung unserer Gemeinden liegt nicht nur an der Person des Priesters, der vor Ort wohnt. Das Zweite Vatikanum unterstreicht deutlich auch das allgemeine Priestertum und die Charismen der Getauften und Gefirmten. Was wäre der geweihte Priester ohne Geistbegabte, getaufte und gefirmte Laien, die ihren Dienst in und an der Kirche wahrnehmen? Manche behaupten, in den zukünftigen Verbünden gebe es ein Zwei-Klassen-Priestertum, was ich für wenig fundiert halte.

Der Begriff des Priesters ist nicht austauschbar: Priester ist Priester, unabhängig von seiner jeweiligen Funktion und Aufgabe. Hier mit Begriffen wie Manager oder Hilfsgeistlicher zu operieren, oder gar Ober- und Unterpfarrer, ist dieses Standes unwürdig und übersieht - bewusst? - sein eigentliches Wesen. Ich frage mich, welche Motivation bewegt einen jungen Menschen, Priester zu werden? Ist es die Tatsache kanonischer Pfarrer in einer Gemeinde zu werden, wobei die meisten bis vor einem halben Jahr diesen Begriff überhaupt nicht in ihrem Wortschatz kannten?

Meine Motivation, Priester zu werden, war jedenfalls eine andere. Viele Priester stöhnen angesichts der Tatsache wachsender Verwaltungsaufgaben. Der mitarbeitende Priester wäre frei für die seelsorglichen und eigentlichen priesterlichen Aufgaben; sollte das ein "Zwei-Klassen- Priestertum" sein? Nein, es ist vielmehr das Wesentliche priesterlichen Wirkens. Mit dem Maß der Auseinandersetzung mit dem Pastoralen Prozess schwindet die Angst vor irgendwelchen Gefährdungen des kirchlichen Lebens in unseren Gemeinden.

Ich als Priester erlebe diesen Umgang als konstruktiv und fruchtbar. Schade, dass deren größte Kritiker Gelegenheiten wie den Priestertag und andere bistumsinterne Diskussionsforen nicht nutzen, es aber nötig haben, in der Presse für Furore zu sorgen und engagierte Laien wie Priester zu verunsichern. Es geht nicht darum eine Kirche nur nach eigenem Gutdünken zu bauen, wie es militante Kreise unterstellen, sondern sich den Erfordernissen der Zeit zu stellen.

Die Kirche ist nicht auf uns gebaut, aber Christus baut seine Kirche in der jeweiligen Zeit mit uns und wir sind beauftragt, die Zukunft zu gestalten. In diesem Sinne spreche ich für viele leise, aber treue und zuverlässige Priester und Laien, die den Weg mit unserem Bischof für eine gute Zukunft der Kirche von Fulda gehen.

Leserbrief Nr. 2: Kooperative Seelsorge: Zur Einführung von Pastoralverbünden im Bistum Fulda - Es wird Zeit, dass Rom einschreitet – Von Pater Hans-Peter Reiner SJM vom 25. Juni 2005

Der Autor des Leserbriefes („Jetzt sind größere Einheiten notwendig“, DT vom 23. Juni) spricht von den Folgen gesellschaftlicher Veränderungen für die Kirche. Er sollte eigentlich wissen, dass sich die Kirche nicht dem Zeitgeist anpassen darf, sondern ihm gegebenenfalls ins Angesicht widerstehen muss. Wer die seit mehr als drei Monate anhaltende Mediendiskussion um die Pastoralverbünde im Bistum Fulda mitverfolgt hat, wird feststellen, dass Dechant Buß Thesen auflistet, die schon längst widerlegt sind.

Ihm sei geraten, sämtliche Veröffentlichungen der vergangenen Monate durchzuarbeiten. Dann wird er feststellen, dass das Bistum Fulda eben keine Pastoralverbünde nötig hat. Er schreibt ja selber, dass er bereits in seinem Dekanat positive Erfahrungen im Zusammenwirken mehrerer Pfarreien gemacht hat. Also: Wenn Kooperation innerhalb der Dekanate möglich ist, warum dann Pastoralverbünde?

Was den Priesternachwuchs betrifft, so gibt es hinter vorgehaltener Hand im Fuldaer Priesterseminar sehr kritische Stimmen zu den intendierten Strukturveränderungen. Dass die Existenzberechtigung unserer Gemeinden nicht nur an der Person des Priesters, der vor Ort wohnt, liegt, hat niemand behauptet. Aber ein Pfarrer kann schlecht für 10 Pfarreien der einzige Pfarrer mit allen Rechten und Pflichten, ein sogenannter „kanonischer Pfarrer“, sein.

Denn seine Tätigkeit als Pfarrer schließt kraft Amtes die volle Seelsorge ein und das ist bei einer so großen Zahl von Pfarreien unmöglich. Ein Team aus Hilfsgeistlichen und hauptamtlichen Laien ersetzt keinen Pfarrer. Wenn Pfarreien aber keine Pfarrer mehr haben, gehen sie praktisch auseinander. Theoretisch bleiben sie natürlich bestehen.

All das schließt nicht aus, dass ein Pfarrer durchaus zwei oder drei Pfarreien leiten kann. Von daher ist der Wohnsitz in der Tat unerheblich. Dechant Buß spricht vom Stöhnen vieler Priester angesichts wachsender Verwaltungsaufgaben. Dies halte ich für eine unbewiesene Tatsachenbehauptung. Ich habe allenfalls den Eindruck, dass es einige wenige sind, die darunter leiden. Und hier tut sich ein Grundproblem auf, das sich derzeit im Bistum Fulda abzeichnet.

Man will aus gewissen Ausnahmesituationen ein diözesanweites Konzept erstellen. Was die Teilnahme am Priestertag angeht, so fehlten auffallend viele junge Geistliche. Und das hat eine Ursache. Viele fühlen sich im Pastoralen Prozess übergangen und nicht ernst genommen. Zahlreiche Gespräche und schriftliche Eingaben an den Bischof und an das Generalvikariat blieben unbeantwortet oder für das weitere Procedere unbeachtet.

Das grundsätzliche Vorhaben der Gründung von Pastoralverbünden darf nach dem Wunsch der Bistumsleitung nicht in Zweifel gezogen werden. Deshalb hat sich vielleicht eine gewisse Resignation gerade unter den jungen Priestern ausgebreitet, denn sie sind es ja, die, wenn die Pastoralverbünde wirklich kommen, ausbaden müssen, was hier vom Schreibtisch aus geplant wird.

In anderen Bistümern steuert man teilweise schon wieder zurück und bereut so manche Veränderung der letzten Jahre. Der Leserbrief von Dechant Buß enthält meiner Meinung nach viel Unüberlegtes. Mittlerweile hat sich übrigens auch der Priesterrat hinter den Bischof gestellt und ihm in einer Erklärung seine volle Solidarität und Hilfe zugesagt.

Wen verwundert dies, wenn der Sprecher des Priesterrates und zwei weitere Mitglieder dem „Fuldaer Kreis für eine offene Kirche“ angehören? Dieser Kreis identifiziert sich ausdrücklich mit den Zielen des Kirchenvolksbegehrens der „Kirche von unten“. Langsam wird deutlich, wo der Wind herweht und wer zu den aktiven Förderern des Pastoralen Prozesses und seiner Ziele gehört. Es wird höchste Zeit, dass Rom einschreitet.

KATHPEDIA: Bistum Fulda

KATHPEDIA: Servi Jesu et Mariae

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