01 Dezember 2005, 08:56
Homopriester, Humanae vitae und die Männlichkeit
 
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Homosexuelle Sehnsüchte sind Symptome eines Gesamtdefizits in der emotionalen Entfaltung einer Person zu voller Männlich- bzw. Weiblichkeit. Auszüge eines Kommentars von Dr. Gerard J.M. van den Aardweg, Psychologe

Eine sehr vorsichtige Schätzung lautet, dass 10 Prozent der westeuropäischen Priester in irgendeiner Form homosexuell orientiert sind, aber an manchen Orten sind es vermutlich doppelt so viele. (In der gesamten erwachsenen Bevölkerung sind es kaum mehr als 2%) Hier ist ohne Zweifel etwas falsch gelaufen. Das Problem ist übrigens nicht spezifisch katholisch, denn in protestantischen Kreisen sieht es nicht anders aus.

Aus meiner persönlichen Erfahrung und von Kontakten in vielen west- und und nordeuropäischen Staaten weiß ich, dass viele männliche protestantische Pfarrer und Theologiestudenten homoerotische Neigungen haben, egal welcher Demonination sie angehören und wie stark sie der jeweiligen Lehre verbunden sind: Reformierte, Lutheraner, Anglikaner, evangelikale Anhänger der sogenannten Freikirchen.

Auch bezüglich der Theologiestudentinnen und Pastorinnen ist der Gesamteindruck der, dass Lesbierinnen überrepräsentiert sind, obwohl es hier schwieriger ist als bei den Männern, realistische Schätzungen anzustellen. Abgesehen davon: Obwohl fast alle protestantischen Kongregationen in der einen oder anderen Form homosexuelle Partnerschaften und homosexuelle Pastoren segnen, gibt es dennoch Spannungen zu diesem Thema.

Na schön - was ist denn nun so problematisch mit homosexuellen Priester und Mönchen, mit Homo-Diakonen, homosexuellen und lesbischen Laien in zentralen kirchlichen Funktionen, und lesbischen Nonnen (wobei letztere derzeit kaum Teil der Debatte sind, aber durchaus adressiert werden müssten)? Priester und andere geweihte Personen mit dieser Neigung können einen moralisch verwerflichen Einfluss ausüben, manchmal offensichtlich, manchmal verborgen, nicht selten sehr subtil; sei es in bester Absicht oder nicht, naiv oder nicht.

Im Fall des homosexuellen Studentenseelsorgers van Kilsdonk in Amsterdam war es besonders offensichtlich; jahrelang bewarb er unter den Studenten die Akzeptanz homosexueller Beziehungen und versuchte gelegentlich, Studenten mit entsprechender Neigung nahezukommen. In den U.S.A. erinnert sich vielleicht mancher an Fr. Burtchael von der Kongregation vom Heiligen Kreuz, zu jener Zeit Präsident der theologischen Fakultät der University of Notre Dame, der nach dem Erscheinen von Humanae Vitae zum Widerstand aufrief und der nach Vorwürfen der homosexuellen Belästigung und des Mißbrauchs von Studenten zurücktreten musste [die Mißbrauchsvorwürfe stammen von 1991, es gab keine Anklage und keine Verurteilung, Anm.]

Sobald einmal ein Priester oder Seminarist für sich selbst festgelegt hat, dass Homosexualität in Ordnung ist, kann man erwarten, dass er diesen homosexuellen Lebensstil verteidigt und oftmals mit missionarischem Eifer für berechtigt erklärt, offen oder verborgen. Es ist offensichtlich, dass er damit die ganze Lehre von gesunder Sexualität und Ehemoral in Frage stellt.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Priester oder Kirchenfürst mit homosexueller Neigung, wenn sie auf jeglichen homosexuellen Kontakt verzichten und ganz rechtgläubig sein wollen, in der Lage wären, Humanae Vitae und alles damit verbundene wirklich zu verstehen oder tief in ihrem Inneren dieser Lehre voll zuzustimmen.

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In der Praxis wird ein solcher - ehrlich um Treue zur Lehre bemühter aber homosexuell orientierter - Geistlicher zumindest gelegentlich ein gewisses Maß an Ambivalenz bezüglich [der kirchlichen Lehre widersprechendem] sexuellem Verhalten zeigen, einschließlich homosexuellen Beziehungen. Viele rechtgläubige holländische Katholiken mussten kürzlich mit Schmerz ein Zeitungsinverview von Fr. Antoine Bodar zur Kenntnis nehmen, in dem dieser rechtgläubige Priester von nationalem Ansehen erkennen ließ, wie ein Priester von diesen Gefühlen in seinem Inneren gespalten sein kann.

Einerseits erklärte er, dass Homosexualität eine Abweichung von der Normalität sei und er selbst es bevorzugen würde, normal zu sein. Andererseits erzählte er abgeklärt von seinen früheren Liebesbeziehungen; sie seien ehrlich und ernst gewesen, und als er seine letzte Beziehung abbrach, um Priester zu werden, war es für ihn weder eine Konversion noch ein Bruch mit der Sünde. (Man vergleiche das mit den Aussagen des Hl. Augustinus nach seinen heterosexuellen Affären)

Daher, so P. Bodar: "Wenn wir einander lieben - also auch dann, wenn wir einander umarmen und mehr - kann ich nicht sehen, was daran falsch sein soll." Einem Homo-Paar, das niemanden provoziert, würde er zweifelsohne die Heilige Kommunion spenden. Wie meint er weiter: "Gott ist kein Geizkragen."

Wie kann jemand mit solchen seltsamen und widersprüchlichen Ideen beispielsweise katholische Ehemoral lehren oder Gewohnheiten im Einklang mit Humanae Vitae im Eheleben seiner Schäfchen aufbauen? Wie will er den wahren Wert von Keuschheit darstellen und erklären? Dieses Beispiel zeigt, wie respektierte und teils sogar bewunderte Priester mit homosexuellen Neigungen ohne Absicht die Gläubigen in die Irre führen können; dieser Mann hat sich zu seiner Haltung bekannt, viele andere tun das nicht.

Die moralische Rechtgläubigkeit dieser Priester, Diakone, Pfarrer, protestantischen Pastoren, Moraltheologen und führenden Laien ist vordergründig und intellektuell, ohne jedoch vollständig in ihre Persönlichkeit und ihr Gefühlsleben integriert zu sein. Sie können ihre Zuneigungen - inklusive der erotischen Komponenten - gut begründen, verstehen nicht die Abneigung normaler Menschen gegenüber homosexuellem Verhalten, seiner Beflecktheit und der ganzen Atmosphäre, die es umgibt. Oft haben sie nur ein oberflächliches Verständnis der Liebe zwischen Mann und Frau und ihrer erotischen Dimension.

Es handelt sich also um einen Defekt. Gewiss, heterosexuelles Empfinden impliziert nicht notwendigerweise psychologische Reife in nichtsexuellen Belangen; aber im allgemeinen haben heterosexuelle Männer und Frauen (ohne heterosexuelle Anomalien) normale Männlichkeit respektive Weiblichkeit, haben normale männliche und weibliche Identifikation [Selbstbilder, Anm.]

Von Homosexualität betroffene Personen können diese volle Männlichkeit oder Weiblichkeit nicht erreichen, sie bleibt auch im besten Fall unvollständig. Daher führt eine rein sexuelle Betrachtung der Homosexualität zu Fehleinschätzungen, wenn man sie auf Priesterschaft und andere kirchliche Funktionen bezieht. Es geht nicht nur darum, ob der Priesteramtsanwärter ein Leben in Enthaltsamkeit führen könnte.

Selbst wenn diese letztgenannte Bedingung wichtig ist - auch in Anbetracht der Tatsache, dass homosexuelle Empfindungen tendenziell deutlich stärker obsessiv und dominierend wirken als heterosexuelle Empfindungen - muss man einiges mehr bedenken. Homosexuelle Sehnsüchte sind keine isolierten Triebe, sondern Symptome eines Gesamtdefizits in der emotionalen Entfaltung einer Person zu voller Männlich- bzw. Weiblichkeit. Das ist kein untergeordneter oder nebensächlicher Aspekt der Psyche. Mann oder Frau zu sein ist Teil der Substanz unserer geistigen Natur, Teil unserer persönlichen Identität. Aus dieser essentiellen Dimension des Daseins entstehen Beziehungen der eigenen Person zu anderen: Zu Erwachsenen des eigenen und des anderen Geschlechts und zu Kindern.

Ein Mann, der sich nicht wie einer der anderen Männer fühlen kann oder Frauen nicht aus seiner psychologischen Männlichkeit heraus verstehen und zu ihnen Beziehungen aufbauen kann, der leidet an einer ernsthaften Blockade in der Mensch-Mensch-Kommunikation. Das kann man nicht zufriedenstellend durch einfühlsames oder freundliches Benehmen kompensieren, ebensowenig durch verschiedene Rollen wie verständnisvoll, mitfühlend, oder - recht beliebt - durch das Darstellen des "lieben kleinen Jungen für seine Mutter" in der Begegnung mit Frauen. (Teil 2)

Ich stimme der Formulierung von Bischof Andreas Laun (Salzburg, Österreich) zu, einem Mann, der Menschen mit homosexuellen Problemen liebevoll und realistisch zu helfen versucht: "Kandidaten für das Priesteramt sollen ausgeglichene heterosexuelle Männer sein. Das ist eine unverzichtbare Bedingung für einen sehr guten Kontakt mit Verheirateten und jenen, die sich auf die Ehe vorbereiten."

Hier rufe ich nochmals jene Aufforderung aus Humanae Vitae von Papst Paul VI. ins Gedächtnis: "Für unsere Priestergeneration ist es eine der dringlichsten Aufgaben, für heilige Ehen zu arbeiten. Dies sollen die Bischöfe an der Spitze eurer Mitarbeiter, der Priester, mit Eifer tun." Aber wie wäre das für einen Mann möglich, der die nötige innere Fähigkeit und männliche Reife nicht besitzt? Und wir dürfen nicht vergessen, dass ein Priester mit homosexuellen Sehnsüchten und einer unreifen Männlichkeit morgen ein Bischof mit homosexuellen Sehnsüchten und einer unreifen Männlichkeit sein kann. Letztendlich ist es eine Frage der psychologischen Bewertung von zentralen beruflichen Fähigkeiten.

2. Unreife Männlichkeit manifestiert sich auch in der Vaterschaft, in der Rolle des Vaters. Ein durchschnittlicher Homo-Priester ist charakterologisch zu schwach, um die stärkeren und härteren Aspekte der Vaterschaft zu verkörpern: Wenn nötig eine feste, konsequente Führungsrolle zu übernehmen, zu korrigieren, zu erziehen und seine Autorität einzusetzen. Es scheint, als ob Priester und Bischöfe mit freundlichem und väterliche Zuneigung ausstrahlendem Wesen selten auch maskuline und feste Züge haben. Umso mehr sollte man diesen Punkt stärker bei der Auswahl von Bischöfen berücksichtigen.

Die genannten Persönlichkeitsdefizite sind eng verbunden mit der inherenten emotionalen Instabilität oder neurotischen Natur einer homosexuellen Orientierung. Wir können hier nur einige zentrale Wahrheiten über Homosexualität aufzeigen: Sie ist ein geschlechtlicher Minderwertigkeitskomplex, eine Art neurotischer Unreife oder psychischen Infantilismus/Puerismus aus einem unbalancierten Verhältnis zwischen Eltern und Kind oder zwischen Geschwistern und eine fehlgeschlagene Anpassung an Mitglieder des gleichen Geschlechts. Sie stammt aus Kindheitstraumata ebenso wie aus defektiven Verhaltens- und emotionalen Gewohnheiten.

Homosexuelle Anziehung bleibt bestehen, solange die betroffene Person sich nicht vollständig von den tiefsitzenden Neigungen zu kindlichen und juvenilen Gefühlen, Ansichten und Gewohnheiten befreien kann. (So wie mit anderen neurotischen Zuständen.) Seit einigen Jahrzehnten gilt es als unhöflich, das Kind beim Namen zu nennen, d.h. auf die offensichtliche inherente neurotische Natur einer sexuellen Devianz wie Homosexualität hinzuweisen. Das hat wichtige Auswirkungen sowohl auf das private als auch berufliche Umfeld der Betroffenen.

Eine ernsthafte holländische Studie (Universität Utrecht, 2001) zeigt auf, dass zwei Drittel der Homosexuellen - viel mehr als Heterosexuelle - Phasen von mentalen Zusammenbrüchen und Depressionen erleben, Angstzustände zeigen, psychosomatische Probleme haben usw. Dieses Bild erkennt man bei Homo-Priester wieder. Offiziell sollen wir glauben, dass alles, was dem sozialen Image von Homosexuellen irgendwie schaden könnte, als Diskriminierung zu verurteilen sei. Dennoch müssen jene, die diese oberflächlichen Erklärungen glauben, zur Kenntnis nehmen, dass Menschen mit homosexuellen Tendenzen ein größeres Risiko von Problemen im Beruf und in ihren sozialen Kontakten haben - emotionale Unruhe, Unreife, Neigung zu Depressionen, paranoide Tendenzen, Übersensibilität oder exzessive Selbstzentriertheit.

Priester, Diakone und andere Geistliche mit homosexuellen Neigungen sind hier keine Ausnahme. Oft machen ihre inneren Spannungen und Frustrationen sie unfähig, die Anstrengungen des pastoralen Dienstes, die Feindseligkeiten, Enttäuschungen und Einsamkeit zu ertragen. Wohlmeinende Priester, die mit Mühe homoerotischen Fantasien beherrschen können, bleiben dennoch empfänglich für Rückschläge, wenn sie mit schmerzhaften oder desillusionierenden Erlebnissen konfrontiert werden. Auf diese Weise gleiten sie eventuell in eine Art Doppel-Leben ab, der Priester neben dem Homosexuellen, wenn auch nur in ihrer Vorstellung oder einsamer Selbstbefriedigung.

Diese Gefahr ist umso größer, wenn ein Mann diese erotische Neigung als (wenn auch moralisch gefährlichen) Ausdruck einer besonderen Fähigkeit zur Sensibilität seiner speziellen Natur oder emotionalen Veranlagung versteht; oder wenn er frustriert oder in innerer Rebellion den Kampf aufgibt. In jedem Fall besteht das Risiko, dass jene, die dabei fallen, als unverschämte und verlogene Verführer oder Sexbesessene enden, deren Gewissen nicht mehr reagiert. Unverbesserliche Homosexuelle haben manchmal ein besonderes Charisma, mit dem sie in der Gesellschaft rasch aufsteigen; ähnliches gilt auch für die Kirche.

Wie überall bilden auch in der Kirche jene, die ihre homosexuellen Tendenzen nicht bekämpfen, kleine oder größere informelle Netzwerke, "Cliquen". Die Mitglieder solcher Cliquen helfen sich dann gegenseitig, z.B. mit Privilegien oder Jobs.

Vor einem Jahr veröffentlichte der Jesuit Stefan Kiechle, ein Novizenmeister in Nürnberg, seine diesbezüglichen Erfahrungen. Er sagte, dass in mehreren deutschen Seminaren und Orden homosexuelle Hierarchien existieren, die wie alle lichtscheuen geschlossenen Gesellschaften die anderen in ihrer Gemeinschaft von sich abhängig machen.

Das sind Tumore, die eine echte Gemeinschaft vereiteln und normale Männer abstoßen, wenn sie sie nicht selbst hinauswerfen. Das, was Kiechle beim Namen nannte, ist trotz gewisser Maßnahmen der letzten Zeit immer noch keine seltene Ausnahme. Mir stehen zuverlässige Informationen zur Verfügung, denen zufolge die Situation in gewissen europäischen Klöstern genauso aussieht.

Und es gibt Diözesen, wo das schattenhafte homosexuelle Netzwerk seine Fäden bei der Bestellung und Ernennung [höherer Positionen] ziehen kann; die Entfernung einzelner Personen aus ihrer Verantwortungsposition bedeutet nicht unbedingt, dass damit schon die Strukturen ausreichend bereinigt sind.

Der amerikanisch-brasilianische Priester Gino Nasini schrieb seine Doktorarbeit in Pastoralpsychologie (2001) über das Verhalten von offen homosexuell lebenden Priestern. Seine Beobachtungen könnten auch aus Europa stammen. "Normalerweise," so meint ein von Nasini zitierter brasilianischer Priester und Psychologe, "werden diese Priester von ihren Kollegen als intelligent, sehr kreativ, und effektiv beschrieben. Sie beeindrucken die Leute. Sie wissen, wie man andere für sich gewinnt, denn sie sind meistens einfühlsam und unterwürfig.

Andererseits agieren sie unehrlich, selten ohne versteckte Intentionen, und ihre innere Unzufriedenheit, ihre emotionale Frustration und fehlende Selbstkontrolle sind offensichtlich. Durch ihr sexuelles Verhalten wollen sie eine innere Leere füllen." Nasini fasst zusammen: "Sie beeindrucken in ihrer spirituellen und meditativen Art, mit femininen Gesten und einer Tendenz zur Passivität... Sie sind sehr gut informiert und sehr einflussreich. Sie hofieren gern die Mächtigen, spielen ihrer Umgebung etwas vor, und täuschen."

Die Erfahrung eines anderen Priesters war, dass gelebte Homosexualität unter Priestern oft einhergeht mit Formen von Aggression, Faulheit und pharisäischem Verhalten. Es gibt auch Bischöfe unter ihnen. Weiters listet Nasini die folgenden Eigenschaften und Gewohnheiten als typisch auf: "Zu intensiver Verkehr mit bestimmten ihnen untergeordneten Personen; eine Haltung des Mißtrauens; Autoritätsgehabe; starker Bezug zu Geld, um ihre Vertrauten damit zu gewinnen; manchmal Alkoholabhängigkeit; Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie und Depression; sich selbst als Opfer zu sehen; Trennungen unter den Menschen hervorrufen; die Tatsachen ignorieren und die Probleme für sich zu behalten."

Und: "Manchmal lebt er in innerer Einsamkeit und Oberflächlichkeit und wird seinen Kollegen gegenüber aggressiv. Mehr von Impulsen als von Vernunft geleitet, setzen manche ihre homosexuellen Beziehungen unter den Augen ihres Bischofs fort, bis sie an AIDS sterben. Unter den Homo-Priestern gibt es eine zunehmende Gruppenbildung, die vom Streben nach kirchlichen Karrieren und wirtschaftlicher Macht gekenntzeichnet ist: reiche Pfarren." Nasini beschönigt nicht, aber zu Recht, denn die Augen jener, die sie lieber geschlossen halten würden, müssen geöffnet werden. Besonders kritisch ist es, wenn Homosexuelle in der Kirche Karrieren anstreben, denn manchmal gelingt dieses Unterfangen, und es tauchen homosexuelle Bischöfe oder andere zentrale Figuren in hohen kirchlichen Positionen auf. Solche Ambitionen stammen aus einem neurotischen Bedürfnis nach Selbstbestätigung, Narzissmus, und von einer Flucht vor den Mühen und Plagen der täglichen pastoralen Arbeit, der sich einige dieser Männer aufgrund ihrer Persönlichkeitsdefekte und Charakterschwächen nicht gewachsen fühlen.

Die von Nasini studierten Homo-Priester gehören freilich zu der schlimmsten Kategorie, und von Mitgliedern dieser Gruppe darf man nicht auf jene Priester schließen, die in Enthaltsamkeit zu leben versuchen. Allerdings, gibt es aufgrund der oben erwähnten Erfahrungen kaum Gewissheit, dass diese bemühten Männer auf Dauer bestehen können. Man hört selten, wenn überhaupt, von einem Homo-Priester oder Seminaristen, der in der Nachfolge des Hl. Augustinus offen und demütig seine früheren homosexuellen Aktivitäten bereut und seine innere Umkehr bezeugt, selbst wenn seine homosexuelle Vorgeschichte ein offenes Geheimnis gewesen ist. Meine Schlussfolgerung ist daher, dass es höchst ungünstig wäre, Männer mit homosexuellen Gefühlen in das Priesterseminar, das Priesteramt oder andere kirchliche Funktionen zuzulassen.

Das Risiko, der Kirche und den Gläubigen zu schaden, ist einfach zu groß, und die betroffenen Personen setzen sich großen inneren Gefahren und Konflikten aus, aus denen sie nicht mehr entkommen könnten.

In gleicher Weise muss man bezüglich Frauen mit lesbischen Problemen zum gleichen Schluss kommen. Möglicherweise sind lesbische Neigungen eines wirklich leichten Grades unter Umständen als weniger schwerwiegend und daher weniger streng zu beurteilen, sofern die Frau gesunde spirituelle Führung erhält, aufrecht ist und gute Intentionen hat, und ihre religiöse Haltung ihren Gefühle nicht widerspricht.

Welche Kriterien kann man bezüglich Homosexualität anwenden, um eine echte Berufung zur Priesterschaft, zu niedrigeren kirchlichen Funktionen, oder zum religiösen [Kloster-]Leben zu erkennen? So wie es echte und falsche Mystik gibt, gibt es auch echte und falsche Berufungen.

Persönlichkeitsdefekte oder Behinderungen sind bekannte Gründe, die Echtheit einer Berufung in Frage zu stellen. Was einer solchen Person oftmals den subjektiven Eindruck einer Berufung vermittelt, dürfte in Wahrheit aus der Unfähigkeit stammen, das Leben zu meistern, oder aus anderen Formen von Unreife oder unausgeglichener Persönlichkeit. Weiche, "sanftmütige" oder feminine Männer mit unterentwickelter Maskulinität können sich besonders von der Priesterschaft angezogen fühlen und sind dort daher unbestreitbar überrepräsentiert. Männer mit homoerotischen Empfindungen (und andere infantile erotische Fixierungen wie Pädophilie) müssen dieser generischen Kategorie zugerechnet werden. Der beste praktische Leitfaden scheint zu sein, homosexuelle Tendenzen als Zeichen für eine unechte Berufung zu betrachten und diese Annahme nur beim Vorliegen überzeugender Beweise des Gegenteils aufzugeben.

Männer mit homoerotischen Gefühlen neigen dazu, religiöse Empfindungen - echte oder eingebildete - mit selbstzentrierten Motiven wie dem Wunsch nach Angenommen-Sein und Sicherheit in einer geschützten, unaggressiven Umgebung zu verwechseln; weiters der Wunsch, unter nicht-kompetitiven Personen des eigenen Geschlechts zu leben; sich mit einer zentralen, bewunderten, "schönen" Rolle zu identifizieren, die nicht nach Virilität (Männlichkeit) verlangt. Priester (bzw. Diakon, Mönch etc.) zu sein bietet sich als Lösung für die sozialen und emotionalen Mängel und Handicaps an. Tatsächlich waren Priesteramt und ähnliche hierarchische Rollen und Berufe für Männer mit Homo-Tendenzen zu allen Zeiten und in allen Kulturen ein Anziehungspunkt.

Aus diesen Rollen beziehen sie die Befriedigung einer geschätzten und respektierten Person, dem normalen Mann überlegen (elitistische Einstellung) und ausgenommen von der Verpflichtung, sich als Mann zu bewähren und mit anderen Männern im Wettstreit zu stehen.

Zwei Beispiele (aus Holland): Der berühmte Anti-Establishment-[Rechtsaußen-]Politiker und bekennende Homosexuellen Pim Fortuyn (2002 ermordet) hatte in seiner Kindheit beständig den Wunsch, Papst zu werden. Er identifizierte diesen Wunsch mit der kindlichen Vorstellung einer Machtposition, mit dem Ansehen des Mannes in schönen ("femininen") Roben auf dem Thron, umjubelt von der Menge - nicht ein König oder Ritter in glänzender Rüstung, die Fantasie vieler Burschen. Vieles dieser infantilen Identifikation war in seinem Erscheinungsbild und Auftreten als außergewöhnlicher und überlegener Erwachsener immer noch zu erkennen, obgleich er es in nichtreligiösen Machtrollen auslebte. Jos Brink, ein homosexueller Entertainer und Schauspieler, führte Heirats- und Begräniszeremonien außerhalb jedes kirchlichen Umfeldes durch, aber in einem Outfit, das an einen katholischen Priester erinnerte. (Dies war völlig ernst gemeint, keine Scherz-Aktion, und er wusste wie man Gefühle wecken konnte.)

Eine Zeitschrift der holländischen Dominikaner - die im Bezug auf das Thema eine zweifelhafte Reputation haben - vertrat die Ansicht, dass das Priestertum ein spezifisch homosexueller Beruf sei. Und soweit man das Interesse vieler Homosexueller - Männer und Frauen - betrachtet, ist das Argument nicht von der Hand zu weisen. (Objektiv betrachtet ist die Ansicht freilich pervers.) Ich weise noch einmal darauf hin, dass es im Hinblick auf die nicht religiös motivierten, sondern aus einer verzerrten Geschlechtsidentifikation stammenden Affinitäten homosexuell veranlagter Personen zum Priesteramt und vergleichbaren Funktionen falsch wäre, diese als Seminarstudenten, Diakone oder andere Funktionen mit religiöser Führungsrolle zuzulassen. Nicht einmal milde und nicht ausgelebte homoerotische Empfindungen sollten als harmlos erachtet werden.

Was aber, wenn der Kandidat beste Absichten hat und dazu bereit ist, sich mit therapeutischer Hilfe dieser Neigung zu entledigen? Glücklicherweise haben manche bereits erfolgreich ihre Orientierung überwunden, einige zumindest zu einem hohen Grad, andere vollständig und permanent. Aber dennoch gebietet die Vernunft, solche Männer nicht in der Hoffnung, dass sie sich im Lauf der Zeit radikal ändern würden, in das Seminar oder zur Priesterschaft zuzulassen - das hieße, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen. Ein Beweis für eine radikale und gänzliche Wandlung (zur normalen Heterosexualität, normaler maskuliner Identifikation und emotionaler Stabilität) sollte vorgelegt werden, bevor man sich im Seminar anmeldet, und ein Teil des Beweises wäre eine mehrjährige Phase von dauerhaft geändertem Verhalten und inneren Gefühlen (mein Vorschlag wären 5 Jahre Minimum). Vorhersagen in Einzelfällen sind unzuverlässig. Selbst wenn aber eine solche radikale und stabile Änderung erzielt wird, ist das keine Gewährleistung für eine Berufung; vielleicht war die [zuvor gefühlte] Berufung nicht wirklich übernatürlich.

Ein weiterer Vorteil eines derart strikten Auswahlverfahrens ist die reduzierte Attraktivität des Priestertums für Männer mit homoerotischen Empfindungen. Die Kirche von heute in den meisten westeuropäischen Staaten braucht Männer mit Charakterstärke und Durchhaltevermögen, um sie wieder aufzubauen, fast von Null weg. Diese gigantische Aufgabe braucht normale, männliche Priester, keine sexuell infantilen Männer und keine Softies. Wenn es um die Auswahl der Kandidaten für kirchliche Ämter geht, muss man mehr denn je eine Gewissheit in Frage stellen.

22. Nov. 2005
Dr. Gerard J.M. van den Aardweg

Mit freundlicher Genehmigung des Autors. Übersetzung durch Georg Stöger aus dem englischen Original

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Gerard J.M. van den Aardweg ist Autor des bekannten Buches "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen" (Taschenbuch, 536 S., 11,0 x 18,0 cm, Analyse und Therapie, Taschenbuch) - Das Buch kann jetzt um 7,-- Euro bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung CHRIST-MEDIA (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Buchhandlung IMMANUEL (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch nur Inlandportokosten.

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