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Vierter Sonntag der Fastenzeit: Timeo Dominum transeuntem

22. März 2020 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Franziskus in Santa Marta: der Papst betet für die so zahlreichen Verstorbenen der Seuche und ihre Familienangehörigen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Papst Franziskus – vierter Sonntag der Fastenzeit, vierzehnte Messe in Live-Streaming über Fernsehen und Internet aus der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“„gegen“ die Coronavirus-Pandemie.

In der Einleitung zur Messfeier betete der Papst erneut für die besonders in Italien so zahlreichen Opfer der Seuche:

„In diesen Tagen hören wir die Nachricht von vielen Toten: Männer, Frauen, die allein sterben, ohne sich von ihren Lieben verabschieden zu können. Wir denken an sie und beten für sie. Aber auch für die Familien, die ihre Lieben nicht beim Sterben begleiten können. Unser besonderes Gebet gilt den Verstorbenen und ihren Familien.

In seiner Predigt kommentierte Franziskus das Evangelium des Tages (Joh 9,1-41) von der Heilung des Blindgeborenen und forderte auf, wachsam zu sein, um wahrzunehmen, wenn Jesus in unser Leben tritt, um uns zu ihm bekehren zu können:

„Dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium spricht für sich selbst. Es ist eine Verkündigung Jesu Christi und auch eine Katechese. Ich möchte nur eine Sache erwähnen. Der heilige Augustinus hat einen Satz, der mir immer wieder auffällt: ‚Ich fürchte Christus, wenn er vorübergeht’. Timeo Dominum transeuntem. ‚Ich fürchte Christus, wenn er vorübergeht’ – ‚Aber warum fürchtest du den Herrn?’ – ‚Ich habe Angst, dass ich nicht merke, dass es der Christus ist, und dass ich ihn vorbeigehen lasse’. Eines ist klar: in der Gegenwart Jesu blühen die wahren Gefühle des Herzens, die wahren Einstellungen auf: sie kommen heraus. Es ist eine Gnade, und deshalb hatte Augustinus Angst, ihn vorübergehen zu lassen, ohne zu merken, dass er vorübergeht.

Hier ist es klar: es geht vorbei, er heilt einen Blinden und es entfesselt sich der Skandal. Und dann kommt das Beste und das Schlimmste der Menschen zum Vorschein. Der Blinde... es erstaunt die Weisheit des blinden Mannes, wenn er antwortet. Er war es gewohnt, sich mit den Händen zu bewegen, er hatte das Gespür für Gefahr, er hatte das Gespür für die gefährlichen Dinge, die ihn ausrutschen lassen konnten. Und er bewegt sich wie ein Blinder. Mit einem klaren, präzisen Argument, und dann benutzt er auch noch die Ironie und schenkt sich diesen Luxus.

Die Gesetzeslehrer kannten alle Gesetze: alle, alle, alle von ihnen. Aber sie blieben dort stehen. Sie haben nicht verstanden, wann Gott vorüberging. Sie waren starr, an ihre Gewohnheiten gebunden: Jesus selbst sagt es... an Gewohnheiten gebunden. Und wenn sie, um diese Gewohnheiten zu bewahren, Unrecht tun mussten, war das kein Problem, denn die Gewohnheiten sagten, dass dies nicht gerecht sei. Und diese Rigidität führte dazu, dass sie Unrecht taten. Dieses Gefühl der Verschlossenheit kommt vor Christus zum Vorschein.

Nur so viel: ich rate euch allen, heute das Evangelium, Kapitel 9 des Johannes-Evangeliums, zu nehmen und es zu Hause in Ruhe zu vorbeigeht. Einmal, zweimal, um gut zu verstehen, was passiert, wenn Jesus stirbt: dass Gefühle herauskommen. Um gut zu verstehen, was Augustinus uns sagt: ich fürchte den Herrn, wenn er vorbeigeht, dass ich ihn nicht wahrnehme und nicht erkenne. Und er bekehrt mich nicht. Vergesst nicht: lest heute ein, zwei, drei Mal, so lange ihr wollt, Kapitel 9 des Johannesevangeliums“.

Der Papst beendete die Messfeier mit der Anbetung und dem eucharistischen Segen und lud die Menschen wieder zur geistlichen Kommunion ein, indem er erneut dieses Gebet des heiligen Alfons Maria de’ Liguori betete:

„Anbetungswürdiger Jesus! Ich glaube fest, dass du in dem heiligsten Sakramente des Altars wesentlich zugegen bist. Ich liebe dich über alles. Meine Seele verlanget, dich zu empfangen. Weil ich dich aber gegenwärtig wesentlich im Sakramente nicht kann empfangen, so komme geistlicher Weise und kehre mit deiner Gnade in mein Herz ein. Ich umarme dich, oh Jesus, als schon wirklich gegenwärtig. Ich vereinige mich ganz mit Dir, lasse nicht zu, dass ich mich jemals von Dir trenne“.

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