06 Februar 2020, 11:00
Soll Kurienreform den deutschen ‚synodalen Weg’ legitimieren?
 
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In dem Entwurf für die Kurienreform soll eine Passage enthalten seien, welche den nationalen Bischofskonferenzen ‚echte lehramtliche Autorität’ zugestehen will. Der Abschnitt trägt die Handschrift von Kardinal Marx, schreibt Kirchenrechtler Ed Condon

Rom (kath.net/CNA/jg)
Die anstehende Reform der Vatikanischen Kurie könnte den „Synodalen Weg“ der deutschen Bischöfe legitimieren. Das berichtet der Kirchenrechtler Ed Condon unter Berufung auf vatikanische Quellen.

Der Kardinalsrat berate derzeit die Rückmeldungen auf den Entwurf der apostolischen Konstitution „Evangelium praedicate“, welche die Struktur und Funktionsweise der Römischen Kurie neu regeln soll. In dem Entwurf sei im Abschnitt über die Glaubenskongregation eine Passage enthalten, die dem deutschen Vorschlag einer föderalen Kirche entsprechen würde, schreibt Condon.

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Nach dem Textentwurf hätten die Bischöfe und nationalen Bischofskonferenzen die primäre Verantwortung für die Kirche in den einzelnen Ländern und Regionen. Der Entwurf schreibe den nationalen Bischofskonferenzen „echte lehramtliche Autorität“ zu, während die Glaubenskongregation ihre Maßnahmen zum Schutz des Glaubens nach dem Subsidiaritätsprinzip setzen soll.

Mehrere Quellen mit Einblick in den Entstehungsprozess der Konstitution hätten gegenüber CNA bestätigt, dass der Vorschlag stark von den Vorstellungen von Reinhard Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, beeinflusst sei. Marx ist einer der Mitglieder des Kardinalsrates. Dieselben Quellen, die in verschiedenen Bereichen der Kurie tätig seien, hätten ihm mitgeteilt, dass dieser Abschnitt Gegenstand anhaltender Kritik von Bischöfen aus aller Welt sei, betont Condon.

Mitarbeiter der Glaubenskongregation und der Bischofskongregation hätten gegenüber CNA festgestellt, dass die genannte Passage den „synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland legitimieren würde, falls sie in der endgültigen Fassung der Konstitution enthalten sein sollte. Ein hoher Mitarbeiter habe CNA bestätigt, dass die deutschen Bischöfe deshalb so zuversichtlich und selbstbewusst seien. „Es ist ein Geduldsspiel – sie sagen uns ‚wartet und seht unsere Ergebnisse an, bevor ihr den Prozess beurteilt’, aber dann können sie sagen, sie haben die Autorität dazu und auf der Subsidiarität (für die Glaubenskongregation, Anm.) beharren“, sagte der Mitarbeiter.

Im September 2019 hatte Kardinal Ouellet, der Präfekt der Bischofskongregation, den synodalen Prozess kritisiert und unter anderem gefragt, wie die Versammlung einer Teilkirche Fragen entscheiden könne, welche die Gesamtkirche betreffen. Es sei nicht nachvollziehbar, wie die deutsche Bischofskonferenz sich einer Versammlung unterwerfen könne, die zum Großteil nicht aus Bischöfen bestehe.

In seiner Antwort schrieb Kardinal Marx, die Kritik des Vatikan habe sich auf einen Entwurf der Statuten für den „synodalen Prozess“ bezogen, der mittlerweile überholt sei. Außerdem habe die Kirche in Deutschland mit dem „synodalen Weg“ eine „Beratung eigener Art“ gewählt, die nicht vom Kirchenrecht erfasst sei. Er sei daher nicht „durch die Brille kirchenrechtlich verfasster Instrumente“ zu sehen.


© Foto: Erzbistum München und Freising


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