16 Oktober 2019, 09:30
Razzia im Vatikan – Zusammenhang mit Immobilienprojekt in London
 
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Financial Times: Kardinal Becciu war 2014 für den Einstieg des Vatikans in das Projekt verantwortlich. 2018 übernahm der Vatikan die Immobilie in einem Londoner Nobelbezirk ganz.

London/Vatikan (kath.net/jg)
Die Razzia im Staatssekretariat des Vatikans vom 1. Oktober steht offenbar in Zusammenhang mit einer Investition vatikanischer Gelder in ein Immobilienprojekt im Londoner Nobelbezirk Chelsea. Dies berichtet die Financial Times vom 14. Oktober.

Im Jahr 2014 investierte der Vatikan 200 Millionen Dollar, die das Staatssekretariat auf Schweizer Konten gehalten hatte, in den in Luxemburg ansässigen Investmentfond Athena Capital. Athena Capital gehört dem italienischen Investor Raffaele Mincione, der den Investmentfonds über seine Firma WRM hält. Athena hatte 2012 ein Gebäude in der Sloane Avenue in London-Chelsea um 129 Millionen Pfund gekauft. 2014 verkaufte Athena einen Minderheitsanteil an dem Projekt an einen Fond, den das Unternehmen für den Vatikan verwaltete. Kaufpreis waren die genannten 200 Millionen Dollar, zum damaligen Umrechnungskurs etwa 128 Millionen Pfund.

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Personen, die mit dem Projekt vertraut sind, gaben gegenüber der Financial Times an, dass die Transaktion von Kardinal (damals Erzbischof) Giovanni Angelo Becciu persönlich authorisiert worden sei. Becciu habe sich mit Mincione im Vatikan getroffen, um das Geschäft zu verhandeln. Er war damals als „Sostituto“ der zweite Mann im Staatssekretariat nach Pietro Kardinal Parolin.

WRM gab an, der Gewinn, den Athena beim Verkauf des Minderheitsanteils an den Vatikan gemacht habe, sei durch die den Preisanstieg bei Londoner Immobilien in guten Lagen zwischen 2012 und 2014 bedingt. Der Wert sei von einem unabhängigen Gutachter aus der Immobilienbranche geschätzt worden.

2018 erwarb der Vatikan die restlichen Anteile des Projekts von Athena Capital. Das Staatssekretariat entsandte einen Vertreter nach London, der die Übernahme verhandelte. Ein kompliziertes Swapgeschäft, zu welchem auch eine Überweisung von weiteren 40 Millionen Pfund an Athena gehörte, machte den Vatikan zum alleinigen Eigentümer der Immobilie, einschließlich aller Schulden in Höhe von 100 Millionen Pfund, die mit dem Projekt verbunden sind. Athena Capital soll bei der Transaktion laut Financial Times einen hohen Profit gemacht haben.

Der Vatikan wollte sich weder zu seiner Rolle als Eigentümer der Immobilie in der Londoner Sloane Avenue noch zur Razzia in den Räumen des Staatssekretariates äußern, schrieb die Financial Times.

Kardinal Becciu ist mit Ende Juni 2018 aus dem Staatssekretariat ausgeschieden. Seit September 2018 ist er Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Laut einem Bericht von CNA Deutsch hat Becciu 2016 die externe Prüfung aller vatikanischen Abteilungen durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsfirma verhindert. Das von Papst Franziskus eingerichtete Wirtschaftssekretariat hatte als autonome Aufsichtsbehörde den Prüfungsauftrag an PriceWaterhouseCooper (PwC) bereits im Dezember 2015 erteilt. Becciu soll ohne Rücksprache mit dem Papst die Prüfung abgesagt haben. Als Kardinal Pell als Präfekt des Wirtschaftssekretariats gegen den Schritt protestierte, konnte Becciu erreichen, dass Papst Franziskus seine Entscheidung im Nachhinein genehmigte, berichtet CNA Deutsch mit Berufung auf Quellen im Vatikan.

Kardinal Becciu war 2017 auch für die de facto Entlassung des von Papst Franziskus ernannten Generalrevisors Libero Milone verantwortlich. Becciu beschuldigte Milone, seine Kompetenzen überschritten und das Privatleben seiner Vorgesetzten und Mitarbeiter ausspioniert zu haben. Er drohte Milone mit strafrechtlicher Verfolgung, falls dieser nicht bereit sei, von seinem Amt zurück zu treten. Im Mai 2018 gab der Vatikan bekannt, dass alle Anklagepunkte gegen Milone fallen gelassen würden.


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