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Plädoyer für einen Evangelikalen Katholizismus

23. Juli 2019 in Weltkirche, 29 Lesermeinungen
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Dieses Phänomen der getauften Heiden ist ein Hindernis für die Mission der Kirche, denn es lässt vermuten, dass die Kirche die Wahrheit, die sie verkündet, und deren Konsequenzen im Leben nicht ernst nimmt.- Von George Weigel / VISION 2000


München (kath.net/VISION2000)
In seinem 2015 erschienen Buch Die Erneuerung der Kirche vertrat der namhafte US-Journalist George Weigel, der bisherige gegenreformatorische Katholizismus müsse einem „Evangelikalen“ Katholizismus (EK) Platz machen, damit die Kirche angemessen auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren könne. Im Folgenden einige Aspekte dieser erhofften Form des Christseins.

Der EK ist Freundschaft mit dem Herrn Jesus Christus. (…)
Durch die Freundschaft mit Jesus Christus lernen wir das Antlitz des barmherzigen Vaters kennen, der die verlorenen Söhne willkommen heißt und sie neu mit Rechtschaffenheit einkleidet. (…) Der EK verkündet das große Geschenk der Freundschaft mit Jesus Christus nicht als attraktive Variante im Supermarkt der Spiritualität, sondern als gottgegebenes einzigartiges Mittel der Rettung für jedermann.
*
Der EK bekennt sich zur göttlichen Offenbarung und nimmt ihre Autorität, die sich in der Geschichte im Lehramt der Kirche fortsetzt, begeistert an.

Sich zu dem zu bekennen, was Jesus über sich sagt – „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – ist unverzichtbar, um in Freundschaft mit Ihm zu leben. Das zu tun, steht fundamental gegen die Kultur der Postmoderne. (…) Wenn Jesus tatsächlich die Wahrheit ist, dann will Er wohl Seine Jünger in der Wahrheit erhalten. Deswegen – so glauben die evangelikalen Katholiken – hat der Herr den Aposteln Vollmacht erteilt und den Heiligen Geist gegeben. Dieser wiederum schafft im Verlauf der Geschichte eine Abfolge von Lehrern, die mit Autorität lehren: das Kollegium der Apostel, die in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom stehen.
*
Der EK feiert die sieben Sakramente als von Gott gestiftete Mittel, das Leben zu heiligen.

Die Freundschaft mit dem Herrn wird von den sieben Sakramenten des Neuen Testaments genährt. Sie sind bevorzugte Wege, in denen die Begegnung mit Jesus vertieft wird – mit Ihm, dem ursprünglichen Sakrament, dem einzig Heiligen, der Gott unter uns gegenwärtig macht. (…) Die Heilige Eucharistie steht im Mittelpunkt des evangelikal katholischen Lebens. Es ist das Sakrament, in dem die Kirche wahrhaft zu dem wird, was sie ist, das Volk Gottes, das täglich durch die Gabe von Christi Leib und Blut zum Leib Christi geformt wird.
*
EK ist ein Ruf zu fortgesetzter Umkehr im Leben, und das bedeutet Absage an das Böse und aktive Teilnahme an Werken der Liebe und des Dienstes.

Die Kirche der neuen Evangelisation betont die Notwendigkeit von Regeln – des Kirchenrechts –, ist sich aber bewusst, dass eine zu strikte Ausrichtung auf die äußere Zugehörigkeit zur Kirche (…) das reale Problem bringt, dass einige, vielleicht sogar viele Katholiken innerhalb des legalen Rahmens der Kirche verbleiben, allerdings, was ihre Überzeugung und ihre Redeweise anbelangt, in keiner sinnvollen Art katholisch sind. Dieses Phänomen der getauften Heiden ist ein Hindernis für die Mission der Kirche, denn es lässt vermuten, dass die Kirche die Wahrheit, die sie verkündet, und deren Konsequenzen im Leben nicht ernst nimmt.

Evangelikaler Katholizismus betont, dass Freundschaft mit dem Herrn Jesus fortgesetzter Umkehr im Leben bedarf im Wissen, dass eine Kirche der Sünder die Mission behindert. Diese Umkehr erfordert die Absage an das Böse und die sakramentale Versöhnung mit Christus und der Kirche, wenn wir fehlen. (…) Umkehr ist daher lebenslang ein Thema für den evangelikalen Katholiken, für den das Leben als Christ ein Wachsen in der Güte bedeutet.
*
Der EK ist eine auf die Bibel ausgerichtete Form katholischen Lebens, wo die Bibel als das Wort Gottes zur Rettung der Seelen gelesen wird.

Der gegenreformatorische Katholizismus verehrte die Bibel, aber aus der Entfernung. (…) Es stimmt, dass heute mehr Katholiken die Bibel lesen als in den fünfziger Jahren. Was viele Katholiken im Westen jedoch von der modernen Bibelforschung mitbekommen haben, ist ein tiefes Misstrauen der Bibel gegenüber: das eine habe nicht stattgefunden; jenes andere sei nur bildlich zu verstehen; ein Drittes wiederum sei ein Mythos (…). Zusammen mit Papst Benedikt XVI. bekennt der evangelikale Katholik, dass die wesentlichen Früchte der modernen historisch-kritischen Art, die Bibel zu lesen, mittlerweile geerntet sind und dass es die Aufgabe der Kirche im 21. Jahrhundert ist, die Bibel mit theologischen Brillen zu lesen, als ein Buch, dessen Zentrum Jesus Christus ist, auf den das Alte Testament hinweist und mit dem das Neue Testament seine Leser zur Freundschaft mit Christus einlädt. (…)

*
Der EK ist ein hierarchisch geordneter Katholizismus, in dem eine Vielfalt von Berufungen anerkannt wird.

In einem kulturellen Umfeld, in dem jede Art von Autorität verdächtig ist und der Begriff der göttlichen Autorität als psychologisches Relikt einer vormodernen Zeit angesehen wird, scheint der Anspruch, dass die göttliche Autorität in der ununterbrochenen Reihe der apostolischen Sukzession durch die in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom stehenden Bischöfe vermittelt wird, buchstäblich unglaublich. Der EK verkündet, erläutert und lebt dies (…) Er sieht das Pries­tertum unter dem Aspekt der Ikone: Der katholische Priester ist ein Mann, dessen Weihe ihn zu einer lebendigen Vergegenwärtigung des Herrn Jesus macht. Daher ist der Priester, ebenso wie der Bischof, vor allem ein Hirte: ein Prediger, Lehrer, Katechet und Heiligmacher – und dann erst ein Verwalter.

Die Berufung des Laien, wie sie der EK versteht, ist vor allem die zur Evangelisierung: der Familie, der Arbeitswelt, der Nachbarschaft, also der Kultur, der Wirtschaft, der Politik. Dabei bringen die Laien das Evangelium überall dorthin in „der Welt“, wo sie selbst den besseren Zugang haben.
*
Der EK ist Kultur schaffend, aber auch eine Gegenkultur.
Er schafft also seine eigene Kultur. Wer als Freund des auferstandenen Herrn in der Gemeinschaft der Kirche lebt, spricht eine eigene Sprache (in der etwa „Gehorsam“ und „Vergebung“ eine weiter reichende Bedeutung haben als in der vorherrschenden postmodernen Kultur). Sie leben nach einem eigenen Zeitrhythmus (in dem der Sonntag nicht einfach ein Tag ist, an dem die Shopping Centers früher zusperren). Sie feiern eigene Rituale, halten sich an einen einzigartigen Satz von Gesetzen, lieben bestimmte Geschichten und erzählen sie weiter, haben eine eigene Sicht auf das Leben (und den Tod).

Im dahinschwindenden gegenreformatorischen Katholizismus, der dem nach dem 2. Weltkrieg entspricht, erlebten die Katholiken eine relativ angenehme Über­einstimmung zwischen Kirche und deren kulturellem Umfeld. In vieler Hinsicht war dieses noch erkennbar christlich; als Christ im Westen erlebte man die Kirche nicht als Gegenkultur.

(…) Kurz nach dem Konzil jedoch hat die Hochkultur des Wes­tens eine scharfe Richtungsänderung zu einem aggressiven und vorherrschenden Säkularismus gemacht. Er äußert sich als Chris­tophobie: eine tief sitzende Feindschaft gegenüber der Wahrheit der Evangelien (besonders der moralischen Wahrheit) und eine Entschlossenheit Christen, die diese Wahrheit bejahen, aus der Öffentlichkeit in das Privatleben am Rande der Gesellschaft zu drängen. (…)

Christlicher Glaube bedeutet Christus, nicht irgend eine Sammlung „christlicher“ Ideen. Es ist Christus, den Christophobe im 21. Jahrhundert fürchten. Sollte der Westen sich von seiner selbstverschuldeten moralischen Krise erholen, ist es Christus, der helfen wird, die irdische Stadt vermittels der Stadt Gottes – gegenwärtig in der zukunftsweisenden Gegenkultur, nämlich der Kirche – menschlich zu machen.

Dieser Herausforderung können sich nicht ängstliche und laue Christen stellen. Da bedarf es eines kräftigen evangelikalen Chris­tentums, das die Frohbotschaft in mutig ansprechender Weise anbietet und darauf besteht, dass die Staatsmacht der Kirche jenen Freiraum einräumt zu sein, wie sie ist, um das Evangelium verkünden und ihre karitativen Dienste anbieten zu können. Somit versucht der EK eine kulturformende Gegenkultur zum Heil der Welt, zu ihrer Heilung und Umkehr zu sein.

Auszug aus dem Vortrag: „Evangelical Catholicism: The Deep Reform of the Church that Began in 1878“ am 26. Juni im Pfarrsaal der Allerheiligen Gemeinde in München veranstaltet mit dem Media Maria Verlag, in dem auch sein Buch erschien: Die Erneuerung der Kirche – Tiefgreifende Reform im 21. Jahrhundert


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Lesermeinungen

 mameschnue 26. Juli 2019 

Sich nicht in eine Ecke drängen lassen

Die Idee mit dem "evangelikalen Katholizismus" ist nicht schlecht, aber ist meiner Meinung nach bereits eine Art Kapitulation. Denn was hier unter "EK" aufgeführt wird, ist doch nichts anderes als der normale katholische Glaube. Warum sollen wir uns dann anders nennen? Wenn wir das tun, sind wir den Progressisten bereits auf den Leim gekrochen, denn sie sind es, die behaupten, der normale katholische Glaube, wie er im Katechismus dargestellt wird, sei nur eine von vielen Varianten, wie man katholisch sein könne. Also, lassen wir uns nicht in eine Ecke drängen. Wir sind katholisch. Punkt.


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 Wunderburger 26. Juli 2019 
 

Katholische Weite II

Denn eine an der Guten Botschaft ausgerichteten Liebesbeziehung zu Jesus läßt eine gesunde Ehrung von der Gottesgebärerin Maria und den anderen Heiligen nicht außer Acht, ohne die unser Herr nicht wirkt. Dies macht besonders der griechische Urtext in Jo 2,4 deutlich, dessen umfassender Sinn in der deutschen Fehlübersetzung nicht erfasst wird. Gegen die ausschließliche Beziehung zu Jesus spricht freilich auch Jud 3,14 mit ihrem eschatologischen Charakter. Aus diesem Grund ist ein Katholizismus "evangelikaler" Färbung eher kritisch zu sehen. Die Kirche des Westens tut gut daran, sich ihres griechischen Erbes verstärkt anzunehmen. Sie braucht dabei keine Abstriche bezüglich des depositum Fidel zu machen. Aber um sinnvolle, weil völlig berechtigte Berichtigungen im Bereich der (lateinischen und noch mehr der deutschen) Übertragungen und Textüberlieferung wird Sie nicht herumkommen. Und das auch im Bereich der Liturgie, ganz gleich ob alter oder neuer ordo missae.


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 Wunderburger 26. Juli 2019 
 

Katholische Weite

Zur katholischen Weite gehört es gewiss, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Man nuss @Gandalf zustimmen, wenn er auf die Orthodoxie hinweist. Es ist dringend notwendig, sich der griechischen Wurzeln der Kirche wieder bewusst zu werden und über gediegene Kenntnisse der griechischen Sprache auch anzueignen. Diese Notwendigkeit ist schon von den Konzilsvätern in Trient erkannt und angedeutet worden. Viel deutlicher hat sich Papst Pius XII. in "Divino afflante spirtu" zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem griechischen Urtext der Heiligen Schrift geäußert. Auch ihm war bewusst, daß die lateinische Übersetzung des Heiligen Hieroymus an etlichen Stellen schwach oder gar falsch ist. Leider gilt das auch für die liturgischen Texte der sogenannten Tridentinischen Messe - mit Ausnahme des Kanons natürlich. Allerdings macht gerade die Beschäftigung mit der griechischen Überlieferung der Kirche den "evagelikalen" Ansatz einer einseitigen Beziehungen zu dem Christus unmöglich.


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 winthir 25. Juli 2019 

Gandalf hat es kurz und knapp auf den Punkt gebracht.

Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.


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 Triceratops 24. Juli 2019 
 

@Diadochus

Ich vermute sehr, dass @Gandalf nicht gemeint hat, dass wir die byzantinistische Liturgie übernehmen sollen, sondern die Einstellung der Orthodoxie zur Liturgie: nämlich Ernst-Nehmen, keine Experimente, kein Abweichen von den im Messbuch vorgesehenen Texten, keine Selbstdarstellung von Zelebranten ...


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 Diadochus 24. Juli 2019 
 

@Gandalf

Von anderen Gruppen lernen? Ihr Rat zeigt, wie weit wir uns vom eigenen angestammten Glauben entfernt haben. Wir wissen nicht mehr, was es heißt katholisch zu sein, wie wir denn als Katholiken zu leben haben. Zu den Orthodoxen möchte ich nicht schielen. Das finde ich alles im lateinischen tridentinischen Ritus. Eine solche hl. Messe sollte jeder einmal besuchen. Eine persönliche Jesusbeziehung ist eine Frucht des täglichen Gebetes. Das sollte wieder gepflegt werden. Ja, das ist ein Mangel. Katholiken sollten wieder anfangen zu beten. Die gesunden Früchte werden nicht ausbleiben. Ich selber übe gerade das Ruhegebet des hl. Johannes Cassian ein.
Noch zur Dreifaltigkeit. Das ist, zugegeben, schwer zu verstehen, aber verstehbar. Mein Rat: Betet einmal langsam meditierend das "Das Athanasianische Glaubensbekenntnis". Auf diese Weise habe ich mich dem Geheimnis angenähert. Im katholischen Glauben selbst finden wir alles vor. Das schließt ökumenische Bestrebungen nicht aus.


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 padre14.9. 24. Juli 2019 

@stefan Fleischer

"der Normalkatholik mit der Dreifaltigkeit nichts mehr anzufangen weiss?"
Ja dann müssen wir es eben richtig und überzeugend erklären. Aber sagen dann lassen wir es halt, das ist ja wohl komplett verkehrt. Ohne die vollkommene Einbindung von Jesus Christus in die Hl. Dreifaltigkeit ... was missioniert man dann? Dann landen wir bei den Jesus People oder Jesus Freaks.


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 nazareth 24. Juli 2019 
 

Das ist die Sehnsucht! Ja ja ja!!

Danke!! Das ist die Urkirche! Anschluss an Christus Gegenwart. Derselbe gestern heute und in Ewigkeit! Armut im Geiste als Reiche im Hl. Geist in der Verkündigung, Arme und Schwache in Struktur und Reichtum, dafür Reichtum im Vertrauen auf die Vorsehung des Vaters, Tote für die Welt und ihre Pläne, Lebendige im Aufbruch für ein Leben für den Himmel. Verbindliche geschwisterliche lebendige Gemeinschaft statt isolierte sterile Personalheiligung, statt Quarantänenfrömmigkeit in geschützen Rahmen, Jesus ist unsere Versicherung, Güterteilung statt Absicherung, Wunder statt Versicherungsvorsorge. Mut statt Nörgeln und Jammern, Vorbildwirkung statt Kritik. Hinausbrechendes Pfingsten statt Verstecken vor dem wilden feindlichen Mob. Wort Gottes als persönlicher Wegweiser, Sakramente als Weg zu Heiligkeit und zum Nächsten um Christusträger zu sein! Danke! Jesus lebt! Halleluja!


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 Stefan Fleischer 24. Juli 2019 

@ Gandalf

Wahrscheinlich verstehen wir uns nicht ganz. Ich möchte hier niemanden angreifen. Aber: "Die persönliche Beziehung zu Jesus und den Schwerpunkt JESUS im Leben..." gehört nach meinen Erfahrungen auch zu jenen Aussagen, welche richtig verstanden werden müssen um richtig zu sein. Solange wir uns immer bewusst bleiben, dass dieses Jesus von Nazareth Christus, der Herr, ist, ist das ein sehr guter Ansatz für eine sehr persönliche Gottesbeziehung. Leider habe ich aber auch schon Menschen getroffen, welche vor lauter "Jesus" Christus, seine ganze Gottheit und seine Erlösertat am Kreuz, vernachlässigen oder gar verdrängen. Der Mensch neigt nun einmal zu Einseitigkeiten, besonders dort, wo dem Gefühl, so wichtig es auch sein mag, eine zu bedeutende Rolle zugestanden wird. Das dürfen wir für uns selbst wie in unserer Verkündigung nie vergessen.


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 Gandalf 24. Juli 2019 

Es gibt 2 ökumene Gruppen, von denen wir Katholiken etwas lernen können

1.) Von der Orthodoxen: Die LITURGIE
2.) Von den Evangelikalen: Die persönliche Beziehung zu Jesus und den Schwerpunkt JESUS im Leben...

Sorry, liebe Genossen, aber da gibt es doch Mängel, auch bei konservativen Katholiken...


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 Stefan Fleischer 24. Juli 2019 

@ stephanus2

"Freundschaft mit Gott." Auch das ist so ein Begriff, der richtig ist, wenn man ihn richtig versteht, aber auch leicht falsch verstanden werden kann. Solange wir ihn innerhalb unseres katholischen, allumfassenden Glaubens sehen ist nichts dagegen einzuwenden. Das Gleiche gilt auch für den Begriff «Bruder» für Christus, den Herrn, ja selbst für den Namen «Jesus». Wenn wir deswegen andere Aspekte Gottes, wie seine ganze Grösse, Macht und Herrlichkeit oder auch seine Gerechtigkeit vernachlässigen oder gar ausblenden wird es gefährlich. Wenn wir dabei nicht auch die Frage von Sünde und Schuld und Erlösung im Auge behalten, landen wir leicht in einer «Gottesbeziehung light». Deshalb glaube ich, dass wir wieder viel mehr den Begriff der Dreifaltigkeit ins Spiel bringen müssen. Ein Gott in drei Personen ist jene «Erklärung», welche uns Gott sowohl als den unendlich grossen wie auch seine ganze Nähe zu uns näher bringt, ohne sein Geheimnis anzutasten.


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 stephanus2 23. Juli 2019 
 

Freundschaft mit Jesus

Gedanken: also g a n z Gott, wie hier geschrieben wurde, ist Jesus nicht, oder ? "Wahr' Mensch und wahrer Gott" ist Er, beides zugleich. Und auch Gott kann Freund sein, ich kenne ein Zitat von Augustinus, etwa "Sprich mit Gott wie mit deinem besten Freund".Laut AT ist Er uns näher als unsere Halsschlagader! Er ist unbegreifliche , erhabene, anbetungswürdigste Majestät einerseits und uns in innigster Liebe zugetan andererseits.Darum dürfen wir mit allem zu ihm kommen, auch mit Verkehrtem und Unausgegorenem, im geistigen Gespräch Ihm alles, alles sagen. Noch dazu: einem Freund hält man die Treue, also wir sind dann Jesus treu als seine Freunde.-Hinwiederum ist "Freund" natürlich unhaltbar viel zu wenig für Jesus. Ich muss schon schlucken, wenn unser moderner Pastor immer sagt: Jesus, unser Herr und Bruder in der Eucharistie. Bruder finde ich nicht gut, irgendwie übergriffig, nirgendwo im Evangelium hat er sich als Bruder der Apostel o. der Jünger bezeichnet.


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 Diadochus 23. Juli 2019 
 

Zu billig

Mit einem Evangelikalen Katholizismus kann ich mich leider nicht anfreunden. Das ist mir zu billig. Es ist ein Christentum light. Auf Deutsch: Es ist ziemlich flach. Es fordert nicht. Da fehlt der Ernst. Da fehlt die Mystik. Das ist für mich keine Gottesverehrung, die der Göttlichen Majestät gerecht wird.


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 matthieu 23. Juli 2019 
 

@Reichert

Vielen Dank für den Hinweis: Werde ich mir besorgen, ich bin gespannt


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 Johann Martin 23. Juli 2019 
 

Die Evangelikalen wachsen und Weigel wünscht dies für unsere Kirche auch

Ich glaube, wir in Deutschland verstehen das Wort "evangelikal" gar nicht. Es meint Menschen, für die alles, was in den Evanglien geschrieben staht, rale Wirklichkeit ist - ohne die tausend Fragezeichen und Zweifel, die bei uns üblich geworden sind. Diese Evangelikalen, die sich in der ganzen Welt mit enormer Geschwindigkeit ausbreiten, leben in einer Welt der Übernatur, die für sie eine reale Selbstverständlichkeit ist. Und daraus schöpfen sie die Kraft, mit einem unglaublich Elan ihre ungläubigen Mitmenschen zu evangelisieren. - Wer evangelisiert denn hier in Deutschland moslemische Einwanderer? Diese Evamgelikalen und besonders eine Gemeinde in Berlin. Wer evangelisiert in den moslemischen Ländern, in der Türkei, im Iran, in Pakistan? Diese aus ihrem Glauben heraus lebenden Evangelikalen, die häufig genug eingesperrt und umgebracht werden. Und Weigel will nichts anderes, als dass etwas von dieser Glaubenskraft auch in unsere katholische Kirche eingepflanzt wird.


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 Antonius Bacci 23. Juli 2019 
 

Wer soll was ersetzen? II

Und in diesen Formen drückt sich aber auch ein anderes Gottesbild aus, das auf einer sehr persönlichen Ebene operiert. Gott ist für mich im letzten eher Mysterium, zeichnet sich durch Glanz, Erhabenheit, aber auch durch eine Transzendenz aus. Dieses Gottesbild finde ich sicherlich in den traditionellen Hochliturgien mit ihrem erhabenen Ritual, Gesang etc., da ihre Schönheit und Erhabenheit gleichsam ein Abglanz himmlischer Herrlichkeit ist. Wie gesagt: Wer seine Faszination für den Charismatismus entdeckt, soll dort hingehen. Aber eine flächendeckende Ausbreitung dieser Praxis würde viele Christen verschrecken und vertreiben. Nebeneinander: ja - Ersetzen: dezidiert nein!


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 Antonius Bacci 23. Juli 2019 
 

Wer soll was ersetzen?

Was auch immer in diesem Kontext mit "gegenreformatorisch" gemeint sein soll - dass "evangelikaler Katholizismus" irgendetwas ablösen oder ersetzen soll, ist sicherlich sehr problematisch. Es können sicherlich mehrere Dinge nebeneinander bestehen und man sollte anderen Strömungen zumindest mit Toleranz gegenüberstehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass man sich selber diesen Strömungen anschließen muss. Es mag Formen charismatischen Katholizismus geben, wie sie sich etwas bei dem Pfingsttreffen der Loretto-Gemeinschaft zeigen, aber damit sehe ich für mich persönlich keinerlei Berührungspunkte, zumindest nicht im liturgischen Bereich. Wem das zusagt, der soll gerne dahingehen, ich möchte das für mich zurückweisen. Und das ist auch mein gutes Recht. Als jemand, dem die kulturellen Ausformungen des Katholizismus sehr am Herzen liegen und der sie als Weg zu Gott begreift, sind die Formen des Charismatismus fremd und in jeder Hinsicht abschreckend.


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 Stefan Fleischer 23. Juli 2019 

@ leemorgan

Ich befürchte einfach, dass mit der Aufgabe von "bestimmten äußeren Traditionen, die zunehmend von weniger Leuten verstanden werden" eine Aufgabe von Glaubenswahrheiten einher gehen wird. Haben wir nicht schon zur Genüge erlebt, dass aus einem "anders, zeitgemässer" Formulieren eine ganz andere "Wahrheit" entstanden ist? Sind nicht die meisten Irrtümer unserer Zeit über diesen Weg in die Kirche eingeschleust worden? War z.B. nicht die Folge davon, dass das grosse Glaubensbekenntnis in der Heiligen Liturgie fast durchwegs durch das «besser verständliche» apostolische ersetzt wurde, dass heute (nicht nur!) der Normalkatholik mit der Dreifaltigkeit nichts mehr anzufangen weiss?


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 incisivum 23. Juli 2019 
 

Da sollte man sich nicht täuschen.
Dieser EK hat eigentlich nicht viel mit dem Evangelium des Jesus von Nazareth zu tun, sondern ist eine recht oberflächliche Angelegenheit, ohne Tiefgang und ohne das eigentliche zu erkennen, um das es geht, nämlich die Nachfolge Jesu: Liebet einander, so wie ich euch geliebt habe. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Liebet eure Feinde.

Sehr deutlich wird das auch an den Texten der einschlägigen Lieder, die dort gesungen werden.Man findet sie unter den Bezeichnungen:worship music, hillsong worship, paise and worship songs.
Mit dem Begriff "Freundschaft mit Jesus" kann ich reichlich wenig anfangen.


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 Reichert 23. Juli 2019 
 

Geehrter Matthieu, ich möchte auch auf die noch immer sehr aktuelle "Philothea" des
Heiligen Franz von Sales verweisen, Bischof von Genf zur Zeit von Martin Luther, der nicht umsonst Kirchenlehrer genannt wird, während der heutige Klerus de facto dafür sorgt, daß sich die Kirchen leeren!!! Schon Papst Bendikt sprach vor sechzig!!! Jahren von den getauften Christen, die in Wirklich als Heiden leben. Der Aufruf seines Vorgängers Johannes Paul II zur Neu-Evangelisierung Europas wurde erst gar nicht von den Bischöfen aufgegriffen noch kam er überhaupt an der kirchlichen Basis an.


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 leemorgan 23. Juli 2019 

Längst gelesen

Hab das Buch sofort bei Erscheinen auf deutsch gelesen. Großartig. Weigel erfindet überhaupt nichts neu, er verwendet diese Etiketten gegenreformatorisch und evangelikal nur zu Analysezwecken und nicht, um einer neuen Denomination das Wort zu reden!!
Er hat einfach richtig erkannt, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen den Menschen, der Sprache, der Lebensweise von heute und gläubigen Katholiken denen es nicht gelingt, die Fülle und Lebendigkeit des Glaubens in eben die heutige Zeit zu bringen. Es geht ihm um ein umfassendes Neuentdecken des Katholischen, ohne sich auf bestimmte äußere Traditionen zu fixieren, die zunehmend von weniger Leuten verstanden werden, da die Kirche in unseren Breiten schon lange den kultur-, kunst- und lebensbestimmenden Charakter verloren hat.
Keine Angst, es ist alles koscher! Volle Leseempfehlung. Einziges Problem könnte sein, dass man eigene Verhaltens- und Sichtweisen überdenken muss...


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 padre14.9. 23. Juli 2019 

"Kurz nach dem Konzil..

das ist falsch, nicht erst nach dem 2. Vatican Konzil hat dieser aggressive Säkularismus angefangen. Viel viel schlimmer, weit vorher, 1789 und der Kommunismus und die NS Zeit. Mit dem Konzil hat das erstmal nichts zu tun.
Den verwendeten Begriff "gegenreformatorische Kirche" finde ich
für einen Katholiken unpassend. So wie mir überhaupt der Vortrag in sich nicht schlüssig vorkommt.
Jesus Christus ist ganz GOTT. Mit meinen Freunden kann ich diskutieren und verhandeln ich kann meine Freunde auch überreden und überzeugen. Mit Jesus kann ich doch nicht über die zehn Gebote verhandeln.


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 Stefan Fleischer 23. Juli 2019 

Evangelikaler Katholizismus

Dieser Begriff ist meines Erachtens äusserst unglücklich gewählt. Evangelikal steht (nach meinem Sprachempfinden) für «sola scriptura» und für die Ablehnung der Überlieferung und des Lehreamtes und damit in klarem Gegensatz zur Lehre unserer katholischen Kirche. So gesehen ist diese Wortschöpfung der Versuch einer Quadratur des Kreises oder zumindest der Versuch die bestehenden Differenzen zu verschleiern und zu übertünchen. Das ist normalerweise immer sehr gut gemeint. Aber damit aber kommen wir auf dem Weg der Einheit nicht voran. Und die Gefahr ist sehr gross, dass sich so schlussendlich einfach eine weitere christliche Denomination bildet.


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 mameschnue 23. Juli 2019 

Schritt in die richtige Richtung

Ob der Begriff "evangelikaler Katholizismus" glücklich ist, bleibe dahingestellt. Die Idee ist sich ein Schritt in die richtige Richtung. Was mir noch fehlt, sind typisch katholische Elemente wie die eucharistische Anbetung oder die Beziehung zur Mutter Gottes.


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 matthieu 23. Juli 2019 
 

auch ohne den Titel "EK"

Freundschaft mit Christus - da brauche ich nur die Heilige Therese von Lisieux, deren Spiritualität sogar weit darüber hinausgeht. Es steckt sicherlich einiges Wahres in den o.g. Gedanken, aber es braucht m.E. kein Etikett "EK". Die katholische Kirche ist groß und es gibt viele schöne Nischen und Plätze in der Kirche


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 girsberg74 23. Juli 2019 
 

Stimmt schon; denn das große Allerlei ruft nach Kompromissen!

„ … denn es lässt vermuten, dass die Kirche die Wahrheit, die sie verkündet, und deren Konsequenzen im Leben nicht ernst nimmt.“


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 Wunderer 23. Juli 2019 
 

Keiner muß die Kirche neu erfinden

Das sieht vieles gut und erfrischend aus, aber einiges bleibt unklar wie etwadiese Theorien des EK in die Praxis umgesetzt werden sollen bspw. was die hierarchische Ordnung der Kirche anbelangt.
Denn man kann doch die "gegenreformatorische Kirche"- das ist die Kirche Christi, nicht beiseite schieben, indem man sich selbst als evangelikal katholisch definiert. Und auch der Begriff "gegenreformatorische Kirche" ist unpassend aus mehreren Gründen. Die Kirche hat sich nie als gegenreformatorisch verstanden und war und ist das auch nicht. Das wäre ja schlimm und dann hätte Luther implizit doch letztlich recht gehabt. Das Abrücken von der Kirche im 16. Jahrhundert von etwa einem Drittel der europäischen Christenheit hat natürlich zu einem Nachdenken geführt und dann wurde auch eine wahre Reformation auf dem Konzil von Trient auf den Weg gebracht, das aber nicht im Gegensatz zu allen vorherigen Konzilien stand. Schade, daß die Protestanten es unterließen, sich der Kirche wieder anzuschließen.


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 Rolando 23. Juli 2019 
 

Das alles hat und lebt die katholische charismatische Erneuerung


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 Mr. Incredible 23. Juli 2019 
 

Das gefällt mir schon ganz gut,

was George Weigel da schreibt. Das ist doch einmal ein guter Ansatz.
Und es stehen nix von ZdK oder ähnlichen sektiererischen Vereinen drin :-)


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