11 Juli 2019, 11:00
„Solche Menschen stören immer, auch heute“
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Märtyrer'
„In der Begegnung mit Jerzy Popiełuszko leuchtet auf, worauf es immer und letztlich ankommt.“ Vorwort zu „Anna Meetschen: Jerzy Popieluszko und das Wunder seines Lebens“. Von Martin Lohmann

Kißlegg (kath.net) Wer mit hörendem Herzen und sensiblem Geist das Grab des Märtyrers Jerzy Popiełuszko sowie die Kirche, in der dieser junge Priester segensreich und unerschrocken wirkte, in Warschau besucht, kann etwas spüren von einem Menschen, der im Vertrauen auf Gott Klarheit, Mut und Wahrheitsliebe schöpfte. Seine Mutter Marianna, die zusammen mit dem Vater und Tausenden Trauernden ihren von den Kommunisten brutal ermordeten Sohn zu Grabe tragen musste, meinte einmal fast nüchtern: „Er machte nichts anderes, als den Glauben aufzuzeigen.“ Und genau das störte in einer zur Gottlosigkeit erklärten Welt Polens.

Menschen, die sich mutig und freundlich zugleich wie der selige Jerzy zu Jesus Christus bekennen und jeder Versuchung zum Abfall und zur Relativierung der Wahrheit widerstehen, störten immer. Sie stören auch heute. Nicht nur deshalb ist es faszinierend, dem Leben, Wirken und Glauben dieses außergewöhnlichen Seelsorgers, der nichts Außergewöhnliches tat, als kraftvoll und kraftspendend treu zu bleiben, nachzuspüren.

Werbung
KiB Kirche in Not


Sein „Verbrechen“ für eine Welt, die sich selbst zum letzten Maßstab erhebt und vor einer die Verantwortung herausfordernden Wahrheit fürchtet, war die gelebte Erkenntnis, dass „die Wahrheit und ausschließlich nur die Wahrheit die erste Voraussetzung für das Vertrauen ist“. Weil er sich auch in Folter und perfider Verfolgung weigerte, den Glauben zu verraten, verriet er auch den Menschen nicht. Im Gegenteil. Er wurde gerade wegen seiner entschiedenen Verankerung im Vertrauen auf Gott und seine Menschenliebe ein glaubwürdiger Magnet für die Menschen und ein hoffnungsstarker Apostel des Herrn. Und ein liebenswürdiger dazu. Böses versuchte er stets im Guten zu ersticken, Bösem stellte er die viel stärkere Macht der Liebe und des Guten entgegen. Damit stärkte er die Seelen anderer, aber auch seine eigene.

„Die Menschen gewinnt man mit einem offenen Herzen und nicht mit der geballten Faust. Das wahre Wissen, die wahre Weisheit und die wahre Kultur vertragen keine Ketten. (...) Kultur bedeutet einen ehrlichen Dialog und Gedankenaustausch, ehrlichen Meinungsstreit und kein Gezänk beruflicher Querulanten, die sich einseitig der Massenmedien bedienen, um andere anzuspucken“, sagte er einmal. Und an anderer Stelle heißt es: „Die Würde zu bewahren, das heißt, sich selbst in jeder Situation des Lebens treu zu bleiben. Das bedeutet, für die Wahrheit geradezustehen, auch wenn sie uns viel kosten sollte, denn die ausgesprochene Wahrheit ist teuer. Nur die Spreu ist kostenlos.“

Dieser 1984 von der Staatssicherheit gelynchte Zeuge der Wahrheit verstand es, ganz selbstverständlich sein katholisches Christsein mit einem aufgeschlossenen Patriotismus zu verbinden. Er wusste um die Bedeutung von Heimat, nach der sich jeder sehnt, von Sprache und Bräuchen, Musik und Kunst. Eine verklemmte Distanzierung war ihm fremd. Auch hier ist Jerzy Popiełuszko, der in seiner Heimat schon jetzt wie ein Heiliger verehrt wird, eine frische Botschaft in die Zeit.

Der rote Faden, der sich durch sein Leben bis zum letzten Augenblick zog, war die Liebe zu Christus in seiner Kirche und zu der von Gott geoffenbarten Wahrheit, aus der sich die Wahrhaftigkeit und Tatkraft speisen: „Wahrheit und Mut sind sehr wichtige Werte im Leben eines jeden Menschen und besonders im Leben eines Christen.“ Mit der Wahrheit zu leben bedeute, „im Einklang mit dem Gewissen zu leben“. Und: „Die Wahrheit ist unsterblich, doch die Lüge stirbt einen schnellen Tod.“ Was für aufrüttelnde Worte in unsere Zeit hinein!

Es ist das Verdienst von Anna Meetschen, uns diesen so einfachen und doch so außergewöhnlichen Menschen mit offenem Blick und klarem Verstand zu zeichnen und buchstäblich vor unsere Augen zu stellen. Wer meint, hier „nur“ eine Biografie zu lesen, der irrt. Wer aber nach dem sucht, was den Horizont weitet und Geist und Seele nährt, der findet in diesem Buch auch für das eigene Leben und seine Orientierung viel Nachdenkliches und Kostbares. In der Begegnung mit Jerzy Popiełuszko leuchtet auf, worauf es immer und letztlich ankommt.

Jerzy Popiełuszko bekannte sich aus einer großen inneren Freiheit zur Wahrheit – und lebte ermutigend für andere das vor, was im Johannesevangelium 8,32 versprochen wird: Die Wahrheit macht wirklich frei. Zum Leben. Zum Zeugnis. Zur Stärke. Zum Licht.

kath.net-Buchtipp:
Jerzy Popieluszko und das Wunder seines Lebens
Von Anna Meetschen
Sonstiger Urheber: Martin Lohmann
Hardcover, 125 Seiten; 10 Farbfotos, 7 SW-Fotos
2019 Fe-Medienverlag
ISBN 978-3-86357-229-7
Preis Österreich: 10.30 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

Link zum kathShop

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz:
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: buch@kath.net

Buchhandlung Provini Berther GmbH, Chur:
Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: buch-schweiz@kath.net

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini Buchhandlung (Auslieferung Schweiz und Lichtenstein) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.





(c) Fe Medienverlag

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Marx möchte Zölibat für Priester aufweichen (107)

"Der Weg des Schismas ist nicht christlich" (104)

Vatikan stellt sich gegen deutsche Bischöfe! (79)

Ökumenischer Arbeitskreis von Theologen möchte 'Eucharistie für alle' (66)

Deutsche Bischofsrevolte gegen Rom (50)

EWTN: Arroyo verteidigt US-Katholiken gegen Papstkritik (39)

"Priestertum der Frau liegt nicht in unserer Verfügungsgewalt" (26)

Feigheit ist keine Tugend (21)

Eine Entscheidung mit Symbolwert und eine Entscheidung, die entlarvt (20)

Kirchenrechtler Schüller: Game over! (19)

Drei katholische Bischöfe werden zum Marsch für das Leben erwartet (19)

„Ein Kreuzzug des Gebets und des Fastens“ (19)

Australien: Gesetz zwingt Priester zum Bruch des Beichtgeheimnisses (18)

5. Oktober in Rom: Beten wir für die Kirche! (18)

Marienfigur geköpft – Täter verhaftet (15)