02 Juni 2019, 11:00
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„Die tüchtige Frau ist ein Gipfelpunkt all der archetypischen Frauen der Bibel.“ Von Peter Leithart

Washington D.C. (kath.net/First Things) Das Buch der Sprüche scheint vielen eine Sammlung von Weisheitssprüchen zu sein, die aus einer Verzweiflung heraus willkürlich zusammengestellt wurden. Doch das ist ein Irrtum. Es ist in seinem gesamten Aufbau eine romantische Komödie.

In den ersten neun Kapiteln beschreibt Salomo zwei Frauen, die um die Zuneigung seines Sohnes buhlen. Frau Weisheit fordert die Törichten auf, ihre Torheit aufzugeben, und warnt sie vor den Folgen, wenn sie nicht zuhören wollen. (1, 20–33). Frau Torheit verlockt die jungen Männer zu riskanten Beziehungen. Die Weisheit bietet etwas zum Essen an, während die Torheit plant, den Prinzen selbst zu schlachten (7,22). Und so fordert Salomo seinen Sohn auf, vor Frau Torheit zu fliehen und sich Frau Weisheit in die Arme zu werfen (5, 1–23; 6, 20–35; 7, 6–27; 9, 13–18). Es ist der klassische Aufbau einer romantischen Komödie: ein junger Mann wählt zwischen zwei Frauen aus, die eine verführerisch und Grenzen überschreitend, die andere die Art von junger Frau, die du mit nach Hause bringst, um sie deiner Mutter vorzustellen. Gleichzeitig muss er entscheiden, ob er auf den Vater hören oder seine eigene Glückseligkeit suchen soll.

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Das Buch schließt mit einem Akrostichon über die „tüchtige Frau“ ab, das auf das Porträt von Frau Weisheit zurückgreift. Genau wie Frau Weisheit ist diese tüchtige Frau mehr wert als alle Edelsteine (Vers 10; vgl. 3,15; 8,11). Wie Frau Weisheit bietet sie Essen an (31,15; vgl. 9, 2, 5). Die tüchtige Frau bringt Gewinn (31,11), genau wie die Weisheit (vgl. 3,14). Die Weisheit beginnt mit der Furcht des Herrn (1, 7), in der auch die tüchtige Frau lebt (31,30). Die richtige Königin für den Prinzen ist Frau Weisheit, und sie „inkarniert“ sich in einem häuslichen Raum. Wir schließen das Buch mit einem zufriedenen Seufzer: Der Prinz hat gut gewählt, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute und sind glücklich.

Die tüchtige Frau führt einen Haushalt, aber wie viele Gelehrte schon angemerkt haben: sie wird wie eine Heldin dargestellt. Sie ist „tapfer“ und „stark“ wie der Pharao (Ex 14, 4; 15, 4) oder sogar wie Gott selbst (Ex 15, 2, 13; Ri 5, 21). Sie rüstet sich wie zum Kampf, sie plündert, sie sammelt Beute, erringt Siege, und streckt die Hand aus, um zu helfen. Sie lacht triumphierend wie eine Kriegerin, die die besiegten Feinde verspottet. Der Dichter der Sprüche preist sie wie ein hebräischer Homer, indem er sie in einem Heldenepos verewigt (vgl. Ri 5,10; 11,40).

Frauen haben im Laufe der Zeit fast alles getan, was der tüchtigen Frau zugeschrieben wird – mit ihren Händen arbeiten, Essen zubereiten, nachts aufstehen, um die Familienmitglieder zu ernähren, Eigentum zu erwerben, nach den besten Waren zu suchen und um den besten Preis zu feilschen, Garn zu spinnen oder Kleidung zu nähen, und der Familie die Hand zur Hilfe zu reichen.

Die tüchtige Frau ist ein Gipfelpunkt all der archetypischen Frauen der Bibel. Der Satz „Gutes und Böses“ (31,12) führt uns zurück zum Garten Eden und dem verbotenen Baum: die tüchtige Frau ist keine Eva, die sich töricht gemacht hat, eine Frau, der man nicht trauen kann, und die Frau eines Mannes, dem man auch nicht trauen kann. Eva sah, dass die Frucht des Baumes für ihre Augen herrlich anzuschauen war, gut zum Essen, und fähig, einen weise zu machen. Die tüchtige Frau aber schätzt den Wert ihrer Einkäufe vorher ab (Vers 16; das Wort ist eigentlich „schmecken“, nicht überlegen); sie isst im Gegensatz zu Eva nicht einfach das, was gut ist, sondern weiß auch, wann sie etwas zu sich nehmen und essen soll.

Sie kauft ein Feld für Weizen und Brot und pflanzt einen Weinberg (Spr 31,16). In der hebräischen Bibel beziehen sich die meisten Verwendungen von „Lampe“ auf die Lampen der Stiftshütte und des Tempels (z. B. Ex 25,37; 27,20; 1. Sam. 3, 3; 1. Könige 7,49): wie die Priester lässt die starke Frau eine Lampe durch die Nacht hindurch brennen. Sie kleidet ihr Haus mit Scharlach und Purpur (Spr 31, 21–22), den Farben des Heiligtums und der priesterlichen Gewänder (Ex 25, 4; 28, 5–8). Mit ihrem Brot, dem Wein, der Lampe und den reichen Stoffen ist sie wie Israel, wie die Kirche, wie die neue Eva - die heldenhafte Braut des neuen Adam.

In der ganzen Bibel wird die Geschichte insgeheim durch das bestimmt, was sich im häuslichen Bereich – bei den Frauen und Kindern – abspielt. Israels patriarchalische Erzählungen enthalten Kriegsgeschichten, sie sind jedoch hauptsächlich Familiendramen über Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit, rivalisierende Ehefrauen, über Empfängnis und Geburt. Die Nahtstellen der biblischen Geschichte sind von wunderbaren Geburten geprägt: Isaak, Mose, Samuel, Johannes, Jesus. In der Genesis wird Eva von einer Schlange versucht, und die biblische Geschichte ist durchsetzt mit satanischen Gestalten, die Frauen angreifen, um ihre Kinder zu ergreifen oder zu zerstören - Pharao, Abimelech, Athaliah, Herodes. In der Offenbarung sieht Johannes eine Frau in Wehen, die von einem Drachen bedroht wird, der das Kind verschlingen will, sobald es geboren ist. Aber das Volk Gottes ist von der Zuversicht erfüllt, dass der Nachkomme der Frau den Kopf der Schlange zertreten wird. Und in dieser Hoffnung singen sie „ein Kind wird uns geboren“.

Das epische Gedicht der Sprüche gibt unserer heutigen kulturellen Schlacht ein anderes, deutliches Gepräge: heute werden Frauen dazu gedrängt, Häuslichkeit als etwas Minderwertiges und Erniedrigendes anzusehen und zu glauben, dass Heldentum nur außerhalb des Hauses zu finden ist. Christen kämpfen für das Recht der Eltern auf Erziehung, um zu verhindern, dass ein wilder Drache unsere Kinder verschlingt. Es sollte uns auch nicht überraschen, dass um das Thema Abtreibung die intensivste politische Schlacht tobt, denn die Zukunft der Menschheit hängt ab von Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt und der Erziehung der Kinder. Auch heute noch ist der in der Weltgeschichte tätige verborgene Versucher gegen Frauen und Kinder am Werk. Und auch heute noch hängt unsere Zukunft von einer heroischen Häuslichkeit ab.

kath.net dankt Bernhard Stock für die Übersetzung

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