02 Mai 2019, 11:00
Frauen an die Macht?
 
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„Man muss natürlich zugestehen, dass es genauso fragwürdig, ja in sich falsch wäre, wenn Männer in der Kirche Macht und Ämter einforderten.“ Gastbeitrag von Thorsten Paprotny

Hannover (kath.net) Gehört Benedikt XVI. eigentlich auch zu den verkannten Propheten? In der Fastenzeit des Jahres 2000 äußerte der damalige Kardinal Ratzinger in einem Beitrag zur Ekklesiologie des Konzils: „Während der Herr auf das Leiden zugeht, während die Kirche und in ihr er selber leidet, sind wir bei unserem Lieblingsthema, bei der Frage nach unseren Vorrechten. Und wenn Er unter uns herein träte und uns fragen würde, was wir geredet haben, wie sehr müssten wir erröten und verstummen.“

Seit Jahrzehnten, so auch am 29. April 2019, wird der „Tag der Diakonin“ von katholischen Frauenverbänden begangen. Auch die jetzige CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich mehrfach für den Anspruch von Frauen auf Ämter in der katholischen Kirche ausgesprochen. Man muss natürlich zugestehen, dass es genauso fragwürdig, ja in sich falsch wäre, wenn Männer in der Kirche Macht und Ämter einforderten. Eine Kirche, in der nicht das Prinzip des Dienstes an erster Stelle steht, dient zu nichts, und die Gestalt der Kirche, ihr Struktur- und Lebensprinzip, in der Diktion des neukatholischen Postmodernismus gesagt: ihre DNA, verdankt sich dem Stifter, also Jesus Christus. Niemand kämpft, dazu noch im Namen des Herrn, für mehr Mitbestimmung in Gremien, für mehr Partizipation und Machtbeteiligung in einer postmodernen Bürokratie. Die Kirche braucht die Weltchristen als Zeugen des Herrn, auf eine ganz alltägliche Weise in ihrem Alltag seelsorglich tätige Menschen – zu denen selbstverständlich Frauen wie Männer gehören, die mitfühlend und in der Freude des Herrn den Glauben weitertragen, Menschen, die durch ihre Lebensweise Zeugnis geben für Christus und für Seine Kirche – in der Familie, unter Freunden, in der Arbeitswelt und in der Freizeit –, ohne nach irgendeinem Amt zu streben.

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Gleichwohl, warum auch immer, bleiben längst geklärte Fragen im Gespräch. So wurde Hildesheims Bischof am 15. April 2019 von der „Kirchlichen Nachrichtenagentur“ gefragt: „Heißt das, dass Frauen auch zu Priesterinnen geweiht werden sollten?“ Bischof Dr. Wilmer erwiderte: „Ich finde nicht, dass dies ein Thema ist, über das man nicht reden darf. Ich habe große Lust, mich auf eine offene Diskussion einzulassen und bin gespannt, auf welche Wege uns der Heilige Geist führen wird.“ Ob es nicht ratsamer wäre, die Lehre der Kirche – gelegen oder ungelegen – einfach zu verkündigen, statt längst geklärte Fragen neu aufzuwerfen? Am 22. Mai 1994 – am Hochfest des Heiligen Geistes, an Pfingsten also – hat der heilige Johannes Paul II. in „Ordinatio sacerdotalis“ verbindlich erklärt: „Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenen Ortes für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu. Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

Der Herr stiftete im Übrigen auch keine Männerbünde, mögen einige Bischöfe oder Amtsträger – so etwa der Münchner Generalvikar Beer – heute effektvoll fordern, dass das „Männerbündische“ in der Kirche aufgebrochen werden müsste. Wer sich mit der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts vertraut macht, erkennt, dass Männerbünde und mit diesen oft verbundene naturrechtswidrige erotische Zirkel wie Abhängigkeitsverhältnisse vor allem in einigen militärischen Gruppierungen sowie in pädagogischen und anderen Sonderwelten beheimatet waren. Der schärfste Gegner dieser Männerbünde war die römisch-katholische Kirche.

Diese Debatten wie den säkularen Streit um die Vorrechte in der Kirche könnten wir also eigentlich beenden. Im Grunde sollte es uns allen, als getaufte Christen buchstäblich ganz und gar Bettlerinnen und Bettler vor Gott, in diesen Tagen doch nur um die Bezeugung und Verkündigung des Osterglaubens gehen. Sind wir dazu nicht in die Welt, in unseren Alltag gesandt? Wer ein genuin römisch-katholisches Wort über die oft diskutierten Machtfragen und die wirklich wichtigen Aufgaben der Zeit hören möchte, der hat die Gelegenheit dazu – (Pater Engelbert Recktenwald kommt darauf in seiner Osterpredigt zu sprechen).

Erinnert sei abschließend an den Brief an die Frauen des heiligen Johannes Pauls II. vom 29. Juni 1995. Der Papst erinnert an Heilige, Märtyrinnen und Mysterikerinnen und schreibt zugleich: „Man möge wirklich den »Genius der Frau« gebührend hervorheben, indem nicht nur die großen und berühmten Frauen der Vergangenheit oder unserer Zeit berücksichtigt werden, sondern auch jene einfachen Frauen, die ihr Talent als Frau in der Normalität des Alltags im Dienst an den anderen zum Ausdruck bringen. Denn besonders in ihrer Hingabe an die anderen im tagtäglichen Leben begreift die Frau die tiefe Berufung ihres Lebens, sie, die vielleicht noch mehr als der Mann den Menschen sieht, weil sie ihn mit dem Herzen sieht.“

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

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