22 Januar 2019, 13:00
Neue Schläuche für den neuen Wein. Ein guter Katholik?
 
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Franziskus in Santa Marta: von denen, die meinen gute Katholiken zu sein, aber schlechte Christen sind. Der Stil des ‚Großen Anklägers’, der weltliche und der egoistische Stil. Das Glaubensbekenntnis aufsagen können reicht nicht. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Das Evangelium, das Wort des Herrn, ist der „neue Wein“, der uns gegeben wurde, aber um gute Christen zu sein, brauchen wir ein „neues Verhalten, einen „neuen Stil". Der christliche Stil ist jener, den allein Seligpreisungen anzugeben vermögen. Darin liegt die Bedeutung des „Schlüsselworts“, mit dem da Tagesevangelium nach Markus (2,18-22) abschließt: „Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Junger Wein gehört in neue Schläuche“ (V. 22).

Papst Franziskus konzentrierte sich in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Montag der zweiten Woche im Jahreskreis auf den eigentlich „christlichen Stil“ im Gegensatz zum „anklagenden, weltlichen und egoistischen Stil“ derer, die meinen, gute Katholiken zu sein, sich aber nicht wie gute Christen verhalten. Es sei nicht ausreichend, das Glaubenskenntnis aufsagen zu können.

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Am Fest der heiligen Agnes zog es der Papst vor, die traditionelle Weihe der Lämmer, aus deren Wolle die Pallien der neu ernannten Erzbischöfe gewoben werden, auszusetzen und diese besondere Tradition zu unterbrechen. Bereits in den vergangenen Jahren hatte die Lämmerweihe nicht mehr in der Cappella Urbano VIII im Apostolischen Palast stattgefunden, sondern in einem Saal des Gästehauses.

Das Evangelium beginne mit einem Konflikt, denn: die Jünger des Johannes und die Pharisäer hätten gefastet, die Apostel dagegen nicht, was Empörung hervorrufe. Jesus entgegne, indem er etwas sage, „das ein bisschen verwirrt ist, eine neue Sache: es ist da der Bräutigam, es gibt ein Fest, es gibt eine neue Freude, in diesem Moment müssen wir uns über diese Neuheit freuen, dann werden Tage kommen, an denen wir alle fasten müssen, wenn der Bräutigam weggenommen sein wird“. Doch sie hätten nicht verstanden.

Auch uns falle es schwer, dies zu verstehen. Daher verwies der Papst auf das „Schlüsselwort“, mit dem das Evangelium schließe: „Junger Wein gehört in neue Schläuche“. Denn für Jesus sei nicht nur die Verkündigung des Evangeliums ein neuer Wein, sondern es fordere auch von uns ein neues Verhalten, einen neuen Stil.

So stelle sich die Frage, worin dieser Stil bestehe. Um dies verstehen, sei es notwendig, die Haltungen zu sehen, die einen nicht-christlichen Stil aufwiesen. Franziskus nannte drei dieser Haltungen: den anklagenden Stil, den weltlichen Stil und den egoistischen Stil.

Der anklagende Stil sei der Stil jener Gläubigen, die immer versuchten, die anderen anzuklagen, die anklagend lebten und immer die anderen disqualifizierten: „ein Stil wie der von verkappten Staatsanwälten. Sie versuchen immer, die anderen anzuklagen“. Auf diese Weise jedoch „merken sie nicht, dass dies der Stil des Teufels ist: in der Bibel wird der Teufel als der ‚große Ankläger’ bezeichnet, der immer die anderen anklagt. Und das ist eine Mode unter uns“.

Jesus tadle die Ankläger, doch es gebe viele Katholiken, die sagten: „‚Ich bin katholisch’– ‚Warum?’ – ‚Ich bete das Glaubensbekenntnis, ich glaube alles und ich bin katholisch’. Aber dir fehlt der christliche Stil, vielleicht denkst du, dass du ein guter Katholik bist, aber du bist ein schlechter Christ, denn: nur der Wein und nicht der Schlauch, nicht der Stil“. Zu leben, indem man die anderen anklage, nach Fehlern suche, „ist nicht christlich“.

Franziskus unterstrich dann den „weltlichen Stil“. Es gebe weltliche Katholiken, die das Glaubensbekenntnis aufsagen könnten, „doch der Stil ist der Stil der Welt, nicht der christliche Stil: Eitelkeit, Stolz, am Geld hängend, in der Meinung, sich selbst zu genügen“. Vielleicht meine man, „ein guter Katholik zu sein, weil du das Glaubensbekenntnis aufsagen kannst, aber du bist kein guter Christ, du bist weltlich: der Herr bot dir den neuen Wein an, aber du hast die Schläuche nicht gewechselt, du hast dich nicht geändert“. Die Weltlichkeit „ruiniert so viele Menschen, so viele Menschen“, hob der Papst hervor.

Schließlich gebe es den dritten nicht-christlichen Stil, den egoistischen Stil, der nur auf sich sehen lasse, Menschen, die sich für gute Katholiken hielten, aber die Nöte der anderen nicht sähen: „vielleicht hältst du dich für einen guten Katholiken, aber du bist ein schlechter Christ“, ein Heuchler, wohingegen es für den „neuen Wein neue Schläuche“ brauche.

Der christliche Stil dagegen sei der der Seligpreisungen: Sanftmut, Demut, Geduld im Leiden, Liebe zur Gerechtigkeit, die Fähigkeit, Verfolgungen zu ertragen, andere nicht zu richten: „wenn du wissen willst, wie der christliche Stil ist, um nicht in diesen anklagenden Stil, den weltlichen Stil und den egoistischen Stil zu geraten, lies die Seligpreisungen“, so der Papst abschließend“. Das „ist unser Stil, die Seligpreisungen sind die neuen Schläuche, sie sind der Weg, um anzukommen“.

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