16 Januar 2019, 16:00
"Eigentlich müsste ich den Weltjugendtag hassen"
 
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Die Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Viktoria Samp

Linz (kath.net)
Demnächst startet wieder der Weltjugendtag. Ein riesengroßes Fest des Glaubens und der Jugend mit wundervollen Früchten. Erst vergangenes Wochenende wurde wieder ein Ehesakrament geschlossen, das aus dem WJT in Krakau hervorgeht. Auch der kommende WJT wird sicherlich viele Früchte mit sich bringen.

Als ich mich vor dem letzten WJT dazu entschlossen hatte, ein Jahr lang an der Vorbereitung mitzuarbeiten, wurde ich immer wieder gefragt, woher die Bereitschaft kam, ein Jahr dafür zu „opfern“. Stets lautete meine Antwort: Ich opfere gar nichts – ich gewinne doch so viel mehr als ich geben kann… Der Weltjugendtag in Madrid war für mich eine so tolle Erfahrung des Glaubens und einer lebendigen, jungen Kirche, dass ich gar nicht anders konnte, als mich für dieses Event einzusetzen!

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Nach dem wunderbaren WJT in Madrid, an dem ich als gewöhnliche Pilgerin teilnahm, brauchte ich fast ein halbes Jahr, um mich wieder an den Alltag zu gewöhnen. Nach dem WJT in Krakau aber brach für mich persönlich eine ganze Welt zusammen. Nachdem ich ein Jahr lang tagtäglich mit wundervollen Menschen zusammenleben, -arbeiten, -feiern, -lachen, -reisen und -träumen durfte, war mit einem Schlag alles vorbei. Die Woche des Weltjugendtages selbst, die wohl die meisten Menschen als eine wundervolle, gesegnete Zeit erfuhren, war für mich eine der schlimmsten Erfahrungen. Auf einmal merkte ich, dass Menschen, die einem am Herzen liegen, vergessen, verachten, verletzen und verraten können. Jetzt fühlte ich tatsächlich, etwas geopfert zu haben, meine Zeit, Hoffnung und Kraft investiert zu haben, in Beziehungen, die am Ende auseinanderfielen oder in Tätigkeiten, die sich als sinnlos erwiesen. So sehr wie ich die Erfahrung des WJT in Madrid geliebt habe, so sehr und vielleicht noch mehr könnte ich die Erfahrung des WJT in Krakau hassen.

Dennoch bin ich dankbar für die Erfahrungen. Auch wenn es manchmal schwierig ist, sollte man in jeder Lebenslage und -situation etwas Gutes erkennen. Ich habe durch meine Erlebnisse beim Weltjugendtag vieles gelernt. Wir alle sind nur Menschen und auch ich habe sicherlich viele verletzt. Wir sehnen uns danach, von den Menschen geliebt und akzeptiert, niemals verworfen oder verletzt zu werden. Doch diese Sehnsucht kann kein Mensch erfüllen. Selbst in den „frömmsten“ Kreisen werden wir Enttäuschungen erfahren. Doch: Wenn Dich auch die ganze Welt verwirft und verlässt: Gott wird Dich niemals vergessen! Die eigentliche Tragödie würde darin bestehen, dass wir uns von Gott abwenden, weil wir von Menschen enttäuscht werden.
Bedeutet dies, wir sollten uns zurückziehen, den Menschen mit Skepsis begegnen? Ganz im Gegenteil. Im Johannesbrief wird uns aus der Liebe, die wir von Gott erfahren, ein ganz klarer Auftrag gegeben: „Wir wollen lieben, weil Er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. Und dieses Gebot haben wir von Ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben“ (1. Joh. 4, 19-21).

Menschen können vergessen, verletzten, verraten, verachten. Sie können aber auch vergeben und verzeihen. Und ich glaube, das ist unser Auftrag: Im Bewusstsein unserer Schwäche immer wieder aufzustehen und uns nach der vollkommenen Liebe zu sehnen, uns Jesus Christus als Vorbild zu nehmen und stets nach diesem Vorbild zu streben, selbst wenn wir wissen, dass wir dieses auf Erden nie erreichen werden. Uns gegenseitig vergeben und verzeihen, denn wir sind ja alle nur Menschen.
Nach meiner Erfahrung beim WJT in Madrid verspürte ich den Drang, anderen Menschen eine ähnliche Erfahrung in Krakau zu ermöglichen und engagierte mich von ganzem Herzen. Sollte nach unserer großartigen Erfahrung der Liebe Gottes, der „Seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch Ihn leben“ (1. Joh 4,9), nicht jeder von uns sich von ganzem Herzen dafür einsetzen, diese Erfahrung weiterzugeben?

Ich wünsche jedem Einzelnen, der an dem diesjährigen WJT in Panama teilnehmen wird, eine wundervolle und gesegnete Zeit, Erfahrungen, die bereichern, Menschen, die inspirieren und positive Früchte für das ganze Leben!

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