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„Er wird als Märtyrer seliggesprochen – ich erinnere mich gut an ihn“

6. Dezember 2018 in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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Christian Chessel, Afrikamissionar (Weißer Vater), „konnte in Algerien nicht lange die Eucharistie feiern und wirken. Kurz nach Weihnachten 1994 überfiel eine Gruppe von Terroristen das Missionshaus …“ Gastbeitrag von Pater Andreas Fritsch FSO


Jerusalem (kath.net) Am 8. Dezember 2018 werden 19 algerische Märtyrer seliggesprochen. Einen davon, Christian Chessel (Archivfoto), lernten wir in Rom während unseres Studiums kennen. Meine Erinnerungen an ihn? Hier sind sie:

Erinnerung an Christian Chessel, Afrikamissionar (Weißer Vater), neuer Seliger der Kirche

Der 8. Dezember 2018 wird ein besonderer Tag werden. An ihm beginnt nämlich das Jubiläumsjahr zum 150. Geburtstag der Gesellschaft der Afrikamissionare. Am gleichen Tag werden in Algerien neunzehn Märtyrer seliggesprochen, darunter vier Afrikamissionare, die am 27. Dezember 1994 in Tizi Ouzou (Algerien) von militanten Islamisten erschossen wurden: Jean Chevillard, Alain Dieulangard, Charles Deckers und Christian Chessel.

Christian, der nur 36 Jahre alt wurde, und damit der jüngste der neunzehn Märtyrer ist, bleibt mir in lebendiger Erinnerung.

Nachdem er bei den sogenannten „Weißen Vätern” eingetreten war, kam er für ein paar Jahre nach Rom, ins Generalat seiner Gemeinschaft, wo damals auch einige meiner Mitbrüder und ich wohnten, bevor wir ein eigenes Studienhaus bekamen.

Die Oberen seiner Gemeinschaft hatten Christian an das Päpstliche Institut für Arabische und Islamische Studien (PISAI) geschickt und er war fleißig daran, Arabisch zu lernen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er bedauerte nicht deutscher Muttersprache zu sein, denn uns Deutschsprachigen falle es viel leichter die Guttural- und Reibelaute wie etwa das „ch” auszusprechen, was für einen Franzosen fast ein Ding der Unmöglichkeit ist.


Um bei guter Kondition zu bleiben und sich fit zu halten, sahen wir ihn im Winter mit einer ausgefallenen Wollmütze Jogging machen. Er war ein sympathischer Typ und hatte eine gewinnende Art. Wir alle waren gerne mit ihm zusammen und freuten uns, wenn wir gemeinsam zu Abend essen und plaudern konnten oder wenn er hie und da zu uns zur Anbetungsstunde kam.

Wir waren auch dabei, als er in der Kapelle der Missionare Afrikas zum Diakon geweiht wurde. Besonders beeindruckt hat uns der Augenblick, als er seinen Missionseid ablegte, indem er die Hand über ein arabisches Johannesevangelium ausstreckte, das die ersten Weißen Väter mit in die Mission nach Afrika genommen hatten: diese ersten Missionare wurden alle getötet und erst einige Zeit später wurde im Sand der Sahara dieses Johannesevangelium wiedergefunden zusammen mit Überresten der Gebeine der Missionare und anderen Dingen, die ihnen gehörten.

Am 28. Juni 1992, dem Vortag des Festes der Apostelfürsten Petrus und Paulus, wurde Christian dann in Nizza zum Priester geweiht. Er kam nach Tizi Ouzou (Algerien), in eine Missionsstation der Weißen Väter. Zur Praxis und Verbesserung seiner Arabischkenntnisse ging er 1993 noch für drei Monate nach Zababdeh in die Palästinensischen Autonomiegebiete.

Bevor er endgültig nach Algerien abreiste, kam er nochmal bei uns in Rom vorbei und wir fragten ihn, welchen Sinn es denn mache, nach Algerien zu gehen, an einen Ort also, wo man gar nicht „richtig“ missionieren kann, weil die öffentliche Verkündigung des Evangeliums verboten ist. Christian sagte uns darauf: „Das Wichtige ist, dass die Kirche auch dort zum Heil der Menschen gegenwärtig ist und dass wir auch dort beten und die Eucharistie feiern können.”

Christian konnte in Algerien nicht lange die Eucharistie feiern und wirken. Er hatte sich daran gemacht, für die Leute vor Ort eine neue Bibliothek aufzubauen. Kurz nach Weihnachten 1994 überfiel eine Gruppe von Terroristen das Missionshaus und Christian wurde zusammen mit seinen Mitbrüdern umgebracht. Das eucharistische Opfer des Leibes und Blutes Christi, das ihm so am Herzen lag, wurde besiegelt durch die Hingabe seines eigenen Leibes und Blutes.

Sein Primizbild, auf dem eine Schmerzensmutter (Pietà) in dunklem Gewand zu sehen ist, habe ich oft vor Augen und manchmal bete ich, dass ich wie Christian den Mut habe, mein ganzes Leben für Christus und die Menschen hinzugeben.

Erzbischof Michael Fitzgerald, der selbst Afrikamissionar ist, sagte am 24. November 2018, bei einer Diakonenweihe und Missionseid-Feier dreier junger Afrikamissionare treffend: „Das Zeugnis, das von euch verlangt wird, kann bis zum Martyrium gehen (das Wort Martyrium bedeutet «Zeugnis»). Denken wir an unsere Mitbrüder in Algerien, die am kommenden 8. Dezember als Märtyrer seliggesprochen werden und denken wir an alle Mitbrüder, die einen gewaltsamen Tod erlitten haben und deren Namen eingeschrieben sind auf den Gedenktafeln in der Krypta des Generalates in Rom. Aber das Martyrium wird vorbereitet durch ein hingegebenes Leben, durch ständige Akte der Liebe und des Dienstes.“

Der aus dem Erzbistum Freiburg i.Br. stammende Pater Andreas Fritsch FSO (Das Werk/Bregenz) lebt seit mehreren Jahren in Jerusalem.

Archivfoto Christian Chessel © Diözese Nizza


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