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Erzbischof Gänswein: Missbrauchsskandale sind 9/11 der Kirche

11. September 2018 in Weltkirche, 49 Lesermeinungen
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Rede von Erzbischof Georg Gänswein bei Vorstellung des Buchs "Die Benedikt Option" im WORTLAUT auf kath.net


Rom (kath.net/KAP/red) Aus Sicht von Kurienerzbischof Georg Gänswein erschüttern die Missbrauchsskandale die katholische Kirche in ähnlichem Maß wie die Terrorattacken vom 11. September 2001 die USA. "Heute schaut in der Tat auch die katholische Kirche voller Befremden auf ihren eigenen 11. September, auch wenn sich diese Katastrophe leider nicht auf ein einziges Datum bezieht, sondern auf viele Tage und Jahre und auf unzählige Opfer", sagte Gänswein am Dienstag in Rom. Zugleich stellte er klar, er wolle keinesfalls die Opfer des 11. September und ihre Zahlen mit denen des Missbrauchs in der Kirche vergleichen.

Die Meldungen aus den USA über Missbrauch zeigten, "wie viele Seelen unheilbar und tödlich von Priestern der katholischen Kirche verletzt wurden". Der Erzbischof weiter: "Sie überbringen uns eine Botschaft, die noch schlimmer ist, als es der plötzliche Einsturz aller Kirchen in Pennsylvania sein könnte und noch dazu der 'Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington'."

Gänswein ist als Privatsekretär für den emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013) sowie als Präfekt des Päpstlichen Hauses für Papst Franziskus tätig. Er äußerte sich am Dienstag in Rom bei der Vorstellung des Buchs "Die Benedikt-Option - Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft" des US-Autors Rod Dreher. Dieser trat 1993 zum Katholizismus über, wechselte aber 2006 aufgrund des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche zur orthodoxen Kirche.

Vortrag "Das "Nine-Eleven" der Katholischen Kirche"

Vielen Dank für die Einladung in dieses Hohe Haus, die ich gern angenommen habe, um das Buch von Rod Dreher aus Amerika vorzustellen, von dem ich schon viel gehört hatte. Der Mönchsvater aus Norcia, dem das Buch seinen programmatischen Titel verdankt, hatte mich sehr gereizt, hierher zu kommen. Aber auch das Datum hat mich sehr berührt und bewegt, an dem wir heute Abend mit dem kühnen Autor hier in Rom zusammen zu treffen.

Denn es ist ja der 11. September, der in Amerika seit dem Herbst 2001 nur noch als „Nine/Eleven“ bezeichnet wird, um an jenes apokalyptische Unheil zu erinnern, in dem damals Mitglieder der Terrororganisation Al Khaida in New York und Washington die Vereinigten Staaten von Amerika vor den Augen aller Welt angriffen - wobei sie voll besetzte Passagiermaschinen, die sie im Flug gekapert hatten, als Granaten benutzten. Je mehr ich mich im Hurrikan der Nachrichten der letzten Wochen über das Buch Rod Drehers beugte, musste ich nach der Veröffentlichung des Berichts der Grand Jury von Pennsylvania unser Zusammentreffen heute Abend nur noch als einen Akt göttlicher Fügung begreifen, wo nun auch die katholische Kirche voller Entsetzen auf ein eigenes „Nine/Eleven“ schauen muss, auch wenn diese Katastrophe leider nicht nur mit einem Datum, sondern mit vielen Tagen und Jahreszahlen und mit zahllosen Opfern verbunden ist.

Verstehen Sie das nicht falsch. Ich will weder die Opfer noch die Zahlen der Missbräuche im Raum der katholischen Kirche mit den insgesamt 2.996 unschuldigen Menschen vergleichen, die am 9. September 2001 bei den Terrorangriffen auf das World Trade Center und das Pentagon ihr Leben verloren.

Keiner hat die Kirche Christi (bisher) mit vollbesetzten Passagierflugzeugen angegriffen. Der Petersdom steht noch und all die Kathedralen Frankreichs, Deutschlands oder Italiens, die immer noch die Wahrzeichen vieler Städte der westlichen Welt von Florenz über Chartres bis Köln und München sind.

Und dennoch: die Nachrichten, die uns in letzter Zeit aus Amerika darüber Auskunft erteilen, wie viele Seelen von Priestern der katholischen Kirche unheilbar und tödlich verletzt worden sind, vermitteln eine schlimmere Botschaft, als seien alle Kirchen Pennsylvanias auf einmal eingestürzt - zusammen mit der „Basilika der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau“ in Washington D.C..

Dabei erinnere mich, als sei es gestern gewesen, wie ich Papst Benedikt XVI. am 16. April 2008 in dieses Nationalheiligtum der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika begleiten durfte, wo er die Bischöfe des Landes herzergreifend aufzurütteln versuchte und gebeugt von der „tiefen Scham“ über den „sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Priester“ sprach und „von dem enormen Schmerz, den eure Gemeinden erlitten haben, als Kleriker ihre priesterlichen Pflichten und Aufgaben durch ein so schwerwiegend unsittliches Verhalten verraten haben“.

Es war wohl vergeblich, wie wir heute sehen. Die Klage des Heiligen Vaters hat dem Bösen nicht Einhalt bieten können und auch nicht die Lippenbekenntnisse von einem Großteil der Hierarchie.

Und nun ist Rod Dreher unter uns, der sein Buch mit den Worten beginnt: „Niemand hatte die große Flut kommen sehen.“ In seiner Danksagung hat er es auf besondere Weise Papst Benedikt XVI gewidmet. Und er hat es – wie mir scheint – in weiten Teilen quasi im stillen Dialog mit dem schweigenden Papa emerito verfasst, unter Berufung auf dessen analytisch-prophetische Kraft, wo er sagt: "Im Jahr 2012 sagte der damalige Pontifex, die spirituelle Krise, die den Westen ergreift, sei die gravierendste seit dem Untergang des Römischen Reiches gegen Ende des fünften Jahrhunderts. Das Licht des Christentums ist überall im Westen am Verlöschen."

Erlauben Sie im Folgenden deshalb bitte auch mir, die Vorstellung der „Benedikt-Option“ Rod Drehers mit einigen Worten aus dem Mund Benedikt XVI zu begleiten, die mir in seinem Dienst unvergesslich wurden und im Lauf der Lektüre wieder durch den Kopf gegangen sind, etwa aus jener Stunde am 11. Mai 2010, als er auf dem Flug nach Fatima den mitfliegenden Journalisten folgendes anvertraute: Der Herr hat uns gesagt, dass die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden würde bis zum Ende der Welt… Unter dem Neuen, das wir heute (im dritten Geheimnis der Botschaft von Fatima) entdecken können, ist auch die Tatsache, dass die Angriffe gegen den Papst und die Kirche nicht nur von außen kommen. Sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche. Sie kommen von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde innerhalb der Kirche."

Da war er schon fünf Jahre lang Papst. Mehr als fünf Jahre zuvor - am 25. März 2005 - hatte Kardinal Ratzinger auf dem Kreuzweg am Karfreitag am Kolosseum vor dem sterbenden Johannes Paul II. an der 9. Station schon folgende Worte gefunden:


"Müssen wir beim dritten Fall Jesu unter dem Kreuz nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muss? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart missbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht und missbraucht? Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel leeres Gerede gibt es? Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muss doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison – Herr, rette uns!“
Vom heiligen Johannes Paul II. hatten wir davor gelernt, dass in unserer geschichtlichen Stunde die wahre und vollendete Ökumene die Ökumene der Märtyrer sei, wo wir die heilige Edith Stein neben Dietrich Bonhoeffer als Fürsprecher im Himmel in unseren Nöten anrufen dürfen. Doch wie wir inzwischen wissen, gibt es auch eine Ökumene der Not und der Verweltlichung und eine Ökumene des Unglaubens und der gemeinsamen Flucht vor Gott und aus der Kirche quer durch alle Konfessionen.

Und eine Ökumene der allgemeinen Gottesverfinsterung. Jetzt erleben wir deshalb nur die Wasserscheide eines Epochenwandels, den Dreher vor einem Jahr schon in Amerika prophetisch vorgestellt hat. Er hatte die große Flut kommen sehen!

Er hält aber auch fest, dass Gottesfinsternis eben nicht heißt, dass es Gott nicht mehr gibt, sondern dass viele Gott nicht mehr erkennen, weil sich Schatten vor den Herrn geschoben haben. Heute sind es die Schatten der Sünden und Vergehen und Verbrechen aus dem Raum der Kirche, die seine leuchtende Gegenwart für viele verdunkeln.

Die Volkskirche, in die wir noch hinein geboren wurden, und die es in Amerika nie so gab wie in Europa, ist im Prozess dieser Verfinsterung schon lange gestorben. Klingt Ihnen das zu dramatisch?

Die Austrittzahlen sind dramatisch. Noch dramatischer erscheint allerdings ein anderes. Von den Katholiken, die in Deutschland noch nicht aus der Kirche ausgetreten sind, treffen sich nach jüngsten Erhebungen nur noch 9,8 Prozent am Sonntag in ihren Gotteshäusern zur gemeinsamen Feier der Allerheiligsten Eucharistie.

Das erinnert mich wieder an die erste Reise Papst Benedikts nach seiner Wahl, als er den großenteils jugendlichen Zuhörern am 29. Mai 2005 am Ufer der Adria folgende Erinnerung ans Herz legte: Der Sonntag sei als ein »wöchentliches Ostern« Ausdruck der Identität der christlichen Gemeinschaft und Mittelpunkt ihres Lebens und ihrer Sendung. Das Thema des Eucharistischen Kongresses (»Ohne den Sonntag können wir nicht leben«) führe aber zurück in das Jahr 304, als Kaiser Diokletian den Christen unter Todesstrafe verbot, die Heilige Schrift zu besitzen, am Sonntag zur Feier der Eucharistie zusammenzukommen und Räume für ihre Versammlungen zu errichten.

„In Abitene aber, einem kleinen Dorf im heutigen Tunesien, wurden eines Sonntags 49 Christen, die im Haus des Octavius Felix zusammengekommen waren, überrascht, als sie die Eucharistie feierten und sich damit den kaiserlichen Verboten widersetzten. Sie wurden festgenommen und nach Karthago gebracht, um vom Prokonsul Anulinus verhört zu werden. Bedeutsam war unter anderem die Antwort eines gewissen Emeritus an den Prokonsul, der ihn fragte, warum sie dem strengen Befehl des Kaisers zuwidergehandelt hätten. Er antwortete: »Sine dominico non possumus«. Das bedeutet: Ohne uns am Sonntag zur Feier der Eucharistie zu versammeln, können wir nicht leben. Es würden uns die Kräfte fehlen, uns den täglichen Schwierigkeiten zu stellen und nicht zu unterliegen. Nach grausamer Folter wurden diese 49 Märtyrer von Abitene getötet. So bezeugten sie mit dem Vergießen ihres Blutes ihren Glauben. Sie starben, haben aber gesiegt: Wir gedenken ihrer jetzt in der Herrlichkeit des auferstandenen Christus.“

Das heißt: was wir als Kinder in den so genannten Volkskirchen noch als so genannte „Sonntagspflicht“ kennen gelernt haben, ist in Wahrheit das kostbare Alleinstellungsmerkmal der Christen. Und es ist viel älter als alle Volkskirchen. Es ist also eine wahrhaft endzeitliche Krise, in der sich die katholische Kirche inzwischen seit langem schon befindet wie sie aber auch schon meine Mutter und mein Vater in ihren Tagen wahrzunehmen vermeinten - mit „Gräueln der Verwüstung an heiliger Stätte“ – und die ja vielleicht jede Generation der Kirchengeschichte an ihrem Horizont erkannte,

Zuletzt aber fühlte ich mich an manchen Tagen in die Tage meiner Kindheit versetzt – zurück in die Schmiede meines Vaters im Schwarzwald, wo die Hammerschläge auf den Amboss kein Ende nahmen, doch ohne meinen Vater, dessen sicheren Händen ich wie den Händen Gottes vertraute.

Dabei bin ich offensichtlich nicht allein. Im Mai hat auch der Erzbischof von Utrecht in Holland, Kardinal Willem Jacobus Eijk, gestanden, dass ihn die gegenwärtige Krise an „die letzte Prüfung der Kirche“ erinnere, wie sie der Katechismus der katholischen Kirche im Absatz 675 mit den Worten beschreibt, dass die Kirche sie vor der Wiederkehr Christi durchmachen müsse, als Prüfung, „die den Glauben vieler erschüttern wird“. Und wo es im selben Katechismus weiter heißt: „Die Verfolgung, die die Pilgerschaft der Kirche auf Erden begleitet, wird das ‚Mysterium der Bosheit‘ enthüllen.“

Mit diesem „Mysterium iniquitatis“ ist auch Rod Dreher vertraut wie ein Exorzist, wie er mit seinen Berichten der letzten Monate bewiesen hat, wo auch er die Aufklärung der Skandalgeschichte des ehemaligen Erzbischofs von Newark und Washington wie vielleicht kaum sonst ein Journalist befördert hat. Dennoch ist er kein Enthüllungsreporter. Er ist auch kein Phantast, sondern ein nüchterner Analytiker, der den Zustand der Kirche und Welt seit langem wach und kritisch verfolgt und sich dennoch einen fast kindlich-liebenden Blick auf die Welt bewahrt hat.

Deshalb legt Dreher auch keinen apokalyptischen Roman vor wie den berühmten „Herrn der Welt“, mit dem der britische Geistliche Robert Hugh Benson im Jahr 1906 die angelsächsische Welt erschütterte. Eher gleicht Drehers Buch einer praktikablen Anleitung zum Bau einer Arche, weil er weiß, dass es keinen Staudamm gibt, mit dem sich die große Flut noch aufhalten ließe, die nicht erst seit gestern dabei ist, das alte christliche Abendland zu überschwemmen, zu dem für ihn wie selbstverständlich auch Amerika gehört

Das macht auch gleich einen dreifachen Unterschied zwischen Dreher und Benson deutlich: Als waschechter Amerikaner ist Dreher erstens praktischer als der etwas spleenige Brite aus Cambridge in der Epoche vor dem I. Weltkrieg. Zweitens ist Dreher als Bürger Louisianas hurrikan-erprobt. Und drittens ist er überhaupt kein Geistlicher, sondern ein Laie, der nicht in fremdem Auftrag, sondern aus ureigenem Willen und Eifer für das Reich Gottes wirbt, das Jesus Christus für uns ausgerufen hat. In dem Sinn ist er ein Mann ganz nach dem Gefallen und Geschmack von Papst Franziskus, der wie wohl kaum ein zweiter in Rom weiß, dass die Krise der Kirche in ihrem Kern eine Krise des Klerus ist. Und dass nun die Stunde der souveränen Laien geschlagen hat, vor allem in den neuen und unabhängigen katholischen Medien, wie sie Rod Dreher geradezu verkörpert.


Die Leichtigkeit seiner Darstellung hat wohl mit den noblen Erzähltraditionen der Südstaaten Amerikas zu tun, denen Mark Twain einmal globalen Rang verliehen hat. Und wenn ich vorhin sagte, dass ich mich zuletzt wiederholt als Kind in der Schmiede vor den Hammerschlägen meines Vaters auf den Amboss wiedergesehen habe, dann muss ich gestehen, dass mich die unkomplizierte Lektüre dieses gewichtigen Buches auch immer wieder in die Abenteuerwelt meiner Kindheit entführt hat, wo ich Tom Sawyer und seinem Freund Huck‘ Finn hinterher träumte.

Bei Rod Dreher hingegen geht es nicht um Träume, sondern um Fakten und um Analysen, die er zu Sätzen wie diesem verdichtet: „Der psychologische Mensch hat auf ganzer Linie gesiegt und beherrscht nun unsere Kultur – einschließlich der meisten Kirchen – so sicher, wie einst die Ostgoten, Westgoten, Vandalen und andere Eroberungsvölker die Überreste des Weströmischen Imperiums beherrschten.“

Oder: „Unsere Wissenschaftler, unsere Richter, unsere Fürsten, unsere Gelehrten und Schriftsteller arbeiten daran, den Glauben, die Familie, die Geschlechterordnung, ja sogar die Definition, was es heißt, Mensch zu sein, niederzureißen. Die Barbaren unserer Zeit haben die Tierfelle und Speere der Vergangenheit gegen Designeranzüge und Smartphones eingetauscht.“

Kapitel 3 seines Buches beginnt er mit den Worten: „Man kann nicht in die Vergangenheit zurückreisen, aber man kann nach Norcia reisen.“ Kurz danach fährt er dann – prophetisch aktuell, doch überhaupt nicht hämisch - folgendermaßen fort: „Eine Legende besagt, in einem Streitgespräch mit einem Kardinal habe Napoleon darauf hingewiesen, dass es in seiner Macht stünde, die Kirche zu vernichten.“

„Majestät“, entgegnete der Kardinal, „wir – die Geistlichkeit – haben seit 1800 Jahren unser Möglichstes getan, die Kirche zu zerstören. Es ist uns nicht gelungen. Und Euch wird es auch nicht gelingen.“

„Vier Jahre, nachdem die Benediktiner aus ihrem Kloster in Norcia vertrieben worden waren, lag Napoleons Reich dann in Trümmern, und der anmaßende Kaiser selbst war im Exil. Heute sind in der Heimatstadt des heiligen Benedikt hingegen erneut gregorianische Choräle zu hören ...“ Im selben Norcia war allerdings zuletzt auch das Brüllen aus der Tiefe in jenem großen Erdbeben zu hören, das im August 2016 die Stadt erschütterte und die Basilika des heiligen Benedikt in wenigen Sekunden bis auf die Frontfassade in Trümmer legte. Zur etwa gleichen Zeit setzten Wolkenbrüche aber auch die Heimatstadt Rod Drehers am Oberlauf des Mississippi unter Hochwasser.

Es sind zwei dramatische Schlüsselszenen, die nun wie nach einem himmlischen Drehbuch am Anfang und am Ende seines Buches stehen – und wie zur Illustration einer These, die Dreher im 1. Kapitel so formuliert: „Die Realität unserer Situation ist in der Tat alarmierend, aber wir können es uns nicht leisten, in eine Untergangshysterie zu verfallen. Es steckt ein verborgener Segen in dieser Krise, wenn wir ihn nur wahrnehmen wollten. ... Der kommende Sturm könnte das Mittel sein, mit dem Gott uns rettet.“

Der Begriff des Erdbebens war in den letzten Tagen häufig innerhalb der Kirche zu hören für jenen Zusammenbruch, von dem ich sage, dass damit nun auch die katholische Kirche ihr „Nine/Eleven“ erlebt hat.

Rod Dreher beschreibt die Antwort der Mönche von Norcia auf die Katastrophe, die ihre Abtei am Geburtsort des heiligen Benedikt in Trümmer gelegt hat, hingegen mit wenigen Worten, die ich Ihnen vorlesen muss, weil sie so sprechend sind:

„Die Benediktinermönche von Norcia sind auf eine Weise zum Zeichen für die Welt geworden, die ich nicht vorhersehen konnte, als ich begann, dieses Buch zu schreiben. Das Beben schlug mitten in der Nacht zu, aber die Mönche waren wach, um die Matutin zu beten. Sie verließen das Kloster fluchtartig und brachten sich auf der offenen Piazza des Ortes in Sicherheit.

Rückblickend merkte Pater Cassian an, das Erdbeben könne als Symbol für den Zusammenbruch der christlichen Kultur im Westen gesehen werden, aber es habe in jener Nacht noch ein zweites, hoffnungsvoll stimmendes Symbol gegeben. Dieses zweite Symbol war die Versammlung der Menschen rund um die Statue des heiligen Benedikt auf der Piazza und ihr gemeinsames Gebet. Das ist der einzige Weg zum Wiederaufbau.“

Nach diesem Zeugnis Pater Cassians darf ich Ihnen verraten, dass sich auch Benedikt XVI. seit seinem Rücktritt als alter Mönch versteht, der sich nach dem 28. Februar 2013 vor allem dem Gebet für die Mutter Kirche und seinen Nachfolger Papst Franziskus und das von Christus selbst gestiftete Petrusamt verpflichtet weiß.

Aus dem Kloster MATER ECCLESIAE hinter der Petersbasilika würde der alte Mönch im Blick auf das Werk Drehers deshalb wohl auf eine Ansprache verweisen, die er als amtierender Papst am 12. September 2008 im Collège des Bernardins in Paris vor der geistigen Elite Frankreichs gehalten hat. Das ist morgen vor genau zehn Jahren gewesen, und diese Rede will auch ich Ihnen deshalb in Auszügen noch einmal hier kurz vorstellen:

Im großen Kulturbruch der Völkerwanderung und der sich bildenden neuen staatlichen Ordnungen waren die Mönchsklöster der Ort, an dem die Schätze der alten Kultur überlebten und zugleich von ihnen her eine neue Kultur langsam geformt wurde, sagte Benedikt XVI. damals und fragte: „Aber wie ging das zu? Was hat die Menschen bewegt, die sich an diesen Orten zusammenfanden? Was wollten sie? Wie haben sie gelebt? Da ist zunächst und als erstes ganz nüchtern zu sagen, dass es nicht ihre Absicht war, Kultur zu schaffen oder auch eine vergangene Kultur zu erhalten. Ihr Antrieb war viel elementarer. Ihr Ziel hieß: quaerere Deum - Gott suchen. In der Wirrnis der Zeiten, in der nichts standzuhalten schien, wollten sie das Wesentliche tun - sich bemühen, das immer Gültige und Bleibende, das Leben selber zu finden. Sie waren auf der Suche nach Gott. Sie wollten aus dem Unwesentlichen zum Wesentlichen, zum allein wirklich Wichtigen und Verlässlichen kommen. Sie suchten das Endgültige hinter dem Vorläufigen…

Quaerere Deum - Gott suchen und sich von ihm finden lassen, das ist heute nicht weniger notwendig denn in vergangenen Zeiten. Eine bloß positivistische Kultur, die die Frage nach Gott als unwissenschaftlich ins Subjektive abdrängen würde, wäre die Kapitulation der Vernunft, der Verzicht auf ihre höchsten Möglichkeiten und damit ein Absturz der Humanität, dessen Folgen nur schwerwiegend sein könnten. Das, was die Kultur Europas gegründet hat, die Suche nach Gott und die Bereitschaft, ihm zuzuhören, bleibt auch heute Grundlage wahrer Kultur.“

Soweit Papst Benedikt XVI. am 12. September 2008 über die wahre „Option“ des heiligen Benedikt von Nursia. - Danach bleibt mir nur noch dies über Drehers Buch zu sagen: Es enthält keine fertige Antwort. Es findet sich hier kein Patentrezept oder ein Generalschlüssel für alle Tore, die so lange für uns offenstanden und nun wieder krachend ins Schloss gefallen sind. Zwischen diesen beiden Buchdeckeln findet sich aber ein authentisches Beispiel für das, was Papst Benedikt vor zehn Jahren über den benediktinischen Geist des Anfangs gesagt hat. Es ist ein wahres „Quaerere Deum“. Es ist jene Suche nach dem wahren Gott Isaaks und Jakobs, der in Jesus von Nazareth sein menschliches Gesicht gezeigt hat.

Deshalb kommt mir hier noch ein Satz aus dem Kapitel 4,21 der Regel des heiligen Benedikt in den Sinn, der ebenfalls und unausgesprochen das gesamte Buch Drehers als Cantus Firmus durchzieht und beseelt. Das ist das legendäre „Nihil amori Christi praeponere“. Das heißt übersetzt: nichts der Liebe zu Christus vorziehen. Es ist der Schlüssel, dem sich das ganze Wunderwerk des abendländischen Mönchstums verdankt.

Benedikt von Nursia war ein Leuchtturm in der Völkerwanderung, als er die Kirche durch die Wirren der Zeit rettete und damit die europäische Zivilisation im gewissen Sinn neu begründete.

Nun aber erleben wir nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Erde seit Jahrzehnten wieder eine Völkerwanderung, die niemals mehr an ein Ende kommen wird, wie Papst Franziskus klar erkannt hat und uns allen eindringlich ins Gewissen redet. Deshalb ist diesmal auch nicht alles anders als damals.

Wenn die Kirche sich dieses Mal nicht wieder mit Gottes Hilfe zu erneuern versteht, steht deshalb auch wieder das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel. Für viele sieht es wohl schon so aus, als würde und könne sich die Kirche Jesu Christi nie mehr von der Katastrophe ihrer Sünde erholen, die sie gerade fast zu verschlingen droht.

Und genau dies ist nun die Stunde, in der Rod Dreher aus Baton-Rouge in Louisiana heute sein Buch in der Nähe der Apostelgräber vorstellt, und mitten in der Gottesfinsternis, vor der wir weltweit erschrecken, hier vor uns tritt und sagt: „Die Kirche ist nicht tot, sie schläft und ruht nur“.

Und nicht nur dies. Die Kirche „ist jung“, scheint er auch noch zu sagen, und er sagt es so froh und frei, wie Benedikt XVI. es bei der Übernahme des Petrusamtes am 24. April 2005 schon sagte, als er damals noch einmal an das Leiden und Sterben des heiligen Papstes Johannes Paul erinnerte, dessen Mitarbeiter er so viele Jahre lang war. Er rief uns allen auf dem Petersplatz zu:

„Durch alle Traurigkeit von Krankheit und Tod des Papstes hindurch ist uns dies auf wunderbare Weise sichtbar geworden: Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft. Die Kirche lebt. Wir sehen es, und wir spüren die Freude, die der Auferstandene den Seinen verheißen hat. Die Kirche lebt – sie lebt, weil Christus lebt, weil er wirklich auferstanden ist. Wir haben an dem Schmerz, der auf dem Gesicht des Heiligen Vaters in den Ostertagen lag, das Geheimnis von Christi Leiden angeschaut und gleichsam seine Wunden berührt. Aber wir haben in all diesen Tagen auch den Auferstandenen in einem tiefen Sinn berühren dürfen. Wir dürfen die Freude verspüren, die er nach der kurzen Weile des Dunkels als Frucht seiner Auferstehung verheißen hat.“

Diese Wahrheit über den Ursprung ihrer Gründung durch den auferstandenen Herrn und Sieger kann auch das satanische „Nine/Eleven“ der Katholischen Weltkirche weder schwächen noch zunichte machen.

Deshalb muss ich ehrlich gestehen, dass ich diese Zeit der großen Krise, die heute keinem mehr verborgen ist, vor allem auch als eine Zeit der Gnade wahrnehme, weil uns am Schluss ja nicht irgendeine besondere Anstrengung, sondern nur „die Wahrheit frei machen“ wird, wie uns der Herr versichert hat.

In dieser Hoffnung schaue ich die jüngsten Berichte Rod Drehers zur „Reinigung der Erinnerung“ an, die Johannes Paul II. uns aufgetragen hat, und so habe ich auch seine „Benedikt-Option“ dankbar als eine in vieler Hinsicht wunderbare Inspiration gelesen. In den letzten Wochen hat mir kaum etwas so viel Trost gespendet. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Erzbischof Georg Gänswein

Archivfoto Erzbischof Gänswein


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Foto oben (c) Petra Lorleberg/kath.net


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Lesermeinungen

  13. September 2018 
 

911 ist Fake bzw. DeepState, Franziskus ebenso


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 Bernhard Joseph 13. September 2018 
 

@SpatzInDerHand, @cn, @Rolando

Das war in der Tat überspitzt formuliert, um eine allgemeine(!) Tendenz, die definitiv erkennbar ist, zu beschreiben.

Ich kenne auch Freikirchler und will ihnen den Glauben nicht absprechen, wobei ich nicht selten erlebe, dass dort ein gewisser moralischer Chauvinismus vorherrscht, im Sinne eines Auserwähltseins. Das wiederum kann dann zu argen Verzerrungen der Offenbarungsinhalte führen.

Übrigens komme ich aus einem Elternhaus beider Konfessionen und weiß durchaus wovon ich rede. Der Protestantismus, so wie ich ihn kennen gelernt habe - zeichnet sich heute durch eine enorme Flachheit aus. Natürlich kann da auch viel Betroffenheitsrhetorik die Genauigkeit des Denkens übertünchen, wirklich Trost spenden kann das aufgesetzte Reden von einem Gott, der völlig im Diffusen verbleibt, in der Regel aber nicht.

Dass alles soll nicht verdecken, dass der Zustand in vielen katholischen Gemeinden hierzulande ebenfalls höchst betrüblich ist, was den Glaubensernst anbetrifft.


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 Rolando 13. September 2018 
 

SpatzInDerHand, cn, Berhard Joseph

Das Problem sind diejenigen Protestanten und Katholiken, welche sich einig sind und in den Medien sind und die öffentliche Meinung beeinflussen. Die sieht man (bei den Katholiken) in keinem Beichtstuhl und vor keinem ausgesetzten Allerheiligen. Die protestantische Oma, sowie die katholische Oma, die ihre Pflicht tun, sind nicht das Problem.


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 SpatzInDerHand 13. September 2018 

@Bernhard Joseph: Ein bisschen differenzierter darf es gerne sein!

Ja, es gibt jene Kulturprotestanten, die Sie beschreiben. Es gibt aber auch andere und ich kenne nicht wenige von ihnen. Ihr glühender Glaube ist mir oft genug Glaubensvorbild! Vielleicht haben Sie immer nur in die falschen Kreise hineingeschaut... die meisten Landeskirchen, ihr Personal und ihre Aktionen sind nicht mehr so überzeugend, Sie müssen da schon in landeskirchliche Gemeinschaften schauen oder noch besser in Freikirchen (aber auch da gibt es natürlich solche und solche, wie überall - wie übrigens auch bei uns Katholiken ;) )


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 Rolando 13. September 2018 
 

scheinfrager

Es wäre gut zu wissen, ob es den Mißbrauch auch in der Orthodoxen Kirche gibt, gab, in welchem Umfang, und warum, oder warum nicht.
Evtl. kennt Jemand deren Situation bei diesen Thema.


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 cn 12. September 2018 
 

@Bernhard Joseph II

"In den protestantischen Gemeinden dient das Reden von Gott lediglich noch als Vehikel zur Verbreitung politischer Parolen."

Meine Mutter war protestantisch getauft. Gerne würde ich Ihnen die Traueransprache zusenden, die der protestantische Pfarrer auf sie gehalten hat (es ist leider noch nicht lange her). Gab es in der Traueransprache "politische Parolen"? Ich glaube nicht. Politische Parolen wären sicher auch das Letzte, was mich in dieser Situation hätten trösten können.


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 cn 12. September 2018 
 

@Bernhard Joseph

Danke für Ihre Ausführungen. Theoretisch würde ich Mt 7,1 nicht absolut nehmem, praktisch versuche ich es schon. Wobei es mir ehrlich gesagt nie in den Sinn gekommen wäre, die Stelle als einen "Freifahrtschein zum Sündigen" aufzufassen. Meine Lebenserfahrung ist jedenfalls diese, dass moralische Urteile über Andere irgendwann auf einen selber zurückfallen. Meine Konsequenz daraus ist diese, dass ich versuche, Andere nicht zu verurteilen, sondern stattdessen versuche, ihnen die Konsequenzen ihres Verhaltens für sich und Andere aufzuzeigen. Genau so versuche ich auch, mit mir selber umzugehen. Die genaue Beschreibung der Auswirkungen eines Verhaltens ist nach meiner Erfahrung auch meist wirkungsvoller als ein moralisches Urteil, auch wenn sie sehr viel mehr Mühe erfordert. Insofern würde ich in Frage stellen wollen, ob es eine "Pflicht zum moralischen Urteil"gibt.


2

0
 
 Stephaninus 12. September 2018 
 

@ad Verbum tuum @Guingamp

adVt: vielen Dank für Ihren Tipp

@Guingamp: vielen Dank für Ihr Zeugnis und Ihre Ausführungen.
1. Ich wusste nicht, dass der Autor zur Orthodoxen Kirche übergetreten ist.
2. Sie schreiben offen über Ihren Gedanken, sich der Orthodoxie zuzuwenden, und warum Sie es doch nicht getan haben. Das hat mich sehr angesprochen. Ich finde mich darin in vielem persönlich wieder. Eigentlich wäre es schön, wenn ich mich mit Ihnen einmal vertieft darüber austauschen könnte.


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 Bernhard Joseph 12. September 2018 
 

@griasdigott

Nun, der Protestantismus ist in D weitestgehend entchristlicht. In den protestantischen Gemeinden dient das Reden von Gott lediglich noch als Vehikel zur Verbreitung politischer Parolen.

In der Katholischen Kirche sieht es zwar etwas besser aus, wobei es stark auf den jeweiligen Pfarrer ankommt, erfreulich ist die Situation leider auch nicht.

Gerade in der Katechese hat sich zuweilen ein Ungeist eingenistet, der junge Menschen nicht zu Gott hinführt, sondern geradewegs von ihm Weg hin zu ideologisierten Weltbildern.

Blickt man dann noch auf Rom, den ganzen Zynismus, der sich da in das Gewand angeblich großer Glaubenstiefe kleidet, wobei offensichtlich ist, dass genau der Klerikalismus, den man angeblich so ablehnt, das Zepter schwingt, dann kann man als einfacher Katholik schon verzweifeln.

Und dennoch, die Kraft kommt aus dem Glauben, seiner reinen Wahrheit, die auch der schlimmste Klerikalismus heutiger Prägung nicht zerstören kann.


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 Mr. Incredible 12. September 2018 
 

Jetzt werden wir aber nicht melodramatisch.

Bei allem verständlichen Schmerz: Wenn mir einer in mein Haus sche....t, dann werde ich wütend, aber ich fange nicht an zu weinen.
Die Kirche (wir) muss handeln.
Bemühen wir uns um Nüchternheit. Der Kampf ist gewaltig, so what? Den Irren den Platz überlassen? Niemals.
Es gibt sicherlich Details der Priesterausbildung, die nicht jedem sofort klar sind.
Aber:
Missbrauch ist der letzte Dreck! Ganz einfach.
In der Priesterausbildung hat Homnosexualität nichts verloren. Dafür gibt es auch theologische Begründungen, aber aktuell genügen einfach die Opfer und die total degenerierten Täter als Grund, da sichtbare Zeichen/Resultate. Sage ich damit alle homosexuell empfindende Menschen sind böse? Nein. Damit das mal klar ist, liebe Ideologen.
Die USA haben keine Kirchensteuer, aber die Kirche in D hat sicherlich zu viel Kohle. Entweltlichng von BXVI ist angesagt. Wenn man aus der Kirchensteuer rauskann, ist ein Weg (siehe Italien), es wird aber noch Jahre dauern, bis die Milliarden weg sind.


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 scheinfrager 12. September 2018 
 

interessante II

Für Dreher ist das ganze natürlich irgendwie absurd; er ist orthodoxer Christ (er war bis 2006 Katholik), er hat also gar keinen Anlass, sich irgendwie für oder gegen Papst Franziskus zu positionieren, denn der kann ihm eigentlich egal sein.

Er geht auch davon aus, dass Spadaro und andere, die in seinem Buch einen Gegenentwurf zu den Ideen von Franziskus haben, sein Buch nicht gelesen und/oder nicht verstanden haben. Er erwähnt Franziskus nicht mal in dem Buch.

Interessant wird es jetzt vor allem durch folgende zwei denkbare Möglichkeiten:

a. Gänswein würde nie etwas machen, was gänzlich gegen die Linie von Benedikt XVI. ist.

b. Gänswein ist nicht doof und wird sich folglich z.b. über ein Buch und dessen Rezipierung in kirchlichen Kreisen informieren, bevor er bei dessen Vorstellung in einer übersetzten Version auftritt.
c. "Team Francis" weiß von a und b

Würden die Hypothesen zutreffen, dann wäre der Auftritt Gänsweins ein nahezu gezielter Affront von Benedikt Richtung Franziskus


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 Ulrich Motte 12. September 2018 
 

Vermutung, nicht Vorhersage

Auf die Mitgliederentwicklung und den Gottesdienstbesuch in der BRD dürften die so traurigen Ereignisse in den USA kaum Auswirkungen haben, selbst wenn man Zuwachs durch Zuwanderung abrechnete. Ob stark in den USA?


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 scheinfrager 12. September 2018 
 

Das interessanteste aus meiner Sicht an der Meldung ist,

dass Erzbischof Gänswein das Buch von Rod Dreher vorgestellt hat.

Denn wie der gute Pater Hagenkord hier andeutet:
https://blog.radiovatikan.de/option-benedikt/

und sich dabei auch auf Aussagen von Kardinal Cupich beruft und wie der Buchautor Rod Dreher selber hier sagt:
https://www.theamericanconservative.com/dreher/pope-francis-vs-the-benedict-option/

wird zumindest bei den "Verbündeten" von Papst Franziskus die "Benedikt Option" von Dreher als quasi Gegenentwurf zu Papst Franziskus verstanden.

Hier explizit von Spadaro:
https://cruxnow.com/church-in-the-usa/2017/10/11/spadaro-notre-dame-mercy-essential-understanding-popes-political-engagement/

"In his most direct mention of internal debates within American Christianity, Spadaro said that Francis’s view of engaging the world does not align with the “so-called ‘Benedict Option.’”

The Benedict Option is a best-selling book published by conservative commentator Rod Dreher"


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 lesa 12. September 2018 

Danke

Danke für diesen Beitrag!


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 griasdigott 12. September 2018 

@hauch - es reißt in meiner Seele

Besser kann man nicht schreiben, wie schwer der innere Kampf momentan ist, werte(r) hauch. Mir geht es ganz ganz so!

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem ökumenischen Paar und die Frage stand an, wo lässt man das Kind taufen, wie erzieht man es, wo geht man in die Kirche.

Ich musste die Wahrheit sagen! Wie sehr das schmerzt! Mein Rat war, auch wenn sich jetzt manche entsetzen, kath. Taufe, Kinder- und Jugendarbeit in der Freikirche (die machen das super, Bibel), selbst vor dem sog. Kath. Religionsunterricht musste ich warnen (in Ethik sitzen die Muslime - was tun?!),
Eucharistie und Firmung wichtig ...

Das Paar möchte noch mit Pastor und Pfarrer sprechen, wie man es am besten macht.

@Hauch mein Seelenschmerz war so gross, dass ich danach fast zusammengebrochen bin. Das kann sich gar keiner vorstellen. Das war schrecklich, eingestehen zu müssen, wie schlimmes ist.

Haltet euch an die Bibel, das NT, Studienbibel, sucht lebendige Beziehung zu Gott.


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 Ulrich Motte 12. September 2018 
 

Frage, nicht Behauptung

Was unterscheidet denn die Benedikt-Option von der typisch evangelisch-konservativen Trennungslehre? Demnach müssen sich Christen fern halten von Irrlehrern und irrlehrenden Kirchen,
von Sündern ohne Reue, von der "Welt".
Fernhalten heißt: keine geistliche Gemeinschaft, keine Fragwürdigkeiten, sondern klare Distanz zur Sünde, nur weltliche, nicht geistliche Zusammenarbeit, sondern "nur" Hilfe und Mission bei Falsch- und Nichtgläubigen. Wer Äußerungen des vorletzten Papstes etwa zum Islam und anderen Nichtchristen sieht oder auch etwa seine Behandlung des Falles McCarrick usw., könnte auch von einer "fundamentalitischen" Benedikt-Option "hoch 3" sprechen, oder?


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 Bernhard Joseph 12. September 2018 
 

@cn - Mt 7,1

Würde man Mt 7,1 im Sinne, wie Sie es hier wieder tun, in einem verabsolutierten Sinne verstehen, also den Bezugsrahmen außer Acht lassend, in den Mt 7,1 gehört, dann dürfte es gar kein moralisches Urteil geben, da Moral immer das Urteilen einschließt.

Mt 7,1 macht uns gerade deutlich, dass wir nicht außerhalb dessen stehen, was unsere moralischen Urteile umfasst. Wir sind und bleiben Sünder, was uns nicht von der Pflicht des moralischen Urteils dispensiert, wie es heute nicht wenige glauben, so als wolle Jesus uns ein Freifahrtschein zum Sündigen ausstellen.

Es geht darum, dass das moralische Urteil immer ein menschliches bleibt und kein göttliches ist, da nur Gott allein die Vollmacht hat, im letzten Sinne zu richten, d.h. darüber zu entscheiden, wer in die Hölle und wer in den Himmel kommt.

Wir sind aber dazu verpflichtet, die Sünde, z.B. in Gestalt der Unzucht, zu meiden und diejenigen zu mahnen, die ihr verfallen.


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 KT-GK2018 12. September 2018 

@hauch bin da ganz Ihrer Meinung

www.kathtube.com/player.php?id=46300


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 Rolando 12. September 2018 
 

Gott hält der Welt durch seine Kirche den Spiegel hin


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 cn 12. September 2018 
 

@Stefan Fleischer

Die Missbrauchsfälle sind ein Skandal, der Werte betrifft, die bereits jetzt auch außerhalb der Kirche als universell gelten. An gelebter Homosexualität innerhalb des Klerus haben selbst viele getaufte Katholiken nicht so viel oder eben auch gar nichts auszusetzen, weil sie sich (abgesehen von dem Verbot des Missbrauchs!) sehr oft nicht Regeln des KKK halten und daher entweder kein schlechtes Gewissen haben oder sich auch nur vielleicht aus gutem Grund an die Ermahnung Jesu erinnern, die ebenfalls auch von vielen Nichtchristen beherzigt wird: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!" Ich bin ein Mensch und kann mich irren, aber so nehme ich die Dinge wahr.


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 Herr Lehmann 11. September 2018 

In 500 Jahren...

Gandalf: "Mal sehen, wie lange es dauert, bis die damaligen Akte an die Öffentlichkeit kommen."
Schätzungsweise 500 Jahre. Dann werden die Vatikanarchive das ganze freigeben.


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 Guingamp 11. September 2018 
 

II ...

nicht in der Lage ist, wirklich KATHOLISCH zu sein, d.h. den uns als Christen gegeben Missionsauftrag adäquat umzusetzen. Fest steht aber auch, daß UNS dies nur gelingen kann, wenn die überkommenen Strukturen, und die unseligen Bemühungen der letzten 50 Jahre sich an die Welt anzupassen, aufgegeben werden. Das muß nicht heißen, daß man sich in eine Ecke verkriecht; wohl aber muß es eine spirituell-sittliche Neuausrichtung geben, an deren Zustandekommen ich nicht ernsthaft zweifeln kann, weil die Katholische Kirche - das muß auch die Orth. zugeben - jenes Heilsmittel ist, das Gott erwählt hat, um das Evangelium in der Welt zu verbreiten. ABER: Die Bedingung ist in jedem Falle, daß der ganze Filz, der reale KLERIKALISMUS, die Verdiesseitigung und die weltkonformen Zweideutigkeiten, für die dieses Pontifikat wie kein zweites steht, endlich in aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Da der Klerus schweigt, müssen hier die Laien umso aktiver werden!


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 Guingamp 11. September 2018 
 

I - Wie Rod Dreher auch, war ich in den letzten Jahren und Monaten

durchaus versucht zur Orthodoxie zu konvertieren. Meine eigenen Erfahrungen mit der Kirche waren dermaßen ernüchternd bis erschütternd, die Kirche erschien und erscheint mir spirituell, moralisch, und auch politisch dermaßen verweltlicht, daß die Orthodoxie einem wie ein Hafen der Glückseligen erscheinen kann. Hinzu kommt der dogmatisch bedenkenswerte Umstand, daß das Papsttum seit dem Vaticanum entweder Teil des Problems (Liturgiereform, Franziskus) oder aber (vor allem Benedikt) nicht in der Lage war, die existente und erkannte Problematik zu beheben. Die Tatsache der moralischen Verkommenheit, offenkundig weitgehend geduldet, und das wirklich in jedweder Hinsicht irritierende Pontifikat des jetzigen Papstes taten ihr übriges. Nichtsdestominder habe ich mich bewußt entschloßen, katholisch zu bleiben, weil ich glaube, daß uns Gott etwas durch diese Krise sagen möchte und die Orthodoxie aufgrund ihres oft konfessionalistisch verengten Blickwinkels sowie ihres Nationalkirchenwesens...


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 Der Gärtner 11. September 2018 

@ hauch

Verwundet und für andere in die Bresche springen.
Mit leeren Händen.
Mit Augen voller Tränen.
Mit dem Herzen voller Liebe.

https://www.shop-stjosef.de/media/image/product/445/md/h04518pv_heiligenbild-johannes-vor-dem-kreuz.jpg

Das ist nicht das Ende.
Das muß der Anfang sein.


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 Michael F. 11. September 2018 
 

ja, handeln

Mir ist das Ganze auch Anlass, meine eigenen Halbherzigkeiten, Lauheiten konsequent zu bekämpfen (hoffentlich nachhaltig). Die Krise macht überdeutlich, dass man wirklich nicht zwei Herren gleichzeitig dienen kann, s.a. auch Benedikt-Option. Und dass Christus wirklich jeden einzelnen von uns als zwar schwache, aber doch entschiedene, mutige, betende Kämpfer braucht, wir uns definitiv nicht auf Bischöfen und Priestern "ausruhen" können. Der Klerikalismus ist nun wirklich am Ende, wobei ich umso mehr für jeden echten Hirten dankbar bin und gewiss nicht nach Frei- oder Ostkirche schiele.
Sollte man nun ernsthaft überlegen, die Zahlung der Kirchensteuer einzustellen?


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 Eliah 11. September 2018 
 

Moraltheologie

Erzbischof Gänswein plädiert für Aufklärung. Nun hört man, dass stattdessen als erstes Erzbischof Viganò vors Kirchengericht gestellt werden soll, und zwar ausgerechnet vom Wer-bin-ich-zu-urteilen-Stellvertreter, der im Gegensatz zum Herrn selbst (Mt 5,17) gekommen zu sein scheint, um das Gesetz, zum Beispiel was die nötige Disposition zum Empfang der heiligen Kommunion angeht, aufzuheben. Plötzlich macht sich Franziskus aber den Wahlspruch des Habsburger-Kaisers Ferdinand I. zu eigen, dass das Gesetz erfüllt werden müsse, und wenn die Welt (oder Kirche) darüber zugrunde geht. Der Schutzpatron der Moraltheologen und Kirchenlehrer, der hl. Alfons von Liguori, hat das in seinem Hauptwerk Theologia Moralis anders gesehen: Er bekräftigt, man könne ein Geheimnis ohne schwere Sünde offenbaren, wenn die Beobachtung des Geheimnisses zu einem Schaden für das Gemeinwohl führen könnte. Niemand sei in diesem an ein Geheimnis gebunden, selbst wenn es durch Eid versprochen worden wäre.


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 felix1 11. September 2018 
 

Besten Dank

an "hauch" für seine Gedanken.
- Wahrheit ans Licht
- Sprechen, nicht schweigen
- handeln !!! !! !


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 Guingamp 11. September 2018 
 

@Affinis:

Es steht außer Frage, daß auch Benedikt und JPII Fehler in ihrer Amtsführung begangen haben. Das kommt ja bereits in dem Vigano-Dokument unzweideutig durch. Eine nicht nach außen kommunizierte Reisebeschränkung stellt sicherlich keine adäquate Reaktion auf jahrzehntelang praktizierte homosexuelle Verstöße gegen den Zölibat in einem besonders schweren Fall dar -- ein Bischof, der sich an seinen Seminaristen vergreift, ist in der Perversionsskala schon recht weit oben. Die Laisierung wäre hier der eigentlich einzig angemessene Weg gewesen. Warum Benedikt das nicht tat? Gute Frage! Sein konfliktscheues Naturell und fehlender Machtinstinkt mögen der Grund gewesen sein. Benedikt war in meinen Augen ein gutwilliger, aber letzten Endes nicht erfolgreicher Papst -- hier ist Kritik durchaus angebracht! Das ändert aber nichts an dem Umstand, daß F selbst diese milden Strafen noch wissentlich zurückgenommen hat. Das spielt in einer völlig anderen Liga! Das ist keine Schwäche, sondern Bosheit.


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 hauch 11. September 2018 
 

Gedanke III.

Vielleicht betet auch unser Papst verzweifelt und im Schmerz.....


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 Mr. Incredible 11. September 2018 
 

@hauch: Wahrheit

Na, erst mal muss die Wahrheit ans Licht. Alles. Dann arbeiten wir das auf. Schauen in jedes Eck. Wir gehen die Sache positiv und als Chance, die uns der Herr gibt, an.
Viel Arbeit im Weinberg usw.
Einfachheit und Wahrheit. Sprechen, nicht schweigen. Das Böse beim Namen nennen. Das Gute ebenso.
Handeln mit klaren Zielen. Kein Kompromiss.
Die Opfer haben ine Recht darauf und die Katholiken auch.
Und eine persönliche Bitte: Kein Geseiere mehr von Würdenträgern bezgl. dieser Themen.


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 hauch 11. September 2018 
 

Gedanken II.

....aber allein der Gedanke fällt mir nicht einfach für diese Hirten in die Bresche zu springen, es fällt mir nicht einfach die Worte unseres Papstes (egal welche) inzwischen ohne Beigeschmack zu lesen. So bald ich versuche Luft zu holen reißt es in meiner Seele. Und ja, nicht zu letzt auch wegen der eigentümlichen Stille, denn außer im Internet ist es sehr, sehr ruhig. Nicht einmal Spott oder eine Frage „wie kannst du jetzt noch Katholisch sein“ oder Ähnliches. Kein Dialog untereinander als Christen (außer im Internet). Was tun, wohin gehen? Was bleibt????? Ich spreche mein stilles oder stockendes Gebet, in der Gewissheit es mit Vielen zu verbinden, und ich vertraue unseren Herrn und der Gottesmutter das egal in welcher Form sie alles zum Guten wenden! Und ich setze mich im Geist neben dem Herrn in der Gewissheit es gibt nur eine Kirche nämlich „seine“ Kirche. So ertrage ich mit dem Herrn, der Gottesmutter und Euch das Schwert in der Seele....


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 hauch 11. September 2018 
 

Gedanken I.

Liebe Brüder und Schwestern hier auf kath.net! Wenn ich die vielen bisherigen Kommentare Revue passieren lasse, denke ich den allermeisten geht es wie mir: wir wagen es kaum noch Luft zu holen, wie in eine in die Ecke gedrängte Katze die weder vor noch zurück, weder links noch rechts kann und deren Fell sich gesträubt hat. Aber liebe Brüder und Schwestern, wohin sollen wir gehen? Konvertieren wie der Autor des oben genannten Buches (das ich sehr lesenswert finde)? Der Kirche komplett den Rücken kehren? Sollen wir unseren Herrn der die wahren Leiden dieses Dramas trägt allein lassen? Wie aushalten das Schweigen oder die besser nicht gesagten Worte unserer Hirten? Ich frage mich wie jene die diese Taten begangen haben Jesus ansehen können? Sie sind „Wissende“ um Jesu! Haben sie Angst vor dem was Ihnen bevorsteht und damit meine ich nicht das weltliche Gericht? Ist dieses Drama auch eine Prüfung für mich und uns alle hier, uns Christen? Ich meine, ich weiß nicht wie es Euch geht aber es..


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 discipulus 11. September 2018 
 

@gandalf

Na ja, aber allzu konsequent scheinen die Strafen gegen McCarrick unter P. Benedikt XVI. ja nicht umgesetzt worden zu sein. Generell wird m.E. gern übersehen, dass die Vorwürfe, die derzeit im Raum stehen, ja nicht nur gegen enge Mitarbeiter von P. Franziskus gerichtet sind, sondern ebenso enge Mitarbeiter von P. Benedikt XVI. betreffen. Nicht zuletzt gilt dies für Kardinal Bertone, der von P. Benedikt XVI. trotz massiver Kritik (z.B. auch von Kardinal Meisner) nicht seiner Ämter enthoben wurde. Man muss sich wohl eingestehen, dass die homosexuellen Netzwerke nicht an den Grenzen des liberalen Lagers halt machen, sondern auch das theologisch konservative Lager durchziehen. Davor die Augen zu verschließen, wird der existentiellen Krise, in der sich unsere hl. Mutter Kirche derzeit befindet, ebenso wenig gerecht wie die blinden Solidaritätsadressen, die man derzeit aus dem deutschsprachigen Episkopat hört. Die Versäumnisse bei der Aufarbeitung und Prävention begannen nicht erst 2013.


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 Ad Verbum Tuum 11. September 2018 

@Stephaninus

Ja, das Buch lohnt sich. :-)
Nicht zur aktuellen Thematik, aber zu dem wie man heute noch als Christ leben kann .. oder muss.
Gesellschaftlich optimistisch ist es allerdings nicht.


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 Stephaninus 11. September 2018 
 

Sehr gute Rede

zu einem Buch, das sich wohl zu lesen lohnt.
EB Gänswein rückt die aktuelle Krise der Kirche in den Lichtkegel Gottes, möchte ich sagen.


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 Mr. Incredible 11. September 2018 
 

Ausserdem im Strafgesetzbuch (D):

§238 Nachstellung
§232a Zwangsprostitution (erst mal lesen, dann wirds klar)

Es geht um bis zu 10 Jahre, Freunde. Das ist kein minderschwerer Fall oder Kavaliersdelikt, zu dem man einfach schweigt.


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 Mr. Incredible 11. September 2018 
 

Ein Beispiel (geht aber vermutlich noch schärfer, ich bin kein Jurist):

StGB § 240
Nötigung

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

(3) Der Versuch ist strafbar.

(4) 1In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. 2Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1. eine Schwangere zum Schwangerschaftsabbruch nötigt oder
2. seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger mißbraucht.


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 Mr. Incredible 11. September 2018 
 

Endlich mal wieder eine gute Aussage!

Man kann die derzeitige Reaktion der "Cupichs und Maradiagas etc." auf den "Einsturz" der Kirche nur so beschreiben: "Chef, da sind Risse im Putz. Sollen wir die Überstreichen lassen?" Dass der Laden schon in Trümmern liegt, wird als Gerücht und üble Nachrede abgetan. Der Wind, der eiskalt durch die Trümmer pfeift, ist für diese Irren das "Wehen des Geistes" oder sowas. Zumindest hat man den Eindruck.
Weiterhin:
Sofern Kardinäle oder Bischöfe etc Straftaten begangen haben, sollten sie wie jeder andere von uns nach dem Gesetz als die Straftäter, die sie sind, incl. der Konsequenzen behandelt werden.
Vielleicht kann man jetzt wieder die Fragestellung der Homosexualität medizinisch/psychologisch und ethisch betrachten, solange die Ideologen noch Luft holen müssen. Denn hier haben wir de facto ein homosexuelles Problem mit Interessanten Details, an denen die aktuelle Forschung sich abgleichen kann.


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 Gandalf 11. September 2018 

@Affinis

Naja, wenn die These von EB Vigano stimmt, dann hat Benedikt XVI. klare Maßnahmen gg. McCarrick getroffen und diese wurden von Franziskus aufgehoben. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die damaligen Akte an die Öffentlichkeit kommen.


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 Affinis 11. September 2018 
 

@Michael F. ein Nachtrag:

Z.Zt. werden doch die Tatsachen auf den Kopf estellt.
13 Jahre Lang waren die Vorwürfe gegenüber McCarrick unter JPII und BXVI bekannt und es wurde nicht durchgegriffen.
Und jetzt soll PF der Schuldige sein, obwohl er ihn entlassen hat.


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 serafina 11. September 2018 
 

Aha - Jetzt haben wir den "Übertäter"

Klar doch - es war Papst Benedikt (s. die Kommentare von "Affinis" und "Michael F.").
Der Fürst der Welt lässt sich doch immer wieder neue Hinderlistigkeiten einfallen.
Wahrscheinlich arbeiitet man jetzt bereits im Vatikan mit rauchenden Köpfen daran, wie man Papst Benedikt und vielleicht auch Johannes Paul II. den "Schwarzen Peter" zuschieben kann.


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 KT-GK2018 11. September 2018 

LEST DAS BITTE (link CNA deutsch)

Und dennoch: die Nachrichten, die uns in letzter Zeit aus Amerika darüber Auskunft erteilen, wie viele Seelen von Priestern der katholischen Kirche unheilbar und tödlich verletzt worden sind, vermitteln eine schlimmere Botschaft, als seien alle Kirchen Pennsylvanias auf einmal eingestürzt - zusammen mit der „Basilika der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau“ in Washington D.C..

de.catholicnewsagency.com/story/erzbischof-ganswein-uber-das-nine-eleven-der-katholischen-kirche-und-die-benedikt-option-3619


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 Hanomag 11. September 2018 

überhört worden

Papst Benedikt ist bewußt zurückgetreten und hat angemahnt, daß ein junger Papst energisch die Reform der Kirche anpacken soll. Vielleicht hat Benedikt gesehen, daß hierzu ein langer Atem und viel Kraft vonnöten sei. Dies ist leider mit der Wahl von Papst Franziskus ausgeblieben. Reform wiederum vertragt. Muß wie im Konzil von Konstant oder Trient wieder weltliche Herrscher eingreifen, um eine Reform anzustoßen?


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 Affinis 11. September 2018 
 

@Michael F.

Sehr richtig erkannt !
Dazu kommt noch, dass während dieser Zeit Eb. Vigano Delegat im vatikanischen Staatssekretariat war und auch damals schon darüber Bescheid wissen musste.


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 Stefan Fleischer 11. September 2018 

Was ich nicht ganz verstehe

Warum spricht EB Gänswein immer nur vom Missbrauch? Ist der Skandal der Homo-Seilschaften in unserer Kirche und deren Folgen nicht minder gravieren? Wären es nur die Massbrauchsfälle - so schlimm diese auch sind - so wäre doch Hoffnung auf eine Lösung. Den anderen Skandal aber wagt immer noch niemand anzupacken.


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 KT-GK2018 11. September 2018 

Gott sei Dank

spricht EB Gänswein DAS aus! verneige mich vor Ihrer Standhaftigkeit.

nicht umsonst haben Sie den Drachentöter im Bischofswappen!

+++

www.kathtube.com/player.php?id=46296


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 Michael F. 11. September 2018 
 

@wedlerg: Auch Papst Benedikt?

Ist nicht auch Papst Benedikt gefordert, die Wahrheit auf den Tisch zu legen? Wenn, wie der jüngst aufgetauchte Brief zeigt, spätestens 2006 McCarrick vom Vatikan erforscht wurde, wieso wurde McCarrick nicht unter Benedikt effektiv kaltgestellt, auch gegen seinen Willen, notfalls durch öffentliches Mitteilen seiner Schandtaten, woran Bendikt niemand hätte hindern können? Es scheint mir zu einfach, PF quasi alles anzukreiden- obwohl ich mich seinem Vorgänger wesentlich verbundener fühle und obwohl möglicherweise tatsächlich PF soviel Schuld trifft, dass er zurücktreten sollte.


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 bücherwurm 11. September 2018 

ENDLICH fühle ich mich in meiner schreienden Sorge um unsere Kirche

von einem der deutschsprachigen Hirten voll verstanden. DANKE, Herr Erzbischof!


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 wedlerg 11. September 2018 
 

Sagt klar, was Sache ist

Das ist eine Aufforderung an Franziskus, die Wahrheit auf den Tisch legen zu lassen - ohne wenn und aber!


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