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Mangel, der an die Substanz geht

18. Mai 2018 in Deutschland, 30 Lesermeinungen
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"Wo in unserem Bistum ist meine Bitte wirklich angenommen und umgesetzt worden?" Von Bischof Heinz Josef Algermissen


Fulda (kath.net/pbf) Liebe Leserinnen und Leser!

Angesichts der Priesterweihe am Samstag vor Pfingsten im Hohen Dom zu Fulda möchte ich Ihnen eine große Sorge anvertrauen, die mich schon lange belastet und sich gegen Ende meiner Zeit als amtierender Bischof von Fulda nochmals verdichtet. Und ich stehe ziemlich ohnmächtig vor diesem Phänomen, das alle deutschen Bistümer betrifft, zunehmend auch unser Bistum: Ich meine den dramatischen Mangel an priesterlichen Berufungen, den ich schon oft in verschiedener Weise thematisiert habe.

„Wir können nicht leben, ohne den Tag des Herrn zu feiern.“ Dieses Wort aus den Anfängen der Kirche macht deutlich: Wir leben als Christinnen und Christen nicht aus uns selbst, sondern von Jesus Christus. Und darum versammeln wir uns besonders am Sonntag, um in Treue zu seinem Vermächtnis und Auftrag seinen Tod zu verkünden und seine Auferstehung zu preisen, bis er kommt in Herrlichkeit.

Diese Quelle der Kirche, aus der sie sich immer wieder erneuert, und gleichzeitig der Höhepunkt dessen, was sie zu feiern imstande ist, ist ohne den priesterlichen Dienst nicht möglich. Daher ist grundsätzlich ein Priester nur durch einen anderen Priester ersetzbar. Ohne ihn kann die Eucharistie als Herzstück der Kirche nicht gefeiert werden. Ohne Eucharistie aber verliert die Welt die leibliche Gegenwart Christi. Kirche ohne Eucharistie ist ein Widerspruch in sich selbst.


Vielleicht spüren Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Dimension der Not, die sich da auftut.

Findet der Ruf Jesu Christi keine Antwort mehr? Oder hält etwa die schwere Krise des Glaubens und des Vertrauens in dieser Gesellschaft junge Menschen davon ab, in der Berufung zum Priester ein erstrebenswertes Ziel zu sehen?

Tatsächlich haben wir im Bistum immer wieder Interessierte, die die Anmeldung zum Theologiestudium im Grunde wollen, dann aber doch den Mut verlieren im Gegenwind.

Bei vielen Katholiken ist durchaus der Wunsch nach Priesterberufungen lebendig und sie beten dafür, aber ohne, dass man dabei auf die eigene Familie schauen würde. Und wenn dann wirklich ein Sohn Priester werden möchte, hat er bei Eltern und Geschwistern den stärksten Widerstand. Bei einer Visitation sagte mir ein Pfarrgemeinderat: „In dieser Gemeinde lebt eigentlich die Sorge um Priesterberufungen kaum noch. Dafür ist doch Fulda zuständig.“

Wo aber soll der Bischof die Priester hernehmen, wenn sie ihm nicht aus den Gemeinden zuwachsen? Er kann sie doch nicht aus dem Ärmel schütteln. Ein leerer werdendes Priesterseminar ist für ein Bistum geradezu fatal und geht an die Substanz.

Andererseits kenne ich junge Menschen, die eine Berufung in sich tragen, dabei aber eben keine Ermutigung in ihrer Familie, in Schule und Gemeinde erfahren, sodass der Ruf Christi ungehört versickert. Dabei bin ich überzeugt, dass der Herr für seine Kirche genügend Priester beruft. Es ist an uns, Möglichkeiten zu schaffen, damit dieser Ruf nicht abgewürgt wird.

Bitte machen Sie sich meine große Sorge zu eigen, nehmen Sie meinen Appell in Ihr Bewusstsein auf und mehr noch in Ihre Herzen!

Ich möchte wiederholen, was ich Ihnen gleich in meinem dritten Fastenhirtenbrief als Bischof von Fulda im Jahr 2003 zu sagen versucht habe: „Wo finden junge Leute Zugang zu unseren Gemeinden, unseren Gottesdiensten? Die Sprache und Musik, die Riten und Gebräuche sind ihnen meist fremd. Daher braucht es zentrale Orte, die insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene einladend sind: geistliche Zentren, Jugendliturgien, Gesprächskreise, Treffpunkte für Berufung, wo die Fragen nach dem Woher und Wohin sowie den Perspektiven für den je eigenen Lebensweg zur Sprache kommen und Gleichgesinnte sich darüber austauschen können. Das wird nicht jede Gemeinde leisten können, daher muss man auf regionaler Ebene zusammenarbeiten.“

Wo in unserem Bistum ist meine Bitte wirklich angenommen und umgesetzt worden?

Archivfoto Bischof Algermissen


Foto (c) Bistum Fulda


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