16 Februar 2018, 13:30
Das himmlische 'The End'
 
Legionaere
 
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Das Aschenkreuz und ein Aufruf, mit dem Wort Gottes zu kämpfen. Der Feind hört mit, und er muss verstummen. BeneDicta von Petra Knapp-Biermeier.

Linz (kath.net) Wie ein kühler Balsam rinnt es über die Stirn. Asche. Wohltuend. Wellness für die Ewigkeit. Es entlastet mich, dieses kleine weiß-graue Häufchen, mit dem ich am Aschermittwoch abends durch den Schneematsch nach Hause laufe.

Ein Windstoß fährt mir durch die Haare, und kleinste Aschenpartikel fliegen jetzt wohl in alle Himmelsrichtungen, so wie meine Prioritäten, die sich gerade neu ordnen, auf diesem eiskalten Fußweg zurück ins gemütliche Wohnzimmer.

Mit der Asche kommt nämlich das Ende so richtig ins Spiel. Nicht unser irdischer Tod mit Sarg und Grab und Co. Sondern mein himmlisches „The End“. Und das spielt sich genau jetzt ab. Hier. Auf meinem matschigen, finsteren, einsamen Heimweg.

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Dorthin, wo gleich wieder meine Kinder streiten. Wo gerade die Heizung kaputt ist. Das Knie noch immer weh tut. Wo innere Nöte mich quälen. Wo unlösbar scheinende Probleme mich begleiten. Wo die Zukunft mir Angst macht. Wo ich versage, Fehler mache, schon wieder und auch morgen wieder.

Wie gut tut hier mein Aschenkreuz. Ich stehe nämlich jetzt hier, markiert, freigesprochen von jedem Anspruch an Perfektion, davon, alles kontrollieren und selber bewältigen zu müssen, davon, mein Leben alleine, abgekoppelt von meinem Schöpfer, auf die Reihe zu kriegen.

Wie glücklich kann ich mich schätzen, jetzt, als ich den kurvigen steilen Pfad hinunterlaufe, der zu unserem Haus führt. Denn ich muss nicht unruhig warten auf irgendein dubioses „Happy End“, auf den Tropfen Wasser, als der ich zu guter Letzt ins Meer eingehen soll, wie zuletzt auf einer Begräbnisfeier gehört. Oh no! Ich docke jetzt an, an die Realität Gottes, an sein Reich, sein Wort.

Ich ziehe es rein in mein Leben, und ich setze dem eisigen Wind meiner Emotionen, die mich hierhin und dorthin jagen, Gottes Wahrheit über meine Person entgegen. Wie zum Trotz sage ich Psalm 23 auf, denn ich fühle mich gerade unversorgt, alleine und vergessen. Pah! „Der Herr ist mein Hirte! Nichts wird mir fehlen!“, murmle ich in die Finsternis hinein.

Wenig später werde ich dann noch Psalm 91 auspacken, weil ich Angst bekomme und mir die Zukunft düster scheint. Sicher nicht, sagt mein Gott, und ich stelle mich trotzig auf sein Wort: „Ich brauche mich vor dem Schrecken der Nacht nicht fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt.“

Und am nächsten Morgen werde ich etwas heiser in den Psalm 138 einstimmen und Gott preisen, „denn groß ist die Herrlichkeit des Herrn“, und meine miese Stimmung und meine Müdigkeit lasse ich links liegen, und ich stelle mich breitbeinig auf die Wahrheit, die alles überdauert.

Oh, wie gut ist dieses Aschenkreuz, denn es wird mein Startschuss für eine neue Einheit im Trainingslager Gottes: Immer wenn mich eine Emotion, eine Sorge, ein Eindruck entmutigt, bedrückt oder hinunterzieht, suche ich ein passendes Wort Gottes aus der Heiligen Schrift, das die Wahrheit über mein Leben ausspricht.

Und tatsächlich: Der Feind hört mit, und er verstummt, denn dieser Autorität muss er sich beugen. Seine Macht ist nur begrenzt, und Gottes Wort ist eine Waffe, der er nicht gewachsen ist. Ich entdecke immer mehr, dass wir berufen sind, mit dem Wort Gottes zu kämpfen, uns den Weg freizukämpfen, damit wir lebendige Zeugen sein können für Jesus. Es gibt soviel Entmutigung, so viele bad news, so viel Verwirrung, auch innerhalb derer, die an Jesus Christus glauben.

Aber Gott wünscht sich nichts mehr, als dass wir unsere Autorität als seine Kinder wahrnehmen. Dass wir uns die geistliche Waffenrüstung anlegen (Epheser 6), und uns aufmachen in den Kampf. Wo wir nämlich mit dem Schild des Glaubens „alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen“ und wir das „Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes“ ziehen, da wird Evangelisation ein Klacks. Da fallen Mauern, springen Türen auf, sind Herzen plötzlich bereit.

Etwas rau und krümelig spürt sich meine Stirn noch an, als ich etwas unterkühlt die Haustür öffne. Gleich kann ich wieder trainieren, den Kampf aufnehmen, das Reich Gottes jetzt schon reinlassen in meine Lebensjahre, die noch vor mir liegen. Die Asche wird bald weg sein, abgewaschen, fort. Das himmlische Ende aber, das sprudelt, pulsiert, wächst, bahnt sich den Weg, unaufhaltsam.

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