02 Dezember 2017, 12:00
Worauf kommt es an, wenn man betet?
 
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„Manchmal scheint es so, als falle Beten nicht leicht.“ Gastbeitrag von Martin Lohmann

Bonn (kath.net) Worauf kommt es eigentlich an, wenn man betet? Was ist überhaupt Beten? Geht es da um viele Wörter, geht es um viele Worte? Oder kann es bisweilen sogar sein, dass man wortlos und dennoch sprach- und herzensreich „im Gespräch“ ist, ohne etwas Konkretes zu formulieren?

Ja, manchmal scheint es so, als falle Beten nicht leicht. Etwa, wenn man sich in der Grabeskirche in Jerusalem über Nacht einschließen lässt – und auf einmal merkt: Ich kann ja gar nicht mehr „richtig“ beten. Wenn man, wie mir das passierte, einfach den Kopf auf die Grabplatte Jesu legt, also an dem Ort kniet, an dem der Herr auferstanden ist. Und wenn dann plötzlich eine vermeintliche Leere Geist und Herz ergreift, man keine Formulierungen mehr findet, sondern ganz tief still wird. Irgendwann spürt man dann, dass diese Stille, diese Leere letztlich keine Leere ist, sondern gefüllter Reichtum. Die Zwiesprache, in die die eigene Seele dann eintaucht, lässt erkennen: Du betest. Besonders intensiv.

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Das fiel mir wieder ein, als ich neulich einen Filmbeitrag über Papst Franziskus und vor allem über seine Zeit als Jorge Mario Bergoglio sah. Dabei ist mir eine beeindruckende Szene in Erinnerung geblieben, die ich nun gerne gleichsam mitnehmen möchte in die bald beginnende Adventszeit.

Der damalige Kardinal berichtet von einem Gespräch, in dem er jemanden fragt, wie dieser denn eigentlich bete. Dessen Antwort schien ihn nicht ganz zufriedenzustellen, denn der Befragte sagte, er bitte Gott und danke Ihm auch immer wieder. Bergoglio fragte zurück, ob das alles sei, denn zwei wichtige Formen des Gebetes habe er vergessen, obwohl sie doch besonders wichtig seien: Gott loben und preisen – und Gott anbeten.

Ich kann nur sagen: Wunderbar! Denn das vergessen wir (ich gestehe dieses Versäumnis) wohl immer wieder, und wir sollten es häufiger tun: Gott einfach loben und preisen und Ihn anbeten. Besonders gut geht das – meines Erachtens – vor dem Allerheiligsten, also im Angesicht des real anwesenden eucharistischen Herrn, etwa eine Viertelstunde täglich. Dasein, den Herrn und Gott loben, Ihn preisen, Ihn anbeten. Einfach so.

Das Einfache ist vielleicht das besonders Anspruchsvolle. Einfach so ist eben nicht immer ein „Einfach so!“. In einer Welt, die so inflationär mit dem Wort umgeht und sich einlullen lässt von zu vielem Gerede, braucht es aber – gerade deshalb – der Räume der Stille und des anspruchsvollen Einfachen. Vielleicht ist der Hinweis auf die Gebetsweise des Lobens und Anbetens so kostbar. So überlebenswichtig. So befriedend. So Reichtum erschließend. So heilsam.

Auch wenn Gott als Großer und Allmächtiger unseres Lobes nicht bedarf: Es ist gut (für uns), Ihm immer wieder einfach nur die Ehre zu erweisen. Es tut gut, Ihn zu preisen und Ihn anzubeten. Das am Ersten Advent beginnende neue Kirchenjahr verträgt so einen Vorsatz ganz gut. In diesem Sinne: ein gesegnetes Neues (Kirchen)Jahr!

Pressefoto Martin Lohmann









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