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Bangladesch: Christen sind doppelt diskriminiert

25. November 2017 in Chronik, keine Lesermeinung
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Papst Franziskus besucht christliche Minderheit, die für ihre Rechte kämpft - Von Maria Lozano und Tobias Lehner.


München (kath.net/ KiN)
Bangladesch erwartet den Papst: Franziskus wird vom 30. November bis 2. Dezember das südasiatische Land besuchen; vorher ist er im Nachbarland Myanmar zu Gast. Der Papst bleibt mit dieser Reise seiner Linie treu, „an die Ränder zu gehen“: Bangladesch ist aktuell durch schwere Überschwemmungen mit tausenden Todesopfern und dem Zustrom von hunderttausenden Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar an die Grenzen seiner Belastbarkeit gekommen.

In ihrer Existenz bedroht ist auch die kleine katholische Gemeinschaft Bangladeschs: Etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung sind Christen, über 90 Prozent sind sunnitische Muslime. Galt des Land einst als Musterbeispiel für einen toleranten und friedlichen Islam, greift seit einigen Jahren ein militanter Extremismus gegen religiöse Minderheiten wie Hindus und Christen um sich. Die Gewalt reicht von Entführungen über sexuelle Belästigungen bis zu Brandstiftungen und Mord. Nur selten werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

„Laut Verfassung haben Christen dieselben Rechte wie alle anderen Bürger. Aber was auf dem Papier steht, entspricht nicht der Realität“, beklagt Bischof Bejoy Nicephorus DʼCruze gegenüber dem weltweiten Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. DʼCruze ist Bischof von Sylhet, einer Großstadt im Nordosten Bangladeschs. „Christen haben nicht dieselben Chancen bei der Bildung oder am Arbeitsplatz wie ihre Mitbürger. Die Christen müssen immer um alles kämpfen. Das ist sehr anstrengend“, stellt der Bischof fest.


Hinzu kommt: Die katholischen Christen Bangladeschs sind nicht nur eine religiöse, sondern oftmals auch eine ethnische Minderheit. Die meisten gehören indigenen Stämmen an, sind also einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt. So auch im Bistum Sylhet. Im Bergland an der Grenze zur indischen Provinz Assam leben die Khasi. Das Zusammenleben dieses Stammes ist matriarchalisch organisiert: Bei den Khasi gehen Land und Besitz meist auf die Frau über, was ihnen soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit sichert. Seit Jahrhunderten lebt der Stamm vom Ackerbau und dem Anbau der sogenannten Betelpalme, aus deren Blättern sogar Teller und Schüsseln hergestellt werden. Ist im Laufe einer Generation der Boden erschöpft, ziehen die Khasi weiter – eine halbnomadische Existenz.

Doch auch daraus ist ein Kampf geworden, erklärt Bischof DʼCruze: „Das zuständige Forstministerium ignoriert die Existenz der Khasi. Das Land wird an Unternehmen vermietet, die Tee anbauen. Und die wollen natürlich expandieren.“ Die Ureinwohner stehen dem im wahrsten Sinne des Wortes im Weg. Was das mitunter für Folgen hat, schildert Pater Joseph Gomes, der als Seelsorger unter den Khasi lebt: „Vor etwa drei Jahren rückten 200 Arbeiter einer Teeplantage an. Sie begannen, die Wohnhütten abzureißen, während die Männer im Wald arbeiteten. Als sie zurückkamen, kam es zu blutigen Auseinandersetzungen.“

Die Khasi kamen gegen die Übermacht nicht an: Sie verloren ihr Land. 25 Khasi-Dörfer seien in den vergangenen Jahren beseitigt worden – manchmal durch Gewalt, manchmal nach langwierigen Rechtsstreitigkeiten, erklärt der Seelsorger. „Aktuell sind wieder zwei Dörfer mit 150 Familien bedroht. Die Menschen sollen gezwungen werden, ihre Häuser zu verlassen.“

Die Diözese versucht, ihren Gläubigen in dieser schwierigen Lage moralisch wie geistlich beizustehen. „Kirche in Not“ unterstützt das Bistum dabei und fördert unter anderem die kirchliche Friedens- und Bildungsarbeit. Die läuft auch über die Medien: „Weekly Pratibeshi“ heißt die Wochenzeitung, die das Bistum herausgibt. Neben religiösen Themen gibt die Zeitung auch Tipps, wie Katholiken entschiedener für ihre Rechte eintreten können. „Sie werden von allen Seiten, besonders von den Muslimen, unendlich unter Druck gesetzt“, erklärt Redakteur Pater Anthony Sen. „Viele Muslime denken, weil die Christen eine religiöse Minderheit sind, können sie mit ihnen tun, was sie wollen. Aber wir stehen unseren Gemeinden bei.“

Dieser Einsatz für Menschenrechte und Religionsfreiheit hat schwerwiegende Folgen: Mehrere Morddrohungen gingen bereits bei Bischof DʼCruze ein, verfasst von fundamentalistischen islamischen Gruppen. Er nimmt es so gelassen wie möglich; für Bangladeschs Christen sind solche Drohungen eben Alltag.

„Harmonie und Frieden“ lautet das Motto des Papstbesuchs Anfang Dezember in Bangladesch. Das Leitwort bündelt die Sehnsucht der christlichen Minderheit des Landes. „Ich komme als Diener des Friedens“, erklärte Franziskus in einer Videobotschaft an die Bevölkerung, die am vergangenen Dienstag veröffentlicht wurde. „Wir leben in einer Zeit, in der die Gläubigen und Menschen guten Willens überall aufgerufen sind, sich für gegenseitiges Verständnis und Respekt einzusetzen.“ Für die Katholiken aus dem Khasi-Volk und den übrigen indigenen Stämmen ist der Respekt vor ihrer Identität und ihren Lebensgrundlagen überlebenswichtig. „Die Khasi werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Papst zu sehen und seinen Segen zu erhalten“, erzählt Bischof DʼCruze mit einem Lächeln. „Aus der Begegnung werden sie Mut und Kraft bekommen, um weiter ums Überleben zu kämpfen.“

Um der kleinen und verfolgten christlichen Minderheit in Bangladesch weiter beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Bangladesch

Foto: Bischof Bejoy Nicephorus DʼCruze (Bildmitte) mit Ordensfrauen und Kinder aus dem Volk der Khasi. © Kirche in Not


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