24 November 2017, 06:00
König im „Reich der Wahrheit und des Lebens…“
 
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„Wie kommt die Kirche dazu, ihren Herrn als König zu bezeichnen?“ - „Das Christkönigsfest hat seine besondere Geschichte, die viel aussagt über den Platz der Kirche in der Welt“ - Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Fulda (kath.net/pbf) Mit diesem Sonntag geht das Kirchenjahr zu Ende, mit der Adventszeit wird ein neues beginnen. Der letzte Sonntag im Kirchenjahr trägt den Namen „Christkönigssonntag“. Die Bezeichnung mag uns seltsam, sogar unverständlich anmuten, zumal die Zeit der mächtigen Königtümer endgültig vorbei ist. Wie kommt da die Kirche dazu, ihren Herrn als König zu bezeichnen?

Das Christkönigsfest hat seine besondere Geschichte, die viel aussagt über den Platz der Kirche in der Welt. Man muss es im Kontext der großen Umbrüche nach dem Ersten Weltkrieg verstehen. Die Zeit der Könige „von Gottes Gnaden“ und der Monarchien ging zu Ende. Die Staaten wurden zu säkularen Gebilden. Es wurde deutlich, wie sehr der Staat und die Gesellschaft nicht identisch sind mit dem Reich Christi.

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Auch gegen diese moderne Entwicklung richtete sich das Fest. Als Papst Pius XI. es im Jahr 1925, 1600 Jahre nach dem Konzil von Nizäa, einführte, sollte es durchaus ein Heilmittel gegen die Irrtümer der Zeit sein, ein Protestzeichen gegen den Staat, der nicht mehr kirchlich geprägt war.

Wenn wir die liturgischen Texte des Christkönigsfestes vertiefend bedenken, können wir erkennen, dass wir es heute ganz anders feiern. Die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ersetzte die triumphalen Texte, die Christus als den König in der Gesellschaft bezeichnen, durch andere Texte, die das wahre Königtum Jesu Christi in der Welt bezeugen. Indes ist die Richtung gegen die „zerstörenden Kräfte der Zeit“ geblieben.

Und tatsächlich ist heutzutage eine Gegenbewegung gegen dieserart Kräfte und Ideologien hochnotwendig. Viele Menschen ziehen einen Vorhang vor den Himmel, haben sich in autonomer Selbstbestimmung eingekapselt. Andere haben die Ehrfurcht vor dem Heiligen verabschiedet, auch die Ehrfurcht vor dem, was dem anderen Menschen heilig ist. Das alles opfert man auf dem „Altar“ der offensichtlich grenzenlosen Meinungsfreiheit. Zudem wird die Würde des Menschen immer mehr zum Spielball der Technik und im Grunde unbeherrschbarer Mächte. Präimplantationsdiagnostik, Bluttests zur Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen und deren Selektion infolgedessen, aber auch die Diskussion um erleichterte Möglichkeiten zum assistierten Suizid offenbaren eine Respektlosigkeit hinsichtlich der unantastbaren Würde. Solche Symptome und andere in dieser Gesellschaft verbinde ich mit den „zerstörenden Kräften der Zeit“, die Papst Pius XI. seinerzeit feststellte.

Ist es da nicht wirklich alternativ und rettend, Christus unseren König sein zu lassen, dessen Insignien die am Kreuz offenbar gewordene Liebe und die Lebenshingabe in Ohnmacht und Gewaltlosigkeit sind? Wenn wir unser Leben auf den Gekreuzigten und Auferstandenen gründen, kann er unser König sein, wie es bereits der alttestamentliche Psalm 110 voraus verheißen hat, der bewusst in der Vesper eines jeden Sonntags gebetet wird.

Dann verstehen wir auch das wunderbare Bild für das Königreich Christi, das uns an diesem Sonntag die Präfation schenkt: „Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.“

Kraftvolle Orgelimprovisation zu Christkönig: ´Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat´


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