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Slowakei: Kirche feiert Seligsprechung von P. Titus Zeman

2. Oktober 2017 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Akt der Seligsprechung nahm in Bratislava in Stellvertretung von Papst Franziskus Kardinal Amato vor - Salesianerpater verhalf nach kommunistischer Machtergreifung in Tschechoslowakei Klerikern und Priestern zur Flucht


Bratislava (kath.net/KAP) Tausende Menschen haben am Samstag in der slowakischen Hauptstadt Bratislava die Seligsprechung des Salesianers Titus Zeman (1915-1969) gefeiert. Den Akt der Seligsprechung nahm in Stellvertretung von Papst Franziskus Kardinal Angelo Amato vor, der Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungen. Mit Amato konzelebrierten der emeritierte slowakische Kurienkardinal Jozef Tomko, der Pressburger Erzbischof und Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Stanislav Zvolensky, der Apostolische Nuntius in der Slowakischen Republik, Erzbischof Giacomo Guido Ottonello, sowie der Generalobere der Salesianer Don Boscos, Angel Fernandez Artime.

In seiner Predigt sagte Kardinal Amato, die "unglückliche kommunistische Diktatur" habe die Slowakei "in ein Gefangenenlager verwandelt". Dabei habe sich der "Hass vor allem gegen die Kirche gerichtet, die die lebendige Identität des slowakischen Volkes bewahrt und ihre Freiheit und Würde geschützt habe". Heute jedoch könne die Slowakei stolz sein "auf eine herrliche Krone von Heiligen und Märtyrern", so der Kurienkardinal unter Hinweis auf die Seligsprechungen von Schwester Zdenka Schelingova und Bischof Vasil Hopko, die Papst Johannes Paul II. im Jahr 2003 auf demselben nahe der österreichischen Grenze gelegenen Festgelände in der Pressburger Satellitenstadt Petrzalka vor der Kirche zur Heiligen Familie vorgenommen hatte.

Der nunmehr seliggesprochene Titus Zeman sei verurteilt worden, weil er Klerikern und Priestern zur Flucht aus ihrer Heimat verholfen habe, "damit sie ihr apostolisches Ideal leben können". In einem "Todesturm" sei er gezwungen worden mit den Händen radioaktives Material anzufassen. Doch im Vertrauen auf die Muttergottes habe er ausgeharrt und "sein Leben für die Erlösung anderer aufgeopfert".


Ihn habe jene wahre Liebe angetrieben, "die imstande ist, den Verfolgern zu verzeihen", so Kardinal Amato, der selbst dem Orden der Salesianer Don Boscos angehört. Dessen Gründer habe geäußert, wenn ein Salesianer in der Arbeit für die Seelen versterbe, habe "die Kongregation einen großen Triumph errungen". Titus Zeman sei genau von dieser "pastoralen Liebe" der Salesianer erfüllt gewesen, die "junge Menschen vor dem Übel jeglicher abwegiger Ideologie bewahren möchte". In der Treue zu dieser Sendung und zu seinem Priestertum könne man ihn als "Märtyrer der Berufung bezeichnen".

Kardinal Jozef Tomko, der neben Kardinal Angelo Amato als ranghöchster kirchlicher Würdenträger an der Seligsprechungsfeier teilnahm, hat sich in einem Interview über die Seligsprechung des ersten männlichen Seligen slowakischer Nationalität ebenfalls hoch erfreut gezeigt. 1924 in der Ostslowakei geboren, leitete Tomko von 1985 bis 2001 die römische Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Beim letzten Pastoralbesuch von Johannes Paul II. in der Slowakei im Jahr 2003 lieh er dem bereits schwer sprechbehinderten Papst seine Stimme. Tomko war auch dabei, als der mittlerweile selbst heiliggesprochene Papst in Kosice die sogenannten Kaschauer Märtyrer heiligsprach. Johannes Paul II. habe ihn damals, anspielend auf die Herkunft der drei Märtyrer aus dem Ausland, gefragt: "Und welche sind eure slowakischen Märtyrer?" Damit habe der polnische Papst den Slowaken sagen wollen: Wenn ihr eure eigenen Heiligen haben wollt, müsst ihr etwas dafür tun.

Fluchthelfer und Märtyrer

P. Titus Zeman bemühte sich nach der kommunistischen Machtergreifung in der Tschechoslowakei, Klerikern und Priestern seines Ordens zur Flucht in den Westen und zum Studium an der Salesianer-Hochschule in Turin zu verhelfen. Die erste Fluchtaktion über die March am 31. August 1950 gelang, auch bei der zweiten am 23. Oktober konnte Zeman Schützlinge über den Grenzfluss und bis nach Turin geleiten. Am 15. November des selben Jahres reiste der Ordensmann von dort zunächst nach Linz, wo er bei den Salesianern Quartier nahm und bei einem Gottesdienst am 21. Jänner 1951 definitiv beschloss, sein Leben für die Rettung der jungen Mitbrüder aufzuopfern. Nach viermonatigem Aufenthalt in Linz überquerte er am 23. März ein zweites Mal die March in Richtung Heimat.

Beim dritten Fluchtversuch am 9. April wurde er aber zusammen mit neun Priestern und zehn jungen Ordensbrüdern - unter ihnen der spätere Kardinal-König-Preisträger Anton Srholec - in Male Levare gegenüber von Sierndorf an der Hochwasser führenden March aufgegriffen und in das berüchtigte Lager Leopoldov gebracht.

Die darauf folgende Leidensgeschichte des neuen Seligen wird auch in einem Hirtenbrief der slowakischen Bischöfe, der Anfang September in allen katholischen Kirchen des Landes verlesen wurde, mit eindringlichen Worten geschildert: Während fast 60 Verhören sei Zeman "in Exkremente getaucht" worden, es seien ihm "unvorstellbare Schmerzen zugefügt, mit Schlägen und Fußtritten Zähne ausgeschlagen, das Schlüssel- und Nasenbein gebrochen und das Gehör beschädigt worden". Zu den Erniedrigungen habe auch gehört, dass man den Priester "nackt in der Winterkälte" habe stehen lassen, ihn "mit Drogen geschwächt und ihm mit dem Galgen gedroht" habe.

Am 22. Februar 1952 wurde der damals 37-jährige Geistliche zu 25 Jahren Kerker verurteilt. 1964 wurde er, gesundheitlich schwer angeschlagen, freigelassen und musste sich als Lagerarbeiter verdingen. Über die "Bestialität seiner Folterer" habe Zeman "Stillschweigen bewahrt, für sie gebetet und so das Zeugnis eines Dieners Gottes abgegeben", so die slowakischen Bischöfe in ihrem Hirtenbrief. Im "Prager Frühling" von 1968 durfte der Ordensmann sein priesterliches Amt wieder ausüben. Schon am 8. Jänner 1969 verstarb er jedoch an den Folgen eines Herzinfarkts.

2010 wurde für Titus Zeman der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Am 27. Februar 2017 bestätigte Papst Franziskus das Martyrium des Salesianers. Da in diesem Fall kein Wunder erforderlich ist, konnte unverzüglich mit der Vorbereitung der Seligsprechungsfeier begonnen werden.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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