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Das Kreuz – Geheimnis der Liebe

14. September 2017 in Aktuelles, 46 Lesermeinungen
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Franziskus in Santa Marta: die zwei Versuchungen. Christus ohne Kreuz ist nur ein Lehrer, der Wohlbefinden verschafft. Das Kreuz ohne Christus führt zu einem ‚spirituellen Masochismus’. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Am Fest Kreuzerhöhung nahm Papst Franziskus nach der langen Sommerpause die Feier der heiligen Messen in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ wieder auf. In seiner Predigt warnte Franziskus vor zwei geistlichen Versuchungen, die sich angesichts des Kreuzes Christi einstellten. Als erstes sei da die Versuchung, an einen Christus „ohne Kreuz“ zu denken, das heißt aus Christus einen „geistlichen Lehrer“ zu machen. Andererseits sei die Versuchung gegeben, ein Kreuz ohne Christus zu denken, also ohne Hoffnung zu sein, dies in einer Art „spirituellen Masochismus“.

Den Mittelpunkt der Betrachtungen des Papstes bildete das „Geheimnis der Liebe“, welches das Kreuz sei. Die Liturgie spreche davon als von einem edlen und treuen „Baum“. Franziskus unterstrich, dass es nicht immer leicht sei, das Kreuz zu begreifen. Nur „durch die Betrachtung kommt man in diesem Geheimnis der Liebe weiter“. Jesus wolle dies dem Nikodemus erklären, wie das heutige Evangelium in Erinnerung rufe (Joh 3,13-17). Dabei benutze er die beiden Verben „hinaufsteigen“ und „herabsteigen“: „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn“ (V. 13). Jesus „ist vom Himmel herabgestiegen, um uns alle dazu zu bringen, zum Himmel hinaufzusteigen“. Das „ist das Geheimnis des Kreuzes“. Um dies zu erklären, sage Paulus in der ersten Lesung aus dem Brief an die Philipper (Phil 2,6-11), dass Jesus „sich selbst erniedrigte und gehorsam war bis zum Tod am Kreuz“ (vgl. 8):


„Das ist das Herabsteigen Jesu: ganz hinab, bis zur Erniedrigung, er entäußerte sich selbst aus Liebe, und aus diesem Grund erhöhte ihn Gott und hat ihn hinaufsteigen lassen. Nur wenn es uns gelingt, dieses Herabstiegen bis zum Ende zu verstehen, können wir das Heil begreifen, das uns dieses Geheimnis der Liebe bietet“.

Dies sei jedoch nicht leicht, so Franziskus, denn immer stellten sich Versuchungen ein, nur die eine Hälfte und nicht die andere in Betracht zu ziehen. Daher habe sich der heilige Paulus mit einem starken Wort an die Galater gewandt, „als sie der Versuchung nachgegeben haben, nicht in das Geheimnis der Liebe einzutreten, sondern es zu erklären“. Wie die Schlange Eva bezaubert und in der Wüste die Israeliten vergiftet habe, so seien sie „von der Illusion eines Christus ohne Kreuz oder eines Kreuzes ohne Christus bezaubert worden“. Darin also bestünden die beiden Versuchungen, auf die sich der Papst konzentrierte. Die erste Versuchung sei die eines Christus als geistlichem Lehrer, der einen in Ruhe voranbringe:

„Ein Christus ohne Kreuz, der nicht der Herr ist: er ist ein Lehrer, nichts mehr. Und das ist es, was Nikodemus vielleicht suchte, ohne es zu wissen. Das ist eine der Versuchungen, Ja, Jesus, der gute Lehrer, aber... ohne Kreuz, Jesus. Wer hat euch mit diesem Bild betört? Die Wut des Paulus. Sie hatten Jesus Christus präsentiert, aber nicht den Gekreuzigten. Die andere Versuchung besteht im Kreuz ohne Christus, in der Angst, immer unten zu bleiben, erniedrigt, mit der Last der Sünde, ohne Hoffnung. Das ist eine Art ‚spiritueller Masochismus’. Nur das Kreuz, aber ohne Hoffnung, ohne Christus“.

Ein Kreuz ohne Christus aber wäre „ein tragisches Geheimnis“, wie dies in den heidnischen Tragödien zu finden sei:

„Doch das Kreuz ist ein Geheimnis der Liebe, das Kreuz ist treu, das Kreuz ist edel. Heute können wir uns ein paar Minuten Zeit nehmen, und ein jeder soll sich die Frage stellen: Jesus, der Gekreuzigte – ist er für mich Geheimnis der Liebe? Folge ich Jesus ohne Kreuz, einem spirituellen Meister, der mit Trost erfüllt, mit guten Ratschlägen? Folge ich dem Kreuz ohne Jesus, indem ich mich immer beklage, in diesem ‚Masochismus’ des Geistes? Lasse ich mich von diesem Geheimnis der Erniedrigung, der totalen Entäußerung und Erhöhung des Herrn tragen?“.

Abschießend sprach Franziskus die Hoffnung aus, dass „der Herr uns die Gnade schenke – ich sage nicht: das Geheimnis der Liebe zu begreifen, sondern in es einzutreten. Dann werden wir mit dem Herzen, mit dem Verstand, mit dem Leib, mit allem etwas verstehen“.

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