Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Das Gratis-Christentum des Hendrik Wüst
  2. Vatikan reagiert auf LGBT-Sexualkonzept für katholische Schulen in Hamburg!
  3. „Trägt der synodale Prozess dazu bei, die Seelen Christus und dem ewigen Heil näherzubringen?“
  4. 'Was ich am Katholizismus schon immer toll fand...'
  5. Ablehnung ökumenischer Konzile ist modernistisch
  6. Tragisches Ende einer Medjugorje-Wallfahrt: Zwölf polnische Pilger sterben bei Busunglück in Ungarn
  7. Der Bischof und der Denunziant
  8. Vor Papstbesuch in Lourdes: Alle Rupnik-Mosaike werden dauerhaft verhüllt
  9. Der vatikanische Synodalismus ist ein Anachronismus
  10. Der Glaube, der Gott nicht loslässt
  11. Die denkwürdige Wandlung des Tucker Carlson
  12. SPÖ-Ministerinnen fordern ‚Schutzzonen‘ um Abtreibungskliniken
  13. Papst Leo XIV. nimmt Rücktrittsgesuch von Bischof Wiesemann an
  14. Nach Lebensschutzdemonstration: Zwölf Polizisten von Linksradikalen verletzt
  15. US-Bischof Coakley: 'Wir haben noch nicht das letzte Wort zu Traditionis custodes gehört'

Zuerst die Party, dann der Giftbecher

26. September 2017 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Diakrisis am Dienstag von Giuseppe Gracia


Chur (kath.net)
Kürzlich berichtete mir eine Frau aus Holland, wie man dort mit dem Sterben umgeht. Es gibt wohl nicht nur grosszügige Toten- und Abschiedsessen, sondern es kommt vor, dass der Todgeweihte selber daran teilnimmt. Das läuft in der Regel so: die fortschrittliche holländische Medizin legt dem Schwerkranken nahe, den Sterbeprozess nicht unnötig in die Länge zu ziehen, sondern sich für ein Selbsttötungs-Programm zu entscheiden, um nicht nur zielbewusst zu gehen, sondern auch familienschonend und budgetfreundlich. Wer diesen Weg wählt, organisiert meist auch das eigene Leichenmahl und verabschiedet sich von den Gästen, bevor der Mediziner mit dem Giftbecher kommt.

Das erinnert mich an den 40 Jahre alten Science-Fiction-Film „Logan’s Run“ (Dt. „Flucht ins 23. Jahrhundert“). Dieser präsentiert eine utopische Gesellschaft, in der alle Menschen in dynamischer Gesundheit leben, innerhalb eines perfekt organisierten Systems. Es gibt keine klassische Familie, keine Ehe und keine Babys aus Liebe, sondern kontrollierte Sexangebote und Laborkinder. Alles ohne materielle Sorgen, doch mit einem Nachteil: wer Dreissig wird, muss aufs „Karussell“. Das ist eine rituell betriebene Maschine, welche die Leute mit Laserstrahlen exekutiert. Die Propaganda des Regimes verspricht, dass man auf dem Karussell „erneuert“ wird, wie bei einer High-Tech-Reinkarnation. Trotzdem weigern sich einige, aufs Karussell zu gehen. Diese werden auf der Flucht von trainierten Einheiten zur Strecke gebracht.


Heute, im 21. Jahrhundert, sind wir bei der Auflösung der Einheit Frau-Mann-Kind noch im Rückstand, wie auch bei der klaren Trennung von Sex, Beziehung und Babys. Dafür lassen wir die Leute älter werden. Und die Propaganda ist raffinierter: „Ich verwirkliche mich selbst, indem ich mich optimiere.“ Das unerwünschte Leben kommt schon vor der Geburt mittels Präimplantations-Diagnostik und Abtreibung aufs Karussell. Und im Sterben sehen wir zunehmend den Abschluss einer Verwertungskette. Der menschliche Tod erscheint nicht mehr als Geheimnis, mit einer geistigen Dimension jenseits des Materiellen, sondern als das Ende von Leistung und Konsum. In „Logan’s Run“ befreien sich die Menschen von diesem Wahn, nachdem ausserhalb der überwachten City ein alter Mann gefunden und in die Metropole geschleust wird. Die jungen Bewohner sehen zum ersten Mal in ihrem Leben einen Greis und wollen nicht mehr aufs Karussell.

Wie es mit unserer digitalen Beschleunigungskultur weitergeht, ist schwer zu sagen. Im Moment sieht es danach aus, als würde sie ihr menschliches Gesicht verlieren. Wir haben immer weniger mit jener Liebe zu tun, zu der wir eigentlich fähig sind. Jene Liebe, die ein Leben als Funktion und Kosten-Nutzen-Rechnung überschreitet, ja transzendiert. Ich meine eine Transzendenz, wie sie das Christentum bietet. Wobei ich mir bewusst bin, dass gerade diese Religion in Westeuropa immer mehr abgelehnt wird.


Giuseppe Gracia (50) ist Schriftsteller und Medienbeauftragter des Bistums Chur.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Diakrisis

  1. Moderne Gnosis
  2. Polens Kirche und ein Geheimtipp
  3. Kann denn Lachen Sünde sein?
  4. Maskenzeit
  5. Die Kirche der Narren?
  6. Sternenlicht aus Bethlehem: eine Sehnsucht für 2018
  7. Das Christentum kennt keine Speiseverbote
  8. Die Kraft des Wortes
  9. Der Islam stellt eine Bedrohung für unseren freiheitlichen Staat dar
  10. Die „Homo-Ehe“ und der Grenzverlust






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. „Trägt der synodale Prozess dazu bei, die Seelen Christus und dem ewigen Heil näherzubringen?“
  3. Vatikan reagiert auf LGBT-Sexualkonzept für katholische Schulen in Hamburg!
  4. Der Bischof und der Denunziant
  5. Das Gratis-Christentum des Hendrik Wüst
  6. 'Was ich am Katholizismus schon immer toll fand...'
  7. Stift Heiligenkreuz: Abt Maximilian Heim tritt zurück
  8. FEST MARIA KÖNIGIN - Einladung zur Gebets-Novene zur Muttergottes - 13. bis 21. August
  9. Papst Leo XIV. nimmt Rücktrittsgesuch von Bischof Wiesemann an
  10. Der Glaube, der Gott nicht loslässt
  11. Vor 100 Jahren: Guadalupe-Bild heimlich in Kleiderschrank versteckt
  12. Tragisches Ende einer Medjugorje-Wallfahrt: Zwölf polnische Pilger sterben bei Busunglück in Ungarn
  13. Neues Eigentümer-Ehepaar lässt Ex-Epstein-Ranch drei Tage lang exorzieren
  14. Die denkwürdige Wandlung des Tucker Carlson
  15. Ablehnung ökumenischer Konzile ist modernistisch

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz