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Mein neuer Frauentyp

5. September 2017 in Kommentar, 1 Lesermeinung
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Diakrisis am Dienstag von Stefan Meetschen


Linz (kath.net)
Gutaussehend, intelligent und gebildet, interessant und etwas rätselhaft, gern mit internationalem Background – als Jugendlicher hatte ich klare Vorstellungen von meiner Traumfrau. Und, wie man sich leicht vorstellen kann, habe ich mir in jungen Jahren die Feldforschung auf diesem Gebiet nicht aus der Hand nehmen lassen. „Das Ewig Weibliche zieht uns hinan“, „…halb zog sie ihn, halb sank er hin“ – Meister Goethe hat die Sehnsucht und die Turbulenzen, die sich zwischen Mann und Frau – in seinem Fall kann man ruhig sagen: zwischen Mann und Frauen – abspielen können, bestens auf den Punkt gebracht. Ohne dabei – und das klingt natürlich reichlich respektlos gegenüber einem solchen Geistesriesen – vollkommen klug und weise zu werden.

Ich finde die Geschichte des alten Goethe, der sich in eine deutlich jüngere Dame (Ulrike von Levetzow) verliebt und wehmütig entsagen muss, überhaupt nicht rührend. Ich finde sie tragisch, weil der Dichter offensichtlich bis ins hohe Alter eine Erwartung an Frauen richtete, die diese – bei aller weiblichen Genialität – nicht erfüllen konnten und können. Nämlich: Dem Mann den Lebenssinn, den Lebensinhalt und das Lebensglück schenken. Durch ihr Sein, ihre Ausstrahlung, ihre Schönheit.

Ich gestehe, dass ich mit fast 50 Jahren weniger von einer Frau erwarte als vor zwanzig oder dreißig Jahren. Ich bin vermutlich gelassener geworden, realistischer. Ich sehe den Alterungsprozess, die körperliche Vergänglichkeit deutlicher. Die Zerbrechlichkeit des menschlichen Glücks. Was nicht heißt, dass ich Frauen nicht mehr mag. Im Gegenteil. Vielleicht sind sie mir sogar noch sympathischer und näher, weil ich sie inzwischen nicht mehr mit überzogenen Erwartungen belaste. Mir kein falsches Bild von ihnen mache.


Es kann weiterhin sogar vorkommen, dass mich eine Frau ausgesprochen fasziniert. Doch wissen Sie, welche Frauen mich am meisten faszinieren? Nein, keine Schauspielerinnen oder Schriftstellerinnen. Nein, auch nicht unbedingt Politikerinnen oder Mannequins. Wer dann? Nun, auch auf die Gefahr hin, dass mir Hobby-Psychologen seltsame Komplexe und Neigungen unterstellen: mich faszinieren seit einiger Zeit Frauen wie Anna-Katharina Emmerick, Anna Schäffer oder Therese Neumann. Mystikerinnen, also. Stigmatisierte. Frauen, die durch ein körperliches Leiden ans Bett gefesselt waren und dabei mit Christus und der ganzen übernatürlichen Welt so sehr vereint blieben, dass sie die Botschaften und Bilder Gottes mit einer Klarheit und Präzision empfingen, wie die modernen Leute von heute das Internet oder Fernsehprogramm.

Jemand wie ich, der schwach ist und zweifelt, findet in diesen Frauen wunderbare Kanäle der Gnade, wenn ich es so ausdrücken darf. Wo würde ich heute im Glauben und im Leben stehen ohne die von Clemens Brentano penibel niedergeschriebenen Visionen der Emmerick? Wie würde ich Jesus sehen, wie die Zukunft der Kirche? Und Anna Schäffer: um wie viel größer wären meine existentiellen Fragen und Nöte ohne ihre „Träume“ und Schauungen, die man zum Teil in der lesenswerten Biographie von Emmeram H. Ritter findet oder in ihren eigenen Schriften. Nicht zu vergessen Therese Neumann, auf die ich zunächst mit großer Skepsis reagierte. Durch die Beschäftigung mit Fritz Gerlich, dem es ähnlich erging, habe ich inzwischen aber auch mit dieser stigmatisierten Mystikerin meinen Frieden geschlossen.

Und auch mit meiner „Jahresheiligen 2017“, die zwar noch keine offizielle Heilige der Kirche ist, aber sicher gute Chancen besitzt: Marthe Robin. Zufällig stieß ich bei einem Redaktionsbesuch vor einigen Wochen auf ein Buch mit Sätzen und Anekdoten aus ihrem Leben (Bernard Peyrous/Marie-Therese Gille: Was Marthe gesagt hat. Unveröffentlichte Gespräch, Editions Sankt Ottilien 2017) – und ich muss sagen: ich bin begeistert von dieser französischen Mystikerin, die unzähligen Menschen in die Seele geschaut hat und ihnen mit Worten und Gebet helfen konnte, den Willen Gottes zu erkennen und zu leben. Besonders gut gefällt mir an ihr (wie auch an den bereits Genannten) die Bodenständigkeit, mit der sie agierten. Es gibt ja oft Fromme, die auf heilig oder mystisch tun, es aber eigentlich nicht sind.

Marthe Robin hatte einen Sinn für die normalen Dinge des Alltags und dabei war sie doch ganz auf die unsichtbare Wirklichkeit konzentriert. Sie spürte, wenn jemand in Gefahr war – physisch oder psychisch –, sie wusste, woher jemand kam und wohin er gehen sollte, um seine Berufung zu erfüllen. Sie kannte die Ängste und Kreuze, welche ihre Besucher quälten. Dieses Wissen, diese Erkenntnis fasziniert mich. Es ist das wesentliche Wissen, echtes Wissen, weil es uns der Ewigkeit und dem Himmel näherbringt. Dieses Wissen ist mehr wert als das Wissen, das man in Zeitungen oder Büchern finden kann, das zwar generell auch nicht zu verachten ist, aber eben meist nur Stückwert darstellt.

Tja. Gutaussehend. Intelligent und gebildet. Interessant und etwas rätselhaft. Gern mit internationalem Background. Irgendwie bin ich meinem Frauentyp doch treu geblieben, obwohl er sich komplett geändert hat.



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