01 Juni 2017, 11:00
Budapest: Viktor Orban empfing irakischen Patriarchen Sako
 
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Ungarns Regierung unterstützt Wiederaufbau der Ortschaft Tell-Aszkuf

Budapest-Wien (kath.net/KAP) Der irakische Patriarch Louis Raphael Sako (Archivfoto) und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban haben am Dienstag eine Vereinbarung zur Förderung des Wiederaufbaus der irakischen christlichen Ortschaft Tell-Aszkuf abgeschlossen. Ungarn stellt dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung, berichteten örtliche kirchliche Medien am Donnerstag. Eine ähnliche Vereinbarung hatten bereits der Erbiler Erzbischof Bashar Warda und Ungarns Minister für Humanressourcen Zoltan Balog unterschrieben. Danach wird mit 485.000 Euro der Arzneibedarf des St.-Joseph-Krankenhauses für ein halbes Jahr finanziert. Das Spital in Erbil versorgt die Vertriebenen.

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Bei einem anschließenden Pressegespräch in Budapest wies Patriarch Sako auf die Entschlossenheit der irakischen christlichen Gemeinschaften hin, dafür zu kämpfen, in ihrer Heimat bleiben bzw. dorthin zurückkehren zu dürfen. Sie hätten Solidarität und Hilfe bitter notwendig. Es gehe um den Wiederaufbau der vom IS zerstörten Siedlungen.

Dem Patriarchen zufolge halten sich die Christen im Irak für Pazifisten, denn für sie ist Frieden und Sicherheit das Wichtigste. Ihr Ziel sei es nicht mit Gewalt auf Gewalttaten der Terrororganisationen zu antworten. Sie hätten auch nicht vor, einen eigenen christlichen Staat zu errichten. Der "Islamische Staat", der als ein rein muslimischer Staat gegründet wurde, sei das abschreckende Gegenmodell.

Das Oberhaupt der chäldischen Kirche erinnerte daran, dass Vorfahren seines Volkes bereits vor der Christianisierung auf dem heutigen Gebiet, dem damaligen Mesopotamien, lebten. Während im Mittelalter die mesopotamische Kirche 80 Millionen Mitglieder zählte, lebe heute nur noch eine Handvoll Gläubige auf demselben Gebiet. Der Grund dafür Sakos Meinung nach darin, dass viele aus Angst zum Islam konvertiert bzw. geflüchtet seien.

Im Pressegespräch erklärte Sako, dass sein Volk unter dem Regime von Saddam Hussein in größerer Sicherheit lebte als zur Zeit nach dessen Vertreibung durch die US-Amerikaner. Diese hätten Demokratie, Freiheit, wirtschaftlichen Aufschwung versprochen, statt dessen seien Chaos, Massaker, Flüchtlingswellen und Zerstörung der Infrastruktur gekommen. Für die Christen habe dies bedeutet, dass innerhalb einer Nacht 120.000 Menschen aus Mossul, dem biblischen Ninive, vertrieben wurden.

Patriarch Sako bestätigte, dass "Caritas Internationalis" beim Wiederaufbau und bei der Rücksiedelung der Flüchtlinge eine wesentliche Rolle spielt. Die Caritas helfe dabei nicht nur den verfolgten Christen, sondern auch Muslimen, was diese besonders zu schätzen wüssten.

Zum Schluss betonte er, dass er mit Papst Franziskus weitgehend einverstanden sei, dass der Dialog zwischen den Religionen keine Alternative hat. Er fügte allerdings hinzu: "Es taucht hier eine Schwierigkeit auf. Während für Christen ihr Glauben der Dialog selbst ist, halten die Muslime schon von ihrer Erziehung her nur ihren Glauben als akzeptierbar. Sie sind also auf den Dialog nicht vorbereitet."

Patriarch Sako hatte in der Vorwoche gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn Gespräche über den Schutz religiöser Minderheiten mit US-Politikern geführt. Vor Medienvertretern sagte Schönborn dazu am Mittwochabend beim diözesanen Sommerempfang, Ziel der Mission sei es gewesen, die US-Regierung für das Los der Minderheiten im Nahen Osten - "Christen, aber auch viele andere" - zu sensibilisieren, so Schönborn. Es brauche dringend eine politische Lösung für den Nahen Osten.

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