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Ist Jesus ein Liberaler?

11. Februar 2017 in Spirituelles, 5 Lesermeinungen
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Ob dieses Evangelium am Sontag auch in deutschen Kathedralen verlesen wird? Ob diejenigen, die verlesen, das verlesene wirklich ernst meinen? Kommentar von Wilhelm Imkamp, Maria Vesperbild.


Ziemetshausen (kath.net)
6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, Evangelium Mt 5, 17-37
Ist Jesus ein Liberaler?

Alles, was sich irgendwie mit Reform verbinden lässt, hört sich schon viel angenehmer an, von der Gesundheits- bis zur Bundeswehr-, Steuer- und Bildungsreform, dabei denkt man an Verbesserung und Abschaffung, bzw. Verminderung von Belastungen. Und liberal wollen wir alle sein, niemanden diskriminieren, alle integrieren, Reform und Liberalismus sind so strahlende Begriffe, dass man sie auch gerne auf Jesus (gegen Gesetzesfrömmigkeit) und die Kirche die „ewigen“ Reformevergreens, z.B. Ehe, Lebensschutz, Zölibat, usw. anwenden möchte.

Die „liberale Reformkirche“ als Aufbruch in ein goldenes Zeitalter wahrer Menschlichkeit. Da kommt das heutige Evangelium doch etwas ungelegen, jedenfalls hört es sich so gar nicht liberal an und statt Reformen ist eher von Verschärfung die Rede! Wie damit umgehen? Am besten mit dem Jesus Buch unseres hl. Vaters, Papst Benedikt XVI. Dieses Buch ist in weiten Teilen ein bewegender, behutsamer Dialog mit dem jüdischen Gelehrten Jacob Neusner. Der nämlich hat mit seinem Buch „Ein Rabbi spricht mit Jesus“ die Frage nach dem eigentlich „neuen“ der Botschaft Jesu gestellt.


„War Jesus in Wirklichkeit ein liberaler Rabbi – ein Vorläufer des christlichen Liberalismus?“ fragt der Papst und bei der Beantwortung dieser Frage ist eben Jakob Neusner eine große Hilfe, „er schiebt diese Art von Auslegung überraschend schnell beiseite“ und kommt zu dem Ergebnis: „Jesus war kein rabbinischer Reformator, der den Menschen das Leben „leichter“ machen wollte“, zitiert er den tief gläubigen Juden. Das Neue der Botschaft Jesu ist Jesus selbst: „Die Zentralität des Ich Jesu in seiner Botschaft, die allem eine neue Richtung gibt“.

Das ist genau das, was uns im heutigen Tagesevangelium mit voller Wucht trifft: „Den Alten ist gesagt worden – ich aber sage Euch. Das Ich Jesu tritt mit einem Rang hervor, den sich kein Gesetzeslehrer erlauben darf“. Tatsächlich ist das heutige Evangelium „Überschrift und Auslegungsschlüssel ein uns immer wieder überraschendes Wort, das die Treue Gottes zu sich selbst und die Treue Jesu zum Glauben Israels unmissverständlich klar hinstellt“.

Hier geht es nicht um Reformschwärmerei, „es geht nicht um Aufhebung, sondern um Erfüllung, und diese Erfüllung verlangt ein Mehr, nicht ein Weniger an Gerechtigkeit“. Dieses mehr ist Jesus selbst „als das Wort Gottes in Person“. Damit ist die Wende zu Universalisierung des Gottesvolkes Kraft derer nun Israel die Weite der Völker der Welt umspannen kann“, gegeben.

Damit ist aber auch eine Verinnerlichung verbunden, denn Jesus nimmt die von den Propheten weiter entwickelte innere Dynamik der Tora selbst auf, Jesus stellt den „reinen Gotteswillen“ vor. Hier wird keine konkrete Sozialordnung ausgearbeitet „wohl aber werden soziale Ordnungen grundlegende Maßstäbe vorgestellt“.

Der heutige Evangeliumstext darf nicht „zum Erschrecken über die Schatten, welche er in der Kirchengeschichte geworfen hat“ (Ulrich Lutz), führen. Gerade wenn man mit diesem Text polemisch die kirchliche Sexualmoral beginnen lässt (Drewerman) wird man doch dankbar zugeben müssen: M.E. steht keine kirchenrechtliche Lösung der MT so nahe wie die katholische“ (Ulrich Lutz). Gerade hier leuchtet das Wirken des hl. Geistes in der lebendigen Überlieferung auf.

Richtige und notwendige geschichtliche Entwicklungen brauchen einen festen Grund und den bietet das heutige Tagesevangelium. Hier steht Jesus „weder als Rebell, noch als Liberaler vor uns, sondern als der prophetische Interpret der Tora, der sie nicht aufhebt, sondern erfüllt, und sie gerade erfüllt, in dem er der geschichtlich handelnden Vernunft den Raum ihrer Verantwortung zuweist“.

Der Dialog des Papstes mit dem jüdischen Gelehrten lässt im heutigen Tagesevangelium das Neue der Botschaft Jesu in erfüllender Kontinuität mit dem Wort Gottes im Alten Testament aufleuchten! Die innere „Dynamik“ des Wortes, das Jesus selbst ist, lässt sich nur in der Gemeinschaft der Kirche richtig und konsequent leben – ohne Abstriche und Verzerrungen der zeitgeistigen Hektik eines liberalen „Reformbetriebes“!


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