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Teile der Evangelikalen kritisieren das Nein der EKD zur Judenmission

16. November 2016 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Führende Pietisten hatten in der EKD-Synode dem Beschluss zugestimmt


München/Berlin (kath.net/idea) Für Kritik in Teilen der evangelikalen Bewegung sorgt das Nein der EKD-Synode zur Judenmission. Das Kirchenparlament hatte am 9. November einstimmig eine entsprechende Kundgebung verabschiedet. Darin heißt es, Christen seien ungeachtet ihrer Sendung in die Welt nicht berufen, Israel davon zu überzeugen, dass der Weg zu Gottes Heil nur über den Juden Jesus Christus führe: „Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ Kritik an dem Beschluss übt unter anderem das Netzwerk „Evangelium 21“. Dessen Vorsitzender, Pastor Matthias Lohmann (München), schreibt in einer Stellungnahme, die Erklärung der EKD stehe „im klaren Widerspruch zum biblischen Auftrag, allen Völkern das Evangelium zu verkündigen“. Man dürfe und solle darüber diskutieren, „wie gerade wir Deutschen, die wir am Volk Israel auf schreckliche Weise unvorstellbar schuldig geworden sind“, die Botschaft Jesu sensibel weitergeben: „Aber davon schweigen, dass Jesus gekommen ist, um Juden und Heiden zu retten, können wir nicht (vergleiche Römer 1,16-17).“


„Evangelium 21“: Beschluss nicht mit Grundsatz „allein Christus“ zu vereinbaren

Hier werde sichtbar, wie wichtig es sei, sich angesichts des 500-jährigen Reformationsjubiläums auf die theologischen Einsichten der Reformatoren zu besinnen. Der Beschluss der EKD-Synode lasse sich nicht mit dem „allein Christus“ in Einklang bringen. Laut dem Neuen Testament sei das Heil allein in Jesus Christus zu finden (Apostelgeschichte 4,12). Lohmann – Pastor einer Freien evangelischen Gemeinde – fragt: „Wie kann dann den Juden, die dem Messias nicht glauben, das wunderbare Evangelium vorenthalten werden?“ Er kritisiert ferner, dass sich die Synode in ihrer Ablehnung der Judenmission auf den Apostel Paulus beruft. In dem Beschluss heißt es: „Auf dem Weg der Umkehr und Erneuerung haben wir von Paulus gelernt; Gott selbst wird sein Volk Israel die Vollendung seines Heils schauen lassen (vgl. Römer 11,25 ff).“ Lohmann zufolge offenbart diese Aussage, „mit welcher Leichtigkeit biblische Wahrheiten heute verdreht werden“. Paulus sei es doch gewesen, der bei seinen Missionsreisen zuerst in die Synagogen gegangen sei, „um dort die Juden zum Glauben an den verheißenen Messias aufzurufen“.

Lassen sich die Evangelikalen freiwillig einen Maulkorb anlegen?

Überrascht zeigt sich Lohmann, dass auch evangelikale Führungspersönlichkeiten wie Michael Diener und Steffen Kern der Synodenerklärung zugestimmt und sie durch Verlautbarungen verteidigt hätten. Er fragt: „Werden sich auch die Evangelikalen in Deutschland bald freiwillig einen Maulkorb anlegen und den Missionsbefehl durch eine Dialogverordnung ersetzen?“ Diener ist im Hauptamt Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften) sowie EKD-Ratsmitglied und Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Kern (er erläutert seine Position in einem Beitrag für idea auf Seite 14) amtiert als hauptamtlicher Vorsitzender des württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“. Das Netzwerk „Evangelium 21“, zu dem Christen aus Landes- und Freikirchen gehören, versteht die Bibel als das irrtumslose Wort Gottes.

„Juden für Jesus“: Evangelium vorzuenthalten, ist der schlimmste anti-jüdische Akt

Ähnlich wie Lohmann argumentiert der Leiter des Berliner Arbeitszweigs der messianisch-jüdischen Evangelisationsorganisation „Juden für Jesus“, Aaron Lewin. Paulus habe in jeder Stadt, in die er gekommen sei, seinen Mitjuden das Evangelium bekannt. Die „andauernde Auserwähltheit Israels als Nation“ ändere nicht die Tatsache, „dass jede einzelne jüdische Person sich noch einmal das Geschenk Gottes der persönlichen Rettung zu eigen machen muss, durch den Glauben an den Messias Jesus“. Jesus selbst habe zu einem ausschließlich jüdischen Publikum gesagt „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Johannes 14,6). Lewin in einer Stellungnahme: „Wenn diese Worte wahr sind, dann ist es wohl der schlimmste anti-jüdische Akt, den ein Christ begehen kann, wenn er die Botschaft des Evangeliums einer Person speziell deshalb vorenthält, weil sie jüdisch ist.“ Vorsitzender der „Juden für Jesus Deutschland“ ist der Baptistenpastor Reiner Lorenz. Als Stellvertreterin amtiert die Theologin und Buchautorin Brunhilde Blunck (beide Essen).


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