17 September 2016, 13:00
Die drei Aufbrüche eines Nuntius
 
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Franziskus in Santa Marta zum Jubiläum der Nuntien: das körperliche aus sich selbst Herausgehen, das kulturelle aus sich selbst Herausgehen im Dialog, das geistliche aus sich Herausgehen in Gebet und Anbetung. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Jubiläum der Nuntien vom 15. bis zum 17. September in Rom. 108 Nuntien und Vertreter des Heiligen Stuhls sind im Vatikan zusammengekommen, um drei Tage über ihren Aufgabenbereich als Priester und Bischöfe im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhl nachzudenken. Am dritten Tag gesellten sich zu diesen die vierzig emeritierten Nuntien. Gemeinsam konzelebrierten sie zusammen mit Papst Franziskus die heilige Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“. Am Vormittag durchschritten sie die Heilige Pforte, um dann von Papst Franziskus in der Sala Clementina im Apostolischen Palast empfangen zu werden. Die Begegnung mit dem Papst schloss mit einem Mittagessen im vatikanischen Gästehaus, bei dem auch der Franziskus dabei war.

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In seiner Predigt ging der Papst vom Evangelium des Samstags der 24. Woche im Jahreskreis aus, Fest der heiligen Robert Bellarmin und Hildegard von Bingen (Lk 8,4-15). Der Evangelist berichtet vom Gleichnis Jesu über das Aussäen des Samens. Franziskus erläuterte, wie die apostolischen Nuntien die Frohe Botschaft in der ganzen Welt aussäten. Oft gleiche das Leben eines Nuntius einem Zigeunerleben, einem Leben des ständigen Herumziehens:

„Wenn du eine Sprache gut gelernt hast, dann kommt ein Anruf aus Rom... ‚Nun hör zu, wie geht es dir?’ – ‚Gut...’ – ‚Du weißt, das dich der Heilige Vater sehr gern hat... er hat gedacht...’ – Denn diese Anrufe, diese Telefonate versüßt man, nicht wahr? – ‚... Dafür hat er an dich gedacht...’. Und dann auf und Koffer packen, an einen anderen Posten gehen, Freunde zurücklassen, Gewohnheiten aufgeben, vieles verlassen, was man so getan hat... Aus sich selbst herausgehen, diesen Ort verlassen und an einen anderen gehen. Und dort wieder neu beginnen“.

Wenn er in einem neuen Land ankomme, müsse der Nuntius einen weiteren „Aufbruch“ vollziehen: „aus sich selbst herausgehen, um alles kennenzulernen, der Dialog, um die Kultur zu studieren, die Denkart“.

Auch wenn dieses „aus sich selbst Herausgehen“ bedeute, so Franziskus scherzend, auf Empfänge gehen zu müssen, die bisweilen sehr langweilig seien, sei auch dies ein Aussäen, der Same sei immer gut, das gute Korn. Jemand könnte denken, dass es sich dabei um eine zu funktionale Arbeit oder um eine Verwaltungsarbeit handle, die auch Laien tun könnten:

„Als ich gestern mit dem Staatssekretär darüber gesprochen habe, sagte er: ‚Nun, schauen Sie, auf den Empfängen gibt es viele, die oberflächlich erscheinen, aber das Kollar suchen’. Und ihr alle wisst gut, was ihr in vielen Seelen gewirkt habt. In jener Weltlichkeit, doch ohne die Weltlichkeit anzunehmen, sondern indem ihr die Menschen nehmt, wie sie sind, indem ihr sie hört, mit ihnen in einen Dialog tretet... das ist auch ein aus sich selbst Herausgehen des Nuntius, um die Leute zu verstehen, Dialog zu führen... Das ist ein Kreuz“.

Jesus sage, „dass wir, dass der Sämann das Korn sät, dass er das Weizenkorn aussät und sich dann ausruht, damit Gott es aufkeimen und wachsen lasse“. Und auch der Nuntius „muss aus sich selbst herausgehen, hin zum Herrn, der den Samen aufkeimen und wachsen lässt. Und er muss vor dem Tabernakel, im Gebet, in der Anbetung aus sich selbst herausgehen“.

Dies sei ein großes Zeugnis: der Nuntius bete allein den an, der wachsen lasse, der das Leben schenke:

„Das sind die drei Aufbrüche eines Nuntius: der körperliche Aufbruch, die Koffer packen, ein Zigeunerleben führen. Dann der – sagen wir es so – kulturelle Aufbruch: die Kultur lernen, die Sprache lernen... ‚Sag mir’ – so hieß es ja in jenem Telefonat – ‚sag mir: welche Sprachen sprichst du?’... ‚Ich spreche gut Englisch, und Französisch, und mit dem Spanischen geht es auch einigermaßen gut...’ ‚Ja, gut, gut... Doch hör zu: der Papst hat gedacht, die nach Japan zu schicken!’ – ‚Aber da kenne ich nicht einmal einen Buchstaben!’ – ‚Nun, dann wirst du es lernen!’. Mich hat es sehr erbaut, als einer von euch vor seiner Akkreditierung in zwei Monaten eine schwierige Sprache gelernt hatte, und er hatte sie gelernt, um in jener Sprache die Messe zu feiern: er hat diesen Aufbruch voll Begeisterung, voll Freude neu begonnen. Und das dritte aus sich Herausgehen: das Gebet, die Anbetung“.

Letzterer Aspekt sei stärker in den emeritierten Nuntien. Es sei dies auch eine Aufgabe der Brüderlichkeit. Der emeritierte Nuntius bete mehr, er müsse mehr für die Brüder beten, die da draußen sind, in der Welt. Doch auch der amtierende Nuntius dürfe das Beten und die Anbetung nicht vergessen, damit der Herr das wachsen lasse, was er ausgesät habe:

„Drei Aufbrüche, drei Arten des Herausgehens aus sich selbst, und drei Weisen, Jesus Christus und der Kirche zu dienen. Und die Kirche dankt euch für diese drei Aufbrüche. Sie dankt euch sehr. Und auch ich möchte euch persönlich danken. Viele Male bewundere ich euere Depeschen, wenn ich sie am frühen Morgen empfange: da schau mal an, wie gut der doch arbeitet... Der Herr schenke euch die Gnade, in diesen drei Aufbrüchen, bei diesen drei Arten, aus euch selbst herauszugehen, immer auf dem Laufenden zu sein.

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