08 April 2016, 09:00
Abtreibung und die drei 'Einfallstore' des Bösen
 
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Absichtliche Tötung eines unschuldigen Menschen verlangt nach Strafe! Darin hat sogar der unklug und tollpatschig formulierende US-Präsidentschaftsbewerber Trump Recht - Ein kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Eine gute Nachricht: Kardinal Dominik Duka von Prag ist bei dem Pro-Life-Marsch 2016 mitgegangen! Ebenso der emeritierte Mons. František Radkovský (Pilsen). Wirklich eine große Freude. Ein großes Zeichen „na zivot“ (= prolife) der Bischöfe! Vielleicht waren die beiden Bischöfe in Prag motiviert von den slowakischen Bischöfen, die in Bratislava 2015 in großer Zahl „dabei“ waren? Wie auch immer, Kardinal Duka war jedenfalls bei „seinen Leuten“ und hat ein großes Zeichen gesetzt! Dafür kann man ihm und Emeritus František nur danken, und natürlich allen, die organisiert haben und mitgegangen sind!

In den USA, so hört man, gehen fast alle Bischöfe mit! In Europa scheint es endlich anzufangen. Nach meiner Kenntnis sind bisher nur wenige mitgegangen, aber aus persönlicher Erfahrung kann ich nennen: Weihbischof von Budapest Laszlo Biró, Erzbischof Johannes Graupner von Olmütz, Bischof Rudolf Vorderholzer von Regensburg. Aber es ist schön zu sehen, wie die Bischöfe mehr und mehr öffentlich Zeugnis für das Leben ablegen – am besten in ihrem bischöflichen Talar, damit die Menschen sehen, wer mitten unter ihnen ist! In Zukunft werden sicher noch mehr Bischöfe mitgehen, ihnen allen ist jetzt schon zu danken im Namen des Volkes Gottes!

Die zweite gute Nachricht ist: Es scheint etwas in Bewegung gekommen zu sein! In Polen schrieben die Bischöfe kürzlich in einem Hirtenbrief von einem „vollen rechtlichen Schutz von ungeborenem Leben.“ Denn bisher erlaubte das Gesetz auch in Polen Abtreibung von behinderten Kindern, Abtreibung nach einer Vergewaltigung, ebenso im Falle von Inzest und Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der Frau. Und jetzt das „Wunder“: Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo sprach sich für ein fast vollständiges Verbot von Abtreibung aus! Und auch der Vorsitzende der Regierungspartei Jaroslav Kaczynski unterstützt eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes! Wenn es genügend Unterstützung gebe, werde er als Katholik hinter der Lehre der Kirche stehen, kündigte er an! Der Leser dieser Nachrichten in Österreich, Deutschland, Frankreich und vielen anderen Ländern Europas und sicher auch in den USA glaubt zu träumen, dass Politiker nicht nur so denken, sondern es wagen, dies laut zu sagen und politisch einzufordern! Man muss zugeben: Auch viele Bischöfe in Europa werden sich eher in Schweigen hüllen als die Polen offen zu loben!

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Natürlich, das links-extrem regierte und bevormundete Europa wird dieses polnische Vorhaben nicht einfach hinnehmen! Es wird die Polen, wie schon kürzlich wegen medienpolitischer Maßnahmen, jetzt erst recht im Namen eines „Rechts auf Abtreibung“ moralisch verdammen, diffamieren und unter Druck setzen! Mindestens ebenso wie vor kurzem den Ungarn Orban wegen seiner Flüchtlingspolitik mit Hilfe eines Zaunes. Viele Politiker zeigten sich moralisch empört, aber jetzt hört man, wie viele Länder inzwischen die Ungarn nachmachen - aber ohne sich zu entschuldigen für die moralische Überheblichkeit gegenüber den Nachbarn! Aber zurück zu Polen: Wahrscheinlich wird ein Tsunami der Hölle über Polen und seine Politiker hereinbrechen. Auch die Kirche wird es treffen, weil sie das „Evangelium vitae“ von Papst Johannes Paul II. verkündet und weil der polnische Präsident Katholik ist und sich an der Lehre der Kirche orientiert. Der Mut der Verantwortlichen ist bewundernswert! Sie verdienen unsere Unterstützung und unser Gebet, das sie brauchen werden. Wie schön wäre es, würden alle Bischofskonferenzen Europas sich diesen Hirtenbrief der Polen aneigneten! Vielleicht gäbe es dann auch wieder Politiker, die sich am polnischen Vorbild ausrichten und den nötigen Mut holen.

So erfreulich die polnische Entscheidung ist, vor allem um drei „Einfallstore“ des Bösen wird man streiten, weil auch viele Katholiken sie als „annehmbar“ offen gehalten sehen möchten! Dazu lehrte Papst Johannes Paul II. in seinem Lehrschreiben „Evangelium vitae Nr.57: „Niemand und nichts kann in irgendeiner Weise zulassen, dass ein unschuldiges menschliches Lebewesen getötet wird, sei es ein Fötus oder ein Embryo, ein Kind oder ein Erwachsener, ein Greis, ein von einer unheilbaren Krankheit Befallener oder ein im Todeskampf Befindlicher.“ Daher die moraltheologische Stellungnahme zu diesen Pforten des Bösen:

• Sollte Abtreibung nach einer Vergewaltigung nicht erlaubt sein? Nein, denn auch ein durch Vergewaltigung gezeugtes Kind ist ein Kind und dieses ist von den drei beteiligten Personen der einzige Mensch, der ganz sicher nicht irgendwie mitschuldig ist an dem Schrecklichen, das geschehen ist! Man lese im Internet dazu die Geschichte von Ruth Kissling: Ihre Mutter wurde vergewaltigt. Wenn ihr jemand sagt, Abtreibung nach Vergewaltigung wäre in Ordnung, hält sie dagegen: „Sie meinen also, man darf mich töten? Nein? Aber genau das haben Sie eben gesagt!“

• Abtreibung sollte erlaubt sein, wenn das Kind behindert sein oder „ohnehin bald sterben wird? Nein, denn auch ein behinderter Mensch ist ein Mensch mit demselben Lebensrecht wie alle anderen Menschen. Und auch wenn das Kind bald oder sogar sofort sterben wird, dann, lasst es in Frieden in die Ewigkeit gehen und vergesst dabei nicht: wir alle werden sterben, und niemand weiß die Zeit und die Stunde. In der Ewigkeit werden auch diese früh Verstorbenen uns lebendig entgegenkommen!

• Frauen und Ärzte für Abtreibung bestrafen? Ja, weil Abtreibung ein Verbrechen ist, sagt das 2. Vatikanische Konzil.! „Wollen Sie Frauen bestrafen?“ Ein genialer linker Werbegag für straflose Abtreibung! Genial insofern, weil er an das moralisch Gute im Hörer appelliert, ihn so manipuliert und ihn geradezu verblödet: Als ob man Frauen, die abtreiben, dann wegen ihres Geschlechtes bestrafen würde! Das Strafrecht gilt niemals dem Geschlecht eines Menschen, nicht seiner Hautfarbe, nicht seiner Bildung oder dem sozialen Stand eines Menschen. Bestraft wird immer nur der Täter unabhängig von seinem Geschlecht, die Strafe gilt der Tat und der verantwortlichen Mitwirkung an ihr! Absichtliche Tötung eines unschuldigen Menschen verlangt nach Strafe! Das heißt: Abtreibung sollte in jedem Land bestraft werden, und für solche Strafe gelten die die der Situation und den Umständen entsprechenden Regeln des Strafrechts. Abtreibung sollte bestraft werden, darin hat sogar der unklug und tollpatschig formulierende US-Präsidentschaftsbewerber Trump Recht. Und Frau Merkel und andere „Moralisten“ und Gutmenschen Europas sollten sich von dem großen Rechtswissenschaftler Wolfgang Waldstein, Freund von Papst Benedikt XVI., sagen lassen: „Ein Staat, ob demokratisch oder anders strukturiert, der Abtreibung gesetzlich freigibt, hört auf, im Vollsinn des Wortes ein Rechtsstaat zu sein!“ Das ist so, weil die Rechtsstaatlichkeit eines Landes von der Anerkennung des Naturrechts und der aus diesem folgenden Menschenrechte abhängt und nicht von der Willkür oder Mehrheits-Entscheidung der Machthaber.

Wahrscheinlich wird eine Bekehrung der Mehrheiten in den westlichen, liberalen und gottlosen Ländern, in der Frage der Abtreibung noch Zeit in Anspruch nehmen! Sicher aber ist auch, dass sich die Welt gerade wegen diesem frechen Widerspruch zu Gottes Gebot in großer Gefahr befindet. Beim Propheten Hosea (4:1-4) heißt es: „Hört das Wort des Herrn, ihr Söhne Israels! Denn der Herr erhebt Klage gegen die Bewohner des Landes: Es gibt keine Treue und keine Liebe und keine Gotteserkenntnis im Land. Nein, Fluch und Betrug, Mord, Diebstahl und Ehebruch machen sich breit, Bluttat reiht sich an Bluttat. Darum soll das Land verdorren, jeder, der darin wohnt, soll verwelken, samt den Tieren des Feldes und den Vögeln des Himmels; auch die Fische im Meer sollen zugrunde gehen.“ Aber diese dramatische Warnung gilt vor allem auch den Verantwortlichen: „Dich, Priester, klage ich an… Weil du die Erkenntnis verworfen hast, darum verwerfe auch ich dich als meinen Priester. Du hast die Weisung deines Gottes vergessen!“

Der „moderne Mensch, der sich so viel auf seine Modernität einbildet und den Begriff „nicht zeitgemäß“ für ein rationales Argument hält, wird solche Worte spöttisch wegschieben, aber er irrt: So unmöglich es ist, Unglück und Sünde wie eine mathematische Gleichung in Zusammenhang zu bringen, so wahr bleibt, dass es einen Zusammenhang zwischen Sünde und Unglück gibt, dessen sich die Menschen bewusst sein sollten. Darum ist zum Beispiel wahr, was Mutter Teresa sagte: Die Abtreibungen sind Ursache der heutigen Kriege!

Sicher wird der Tag kommen, an dem sich die Menschen bestürzt fragen werden, wie dieser Abtreibungs-Holocaust möglich und so lange verteidigt werden konnte! Gott sei Dank, dass es dann auch möglich sein wird, viele Namen zu nennen, die prophetisch Nein gesagt haben, und dass zudem nachweislich unzählige Menschen dieses Nein mitgetragen haben: Sie haben dem Zeitgeist des Bösen einen Zeitgeist Gottes entgegengesetzt! Erinnern wird man sich aber auch der vielen tapferen Frauen, die auch unter schwierigen Bedingungen und gegen allen Druck einer gottlosen Umwelt ihre Kinder angenommen und geliebt haben! Noch mehr wird man jene nennen, die wie die hl. Gianna Molla, ihr Leben gegeben haben, um ihrem Kind das Leben zu schenken! Es sind nämlich viele, viele mehr als man ihre Namen kennt, mehr als man glauben möchte! Sie gehören zum Ruhm unserer Zeit, auch wenn sie nicht heiliggesprochen wurden oder „nicht einmal“ Christen waren! Sie haben nicht nur ihren Kindern das Leben weitgegeben, sondern auch uns alle gestärkt durch ihr Zeugnis für das Leben, für die mütterliche Liebe und für die Liebe in der Ehe! Sie gehören zu denen, die wir am Fest „Allerheiligen“ feiern!

Berlin: Marsch für das Leben 2015 - Aufzeichnung der Kundgebung in voller Länge! (u.a. Statement Weihbischof Heinrich/Berlin)




kath.net-Buchtipp
Klartext III - Dialog mit dem Zeitgeist
Von Andreas Laun
Taschenbuch, 104 Seiten
2014 Dip3 Bildungsservice Gmbh
ISBN 978-3-902686-59-6
Preis 8.90 EUR

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