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Die Vergebung ist die Liebkosung Gottes

9. Februar 2016 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Franziskus an die Beichtväter: entweder verrichtet ihr den Dienst Jesu oder den des Teufels. Die Beichte – Umkehr und Vergebung. Nicht dem Pelagianismus verfallen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Am heutigen Dienstag der fünften Woche im Jahreskreis feierte Papst Franziskus die Frühmesse in der Petersbasilika zusammen mit Kapuzinern, die anlässlich der Überführung der Reliquien der heiligen Leopold Mandić (1866-1942) und Pio von Pietrelcina (1887-1968) aus der ganzen Welt nach Rom gekommen waren.

Der Papst konzentrierte sich in seiner Predigt auf die Vergebung und ging dabei von der Lesung aus dem ersten Buch der Könige (1 Kön 8,22-23.27-30) und dem Tagesevangelium (Mk 7, 1-13) aus . Franziskus stellte zwei Haltungen fest: die Größe vor Gott oder „die Demut König Salomos“ und die Haltung einer armseligen Kleinlichkeit der Gesetzeslehrer, denen allein an Vorschriften liege:

„Eure Tradition, die Tradition der Kapuziner, ist eine Tradition der Vergebung, des Schenkens von Vergebung. Unter euch sind viele gute Beichtväter. Das ist so, weil sie sich als Sünder fühlen“. Gerade die großen Sünder seien es, die angesichts der Größe Gottes wüssten, was Vergebung sei.

„Wenn jemand sein Bedürfnis nach Vergebung vergisst“, so der Papst, „dann vergisst er langsam Gott, er vergisst, um Vergebung zu bitten, und versteht nicht zu vergeben“. Der Demütige – einer, der sich als großer Sünder fühle – sei auch ein „großer Vergeber im Beichtstuhl“. Die anderen hingegen, die sich wie die Gesetzeslehrer als „rein“, als „Meister“ empfänden, wüssten nur zu verurteilen:


„Ich spreche zu euch als Bruder, und in euch möchte ich zu allen Beichtvätern sprechen, besonders in diesem Jahr der Barmherzigkeit: der Beichtstuhl ist da, um zu vergeben. Und wenn du die Absolution nicht geben kannst – ich mache mal diese Annahme –, dann: bitte nicht wie mit dem Knüppel schlagen. Der Mensch, der da kommt, kommt, um Trost, Vergebung, Seelenfrieden zu suchen. Er soll einen Vater finden, der ihn umarmt und sagt: ‚Gott hat dich gern’“.

An die Kapuziner gewandt unterstrich Franziskus: „Ihr habt diese besondere Gabe des Herrn: die Vergebung, und ich bitte euch, nicht müde zu werden zu vergeben“, denn es fände sich immer eine Weise zu vergeben oder der Seele Frieden zu schenken.

Die Beichtväter sollen Männer der Vergebung, der Aussöhnung und des Friedens sein. Der Papst erinnerte daran, wie oft die Priester gehört hätten: „Ich gehe nicht zur Beichte, weil sie mir da einmal diese Fragen gestellt haben“, und erzählte von einer Begegnung mit einem großen Beichtvater, der gesagt habe: „Herr, du warst es, der mir das schlechte Beispiel gegeben hat“.

Franziskus unterschied zwischen Worten und Gesten, die um Vergebung bäten, wenn sich ein Mensch dem Beichtstuhl nähere. Etwas laste auf ihm, von dem er sich befreien wolle. Vielleicht wisse er nicht, wie er dies sagen solle, doch er bringe es mit der Geste des Näherkommens zum Ausdruck. Daher sei es nicht notwendig, Fragen zu stellen:

„Die Vergebung ist ein Same, eine Liebkosung Gottes. Vertraut auf die Vergebung Gottes. Verfallt nicht dem Pelagianismus, ja? Du musst das und das und das tun...“. Entweder sei man ein „großer Vergeber“ oder ein „großer Verurteiler“:

„Entweder verrichtest du den Dienst Jesu, der vergibt, indem er sein Leben hingibt, das Gebet, während man viele Stunden dort sitzt (Franziskus zeigte auf die ausgestellten Reliquien der beiden Heiligen): wie die beiden da. Oder du tust den Dienst des Teufels, der verurteilt, der anklagt“.

Der Papst fügte abschließend hinzu: „Ich sage allen Priestern, die die Beichte hören: seid demütig. Vielleicht sagt ihr: ‚Ich zelebriere, ich putze den Boden, ich mache alles, doch Beichte hören – nein, weil ich das nicht gut kann’. Bitten wir den Herrn um die Gnade, gute Beichtväter zu sein“.

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Papst Franziskus: Hl. Messe für die Mitglieder des Kapuzinerordens (Pater Pio-Reliquien sind im Petersdom)



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Lesermeinungen

 topi 9. Februar 2016 

Sehr schön

Leider ist in Mitteleuropa die Beichte, d.h. das Sakrament der Versühnung und Vergebung, so gut wie ausgestorben. Das hängt mit dem ausgestorbenen Glauben zusammen. Der ausgestorbene Glaube hängt mit dem Mangel an Verkündigung zusammen.
"Wie kann man an ihn glauben, ohne vorher von ihm gehört zu haben? Und wie kann man von ihm hören, wenn er nicht verkündet wird? Und wie werden sie ihn verkünden, ohne vorher gesandt zu sein? Wie geschrieben steht: Wie sind die Freudenboten willkommen, die Gutes verkündigen!" (Röm)
Die Hauptamtlichen haben in den meisten Fällen nicht die Kraft wirklich zu verkündigen. Und die Pfarreien sperren sich gegen alle, die ein Charisma der Verkündigung haben, weil sie sich vor Unruhe fürchten, die tatsächlich eine Friedhofsstille ist.


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