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Fünfter US-Bundesstaat legalisiert Formen von Sterbehilfe

7. Oktober 2015 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Kalifornien legalisiert Beihilfe zum Suizid – Bischofskonferenz hatte abgeraten. Von Thomas Spang (KNA)


Sacramento (kath.net/KNA) Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown hat mit der Entscheidung gerungen, ob er das Sterbehilfe-Gesetz unterschreiben oder mit einem Veto verhindern soll. Hin und her gerissen zwischen widerstreitenden moralischen Argumenten stellte sich der praktizierende Katholik und ehemalige Jesuiten-Seminarist am Ende gegen die Vorstellung seiner eigenen Kirche.

«Ich habe darüber nachgedacht, was ich mir für meinen eigenen Tod wünschen würde», hielt der 77-jährige Demokrat in einer sehr persönlich gehaltenen Erklärung zur Unterzeichnung des Gesetzes fest. Er sei sich sicher, dass es ein Trost für ihn wäre, die Optionen zu haben, die nun rechtlich in Kalifornien verankert würden. «Und gewiss werde ich anderen dieses Recht nicht verweigern.»

Mit der Unterschrift Browns ist die Beihilfe zum Suizid im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA vom kommenden Jahr an nicht mehr strafbewährt. Das Gesetz ist nach dem Vorbild von Oregon gestaltet worden, dem ersten Bundesstaat, in dem Sterbehilfe 1997 möglich wurde.

Konkret verlangt das Gesetz mit dem Kürzel ABx215, dass zwei Ärzte unabhängig voneinander das Vorliegen einer schweren Krankheit bestätigen, die den Tod innerhalb der nächsten sechs Monate erwarten lässt. Unter diesen Umständen darf eine Person, die im Vollbesitz ihrer Geisteskraft ist, selber um die Verschreibung von Medikamenten bitten, die das Leben beenden können. Die Betroffenen müssen selbst in der Lage sein, die Medikamente einzunehmen. Der Versuch, ihre Entscheidung zugunsten der Selbsttötung zu beeinflussen, steht unter Strafe.


«Das ist ein düsterer Tag für Kalifornien und das politische Erbe Browns», kritisierte der Sprecher von «Californians Against Assisted Suicide», Tim Rosales, die Entscheidung des Gouverneurs. Millionen arme Kalifornier und deren Familien seien diejenigen, «die potenziell den Schaden tragen, wenn Ärzte das Recht erhalten, Rezepte für tödliche Überdosen auszustellen». Dem Bündnis gehören Ärzte, Vertreter von Behindertenverbänden und religiöse Gruppen an. Rosales äußerte sich ausdrücklich auch im Namen der katholische Kirche in Kalifornien.

Die Bischofskonferenz des Bundesstaates hatte nach dem Sterbehilfe-Beschluss der Staatsversammlung im vergangenen Monat an Brown appelliert, von seinem Veto Gebrauch zu machen. «Papst Franziskus hat uns aufgefordert, eine gute Gesellschaft zu schaffen, indem wir sie durch die Augen derer sehen, die an den Rändern leben, in wirtschaftlicher, physischer, psychologischer und sozialer Not sind», erklärte der Exekutiv-Direktor der Bischofskonferenz, Edward Dolejsi. «Durch diese Augen gesehen ist ABx215 ein schlechtes Gesetz für Kalifornien.»

Das Gesetz war in einer Sondersitzung der Stabsversammlung gegen die Stimmen der republikanischen Abgeordneten und einiger Demokraten beschlossen worden. Frühere Anläufe waren in den Jahren 2006, 2006 und 2007 gescheitert.

Dass es diesmal eine Mehrheit fand, erklären Analysten mit dem Einfluss des Falls der 29-jährigen Brittany Maynard, der internationale Schlagzielen machte. Die junge Frau litt an einer unheilbaren Krebserkrankung im Gehirn. Sie zog von Kalifornien nach Oregon, um sich dort im November vergangenen Jahres mit verschriebenen Medikamenten das Leben zu nehmen. Maynard machte sich in den letzten Monaten ihres Lebens für eine Legalisierung der Sterbehilfe stark. Drei Tage vor ihrem Tod warb sie bei einem Gespräch mit Gouverneur Brown für dessen Unterstützung.

«Brittany wünschte sich dieses Gesetz in Kalifornien, damit andere nicht dasselbe durchmachen müssen.» Mit diesen Worten würdigte der Ehemann der Verstorbenen, Dan Diaz, der Unterschrift Browns unter dem Gesetz. Der Gouverneur habe ihren letzten Wunsch erfüllt.

Die Gegner des Gesetzes kündigten an, nun gerichtliche Schritte gegen das Gesetz zu prüfen. Sollte es Bestand haben, wäre Kalifornien nach Oregon, Washington State, Vermont und Montana der fünfte US-Bundesstaat, in dem eine Form der Sterbehilfe legal ist.

Auch in Deutschland wird diskutiert: Assistierter Suizid? - Nur ein Gesetzentwurf ist keine Lizenz zum Töten: Sensburg/Dörflinger/Hüppe


CDL - Christiane Lambrecht zur aktuellen Sterbehilfe-Debatte im Bundestag


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