16 Dezember 2014, 09:00
Küng: Novelle zu Fortpflanzungsmedizingesetz "großer Irrtum"
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Bioethik'
Familienbischof Küng: Gesetzesnovelle führt "immer weiter auf schiefe Ebene"– IMABE-Institut: "80 Prozent der Frauen gehen nach oft jahrelangen Versuchen ohne Kind nach Hause!"

Wien (kath.net/KAP) Als "großen Irrtum und weiteren ethischen Dammbruch" hat St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng den Entwurf für ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz, der am 10. Dezember ohne nennenswerte Änderungen den Ministerrat passiert hatte, erneut kritisiert. "Mit Eizellspende und der Präimplantationsdiagnostik werden Frauen und Kinder zur Ware einer Fortpflanzungsindustrie, die mit dem neuen Gesetz noch hemmungslosere Versprechungen machen kann", so Küng in einem schriftlichen Grußworten an die Teilnehmer eines Diskussionsabend des "International Theological Institute" (ITI) am Sonntagabend in Wien.

Werbung
messstipendien


Bereits die Zulassung der In-Vitro-Fertilisation (IVF), bei der Eizellen aus dem Körper der Frau entnommen und im Reagenzglas mit dem Samen des Mannes befruchtet werden, sei ein "Schritt in die falsche Richtung" gewesen. Mit der aktuellen Novelle zum Fortpflanzungsmedizingesetz begebe man sich "immer weiter auf eine schiefe Ebene".

Fragen zum Kindeswohl, zum Umgang mit dem weiblichen Körper, zur Persönlichkeitsentwicklung und der Identität von Kindern, zu genetischer Selektion und nicht zuletzt zum Umgang mit ungeborenem Leben würden "weder berücksichtigt noch beantwortet". Im Gegenteil: "Die Fragen wurden einfach als konservativ, als antimodern und fundamentalistisch abgetan und lächelnd vom Tisch gewischt", kritisierte Küng weiter.

Kritisch äußerte sich der Bischof, der in der Bischofskonferenz für Bioethik- und Familienfragen zuständig ist, auch zur kurzen Begutachtungszeit der Novelle von zehn Werktagen, die eine öffentliche Diskussion kaum ermöglicht habe, "und das trotz der bioethisch und gesellschaftlich höchst problematischen Inhalte". Umso wichtiger sei es, dass der öffentliche, kritische und breite Diskurs auch nachdem die Novelle den Ministerrat passiert hat, weitergingen.

Für Susanne Kummer, Ethik- und Biomedizinexpertin und Geschäftsführerin des kirchlichen Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE), habe die Novelle zum Gesetz mehr Nach- als Vorteile für Frauen; denn Statistiken würden belegen, dass die Fortpflanzungsmedizin von einer "großen Illusion" lebt: "80 Prozent der Frauen gehen nach oft jahrelangen Versuchen ohne Kind nach Hause!"

Gudrun Kugler von der Wiener PR-Agentur "Kairos-Consulting" kritisierte die Ausrichtung der Gesetzesnovelle, die ganz der Marktlogik von Angebot, Nachfrage, Preisen und Qualitätssicherung folge. Es liege an der Politik, Österreich - ähnlich wie in Fragen der Atompolitik - aus dieser Sackgasse heraus zu manövrieren. (Infos: www.iti.ac.at)

Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!









kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.

Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Benedikt XVI. in großer Sorge um die katholische Kirche (78)

„Korruption der Lehre zieht immer die Korruption der Moral nach sich“ (56)

Man kann einen Papst nicht anklagen! (55)

‚Papst schweigt, um Größenwahn der Kritiker nicht zu fördern’ (44)

Das Zerstörungswerk des Teufels durch die Heuchler (42)

„Völliger Unsinn!“ (40)

Missbrauchsopfer von Grassi: "Ich habe gelitten und leide noch immer!" (38)

Papst: Sexualität ist "der schönste Punkt der Schöpfung" (36)

Marx: „Wir stehen an der Seite der Betroffenen sexuellen Missbrauchs“ (35)

Neues Papstdokument schreibt verpflichtende Synodenumfragen vor (34)

Die Vollmacht des Hirten (33)

Jugendsynode: Niederländischer Bischof verweigert die Teilnahme (31)

„Frankfurter Allgemeine“: „Warum schont der Papst McCarrick?“ (26)

Bistum Regensburg widerspricht grünem Bundestagsabgeordneten! (25)

Theologe: Öffentlich unsichtbare Religion schafft Probleme (23)