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Muslime und Christen sind in Gaza ein Volk

16. August 2014 in Interview, 2 Lesermeinungen
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Griechisch-orthodoxer Erzbischof von Gaza Alexis - Von Andrea Krogmann (KNA).


Gaza-Stadt (kath.net/ KNA)
Eine islamistische Verfolgung von Christen im Gazastreifen wäre nach Ansicht des griechisch-orthodoxen Erzbischofs von Gaza, Alexis, undenkbar. Christen und Muslime seien ein Volk und stünden vor den gleichen Problemen, erläutert der Erzbischof im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Gaza-Stadt.

KNA: Erzbischof Alexis, Sie haben während der jüngsten Militäroffensive im Gazastreifen mehr als 1.000 Flüchtlingen Schutz gewährt.

Alexis: Die Luftangriffe kamen immer näher an unser Stadtviertel heran. Im Norden von Gaza haben die Menschen Evakuierungsanweisungen erhalten, und viele haben ihre Häuser aus Angst vor den Angriffen verlassen. Mit nichts als ihren Kleidern am Leib und ihren Kindern auf dem Arm kamen sie zu uns auf der Suche nach Schutz. Also haben wir unsere Türen geöffnet und versucht zu helfen, so gut wir können. Es war unmöglich für uns, die Menschen angesichts dieses Dramas abzuweisen. Die Zahl der Flüchtlinge ist immer weiter gestiegen. Nach drei Tagen haben wir mehr als 1.400 Menschen beherbergt. Die Hilfe hat uns vor große Herausforderungen gestellt.

KNA: Auf welche Schwierigkeiten sind Sie gestoßen?

Alexis: Besonders schwierig waren die ersten drei Tage, an denen wir gemeinsam mit unseren muslimischen Nachbarn die drängendsten Probleme zu lösen versucht haben. Wir haben im Viertel ein gemeinsames Komitee gegründet, um die Hilfe bestmöglich zu koordinieren. Gleichzeitig haben wir versucht, bei Muslimen und Christen um Unterstützung zu werben. Durch den Fastenmonat Ramadan war es einerseits für die Flüchtlinge besonders schwierig, aber auch wir hatten Schwierigkeiten, Hilfe zu bekommen.


KNA: Wie genau lief das ab?

Alexis: Wir haben die Flüchtlinge gemeinsam in allen möglichen Orten untergebracht: der Kirche, der Moschee, Schulen, leerstehenden Häusern und Läden. Wir haben Decken, Matratzen und Spielzeug für die Kinder ausgegeben. Vor große Herausforderung hat uns die Beschaffung von Nahrung gestellt. Aber noch schwieriger war die Wasserversorgung, besonders als durch einen Luftangriff auf ein benachbartes Gebäude die Wassertanks auf dem Dach zerstört wurden. Da waren wir 30 Stunden ganz ohne Wasser. Auch die fehlende Elektrizität hat unsere Hilfe erschwert, weil wir das Wasser nicht in die Tanks pumpen konnten. Die Wasserversorgung ist bis jetzt die wichtigste Hilfe, die wir leisten. Bis heute kommen Menschen zum Wasserholen ins Kloster.

KNA: Haben Sie Unterstützung von außen erhalten?

Alexis: Nach dem Angriff auf das Nachbarhaus, bei dem Bombensplitter auch Teile des Friedhofs zerstörten, sind viele Organisationen wie Caritas, Diakonie, Roter Halbmond und viele andere auf unsere Lage aufmerksam geworden. Sie haben uns mit Wasser, Lebensmitteln, Diesel, Babynahrung und anderen wesentlichen Dingen wie Medikamenten für Alte und Kranke versorgt. Auch die lokalen Institutionen haben mit uns zusammengearbeitet.

KNA: Wie ist die Lage gegenwärtig?

Alexis: Nach 26 Tagen sind die meisten der Flüchtlinge mit der Waffenruhe in ihre Häuser zurückgekehrt. Jene, deren Häuser zerstört sind, haben mit Hilfe der Regierung Unterkunft in Schulen gefunden. Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten unsere Hilfe fortsetzen.

KNA: Hat es bei der Zusammenarbeit Schwierigkeiten zwischen Muslimen und Christen gegeben?

Alexis: Nein! Die gemeinsame Aktion hat die Menschen zusammengebracht. Außerdem muss man sagen, dass in Palästina – im Westjordanland, besonders aber in Gaza - Christen und Muslime einander sehr nahe stehen. Sie gehören derselben Nation an. Beide sind Palästinenser, es gibt keine Diskriminierungen. Religion bereitet hier keine Schwierigkeiten. Christen sind Teil des Volkes und haben die gleichen Probleme. Krieg ist Krieg - er macht keinen Unterschied in der Religion oder der Person.

Als wir unsere Kirche geöffnet haben, haben wir sie für alle geöffnet, ohne nach einem Ausweis oder der Religionszugehörigkeit zu fragen. Wir haben einen sicheren Platz geboten für jene in Not. Unsere Hilfe ist ein Akt der Liebe, ohne die wir uns weder Menschen noch Christen nennen dürfen. Indem wir jenen helfen, die vor uns stehen, finden wir Gott und arbeiten für unsere Erlösung.

KNA: Wenn man gegenwärtig den Nahen Osten anschaut, ist das Zusammenleben von Muslimen und Christen keineswegs immer so friedlich. Haben Sie keine Angst, dass islamistischer Terror sich auch in Gaza gegen Christen richten könnte?

Alexis: Alle Menschen müssen die Erfahrung machen, dass sie zusammenleben müssen, statt einander zu bekämpfen. Das ist unsere große Botschaft für sie alle: dass wir als Brüder zusammenleben, ohne Diskriminierung. Ich habe keine Angst, dass so etwas wie im Irak auch hier passieren könnte. Die Islamisten versuchen auf vielfache Art, auch hier in der Region Ähnliches geschehen zu lassen - aber die Menschen hier lassen es nicht zu.

KNA: Was muss Ihrer Meinung nach als nächstes geschehen, um einen dauerhaften Frieden in Gaza zu erreichen?

Alexis: Unsere Aufgabe ist es, für Frieden, Liebe und Koexistenz zu beten und Gott um Schutz zu bitten. Durch Krieg werden wir keine Resultate erzielen. Er bringt nur Tod, Schmerz und Katastrophen, spirituell wie physisch. Der einzige Weg, diese Katastrophen zu vermeiden, ist der Einsatz für das Leben. Die Politik muss diese Wahrheit sehen. Sie müssen der Realität ins Auge sehen, die da heißt: Wir müssen zusammenleben. Das gilt nicht nur für Gaza, Israel und Palästina, sondern für alle Völker. Aber diese Wahrheit ist schmerzhaft zu erfahren.

(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Jegliche mediale Nutzung und Weiterleitung nur im Rahmen schriftlicher Vereinbarungen mit KNA erlaubt.

Foto: Palästinenser in Jerusalem © kath.net, Stefan Bolli


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