01 August 2014, 11:30
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Der Würzburger Theologe Guido Fuchs hat vorgeschlagen, Mahlzeiten in den Gottesdienst zu integrieren. Warum das nicht geht wusste schon der Apostel Paulus. Ein Kommentar von Johannes Graf

Würzburg (kath.net/jg)
Der Würzburger Liturgieprofessor Guido Fuchs wünscht sich, dass katholische Gottesdienste „wirkliche Mahlzeiten integrieren oder nach sich ziehen“. „Das würde mehr dem Handeln Jesu entsprechen“, zitiert ihn Einblick, das Magazin der Universität Würzburg. Jesus habe immer wieder mit anderen Menschen gemeinsam gegessen und getrunken. Dies sei eine Form seiner Verkündigung des Reiches Gottes gewesen, sagt er gegenüber der Zeitung.

Fuchs hat sich in einem Buch mit dem Verhältnis von Kirche, Liturgie und dem gemeinsamen Essen und Trinken in verschiedenen christlichen Konfessionen beschäftigt. In den diversen protestantischen Denominationen fand er eine große Vielfalt an gottesdienstlichen Angeboten. Eine evangelisch-lutherische Gemeinde lädt am Pfingstmontag zum „Wirtshausgottesdienst“ ein, eine andere zum „Brunch & Pray“ mit Live-Musik, Filmausschnitten und Brunch in der Kirche. Kath.net hat berichtet.

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In der katholischen Kirche seien die Möglichkeiten stark eingeschränkt, sagt Fuchs und verweist auf die Instruktion Redemptionis Sacramentum. Dort heißt es wörtlich: „Die Feier der heiligen Messe darf in keiner Weise in den Kontext eines gemeinsamen Mahles eingefügt oder mit einem solchen Mahl in Beziehung gebracht werden.“ Die Eucharistiefeier darf – von schweren Notlagen abgesehen – nicht in Räumen abgehalten werden, in denen Mahlzeiten eingenommen werden oder in denen sich Speisen befinden. Die Teilnehmer dürfen während der Messe nicht an Tischen sitzen. Fuchs kommentiert diese Bestimmungen mit den Worten: „Ein großer Verlust für uns.“ Würde die Kirche öfter Mahlzeiten anbieten, wäre das ein Weg, „den Alltag in den Bereich des Heiligen hinein zu bringen“, sagt der Liturgiewissenschaftler. Genau hier liegt das Problem.

Die Kirche hat die Vorschriften über die Trennung der Eucharistie, des „Herrenmahles“, wie der Apostel Paulus schreibt, von den Mahlzeiten mit gutem Grund eingeführt. Die Eucharistie wird auch als das „Allerheiligste“ bezeichnet. In der Eucharistie wird Gott real in unserer Mitte gegenwärtig. Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnet sie als Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens (Lumen gentium 11). Die Eucharistiefeier ist nicht nur eine Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Das ist sie auch. Sie ist gleichzeitig eine Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi, mit dem Gott die Erlösung der Menschen gewirkt hat.

Wenn nun im Einblick zu lesen ist, in der katholischen Kirche „war ... lange Zeit vom Messopfer die Rede“ so ist die Vergangenheitsform falsch. Der Opfercharakter der Messe gehört bis heute wesentlich zum katholischen Eucharistieverständnis. Es geht nicht hervor ob der zitierte Satz von Guido Fuchs oder dem Redakteur des Magazins stammt. Der Artikel wird allerdings auch auf der Internetseite des von Fuchs geleiteten „Instituts für Liturgie- und Alltagskultur“, vollständig und ohne korrigierenden Hinweis wiedergegeben.

Zum Messopfer passt es nicht, wenn wir dabei unsere eigenen Speisen und Getränke konsumieren. „Esst, trinkt, tut dies zu meinem Gedächtnis“, ist im Einblick über die Einsetzungsworte zu lesen. Ja, muss man erwidern, aber was essen und trinken wir hier? Dazu muss man die Wandlungsworte im Ganzen betrachten: „Nehmt und esst alle davon, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird..“ Und weiter: „Nehmt und trinkt alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Hier wird ganz deutlich, um was es bei der Eucharistie geht. Das scheint für Fuchs wenig Rolle zu spielen.

Der Fairness halber muss hier ergänzt werden, dass er nicht von allen Ideen begeistert ist, die er in seinen Untersuchungen gefunden hat. Wenn die religiösen Gefühle anderer verletzt werden oder der Gottesdienst verkitscht und auf Stimmung reduziert wird, ist für den Liturgiewissenschaftler die Grenze überschritten. Was fehlt ist der Respekt, die Ehrfurcht gegenüber Gott und dem Sakrament in dem er gegenwärtig wird. Dies sollte das erste und wichtigste Kriterium sein.

„Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahles mehr“, wettert der Apostel Paulus gegen die Gemeinde von Korinth. „Jeder verzehrt sogleich seine eigenen Speisen, dann hungert der eine, während der andere schon betrunken ist.“ Hier geht es nicht nur um das Prassen der Reichen vor den Augen der armen Gemeindemitglieder. Paulus verlangt von den Korinthern nicht, dass sie genug Speisen für alle mitnehmen sollen. Seine Lösung lautet: „Wer Hunger hat, soll zu Hause essen. Sonst wird euch die Zusammenkunft zum Gericht.“ Der Apostel beschreibt hier eine Situation, die entstehen kann, wenn man das Alltägliche mit dem Heiligen vermischt. Die Bedeutung des Sakraments geht verloren. „Denn wer davon (vom Leib und Blut Christi) isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt“, schreibt Paulus wörtlich.

Das ist ein wesentliches Problem der Kirche in vielen Ländern der westlichen Welt. Viele Gläubige haben das Verständnis für die sakramentale Dimension verloren oder nie gewonnen. Dass der Vorschlag, Mahlzeiten in die Eucharistiefeier zu integrieren, ausgerechnet von einem Professor für Liturgiewissenschaft kommt, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Lage an den theologischen Fakultäten.

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