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England: Schulterschluss der Religionsführer gegen Sterbehilfe

17. Juli 2014 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Erlaubnis der Beihilfe zum Suizid würde "Druck auf besonders verletzbare Menschen in dem Moment erhöhen, in dem sie vor allem Liebe und Unterstützung brauchen"


London (kath.net/KAP) 20 Religionsführer Englands - darunter Anglikaner-Primas Justin Welby und Kardinal Vincent Nichols - haben sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Erlaubnis von aktiver Sterbehilfe ausgesprochen. In ihrem Schreiben im Vorfeld der Entscheidung im Oberhaus am Freitag über die Legalisierung aktiver Sterbehilfe erklären sie, eine Umsetzung des Gesetzesvorschlags hätte "schwerwiegende negative Folgen auf das Wohlergehen der Menschen sowie der Natur und Form der Gesellschaft". Alternativ fordern die Unterzeichner eine bessere Hospiz- und Palliativversorgung sowie Hilfen für Pflegende.

Der von Lord Charles Falconer eingebrachte Gesetzesentwurf würde es britischen Ärzten erlauben, Schwerstkranken Medikamente für eine Beendigung des Lebens zu verschreiben, sofern die Betroffenen die Beihilfe zum Suizid schriftlich verlangt haben und ihre Lebenserwartung weniger als sechs Monate beträgt. Der Vorstoß hat eine äußerst heftige Diskussion in Gang gesetzt; so hatte etwa die katholische Bischofskonferenz von England und Wales die Gläubigen dazu aufgefordert, ihren Abgeordneten zu schreiben um eine Umsetzung abzuwenden.


Es sei ein "schwerer Fehler", den Wert jedes Menschenlebens durch die Falconer-Bill zu unterminieren, betonen die Unterzeichner des Protestschreibens, zu denen auch hochrangige Vertreter von protestantischen Kirchen, Judentum, Islam, Hinduismus, Sikhismus, Buddhismus und Zoroastriern gehören. Indem man es Menschen möglich mache, aktiv zur Beendigung des Lebens anderer beizutragen, übertrage man ihnen auch die Beurteilung, ob deren Leben wertlos sei. "Das ist kein Weg hin zu einer mitfühlenden, fürsorglichen Gesellschaft", mahnen die Kirchen- und Religionsvertreter.

Die Sorge und der Schutz des Lebens müssten soweit gehen, dass sie unter Umständen auch von anderen Opfer abverlangten, so die Unterzeichner. Für ältere und verletzliche Menschen sei es eine schreckliche Bedrängnis, von anderen nur als Last oder als Kostenfaktor angesehen zu werden, was oft zu Passivität, Depression und Abscheu gegenüber der eigenen Person führe. Sei der Wusch, das eigene Leben zu beenden, durch Depression oder äußeren Druck ausgelöst, so könne man keineswegs von einer rationalen Entscheidung sprechen. "Die Falconer-Bill würde nur den Druck auf die verletzbaren, unheilbar kranken Menschen erhöhen - in einem Moment, in dem sie vor allem Liebe und Unterstützung brauchen", erklären die Religionsführer.

Angesichts des Gesetzesvorstoßes müsse man die Frage stellen, "in welche Gesellschaft wir leben möchten", heißt es weiter. "Entweder in einer, in der das Leben und Einzelpersonen vor allem nach der Nützlichkeit beurteilt wird, oder in einer, in der jeder Mensch unterstützt, geschützt und wertgeschätzt wird - auch wenn er sich selbst manchmal nicht wertschätzen kann." Würde Suizidbeihilfe erlaubt, würden wichtige und über die Zukunft entscheidende Werte wie Respekt und Fürsorge für alle erodieren.

Das britische Oberhaus debattiert ab Freitagnachmittag in London über einen Gesetzentwurf zur Legalisierung aktiver Sterbehilfe. Der Entwurf von Lord Charles Falconer würde Ärzten erlauben, Schwerstkranken Medikamente zu verschreiben, mit denen sie ihrem Leben ein Ende setzen können. Als Voraussetzung für eine solche Hilfe beim Suizid sieht der Entwurf vor, dass die Betroffenen eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben und ihre Lebenserwartung weniger als sechs Monate beträgt.

Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich


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