11 Juni 2014, 10:00
Hat der Limburger Wolf Kreide gefressen?
 
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Es lässt tief blicken, dass der Frankfurter Dekan zu Eltz über den bisherigen Limburger Bischof Tebartz-van Elst äußert: „Es ging nur vordergründig um Geld. Tebartz war kein Verschwender und kein Protzbischof.“ Von Michael Schneider-Flagmeyer

Limburg (kath.net/Forum Deutscher Katholiken) Das Thema Limburg haben nun viele Menschen in und außerhalb der Kirche satt. Es sollte doch nun mit dem Rücktritt des Bischofs erledigt sein. Das ist es aber nicht! Gerade hat Martin Mosebach, der in der Diözese lebt, das Thema Limburg und Franz-Peter Tebartz-van Elst wieder in die Öffentlichkeit gebracht, indem er die Rolle der Presse bei der ganzen Affäre stilistisch und inhaltlich hervorragend aufgearbeitet hat, besonders die Rolle der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und ihrer beiden gescheiterten Theologen Deckers und Töpfer. Allerdings vermeidet Mosebach vornehm jede Namensnennung. Ja, er nennt nicht einmal die FAZ beim Namen. Mosebachs Beitrag „Bischof Tebartz-van Elst und die Presse“ war zuerst in „Die neue Ordnung“ (im Juni-Heft 2014), die von P. Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels OP herausgegeben wird, erschienen.

Martin Mosebach stellt die sehr berechtigte und unvermeidbare Frage, ob ein Domkapitel, das sich an einer solchen Hassorgie beteiligt hat, überhaupt an der Ernennung eines neuen Bischofs beteiligt werden sollte. Er weist darauf hin, dass der Vatikan wohlüberlegt das Limburger Domkapitel bei den getroffenen Maßnahmen übergangen hat und damit die Situation richtig eingeschätzt hatte.

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Dass der Fall Limburg mit dem Weggang des Bischofs keinesfalls erledigt ist, haben wir immer behauptet, weil wir die Limburger Verhältnisse seit Jahrzehnten kennen. Auch die Limburger Diözesanrätin Dr. Barbara Wieland, die das Bistum in ZdK vertritt, hat in mehreren Interviews dieses klar gemacht und sorgfältig begründet, denn die Schwierigkeiten im Bistum bestehen seit Jahrzehnten und haben zunächst mit dem Bischof Tebartz-van Elst gar nichts zu tun, kath.net hat berichtet.

Nun hat der Wortführer des Domkapitels, des Hofheimer Kreises und des dissidenten Teils des Limburger Klerus, der Frankfurter Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz (Foto), am 3.April 2014 ein zu wenig beachtetes Interview der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ gegeben, dass die Ressortleiterin von „Glauben und Zweifeln“, Evelyn Finger, mit ihm geführt hat.

In diesem Interview lässt der Frankfurter Stadtdekan ganz ungeniert in einer Unverfrorenheit die Katze aus dem Sack, dass einem die Luft weg bleibt.

Auf die Frage, ob er froh sei, dass der Bösewicht (der Bischof) verloren habe, sagt zu Eltz: Nein, aber erleichtert. „Es ging nur vordergründig um Geld. Tebartz war kein Verschwender und kein Protzbischof…. Der Bischof war kein Wüterich, er hatte Manieren und ein gewinnendes Auftreten.“

Man traut seinen Augen nicht ob solcher Töne. Erinnern wir uns doch alle daran, wie das Domkapitel in seinem berüchtigten Interview und in Veranstaltungen vor allem der Katholischen Akademie den Bischof als angsteinflößender Diktator geschildert hatte, mit dem eine Versöhnung völlig ausgeschlossen sei. Und nun dieses.

Wir wissen nun alle aus dem Kommissionsbericht, dass der Bischof schwerwiegende Fehler gemacht hat. Aber wir wissen auch aus diesem Bericht, welche Schuld das Domkapitel an der Bauaffäre hatte, von dem nun nicht mehr die Rede sein soll. Die Schuld dieses Gremiums sieht zu Eltz darin, dass man (und auch er selbst) dem Bischof nicht früher widersprochen hätte und dass man ihn hätte gewähren lassen. Ein wenig dünn für das, was an Verantwortung des Domkapitels der Kommissionbericht zutage gefördert hatte.

Und dann kommt der Domkapitular zu Eltz nun wirklich zur Sache: Bei dem gewinnenden Auftreten des Bischofs handelte es sich nur um den „Samthandschuh um die Stahlkralle“. In Wirklichkeit habe er das gemacht, was er wollte, weil er der Bischof war. „Mir ist klar geworden, solche Macht muss weg….Die Amtskirche, wie wir sie kennen, ist erledigt.“

Hier benennt er das Limburger Problem in aller Offenheit. Es ist die hierarchisch verfasste Kirche, um die es geht. Es geht um die geistliche Vollmacht der Bischöfe und letztlich auch des Papstes, wobei Johannes Graf zu Eltz, der Spross aus dem alten Geschlecht einstmals mächtiger Territorialherren, die geistliche Vollmacht, die Jesus selbst seinen Aposteln und damit deren Nachfolgern übertragen hat, mit der in der Welt ausgeübten Macht verwechselt. Sicher hat es in der Kirche viele Sünder gegeben, die die geistliche Voll-Macht mit der weltlichen Macht verwechselt haben und politische Macht und Gewalt ausgeübt haben. Aber stellt das die Vollmacht in Frage, die Jesus seinen Aposteln gegeben hat? Zu Eltz wirft der Hierarchie vor, in offenem Gegensatz zum Evangelium zu stehen. Das haben Luther und die Reformatoren auch getan und damit einen großen Teil der Christenheit hirtenlos gemacht.

Der Frankfurter Dekan will die Bischöfe sozusagen als „Frühstücksdirektoren“ sehen, deren Vollmacht stark eingeschränkt ist. Auch will er einen anderen Klerus.

Er benutzt das Evangelium gegen das Evangelium und beruft sich auch noch auf Papst Franziskus, den er sicher wie die meisten Theologen in der Kirche nur sehr selektiv liest; denn sonst wüsste er, dass sein Kirchenbild nichts mit dem des Papstes zu tun hat.

Gerade am 5. Juni hat der Papst in seiner morgendlichen Messe in Santa Marta von den drei Gruppen gesprochen, „die die Kirche mieten, sie aber nicht als ihr Zuhause betrachten. Die erst Gruppe, die sich so verhielte, seien jene, die wollten, dass in der Kirche alle gleich seien.“ Er definierte sie scherzhaft als die „Uniformisten“.

Zu Recht sagt zu Eltz vom Papst, dass er „die Logik der Macht lächelnd infrage stellt.“ Das ist richtig. Aber Papst Franziskus hat keineswegs die geistliche Vollmacht infrage gestellt. Und dem Bischof Tebartz- van Elst wirft der Domkapitular im Grunde die Ausübung seiner geistlichen Vollmacht vor. Dabei beruft er sich auf das Schweizer Kirchenmodell, das ja gerade von zahllosen Katholiken in der Schweiz als schwere Last und letztlich als der Tod der Teilkirche empfunden wird.

Zu Eltz zitiert einen Waldensertheologen: „Das Reich Gottes kommt nicht, wenn die Herrscher dienen, sondern wenn die Diener herrschen.“ Dass diese Utopie in Kirche und Welt gescheitert ist, ist dem Dekan zu Eltz offensichtlich nicht bewusst. Alle, die sich als Diener der Menschen in der Politik bezeichneten, entpuppten sich sehr schnell als Herrscher, die nicht mehr dienen wollten. Der Mensch bleibt immer noch Mensch in seiner Neigung zur Sünde und in seinem Hang, mehr sein zu wollen als die anderen.

So ist es denn auch sehr bezeichnend, dass das Interview in Web nur auf der langen PDF des Pressespiegels der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden auf S. 82 von 85 Seiten des PDF-Dokumentes in voller Länge nachzulesen ist.

Das ganze Interview macht deutlich, dass es überhaupt nicht um Baufragen, Verschwendung, Badezimmer und Koiteiche geht, sondern um die geistliche Vollmacht in der Kirche, die die Limburger Dissidenten in Domkapitel und Klerus durch ihren Sprecher zu Eltz an sich reißen wollen. Ja, selbst ihr Mentor Altbischof Kamphaus, der sie jahrzehntelang gewähren ließ, bekommt noch sein Fett weg.

Die neue Reformation frisst auch ihre Meister. Von Bischof Kamphaus stammt das in Limburg viel zitierte Wort, dass die Bischöfe nicht vom Papst sondern von Heiligen Geist ernannt werden. Dazu Johannes zu Eltz: Hier ging es nicht um Geldverschwendung, „sondern um die Ideologisierung der Ämter.“ „Manche finden immer noch: Der Bischof ist nicht vom Domkapitel gewählt (Anm. d. Verf.: vom Papst ist hier schon gar nicht mehr die Rede], sondern vom Heiligen Geist eingesetzt. Soll heißen, wer ihn angreift, greift Gott an. Das ist schlechte Theologie und bringt Gott in Misskredit, wenn der Bischof ersichtlich nichts taugt. Wir brauchen eine Kultur der Fehlbarkeit in der unfehlbaren Kirche.“

Und wer bestimmt, dass der so persönlich angenehme und nicht verschwenderische Bischof nichts taugt? Denken wir an das oben genannte Zitat des Waldenser-Theologen. Das Volk soll es bestimmen. Und da das Kirchenvolk dieses nicht kann, sind es Leute wie zu Eltz und seine „Mitreformatoren“, die für das Volk bestimmen und damit die Vollmacht an sich reißen wollen. Es ist immer noch das alte Lied. Und der Zerfall der EKD sagt diesen in ihrer eigenen Ideologie gefangenen Limburger Dissidenten nichts.

Johannes Graf zu Eltz ist sicher kein ungläubiger Mensch. Doch was auch immer persönlichen Motive von ihm und seinen Mitstreitern sein mögen, seine Vorstellungen sind schon lange nicht mehr katholisch. Er will eine protestantisierte Kirche mit säkularen Elementen und all das fromme Gerede soll vom eigentlichen Ziel ablenken: Der Zerschlagung der römisch-katholischen Kirche, wie sie sich zuletzt im II. Vatikanischen Konzil und im Katechismus der Katholischen Kirche KKK darstellt. Aber auf dieser Grundlage ist die Kirche gebaut und wird auch die Limburger Abweichler überstehen.

Der Wolf (die Wölfe) in Limburg hat nicht Kreide gefressen, sondern sich – um im Bild des Märchens zu bleiben – nur die Nachthaube der Großmutter aufgesetzt.

Pressekonferenz Limburg 23. Okt. 2013






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