Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  5. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  6. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  7. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  10. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  11. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  12. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  13. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  14. Fast der gleiche Glaube?
  15. Bemerkenswerte Geste: Wenn Papst Leo nach Frankreich kommt, werden alle Kirchenglocken läuten

Philosoph Hösle: 'Religionen profitieren von Säkularisierung'

21. Februar 2014 in Aktuelles, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Deutsch-italienischer "Star-Intellektueller" im "Kathpress"-Gespräch: Liberalität der USA deshalb bemerkenswert, weil sie aus religiöser Tradition gewonnene Überzeugungen nicht per se als "schlecht" oder "falsch" diskreditiert, sondern als gleichran


Wien (kath.net/KAP) Eine fortschreitende Säkularisierung und Privatisierung des Religiösen schadet den etablierten Kirchen und Religionsgemeinschaften: Dieser "klassischen" These ist der deutsch-italienische Philosoph Vittorio Hösle im "Kathpress"-Gespräch mit Verve entgegengetreten. Die Säkularisierung stelle zwar lange bewährte Traditionen der Staat-Kirche-Kooperation in Frage, zugleich aber setze dies enorme kreative Kräfte und letztlich eine "lebendigere Religiosität" frei, zeigte sich Hösle überzeugt.

Ein Beispiel dafür seien die USA, wo es von Beginn an keinerlei "Alimentierung" der Kirchen durch den Staat gegeben habe, die Religion aber bis heute eine weitaus größere Kraft in der Öffentlichkeit darstelle als in Europa. Der Staat tue zwar im eigenen Interesse gut daran, ein "kooperatives Verhältnis" zur Kirche etwa im Bereich von Bildungs- oder Gesundheitsdienstleistungen zu suchen, da er sich damit bares Geld spare - kritisch werde es jedoch, wenn diese Kooperation zu einer Ermattung der kreativen Kräfte religiöser Gemeinschaften führe.

Der an der amerikanischen katholischen Notre Dame University (South Bend/Indiana) Philosophie, Literatur und Politikwissenschaften lehrende Hösle gilt als Universal-Gelehrter. Am Mittwochabend referierte er auf Einladung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Rahmen der Symposien-Reihe "Maimonides Lectures" zur Frage "Was sind und zu welchem Ende betreibt man Geisteswissenschaften?"


"Geradezu archaische Religiosität"

Für europäische Verhältnisse zeichne sich die USA durch eine "geradezu archaische Religiosität" und eine "besondere religiöse Intensität" aus, so Hösle. Ein wortwörtliches Bibelverständnis sei gerade im protestantischen Bereich der USA nicht selten. Dies lasse sich damit erklären, dass in den USA die "Krise der Theologie" nie eine solche Wirkmacht gerade an den Universitäten gewann, wie dies in Europa der Fall war. So habe sich ein "relativ naiver Bibelglauben" erhalten, der in Europa bereits seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr vertreten werde. In den letzten Jahren habe sich die Republikanische Partei zu einem "anti-intellektuellen" Sammelbecken gerade für diese Gruppe herausgebildet.

Dennoch verweist Hösle auf einen wichtigen Unterschied in der Wertigkeit religiöser Überzeugungen im öffentlichen Diskurs: So erweise sich die Liberalität der USA gerade darin, dass sie aus religiöser Tradition gewonnene Überzeugungen nicht per se als "schlecht" oder "falsch" diskreditiere, sondern als gleichrangig zulasse.

Geradezu staatstragende Relevanz bekommen Religionen - aber auch etwa die bildenden Künste - laut Hösle im Blick auf das moralische Fundament der Gesellschaft. Auch wenn ethische Begründungsmuster heute ohne Religion auskommen mögen, so stelle sich immer auch die Frage nach der "Motivation" eines ethischen Verhaltens. "Daher sind etwa Religionen, aber auch die Kunst, als Schulen der Empathie, des Mitleidens mit anderen, wichtig", so Hösle. Denn sie stellten die notwendige Basis auch säkularer Ethiken - und letztlich des gesellschaftlichen Zusammenlebens insgesamt - dar.

Krise der Geisteswissenschaften

Gegenstand des Vortrags von Vittorio Hösle an der ÖAW war die Frage nach Sinn und Ziel des Studiums der Geisteswissenschaften. In Europa seien die Geisteswissenschaften etwa seit dem 19. Jahrhundert in eine schwere Krise geraten, so der Philosoph. Diese gehe einher mit der Krise des Offenbarungsglaubens, der bis dato eine gleichsam unhinterfragte Begründungsfunktion aller geisteswissenschaftlichen Forschung darstellte.

Heute habe sich diese Krise verschärft. Grund sei eine weitreichende "Neutralisierung der eigenen normativen Einstellung" und das "Postulat der Wertfreiheit", das auch in den Geisteswissenschaften Einzug gehalten habe. Anders gesagt: Die Frage nach wahr und falsch werde nicht mehr gestellt. Stattdessen halte eine "methodische Anarchie" und zugleich eine starke "Fragmentarisierung" in den Geisteswissenschaften Einzug.

Dagegen plädiert Hösle dafür, dass die Geisteswissenschaften Koalitionen mit anderen Fachwissenschaften suchen. Dies verhelfe ihnen, neu die Sachkompetenz zu begründeten normativen Urteilen zu erwerben.

Als "katholischer Philosoph" wolle er im übrigen nicht verstanden werden, so Hösle. "Schon Aristoteles hat gesagt: Wenn einer ein guter Mensch ist und ein Schuhmachermeister, dann bedeutet das noch nicht, dass er auch ein guter Schuhmachermeister ist. Und so bin ich katholisch und Philosoph, aber ich bin kein katholischer Philosoph."

Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Gesellschaft

  1. Bundesland Brandenburg plant Neutralitätsgesetz für Justiz: Kein Kopftuch, Kippa, Kreuz
  2. Warum Kirchen jetzt Frieden, Recht und Wahrheit verteidigen müssen
  3. Botox? – Die unsichtbaren tragischen Folgen des Jugendwahns
  4. Slowakei: Kirchen bitten gemeinsam um Vergebung für Verfehlungen
  5. Zwischen Wölfen und Brüdern
  6. „Alte Fragen, überraschende Antworten“
  7. Mike Johnson: Westen muss sich wieder auf christliche Werte besinnen
  8. Unschuldig angeklagt und verurteilt
  9. Scott Hahn: ‚Mit Kompromissen gewinnen wir nicht’
  10. Verkauf eines Feminismus-kritischen Buchs auf Facebook und Instagram gesperrt







Top-15

meist-gelesen

  1. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  2. Programm für Lateinamerika-Reise des Papstes veröffentlicht
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Präsident Trump nominiert Tochter von Franklin Graham zur Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit
  5. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  6. Fast der gleiche Glaube?
  7. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  8. Slowakei: Papst Leo XIV. grüßt die Teilnehmer des Nationalen Marsches für das Leben in Bratislava
  9. Kardinal Koch zu Israel und Gaza: Ehrlich miteinander sprechen
  10. Wenn die Liebe das Gesetz des Kalküls durchbricht…
  11. Stanislaus-Kostka-Wallfahrt von Wien nach Rom erreicht ihr Ziel
  12. Papst: In der Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren
  13. Bruder von Leo XIV.: Papst hilft bei der Steuererklärung
  14. Bischof an Jugend: "Licht des neuen Afrikas liegt in euch"
  15. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz