Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vom Elend der Fürbitten
  2. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  3. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  4. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  5. Peinlich - Deutsche Protestanten glauben mehrheitlich nicht an den dreieinigen Gott
  6. Der entschärfte Gott
  7. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  8. EuGH-Urteil: Deutscher Kirchenaustritt kein automatischer Kündigungsgrund
  9. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"
  10. Realitätsverlust im Bistum Chur
  11. Muslime wählen SPD und Linke, Christen wählten CDU
  12. Bischof Elbs ermutigt zur Beichte: "Herz ordnen und sich auf Ostern vorbereiten"
  13. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  14. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  15. „Gesellschaftliche Zeitbombe“: BKA-Studie warnt vor Radikalisierung junger Muslime in Deutschland

Philosoph Hösle: 'Religionen profitieren von Säkularisierung'

21. Februar 2014 in Aktuelles, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Deutsch-italienischer "Star-Intellektueller" im "Kathpress"-Gespräch: Liberalität der USA deshalb bemerkenswert, weil sie aus religiöser Tradition gewonnene Überzeugungen nicht per se als "schlecht" oder "falsch" diskreditiert, sondern als gleichran


Wien (kath.net/KAP) Eine fortschreitende Säkularisierung und Privatisierung des Religiösen schadet den etablierten Kirchen und Religionsgemeinschaften: Dieser "klassischen" These ist der deutsch-italienische Philosoph Vittorio Hösle im "Kathpress"-Gespräch mit Verve entgegengetreten. Die Säkularisierung stelle zwar lange bewährte Traditionen der Staat-Kirche-Kooperation in Frage, zugleich aber setze dies enorme kreative Kräfte und letztlich eine "lebendigere Religiosität" frei, zeigte sich Hösle überzeugt.

Ein Beispiel dafür seien die USA, wo es von Beginn an keinerlei "Alimentierung" der Kirchen durch den Staat gegeben habe, die Religion aber bis heute eine weitaus größere Kraft in der Öffentlichkeit darstelle als in Europa. Der Staat tue zwar im eigenen Interesse gut daran, ein "kooperatives Verhältnis" zur Kirche etwa im Bereich von Bildungs- oder Gesundheitsdienstleistungen zu suchen, da er sich damit bares Geld spare - kritisch werde es jedoch, wenn diese Kooperation zu einer Ermattung der kreativen Kräfte religiöser Gemeinschaften führe.

Der an der amerikanischen katholischen Notre Dame University (South Bend/Indiana) Philosophie, Literatur und Politikwissenschaften lehrende Hösle gilt als Universal-Gelehrter. Am Mittwochabend referierte er auf Einladung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Rahmen der Symposien-Reihe "Maimonides Lectures" zur Frage "Was sind und zu welchem Ende betreibt man Geisteswissenschaften?"


"Geradezu archaische Religiosität"

Für europäische Verhältnisse zeichne sich die USA durch eine "geradezu archaische Religiosität" und eine "besondere religiöse Intensität" aus, so Hösle. Ein wortwörtliches Bibelverständnis sei gerade im protestantischen Bereich der USA nicht selten. Dies lasse sich damit erklären, dass in den USA die "Krise der Theologie" nie eine solche Wirkmacht gerade an den Universitäten gewann, wie dies in Europa der Fall war. So habe sich ein "relativ naiver Bibelglauben" erhalten, der in Europa bereits seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr vertreten werde. In den letzten Jahren habe sich die Republikanische Partei zu einem "anti-intellektuellen" Sammelbecken gerade für diese Gruppe herausgebildet.

Dennoch verweist Hösle auf einen wichtigen Unterschied in der Wertigkeit religiöser Überzeugungen im öffentlichen Diskurs: So erweise sich die Liberalität der USA gerade darin, dass sie aus religiöser Tradition gewonnene Überzeugungen nicht per se als "schlecht" oder "falsch" diskreditiere, sondern als gleichrangig zulasse.

Geradezu staatstragende Relevanz bekommen Religionen - aber auch etwa die bildenden Künste - laut Hösle im Blick auf das moralische Fundament der Gesellschaft. Auch wenn ethische Begründungsmuster heute ohne Religion auskommen mögen, so stelle sich immer auch die Frage nach der "Motivation" eines ethischen Verhaltens. "Daher sind etwa Religionen, aber auch die Kunst, als Schulen der Empathie, des Mitleidens mit anderen, wichtig", so Hösle. Denn sie stellten die notwendige Basis auch säkularer Ethiken - und letztlich des gesellschaftlichen Zusammenlebens insgesamt - dar.

Krise der Geisteswissenschaften

Gegenstand des Vortrags von Vittorio Hösle an der ÖAW war die Frage nach Sinn und Ziel des Studiums der Geisteswissenschaften. In Europa seien die Geisteswissenschaften etwa seit dem 19. Jahrhundert in eine schwere Krise geraten, so der Philosoph. Diese gehe einher mit der Krise des Offenbarungsglaubens, der bis dato eine gleichsam unhinterfragte Begründungsfunktion aller geisteswissenschaftlichen Forschung darstellte.

Heute habe sich diese Krise verschärft. Grund sei eine weitreichende "Neutralisierung der eigenen normativen Einstellung" und das "Postulat der Wertfreiheit", das auch in den Geisteswissenschaften Einzug gehalten habe. Anders gesagt: Die Frage nach wahr und falsch werde nicht mehr gestellt. Stattdessen halte eine "methodische Anarchie" und zugleich eine starke "Fragmentarisierung" in den Geisteswissenschaften Einzug.

Dagegen plädiert Hösle dafür, dass die Geisteswissenschaften Koalitionen mit anderen Fachwissenschaften suchen. Dies verhelfe ihnen, neu die Sachkompetenz zu begründeten normativen Urteilen zu erwerben.

Als "katholischer Philosoph" wolle er im übrigen nicht verstanden werden, so Hösle. "Schon Aristoteles hat gesagt: Wenn einer ein guter Mensch ist und ein Schuhmachermeister, dann bedeutet das noch nicht, dass er auch ein guter Schuhmachermeister ist. Und so bin ich katholisch und Philosoph, aber ich bin kein katholischer Philosoph."

Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Gesellschaft

  1. Warum Kirchen jetzt Frieden, Recht und Wahrheit verteidigen müssen
  2. Botox? – Die unsichtbaren tragischen Folgen des Jugendwahns
  3. Slowakei: Kirchen bitten gemeinsam um Vergebung für Verfehlungen
  4. Zwischen Wölfen und Brüdern
  5. „Alte Fragen, überraschende Antworten“
  6. Mike Johnson: Westen muss sich wieder auf christliche Werte besinnen
  7. Unschuldig angeklagt und verurteilt
  8. Scott Hahn: ‚Mit Kompromissen gewinnen wir nicht’
  9. Verkauf eines Feminismus-kritischen Buchs auf Facebook und Instagram gesperrt
  10. Österreichs Integrationsministerin richtet „Dokumentationsstelle politischer Islam“ ein






Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  4. Realitätsverlust im Bistum Chur
  5. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  6. Vom Elend der Fürbitten
  7. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  8. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  9. Einladung zur Novene zum Hl. Josef
  10. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  11. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  12. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  13. Der entschärfte Gott
  14. Papst bezieht diesen Samstag seine Wohnung im Apostolischen Palast
  15. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz