Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Sehr brüderliche Atmosphäre, die meisten waren von Dringlichkeit der Neuevangelisierung überzeugt“
  2. Nach fast drei Wochen bricht die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Schweigen
  3. „Mir sind konkrete Reaktionen von Kindern bekannt, die diese Darstellung als verstörend empfanden“
  4. „Ich kann die Kommunion nicht empfangen. Ist es trotzdem sinnvoll, zur Messe zu gehen?“
  5. Viel Bla-Bla zum Neuen Jahr!
  6. Hongkongs Kardinal Zen äußerte beim Konstistorium Grundsatzkritik an der letzten Bischofssynode
  7. Regensburger Bischof Voderholzer beim Papst
  8. Wann enden die perspektivlosen Strukturdebatten?
  9. So fühlt sich Nachhausekommen an
  10. These: Die Wahrheit steht über der nachdrücklichen Forderung nach Einheit
  11. Der Weihnachtsglaube - Sand oder Fels
  12. BILD-Chefin Marion Horn fordert jetzt: Daniel Günther muss das zurücknehmen oder zurücktreten
  13. Griechisch-orthodoxe Bischöfe üben scharfe Kritik an EU-Plänen zu Abtreibungsfonds
  14. Papst Leo XIV. bestärkt Bischof Voderholzer auf dem Weg der Neuevangelisierung
  15. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther von der CDU immer mehr unter Druck

Philosoph Hösle: 'Religionen profitieren von Säkularisierung'

21. Februar 2014 in Aktuelles, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Deutsch-italienischer "Star-Intellektueller" im "Kathpress"-Gespräch: Liberalität der USA deshalb bemerkenswert, weil sie aus religiöser Tradition gewonnene Überzeugungen nicht per se als "schlecht" oder "falsch" diskreditiert, sondern als gleichran


Wien (kath.net/KAP) Eine fortschreitende Säkularisierung und Privatisierung des Religiösen schadet den etablierten Kirchen und Religionsgemeinschaften: Dieser "klassischen" These ist der deutsch-italienische Philosoph Vittorio Hösle im "Kathpress"-Gespräch mit Verve entgegengetreten. Die Säkularisierung stelle zwar lange bewährte Traditionen der Staat-Kirche-Kooperation in Frage, zugleich aber setze dies enorme kreative Kräfte und letztlich eine "lebendigere Religiosität" frei, zeigte sich Hösle überzeugt.

Ein Beispiel dafür seien die USA, wo es von Beginn an keinerlei "Alimentierung" der Kirchen durch den Staat gegeben habe, die Religion aber bis heute eine weitaus größere Kraft in der Öffentlichkeit darstelle als in Europa. Der Staat tue zwar im eigenen Interesse gut daran, ein "kooperatives Verhältnis" zur Kirche etwa im Bereich von Bildungs- oder Gesundheitsdienstleistungen zu suchen, da er sich damit bares Geld spare - kritisch werde es jedoch, wenn diese Kooperation zu einer Ermattung der kreativen Kräfte religiöser Gemeinschaften führe.

Der an der amerikanischen katholischen Notre Dame University (South Bend/Indiana) Philosophie, Literatur und Politikwissenschaften lehrende Hösle gilt als Universal-Gelehrter. Am Mittwochabend referierte er auf Einladung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Rahmen der Symposien-Reihe "Maimonides Lectures" zur Frage "Was sind und zu welchem Ende betreibt man Geisteswissenschaften?"


"Geradezu archaische Religiosität"

Für europäische Verhältnisse zeichne sich die USA durch eine "geradezu archaische Religiosität" und eine "besondere religiöse Intensität" aus, so Hösle. Ein wortwörtliches Bibelverständnis sei gerade im protestantischen Bereich der USA nicht selten. Dies lasse sich damit erklären, dass in den USA die "Krise der Theologie" nie eine solche Wirkmacht gerade an den Universitäten gewann, wie dies in Europa der Fall war. So habe sich ein "relativ naiver Bibelglauben" erhalten, der in Europa bereits seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr vertreten werde. In den letzten Jahren habe sich die Republikanische Partei zu einem "anti-intellektuellen" Sammelbecken gerade für diese Gruppe herausgebildet.

Dennoch verweist Hösle auf einen wichtigen Unterschied in der Wertigkeit religiöser Überzeugungen im öffentlichen Diskurs: So erweise sich die Liberalität der USA gerade darin, dass sie aus religiöser Tradition gewonnene Überzeugungen nicht per se als "schlecht" oder "falsch" diskreditiere, sondern als gleichrangig zulasse.

Geradezu staatstragende Relevanz bekommen Religionen - aber auch etwa die bildenden Künste - laut Hösle im Blick auf das moralische Fundament der Gesellschaft. Auch wenn ethische Begründungsmuster heute ohne Religion auskommen mögen, so stelle sich immer auch die Frage nach der "Motivation" eines ethischen Verhaltens. "Daher sind etwa Religionen, aber auch die Kunst, als Schulen der Empathie, des Mitleidens mit anderen, wichtig", so Hösle. Denn sie stellten die notwendige Basis auch säkularer Ethiken - und letztlich des gesellschaftlichen Zusammenlebens insgesamt - dar.

Krise der Geisteswissenschaften

Gegenstand des Vortrags von Vittorio Hösle an der ÖAW war die Frage nach Sinn und Ziel des Studiums der Geisteswissenschaften. In Europa seien die Geisteswissenschaften etwa seit dem 19. Jahrhundert in eine schwere Krise geraten, so der Philosoph. Diese gehe einher mit der Krise des Offenbarungsglaubens, der bis dato eine gleichsam unhinterfragte Begründungsfunktion aller geisteswissenschaftlichen Forschung darstellte.

Heute habe sich diese Krise verschärft. Grund sei eine weitreichende "Neutralisierung der eigenen normativen Einstellung" und das "Postulat der Wertfreiheit", das auch in den Geisteswissenschaften Einzug gehalten habe. Anders gesagt: Die Frage nach wahr und falsch werde nicht mehr gestellt. Stattdessen halte eine "methodische Anarchie" und zugleich eine starke "Fragmentarisierung" in den Geisteswissenschaften Einzug.

Dagegen plädiert Hösle dafür, dass die Geisteswissenschaften Koalitionen mit anderen Fachwissenschaften suchen. Dies verhelfe ihnen, neu die Sachkompetenz zu begründeten normativen Urteilen zu erwerben.

Als "katholischer Philosoph" wolle er im übrigen nicht verstanden werden, so Hösle. "Schon Aristoteles hat gesagt: Wenn einer ein guter Mensch ist und ein Schuhmachermeister, dann bedeutet das noch nicht, dass er auch ein guter Schuhmachermeister ist. Und so bin ich katholisch und Philosoph, aber ich bin kein katholischer Philosoph."

Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Gesellschaft

  1. Botox? – Die unsichtbaren tragischen Folgen des Jugendwahns
  2. Slowakei: Kirchen bitten gemeinsam um Vergebung für Verfehlungen
  3. Zwischen Wölfen und Brüdern
  4. „Alte Fragen, überraschende Antworten“
  5. Mike Johnson: Westen muss sich wieder auf christliche Werte besinnen
  6. Unschuldig angeklagt und verurteilt
  7. Scott Hahn: ‚Mit Kompromissen gewinnen wir nicht’
  8. Verkauf eines Feminismus-kritischen Buchs auf Facebook und Instagram gesperrt
  9. Österreichs Integrationsministerin richtet „Dokumentationsstelle politischer Islam“ ein
  10. Eine Kathedrale in Istanbul - und eine in Nantes






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Nach fast drei Wochen bricht die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Schweigen
  3. Australischer Forscher Andrew Lowenthal analysiert Zensur in Deutschland
  4. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  5. „Sehr brüderliche Atmosphäre, die meisten waren von Dringlichkeit der Neuevangelisierung überzeugt“
  6. Hongkongs Kardinal Zen äußerte beim Konstistorium Grundsatzkritik an der letzten Bischofssynode
  7. Viel Bla-Bla zum Neuen Jahr!
  8. „Mir sind konkrete Reaktionen von Kindern bekannt, die diese Darstellung als verstörend empfanden“
  9. Regensburger Bischof Voderholzer beim Papst
  10. MEHR hippe Missionare in Augsburg
  11. Papst Leo XIV: Meinungsfreiheit auch im Westen beschränkt
  12. Gott schütze Venezuela!
  13. BILD-Chefin Marion Horn fordert jetzt: Daniel Günther muss das zurücknehmen oder zurücktreten
  14. So fühlt sich Nachhausekommen an
  15. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz