18 Juli 2012, 09:02
Deutsches Prostitutionsgesetz begünstigt Menschenhandel
 
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Experten: Zuhälter werden zu Arbeitgebern - 30.000 Menschen in Deutschland werden "gehandelt"

Bonn/Augsburg (kath.net/idea)
Das Prostitutionsgesetz, das 2002 das „älteste Gewerbe“ in Deutschland legalisierte, hat die Bekämpfung von sexueller Ausbeutung und Menschenhandel enorm erschwert. In dieser Einschätzung waren sich Experten bei einer Podiumsdiskussion in Augsburg einig, über die die Zeitschrift „Bonner Querschnitte“ des theologischen „Martin Bucer Seminars“ (Bonn) jetzt berichtet.

Die Veranstaltung, die schon Ende April stattfand, wurde von der freikirchlichen Gemeinde „projekt_X Augsburg“ in Kooperation mit der dortigen Neuen Stadtbücherei und der örtlichen Evangelischen Allianz ausgerichtet.

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Das Prostitutionsgesetz müsse dringend geändert oder abgeschafft werden, erklärten Vertreter von Kommune, Polizei, Sozialarbeit, Migranten und Kirchen. Man habe die Unabhängigkeit und Absicherung der Prostituierten stärken wollen, aber für die große Masse das Gegenteil erreicht. Für die Ermittlungsbehörden sei eine Kontrolle des Milieus fast unmöglich geworden.

Dass die Prostituierten jetzt überwiegend Angestellte mit Arbeitsverträgen seien, gebe den Zuhältern ein Weisungsrecht. Das mache es praktisch unmöglich festzustellen, wann Prostituierte zu Handlungen gezwungen würden.

Moderne Sklavinnen ohne Fürsprecher

„Während die klassische Sklaverei in der westlichen Welt durch die erste große Menschenrechtskampagne der Weltgeschichte abgeschafft wurde, fehlen den Sklaven und Sklavinnen von heute die großen Fürsprecher“, erklärte Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz und Rektor des Bucer-Seminars.

Nach seinen Angaben werden jährlich etwa 30.000 Menschen in Deutschland „gehandelt“; etwa 80 Prozent von ihnen – hauptsächlich Mädchen und junge Frauen aus Osteuropa – würden in die Prostitution verkauft. Dabei komme es zu Vergewaltigung, Folter und Entführung, doch diese Delikte würden kaum ermittelt und gelinde bestraft.

Viele Prostituierte sind Opfer von Menschenhändlern

Helmut Sporer, Leiter des für Menschenhandel zuständigen Kommissariats der Kriminalpolizei von Augsburg, teilte mit, dass jedes Jahr 1.500 bis 2.000 Prostituierten in der 267.000 Einwohner zählenden Stadt meist kurze Zeit Station machten. Zu jeder Zeit seien etwa 500 von ihnen in Augsburg. Viele seien Opfer von Menschenhändlern. Die Frauen würden von Zuhältern eingeschüchtert. Sporer: „Dass eine selbst Anzeige erstattet, kommt so gut wie nie vor.“ Laut Soni Unterreithmeier vom bayrischen Zweig des Vereins Solwodi, der Opfern von Zwangsprostitution hilft, werden viele Frauen von Schleppern mit dem Versprechen eines soliden Berufs nach Deutschland gelockt und fänden sich im Rotlichtmilieu wieder. Es gebe teils schriftliche Anweisungen, wie sie sich bei einer Razzia zu verhalten haben.

Migrantinnen von Landsleuten versklavt

Stadtrat Volker Ullrich, Leiter des zuständigen Ordnungsreferats der Stadt Augsburg, kündigte an, die seit 1975 unveränderte Frage der Sperrbezirke neu auf die Tagesordnung zu setzen. Er plädiere auch für eine Überprüfung des Prostitutionsgesetzes. Sait Icboyun, Sprecher des Fachforums Migration der SPD Augsburg, verwies darauf, dass Migranten nicht nur überdurchschnittlich oft Opfer seien, sondern auch oft von eigenen Landsleuten versklavt würden. Pastor Klaus Engelmohr vom projekt_X Augsburg, regte an, einen Arbeitskreis zu bilden, um zu überlegen, was gesellschaftliche Gruppen tun können, um das Übel besser zu bekämpfen.

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