21 April 2012, 08:22
Wirrwarr um geplatzte Stammzell-Konferenz im Vatikan
 
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Offenbar wollte Päpstliche Akademie für das Leben nicht Druck zur Ausladung bestimmter Referenten nachgeben und sagte deshalb die gesamte Veranstaltung ab

Washington (kath.net/KAP) Der Vatikan hat eine Stammzell-Konferenz offenbar mit widersprüchlichen Begründungen abgesagt. Während die ausrichtende Päpstliche Akademie für das Leben einerseits finanzielle Engpässe geltend machte, war in einem anderen Schreiben der Akademieleitung an Mitglieder von politischem Druck wegen missliebiger Referenten die Rede. Das berichtet das amerikanische katholische Nachrichtenportal CNA am Mittwoch unter Berufung auf Kopien der betreffenden Briefe.

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Demzufolge berufen sich der Kanzler der Akademie, Renzo Pegoraro, und Studienleiter Msgr. Jacques Suaudeau in einem auf den 4. April datierten Schreiben an die Referenten auf einen Mangel an Sponsoren für die Tagung, die von 25. bis 28. April im Vatikan stattfinden sollte.

Zugleich wiesen sie jeden Einfluss von Lebensschutz-Aktivisten auf die Entscheidung zurück. Diese Personen genössen "keinerlei Glaubwürdigkeit bei der Päpstlichen Akademie für das Leben oder anderen Organen des Heiligen Stuhls".

Laut CNA verschickte der Kanzler mit gleichem Datum einen anderslautenden Brief an Akademiemitglieder. Als einen Grund für die Absage nenne er darin "Drohungen von einigen Personen, die mit falschen und tendenziösen Informationen Fragen, Zweifel und sogar Angst bei einflussreichen Respektspersonen erregen konnten". Pegoraro betone weiter, die Tagung zur klinischen Anwendung von Stammzellforschung habe "nutzlose Kontroversen über menschliche embryonale Stammzellen" beiseite lassen wollen. Die Forschung an solchen Zellen wird von der katholischen Kirche als unethisch abgelehnt.

Mindestens drei Akademiemitglieder, die zuvor gegen eine Teilnahme von Vertretern der Forschung an embryonalen Stammzellen protestiert hatten, erhielten CNA zufolge keines der beiden Schreiben. Ein anonymes Mitglied der Akademie erhob gegenüber CNA schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren der Tagung. Die Auswahl der Referenten sei "offensichtlich in Widerspruch zu den Statuten" gestanden. Einwände gegen bestimmte Teilnehmer seien nicht nur von Lebensschützern außerhalb des Gremiums, sondern auch intern und aus dem Leitungsrat vorgebracht worden.

Die Akademie sei schließlich "von einer höheren Autorität angewiesen worden, die ungeeigneten Redner auszuladen", zitiert CNA seine Quelle weiter. Die Akademie habe dies als unpraktikabel angesehen und stattdessen die ganze Veranstaltung abgesagt.

Die Akademie hatte Ende März bekannt gegeben, man habe die Konferenz aus finanziellen und organisatorischen Gründen absagen müssen. Es habe an Vorbereitungszeit, Anmeldungen und Sponsoren gefehlt.

Ausdrücklich wies die Akademie Medienberichte zurück, nach denen die vorgesehene Teilnahme von zwei mit embryonalen Stammzellen arbeitenden Forschern ein Grund sei. Die "große Mehrheit der Mitglieder" befürworte den Dialog auch mit Forschern, die nicht kirchlich gebunden seien.

Die Päpstliche Akademie für das Leben wurde 1994 als Beratungsorgan für die kirchliche Position zu Lebensschutz und Biomedizin gegründet. Die Mitglieder werden vom Papst ernannt.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.

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