04 März 2012, 07:29
Gibt es Engel?
 
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"Ein Engel ist gleichsam der persönliche Gedanke, mit dem Gott mir zugewandt ist (Papst Benedikt XVI.). Ein Vortrag von Pater Bernhard Speringer ORC

München (kath.net) Gibt es Engel und was sind Engel? Auf diese Fragen ging Pater Bernhard Speringer ORC vor wenigen Tagen in seinem Vortrag bei der Aktionsgemeinschaft IK-München (Mitglied im „Forum Deutscher Katholiken“) ein.

kath.net dokumentiert den Vortrag (leicht gekürzt)von Pater Bernhard Speringer ORC:

Engel begegnen uns heutzutage in allen möglichen Situationen des Alltags: in der Werbung; in Filmen und auch in vielen Liedern. Sogar manche Pop-Gruppen benennen sich nach ihnen. Auch in der Kunst begegnen uns die Engel. Wer kennt sie nicht die beindruckenden Engeldarstellungen eines Michelangelo oder Bernini. Selbst Menschen werden als Engel bezeichnet. „Du bist ein Engel!“ ist ein häufig verwendetes Kompliment. Oder denken wir an den Engel von Kalkutta, die sel. Mutter Theresa.

Wenn man die Augen offen hält, wird man immer wieder auf das Wort Engel stoßen. Aber bei genauem Hinsehen fällt auf, dass die Bedeutung von Engel unterschiedlich verwendet wird. Je nachdem wer das Wort benutzt, meint etwas anderes. Deshalb ist ein Nachdenken über die Engel aus katholischer Sicht sinnvoll. Infolge der vielfachen Leugnung der geistigen Welt der Engel durch den Naturalismus und den Rationalismus hat eine Gegenbewegung eingesetzt, die sich mit Vehemenz jener anderen Welt zuwendet, die sie als die „geistige Welt“ bezeichnet, sie aber als eine „Welt der Geister“ versteht. „Dabei handelt es sich um die esoterische Spekulation, um die „Religion des Übersinnlichen“ wie der Titel eines neuen Buches diese Geistesrichtung bezeichnet, als deren Exponent sich das äußerst einflussreiche „New Age“ in unserer Zeit etabliert hat. Das esoterische Weltbild hat keine klare Vorstellung von einem persönlichen Gott, wie er sich dem Volk des Alten und des Neuen Bundes offenbart hat, und wie es unsere Glaubensüberzeugung ist.

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Gerade auch als Priester wird man immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob es die Engel überhaupt gibt und warum wir sie brauchen. Selbst in der katholischen Kirche gibt es Stimmen, die meinen, man müsse sich doch mit so nebensächlichen Themen der Theologie nicht beschäftigen. Es gäbe wahrhaft wichtigere Dinge zu bedenken und zu verkündigen. Freilich ist unser Herr Jesus Christus, der Sohn des ewigen Vaters, der zu unserem Heil Mensch geworden ist und der für uns am Kreuz gestorben ist, Mittelpunkt unseres Glaubens. Dieses Geheimnis wird täglich in unserer Mitte gegenwärtig gesetzt bei der Feier des heiligen Messopfers.

Deshalb die FRAGE AUS KATHOLISCHER SICHT: Gibt es überhaupt Engel?

Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) sagt uns diesbezüglich:
In der Heiligen Schrift bezeichnet das Wortpaar „Himmel und Erde“ alles, was existiert: die gesamte Schöpfung. … „der Himmel“ oder „die Himmel“ kann das Firmament bezeichnen, aber auch den eigentlichen „Ort“ Gottes – er ist ja unser „Vater im Himmel“ (Mt 5, 16) – …. Schließlich bezeichnet das Wort „Himmel“ den „Ort“ der geistigen Geschöpfe – der Engel –, die Gott umgeben. (326)
Das Glaubensbekenntnis des Vierten Laterankonzils sagt: Gott ,,schuf am Anfang der Zeit aus nichts zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht“ (DS 800) [Vgl. DS 3002; SPE 8.]. (327)
Dass es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich ,,Engel“ genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit. Das bezeugt die Schrift ebenso klar wie die Einmütigkeit der Überlieferung. (328)

Die Existenz der Engel ist eine Glaubenswahrheit, die die Kirche immer verkündet und verteidigt hat.

Es ist gut, sich bewusst zu sein, dass eine der großen Früchte der Engelverehrung die wachsende Ehrfurcht ist, die wir für Gott selbst empfinden werden. Wer nicht mehr an Engel glaubt, begibt sich in die Gefahr, sehr bald für Gott selbst nicht mehr die passende Ehrfurcht zu haben. Die Präfation von den heiligen Engeln in dem unter Papst Paulus VI. eingeführten Ordo Missae sagt: „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und in der Herrlichkeit der Engel deine Macht und Größe zu preisen. Denn dir gereicht es zur Verherrlichung und zum Lob, wenn wir sie ehren, die du erschaffen hast. An ihrem Glanz und ihrer Würde erkennen wir, wie groß und über alle Geschöpfe erhaben du selber bist!“

Eine der vielen Ursachen der heutigen Glaubenskrise ist der dramatische Untergang des Glaubens an die Engel. Dadurch verliert der Mensch den Sinn für das Übernatürliche, für das „Geheimnis des Glaubens“, für „Glaubenswahrheiten“ – die der Rationalismus und Relativismus nicht akzeptieren können bzw. als eine von vielen Möglichkeiten hinstellen. Damit stumpft auch das Gespür für alles, was heilig ist, ab (z,B. für die Liturgie oder auch für das menschliche Leben) oder für das, was in der Kunst oder den Umgangsformen schön ist. Man denke an die Verrohung der Sitten genauso wie an die sogenannte „Moderne Kunst“. Diese ist weitreichend degeneriert, weil – sowie Reinhold Schneider sagt - die echte Kunst den Verlust des Glaubens an die Engel „nie verschmerzt hat“. (Reinhold Schneider, Macht und Gnade. Suhrkamp, Frankfurt, 1977, S. 209)

Am 29.9.2007 hat Papst Benedikt XVI. am Festtag der hl. Erzengel Gabriel, Michael und Raphael 6 Bischöfe geweiht und eine bemerkenswerte Predigt über die hl. Engel gehalten, in der er Wesen und Aufgabe der hl. Engel kurz und prägnant erklärt. Es ist die wohl prägnanteste Kurzkatechese über die Engel schlechthin. Der Papst sagt:

„Was ist ein Engel? Die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche lassen uns zwei Aspekte erkennen.
Der Engel ist einerseits ein Geschöpf, das vor Gott steht und mit seinem ganzen Sein auf Gott ausgerichtet ist. Alle drei Namen der Erzengel enden mit dem Wort »El«, was »Gott« bedeutet. Gott ist in ihre Namen, in ihr Wesen eingeschrieben. Ihr wahres Wesen ist das Dasein vor Ihm und für Ihn.
Genau daraus erklärt sich auch der zweite Aspekt, der die Engel kennzeichnet: Sie sind Boten Gottes. Sie bringen Gott zu den Menschen, sie öffnen den Himmel und öffnen so die Erde.
Gerade weil sie bei Gott sind, können sie auch dem Menschen sehr nahe sein. Gott ist in der Tat jedem von uns näher als wir es uns selbst sind. Die Engel sprechen zum Menschen von dem, was sein wahres Sein ausmacht, von dem, was in seinem Leben so oft zugedeckt und begraben ist. Sie rufen ihn auf, wieder zu sich zu kommen, indem sie ihn von Gott her berühren. In diesem Sinn sollten auch wir Menschen immer wieder füreinander Engel werden – Engel, die uns von den falschen Wegen abbringen und uns immer von neuem auf Gott ausrichten.“

Der Engel ist also zuallererst „ein Geschöpf, das vor Gott steht und mit seinem Ganzen Sein auf Gott ausgerichtet ist.“ – so Papst Benedikt. Die Engel schauen ununterbrochen das Antlitz Gottes (vgl. Mt 18,10), sie sind sich der Größe und Liebe Gottes ständig bewusst, deshalb ist ihr ganzes Dasein Anbetung.

Die Engel beten Gott an, ja ihr ganzes Dasein ist Anbetung Gottes. Romano Guardini sagt über die hl. Engel: „Hier sind Geschöpfe, die nichts sind, als Anbetung, nichts können als Anbetung – doch damit können sie das eine und das alles.“ (Engel – Theologische Betrachtungen, Topos, 4. Aufl. 2002, 44.)

Das ganzes Sein und Wesen des Engels ist Anbetung Gottes. So ist auch das ganze Leben und die ganze Sendung Jesu von der Anbetung der Engel umgeben. Im Katechismus (333) heißt es:
Von der Menschwerdung bis zur Himmelfahrt ist das Leben des fleischgewordenen Wortes von der Anbetung und dem Dienst der Engel umgeben. Als Gott ,,den Erstgeborenen in die Welt einführt, sagt er: ,Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen“‘ (Hebr 1,6).

Die Anbetung ist nicht nur ein Tun der Engel, also einzelne „Akte der Anbetung“, sondern das „Wesen“ der Engel.

Aus diesem ersten Aspekt ergibt sich für uns das wahre, katholische Bild vom hl. Engel, welches in der Geschichte – sei es in der Literatur, in der Theologie oder v.a. auch in der Kunst - immer wieder entstellt wurde: Der hl. Schutzengel ist kein „Engelein“, auch kein „Schutzengelein“. Er ist eine machtvolle Persönlichkeit!

Er ist nicht unser Diener. Er ist Diener des Allmächtigen Gottes in der ganzen Freiheit seines Willens. Wenn Gott ihn zum Schutzengeldienst ruft, dann dient er Gott in uns.

Wir müssen Ehrfurcht vor ihm haben, denn er steht vor Gottes Angesicht. Wir müssen jeden Tag danken, dass Gott uns einen so starken Helfer gegeben hat.

Damit kommen wir zum zweiten Aspekt von Wesen und Dienst der hl. Engel, wie ihn Papst Benedikt beschreibt: die Engel sind Boten Gottes. Sie vermitteln und den Willen Gottes, sie führen und schützen uns. Das kommt auch im Thema dieser Betrachtung zum Ausdruck:
Im Buch Exodus heißt es: „Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme! ... Wenn du auf seine Stimme hörst und alles tust, was ich sage, dann werde ich der Feind deiner Feinde sein und alle in die Enge treiben, die dich bedrängen.“ (Ex, 23,20-23)

Es ist die Stimme des Engels, aber was er sagt, ist von Gott. Er ist Beauftragter, Bote, ja fast Stellvertreter Gottes an unserer Seite.

Ganz in diesem Sinne sagt der hl. Basilius:
,,Einem jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“ (Basilius, Eun. 3,1).







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