Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  4. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  5. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  6. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  7. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  10. „Das Ende von Maria 2.0“
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  13. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  14. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  15. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“

Der Fotograf von Auschwitz

26. Jänner 2012 in Chronik, 8 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der Häftling Wilhelm Brasse hielt das Grauen in Bildern fest. Er musste Fotos machen, wie lebenden Menschen Organe entfernt wurden. Von Inga Kilian (KNA)


Oswiecim (kath.net/KNA) Seine Fotos sind verstörend: Bilder von Häftlingen im Konzentrationslager Auschwitz - Männer, Frauen und Kinder in gestreiften Sträflingsanzügen, fotografiert von vorn, schräg von der Seite und im Profil. Ausgemergelte, hoffnungslose Gesichter, angstvolle Blicke. Festgehalten hat sie Wilhelm Brasse, selbst Häftling und Lagerfotograf in Auschwitz. Unzählige Menschen, die nur wenige Tage später in den Gaskammern umkamen, standen kurz nach ihrer Ankunft im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor Brasses Kamera. Menschen darunter, die er aus seiner Heimat kannte; Frauen, Kinder.

Insgesamt etwa 1,3 Millionen Menschen starben zwischen 1940 und 1945 in Auschwitz, hauptsächlich Juden. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die letzten 7.000 Häftlinge. Als sich die Rote Armee dem 60 Kilometer von Krakau entfernten Lager näherte, hatte die SS bereits versucht, Spuren zu beseitigen und die Krematorien zu sprengen. Übrig blieben Berge von Kleidung, Schuhen, Brillen und Haaren der Ermordeten.


Die wenigsten überlebten das Grauen; Wilhelm Brasse ist einer von ihnen. Der 94-jährige Pole wohnt heute in der Nähe der Gedenkstätte; nur etwa 50 Kilometer sind es bis zum ehemaligen KZ. Als einer der letzten Zeitzeugen berichtet er von seinen Erfahrungen, erzählt vor allem Jugendlichen von seiner Aufgabe in Auschwitz, die für ihn Fluch und Segen zugleich war. Fast fünf Jahre lang war er dort inhaftiert; überlebte nur, weil er als Fotograf nützlich für die SS war.

Bereits 1940 verhafteten die Deutschen Brasse bei einem Fluchtversuch nach Ungarn. Das Angebot, für die Wehrmacht zu kämpfen, lehnt der Pole ab und wird daraufhin nach Auschwitz deportiert. Dort zwingen ihn die Lagerleiter zunächst zu harter Arbeit im Straßenbau. Doch Brasse hat Glück: Weil er als Sohn eines Österreichers und einer Polin Deutsch spricht und zudem ausgebildeter Fotograf ist, werden die SS-Soldaten auf ihn aufmerksam. Für die Lagerkartei soll er künftig alle ankommenden Häftlinge fotografieren.

Hinter seiner Kamera wird Brasse mit allen Grausamkeiten des Lagers konfrontiert. Für ihn am Schrecklichsten sind die Fotos, auf denen er die medizinischen Experimente von Lagerarzt Josef Mengele festhielt. «Ich musste Fotos von jüdischen Kindern machen, die Opfer von medizinischen Experimenten wurden», erzählt er: «Fotos, wie lebenden Menschen Organe entfernt wurden.» Brasse dokumentiert Experimente an Frauen, die sterilisiert werden; er fotografiert während der OP die Gebärmutter. Eine Aufnahme verweigert hat er nie - auch nicht, wenn er die Szenen kaum ertragen konnte.

Doch Brasse fotografiert nicht nur Häftlinge. Vor seiner Kamera posieren auch SS-Soldaten, die Bilder an ihre Frauen und Familien schicken wollen. Für die Fotos wird Brasse mit zusätzlichen Essensrationen belohnt. Trotzdem hat er Todesangst, sobald ein SS-Kommandant vor seiner Kamera steht. Er weiß, jedes schlechte Bild, jeder wütende Soldat kann sein Todesurteil sein. «Aber die SS-Männer waren zufrieden. Sie gefielen sich auf meinen Fotos.»

Im Januar 1945, als die sowjetischen Truppen näher rücken, erhält Brasse den Befehl, seine Aufnahmen zu verbrennen. Alle Beweise sollen zerstört werden. Einige Bilder vernichtet der Fotograf, viele jedoch rettet er, will sie für die Nachwelt bewahren. Am 21. Januar, kurz vor der Befreiung des Lagers, wird Brasse ins KZ Mauthausen gebracht. Hier ist er dem Tod so nah wie nie zuvor. «Ich habe meine Mutter dafür verflucht, dass sie mich geboren hat», sagt er. Noch heute schäme er sich dafür.

Im Mai 1945 wird Brasse von US-Soldaten befreit. Erst seit etwa drei Jahren spricht er über seine Erlebnisse. «Vorher war es zu schwer», sagt er. Doch auch, wenn er heute über das Geschehene reden kann: Fotografiert hat Wilhelm Brasse nie wieder.

Kurze Dokumentation auf kathTube über den KZ-Häftling und -Photographen Wilhelm Brasse und seine Photos vom KZ-Grauen



(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Nazi-Zeit

  1. 50 Priester und Laien des NS-Widerstands in Paris seliggesprochen
  2. Aachener Blutzeuge und seine Ehefrau erhalten Stolpersteine
  3. Papst entscheidet: Neun polnische Märtyrer der NS-Zeit werden seliggesprochen
  4. Missionar der Liebe zu Gott und zu jedem Nächsten
  5. Bischof Voderholzer: „Sie traten ein für Wahrheit und Menschlichkeit“
  6. Wann erfuhr der Vatikan von Auschwitz?
  7. Fischer: Neururer-Film ist Beitrag zur Aufklärung über NS-Zeit
  8. Auschwitz und die Päpste: Glaubenszweifel und Vergebungsbitten
  9. Vor 75 Jahren: Pius XII., Stauffenberg und der Ochsensepp
  10. „Herr Hitler, wer hat Sie gewählt?“







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst Leo an 80.000 Jugendliche im Stade de France: "Wer mit Gott lebt, ist frei"
  3. „Wenn wir Eucharistie feiern, dürfen wir mit allem zu ihm kommen, was in uns unvollendet ist“
  4. Neuer Schülerkreise Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. bestätigt bisherigen Vorstand im Amt
  5. Nordische Bischofskonferenz beendet Herbstvollversammlung in Paderborn
  6. Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘
  7. Die Menschheitsfamilie zwischen Babel und Pfingsten
  8. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  9. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  10. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  11. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  12. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  13. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  14. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  15. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz