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Wiener Dogmatiker: Pfarrerinitiative könnte schismatische Folgen haben

17. August 2011 in Österreich, 52 Lesermeinungen
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Wiener Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück: Dies könne „schismatische Folgen haben: Das führt im schlimmsten Fall zu Formen einer sektiererischen Gegenkirche.“ Das könne einem Bischof nicht gleichgültig sein, „er muss da geradezu einschreiten“.


Wien (kath.net) In manchen Punkten der Pfarrerinitative gebe es „durchaus Diskussionsspielraum“, etwa in der Frage, wiederverheiratete Geschiedene wieder zur Kommunion zuzulassen oder in der Beurteilung homosexueller Partnerschaften, die auf Dauer angelegt sind. Das sagte Jan-Heiner Tück, Wiener Dogmatikprofessor und Schriftleiter der „Internationale Katholische Zeitschrift Communio“, in einem Gespräch mit dem „Standard“.

Der „Unmut über fehlende Reformen“ sei „in Teilen des Klerus groߓ, das erkläre das Drängen der ungehorsamen Priester, welche die Priesterweihe für Frauen und Laienprediger fordern, formulierte der Dogmatikprofessor weiter. Doch „ein öffentlicher Aufruf zum Ungehorsam ist ein provokativer Akt“, erläuterte Tück, „der in direktem Widerspruch zu dem Versprechen steht, das die Unterzeichner bei ihrer Priesterweihe abgelegt haben. Außerdem verlangt die Initiative einige Punkte, die im Dissens zu amtskirchlichen Vorgaben stehen“, er nannte etwa die im "Aufruf zum Ungehorsam" geforderte eigenmächtige Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen, Nichtkatholiken und Ausgetretenen zur Eucharistie, so der „Standard“.


Eine Gefahr für die Kirche erkennt der Wiener Dogmatikprofessor im Aufruf der Pfarrerinitiative darin, dass „die Kritik so weit geht, dass eine Lösung nicht nur vorgeschlagen, sondern auch gleich - ohne Abstimmung mit dem Bischof - umgesetzt wird“. Dies könne „schismatische Folgen haben: Das führt im schlimmsten Fall zu Formen einer sektiererischen Gegenkirche.“ Das könne einem Bischof nicht gleichgültig sein, „er muss da geradezu einschreiten“. Allerdings wäre es sinnvoller gewesen, sagt der Wiener Professor, von vornherein auf „Gespräche hinter den Kulissen zu setzen“.

Als Lösung schlug Tück vor, dass beide Seiten einlenken „und keine Verurteilungen vornehmen“. Klar sei jedenfalls: "Würden alle Forderungen" der Pfarrerinitiative "mit einem Schlag umgesetzt, dann hätte die Kirche ein anderes Gesicht als jenes, das wir seit Jahrhunderten kennen."

Die sogenannte Pfarrerinitiative ist eine Internetankündigung, dass die rund 300 Mitglieder der „Pfarrerinitiative“ in Zukunft einfach tun würden, was aufgrund der „römischen Verweigerung“ nicht erlaubt ist: selbstgestaltete Wortgottesdienste am Sonntag als "priesterlose Eucharistiefeier" zu betrachten und Priesteraushilfen als "liturgische Gastspielreisen" abzulehnen, in jedem Gottesdienst „eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen“, das Predigtverbot für Laien missachten, sich öffentlich bei jeder Gelegenheit für Laienpfarrer(innen) und verheiratete Priester(innen) einzusetzen und ähnliches mehr.

Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hatte den Vorstand der Initiative bereits zu einem eingehenden Gespräch zu sich zitiert, da er einen „Aufruf zum Ungehorsam nicht so stehen lassen kann“, kath.net hat berichtet.

Foto: © Katholisch-theologische Fakultät der Univerität Wien


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