28 Juni 2011, 12:00
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Benedikt XVI. ernennt den Patriarchen von Venedig, Angelo Kardinal Scola, zum neuen Erzbischof der ambrosianischen Diözese. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Am heutigen Dienstag, 28. Juni, ernannte Papst Benedikt XVI. den Patriarchen von Venedig, Angelo Kardinal Scola (70), zum neuen Erzbischof der Diözese Mailand. Scola kehrt damit in seine Heimat zurück und folgt Luigi Kardinal Tettamanzi nach, der der ambrosianischen Diözese seit dem 14. September 2002 vorstand und vor zwei Jahren aus Altersgründen seinen Rücktritt eingereicht hatte. Mailand ist mit rund fünf Millionen Einwohnern die größte Diözese der Welt und umfasst 1107 Pfarreien in 73 Dekanaten und sieben Pastoralsektoren, in denen rund 3.000 Priester (2.000 Diözesanpriester und 1.000 Ordenspriester) der Seelsorge nachgehen.

Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte war es nicht der Papst selbst, der den Erzbischof von Mailand direkt ernannte. Benedikt XVI. hatte es vorgezogen, durch den Nuntius in Italien, Erzbischof Giuseppe Bertello, eine breit angelegte Befragung durchführen zu lassen, die sich nicht auf die Diözese Mailand beschränkte, sondern weite Teile des italienischen Katholizismus sowie den Episkopat Italiens einschloss. Die Beratungen in der Kongregation für die Bischöfe am 9. Juni führten dann zur Entscheidung für den Patriarchen von Venedig, der aufgrund der spirituellen und theologischen Nähe zu Benedikt XVI. als der „Wunschkandidat“ des Papstes gelten konnte. Unbestätigten, aber auch nie dementierten Berichten nach soll auch die Errichtung des neuen Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung auf einen Vorschlag des Patriarchen von Venedig zurückgehen.

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Angelo Scola wurde am 7. November 1941 in Malgrate (Provinz Lecco) geboren. Er studierte in Mailand und Fribourg Theologie und Philosophie und promovierte in beiden Fächern. Im Jahr 1970 empfing er das Sakrament der Priesterweihe. Weiterführende Studien brachten ihn nach München und Paris.

In den frühen 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde auf Anregung des Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar der Grundstein für die neue internationale Zeitschrift „Communio“ gelegt. „Communio“ verstand sich als Sammelpunkt vieler Theologen, die sich einem postkonzilaren Radikalismus, der vor allem durch die Gründung der Zeitschrift „Concilium“ sein Sprachrohr gefunden hatte, widersetzen wollten. Zu den Gründern der Zeitschrift gehörte unter anderen der Jesuit und künftige Kardinal Henry de Lubac. Auch Joseph Ratzinger war Teil der durch von Balthasar dazu stimulierten Gruppe, ein internationales Netzwerk zur Unterstützung der neuen Zeitschrift zu bilden. Zu den ersten Mitgliedern dieses Netzwerkes gehörte auch der junge Angelo Scola, der der von Don Giussani gegründeten Bewegung „Comunione e Liberazione“ (Gemeinschaft und Befreiung) nahestand.

Von 1979 bis 1982 arbeitete Scola als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Theologischen Hochschule in Fribourg, zunächst am Lehrstuhl für Politische Philosophie, später dann am Lehrstuhl für Moraltheologie. Von 1982 bis 1991 lehrte er als Professor für theologische Anthropologie am Päpstlichen Institut für Ehe- und Familienstudien „Giovanni Paolo II“ der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom. Außerdem nahm er einen Lehrauftrag für Christologie wahr. Im Jahr 1987 wirkte er als Sachverständiger der Bischofssynode zur Berufung und Sendung der Laien. Von 1991 bis 1996 war Scola Konsultor des Päpstlichen Rates für den Gesundheitsdienst. Von 1996 bis 2001 war er Mitglied des Rates. Seit 1994 ist er Mitglied der Kongregation für den Klerus.

Papst Johannes Paul II. ernannte ihn am 18. Juli 1991 zum Bischof von Grosseto. Die Bischofsweihe spendete ihm Bernardin Kardinal Gantin am 21. September desselben Jahres. Sein Bischofsmotto lautet: „Sufficit gratia tua“ (Deine Gnade genügt; vgl. 2 Kor 12,9). Die Leitung des Bistums Grosseto legte er am 14. September 1995 wieder nieder, da er vom Papst als Rektor der Päpstlichen Lateranuniversität und Präsident des Päpstlichen Instituts für Ehe- und Familienstudien „Giovanni Paolo II“ nach Rom zurückberufen wurde. Seit 1996 ist Scola Konsultor des Päpstlichen Rates für die Familie.

Zu den mit der Gesundheit verbundenen Problemen hat Scola mehrere Bücher verfasst. Seine zweite römische Zeit gestattete es Scola, diverse wissenschaftliche Werke zur theologischen Anthropologie zu verfassen. Neben den in mehrere Sprachen übersetzten Büchern umfasst die Bibliographie von Kardinal Scola insgesamt ungefähr 120 Beiträge in theologischen und philosophischen Zeitschriften und Sammelbänden.

Am 5. Januar 2002 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Patriarchen von Venedig und nahm ihn am 21. Oktober 2003 als Kardinalpriester mit der Titelkirche „Santi XII Apostoli“ in das Kardinalskollegium auf.

Nach seiner Ernennung zum Kardinal wurde er als Mitglied des Komitees des Vorsitzes des Päpstlichen Rates für die Familie und als Mitglied der Kongregation für den Klerus bestätigt. Am 14. Oktober 2004 wurde Scola zum Mitglied des Komitees des Vorsitzes der Päpstlichen Rates für die Laien ernannt.

Am 19. Januar 2005 erfolgte die Ernennung zum Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Am 6. März empfing er die Ernennung zum Mitglied der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhles. Am 18. März 2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Generalrelator der 11. Ordentlichen Versammlung der Bischofssynode zum Thema „Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche“ ernannt.

Seit Januar 2009 ist Scola Mitglied des Päpstlichen Rates für die Kultur, sei Januar 2011 des neu errichteten Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung.


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