16 Juni 2011, 08:52
Kardinal: Keine Berührungsängste gegenüber Freikirchen
 
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Kasper: In vielem stehen die Evangelikalen der katholischen Kirche nahe

Freiburg/Bonn (kath.net/idea) Für mehr Offenheit der katholischen Kirche zu Freikirchen und evangelikalen Bewegungen plädiert der Kurienkardinal Walter Kasper (Rom). Gleichzeitig spricht sich der frühere Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen für eine neuartige Vermittlung des Glaubens in der heutigen Zeit aus.

In seinem neuen Buch über „Katholische Kirche – Wesen – Wirklichkeit - Sendung“ (Herder-Verlag, Freiburg) fordert der 78-Jährige seine Kirche auf, Berührungsängste gegenüber den Freikirchen abzubauen. Der Dialog mit den „aus den Erweckungsbewegungen hervorgegangenen evangelikalen Bewegungen und Gemeinschaften“ sei für die katholische Kirche wichtig. Zwar seien diese in Deutschland zahlenmäßig relativ klein, aber weltweit hätten sie viele Millionen Mitglieder und Anhänger. In der Vergangenheit wurden sie vielfach vor allem in katholisch geprägten Ländern als „Sekten“ abqualifiziert.

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Doch laut Kasper stehen die Freikirchen der katholischen Kirche in Vielem nahe, etwa in ethischen Fragen und den biblischen Grundwahrheiten des Glaubens. Dazu zähle das Bekenntnis zu Jesus Christus als Gottes Sohn und die Heilsbedeutung von Kreuz und Auferstehung.

Ökumene ist an eine Grenze gelangt

Nach Ansicht des früheren „Ökumene-Minister“ des Vatikans ist die Ökumene an eine Grenze gelangt. Notwendig seien neue Orientierungen und neue Impulse. Auch wenn die Einheit aller Christen bislang nicht erreicht sei, so sei doch ein „Zusammengehörigkeitsgefühl der einen weltweiten Christenheit“ entstanden. Um volle Kirchengemeinschaft zu erreichen, müsse man sich zunächst einig werden, was Kirche sei und was Einheit bedeute. Das sollte das leitende Thema der nächsten Phase des Dialogs zwischen dem Vatikan und den anderen Kirchen sein. Kasper: „Es wird wohl eher schwieriger als einfacher werden.“

Einführung in den Glauben funktioniert nicht mehr

Er ist ferner überzeugt, dass die Kirchen den christlichen Glauben völlig anders vermitteln müssen als bisher. „Die Einführung in den Glauben funktioniert nicht mehr“, stellt er im Newsletter des Deutschen ökumenischen Predigtpreises (Bonn) fest. Früher hätten Kinder christliche Religion in der Schule gelernt. Schul- und Kirchengemeinde seien aber auseinandergefallen. Jetzt müssten die Kirchen neue systematische Zugänge zum Glauben aufbauen. So lüden Pfarreien in Rom Jugendliche vor der Firmung sowie erwachsene Täuflinge und angehende Ehepartner vor der kirchlichen Feier zu Glaubenskursen ein. Kasper wandte sich gegen die Ansicht, Westeuropa sei unreligiös geworden. Zwar hätten sich in der langen Zeit unter christlichem Einfluss auch Belastungen angesammelt: „Da ist der geistige Boden für das Evangelium stärker verkarstet als in Ländern, in denen das Evangelium zum ersten Mal zu hören ist.“ Doch werde auch in Europa die Frage nach Gott gestellt. Man reibe sich aber stärker als früher an den Institutionen des Glaubens.







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