08 Juni 2011, 09:29
Wunder Hildegard Burjans für Seligsprechung anerkannt
 
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Die in Wien tätige und 1933 verstorbene Konvertitin, Sozialpolitikerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis war eine „große Helferin in sozialer Not“.

Wien (kath.net/PEW) Hildegard Burjan (1883-1933), Sozialpionierin und Gründerin der Caritas Socialis Schwesterngemeinschaft, könnte bald selig gesprochen werden. Das Kardinalskollegium in Rom bestätigte am Dienstag das dafür nötige Wunder, wie aus der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen bekannt wurde. Das Dekret wird nun Papst Benedikt XVI. zur Unterschrift vorgelegt, was der letzte notwendige Schritt zur Seligsprechung ist.

Das anerkannte Wunder betrifft die Heilung einer Frau, die sich in ihrem Anliegen an Hildegard Burjan gewandt hat: Infolge mehrerer Operationen konnte sie kein Kind zur Welt bringen. Dass sie später drei gesunden Kindern das Leben schenkte, ist für die den Fall begutachtenden Ärzte nach medizinischem Standpunkt unerklärlich. Die Frau fühlte sich Hildegard Burjan verbunden, die in ähnlicher Lage einer Tochter das Leben schenkte.

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„Lang ersehntes Ereignis“

Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof der Diözese Wien, die die Seligsprechung initiiert hat, sprach von einer „großen Freude“: „Das ist ein lange ersehntes und erwartetes Ereignis – ein starkes Zeichen für die Caritas Socialis und für das, wofür sie steht.“

Schönborn betonte die „außergewöhnliche Biographie“ Burjans – die die erste Frau im österreichischen Parlament war und als Ehefrau und Mutter den Orden der Caritas Socialis gegründet hat: „Eine große Helferin in sozialer Not.“ Besonders hob Kardinal Schönborn „die große Wachheit Hildegard Burjans für die Nöte und Anforderungen einer Umbruchszeit“ hervor.

Hildegard Burjan (1883-1933)

Hildegard Burjan (geb.Freund) wurde am 30. Jänner 1883 in Görlitz a.d.Neiße geboren. Sie wuchs ohne religiöse Bindung in einer liberalen jüdischen Familie auf. Nach einer lebensbedrohenden Erkrankung konvertierte sie mit 26 Jahren zum katholischen Glauben.

Der berufliche Weg ihres Mannes, Alexander Burjan, ebenfalls jüdischer Herkunft, führte das Ehepaar nach Wien. Hildegard Burjan engagierte sich in Wien für soziale Gerechtigkeit, vor allem zugunsten von Frauen und sozial Benachteiligten.

Sie zog als erste christlichsoziale Abgeordnete in das Parlament der Ersten Republik Österreichs und gründete im Oktober 1919 die religiöse Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, deren Vorsteherin sie als verheiratete Frau und Mutter bis zu ihrem Tod, am 11.Juni 1933 war.

Caritas Socialis (CS)

Die Hospizidee ist ein zentrales Anliegen der Caritas Socialis CS Schwesterngemeinschaft. Die CS wurde 1919 von Hildegard Burjan als geistliche Gemeinschaft von Frauen in der katholischen Kirche gegründet, um soziale Nöte aufzugreifen.

"Sozial arbeiten heißt auch vorbeugen, heißt Kluften, die innerhalb der Gesellschaft entstehen, mit christlicher Liebe und mitfühlendem Herzen zu überbrücken suchen." (Hildegard Burjan, 1913).

Die Idee der CS entfaltete sich von Beginn an in unterschiedlichen Formen. Verbunden mit der Schwesterngemeinschaft identifizieren sich heute die Mitglieder des Säkularkreises, haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und Freunde mit der Caritas Socialis.

In drei Pflege- und Sozialzentren bietet die CS in Wien professionelle Pflege und Betreuung für alte und chronisch kranke Menschen an. Sie führt auch Geriatrische, Alzheimer- und MS-Tageszentren, geriatrische Kurz- und Langzeitpflege, spezielle Betreuung für Menschen mit Morbus Alzheimer und MS, das CS Hospiz Rennweg, Kindergärten und Horte, ein Wohnheim für Mutter und Kind, soziale Beratung, Hauskrankenpflege und Heimhilfe.

Die CS versteht sich als Impulsgeberin für soziale Anliegen, sie entwickelt Modelleinrichtungen mit dem Ziel, diese in das soziale Regelwesen zu überführen.

Schwestern der Caritas Socialis sind außer in Österreich in Brasilien, Deutschland, Südtirol, und Ungarn vertreten.

„Eine selige Hildegard Burjan, wäre ein Gewinn für die Kirche in Österreich. Die Gründerin der CS hat mit ihrem Weitblick soziale Maßstäbe für Frauenrechte gesetzt. Verwurzelt in Gott, hat sie sich weit hinausgewagt, um Menschen in Not zu helfen. So gründete sie gegen den Widerstand vieler zum Beispiel das erste Wohnheim für Mutter und Kind. Hildegard Burjan ermutigt besonders heute zum Engagement in Kirche, Gesellschaft und Politik“, sagt Sr. Maria Judith Tappeiner CS, Generalleiterin der CS Schwesterngemeinschaft.

„Hildegard Burjan gibt ein Beispiel dafür, dass Christen die Verpflichtung haben, gegen ungerechte Strukturen aufzutreten und sich daher auch in das politische Geschehen einbringen sollen“, sagt Prof. Ingeborg Schödl, Vizepostulatorin und Vorsitzende des Hildegard Burjan Komitees. „Politisches Engagement gehört zum praktischen Christentum. Die Verantwortung für den Mitmenschen war auch das Motiv für ihre soziale und politische Tätigkeit. Wie viele Frauen heute lebte auch Hildegard Burjan im Spannungsfeld von Familie und außerhäuslichem Engagement. Die Kraft zur Bewältigung ihrer vielfältigen Aufgaben schöpfte sie aus ihrem tief verwurzelten Glauben. Hildegard Burjan kann den Frauen des 21.Jahrhunderts, die ebenfalls mit einer Fülle von Anforderungen in und außerhalb der Familie konfrontiert sind, durchaus ein Vorbild sein.“

Foto: (c) Caritas Socialis (www.cs.or.at)


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