Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. ADIOS!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  5. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  6. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  7. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  8. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  9. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  10. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  11. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  12. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen
  13. „Catholic Herald“: „Irlands schwindende Familien“
  14. "Ich glaube, dass Gott das erste Selfie geschossen hat.“
  15. Eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts!

Mehr Betroffenheitsresistenz, bitte

29. April 2010 in Aktuelles, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Das Gerücht um ein "Mea culpa" des Papstes entbehrt natürlich jeder Grundlage. Weder die Presseabteilung des Vatikans noch die Kleruskongregation konnten ein solches bestätigen - Von Guido Horst / Die Tagespost


Rom (kath.net/DieTagespost)
Zum Abschluss des Priesterjahres, wenn Benedikt XVI. mit Zehntausenden von Geistlichen in Rom zusammenkommt, werde der Papst ein großes „Mea culpa“ der Kirche wegen der bekannt gewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs junger Menschen durch Kleriker formulieren. So hieß es jetzt in Italien, und so heißt es nun auch in anderen Ländern. Denn es scheint merkwürdigerweise Aufgabe gerade der kirchlichen Nachrichtenagenturen zu sein, solche Spekulationen sofort um den ganzen Globus zu befördern.

Jedenfalls hatte die italienische Tageszeitung „La Stampa“ diese Vermutungen am Montag geäußert und die deutsche Katholische Nachrichten-Agentur transportierte die Meldung eilfertig über die Alpen. Dort nahmen weitere Redaktionen sofort die Spur auf.

Das Gerücht entbehrt natürlich jeder Grundlage. Weder die Presseabteilung des Vatikans noch die Kleruskongregation konnten ein solches „Mea culpa“ bestätigen. Im Kern steckt hinter der Meldung die durchaus begründete Erwartung, dass dann, wenn Papst Benedikt vom 9. bis 11. Juni mit so vielen Priestern aus aller Welt in Rom zusammentreffen wird, er auch nochmals auf den Missbrauchsskandal eingehen wird, der die katholische Kirche in den vergangenen Monaten erschüttert hat. Vielleicht geht er auf ihn auch in einem Schreiben ein, das er aus Anlass des Abschlusses des Priesterjahres an den katholischen Weltklerus richten könnte. Aber er wird nicht von „mea culpa“ – „meiner Schuld“ – sprechen, denn er hat keine Schuld, ganz im Gegenteil. Und er wird auch nicht ein „mea culpa“ der katholischen Kirche formulieren, denn im Verhältnis zur Gesamtzahl der Welt- und Ordenspriester der Kirche bewegt sich die Größenordnung der pädophilen Geistlichen, die sich an Schutzbefohlenen vergangen haben, im Promillebereich. Kinder können sich in kirchlichen Einrichtungen sicherer fühlen als in nicht-kirchlichen Institutionen. Wer seinem Ärger über die Verbrechen an Kindern Luft machen will, sollte nicht aus der katholischen Kirche, sondern aus der säkularen Gesellschaft austreten, in der ja vor allem die ungeborenen Kinder völlig schutzlos geworden sind.


Doch der Mechanismus ist interessant: An die Kirche, und hier immer wieder an den Papst, wird von den säkularen Medien eine Forderung oder Erwartung herangetragen – ein Mal ein „mea culpa“ bitte, und zwar hier und sofort –, und wenn diese Erwartung nicht erfüllt wird, erfolgt die mediale Hinrichtung. Das war schon so, als es um die Missbrauchsfälle in deutschen Einrichtungen der Kirche ging. Bricht der Papst sein Schweigen, fragten die Medien. Dabei hatte Benedikt XVI. gar nicht geschwiegen. Oft hatte er den Kindesmissbrauch angesprochen, den Iren dazu einen bewegenden Brief geschrieben. Dieser Brief war zwar an eine ganz bestimmte „Gemeinde“ gerichtet, muss aber von der gesamten Kirche als maßgebendes Wort des Nachfolgers Petri gelesen werden. So war und ist es mit den Apostelbriefen im Neuen Testament, so ist es auch mit den Pastoralschreiben der Päpste heute. Und als der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz den Papst in Rom über die Maßnahmen der Ortsbischöfe berichtete, konnte er den Journalisten im Anschluss an das Treffen mitteilen, was Benedikt XVI. zu den Missbrauchsfällen in Deutschland gesagt hatte. Aber den Medien, so scheint es, geht es derzeit nicht mehr um die objektive Berichterstattung. Man jagt lieber Papst und Kirche durch das Dorf und will damit den Erwartungen der Leser und Zuschauer entsprechen.

Die Kirche gerät dabei in die Defensive. Kaum hat sie ein Missverständnis oder eine überzogene Erwartung geklärt, wird die nächste Messlatte viel zu hoch oder an falscher Stelle aufgehängt. Es wäre zu wünschen, dass zumindest katholische Nachrichtenagenturen, die sich aus Kirchensteuermitteln finanzieren, hier mehr Aufklärungsarbeit leisten würden, anstatt den ganzen Mist, der täglich über Kirche geschrieben und gesendet wird, ein zweites Mal durch die Pipelines der Nachrichtennetze zu drücken. Denn eins zeichnet sich doch ab: Das Spiel, das die säkularen Medien mit der Kirche treiben, kann und darf diese nicht mehr mitspielen. Es bedarf auf kirchlicher Seite mehr Betroffenheitsresistenz, wenn Redaktionen, die sich in kirchlichen Dingen nicht auskennen, ihre Schlagzeilen formulieren. Die Kirche ist nicht von dieser Welt. Sie ist zwar in dieser Welt, aber sie sollte sich nicht verpflichtet fühlen, den Erwartungen, die von „Spiegel“ bis ZDF an sie gerichtet werden, entgegenzukommen. Kaum ist ein Vorwurf geklärt, zieht die andere Seite einen Hans Küng aus dem Ärmel – und das Spiel geht weiter. Die Ruhe, mit der Benedikt XVI. durch diese Krise führt, sollte für die gesamte Kirche beispielhaft sein. Auch wenn man sich durchaus fragen konnte, warum man dem Weltethiker Küng, der ja katholischer Priester ist, nicht den kanonischen Prozess gemacht hat, als dieser in einem Brief an die Bischöfe zum offenen Widerstand gegen den Papst aufrief.

Katholische Kirche und säkulare Medien – das sind zwei Dinge, die niemand der derzeit Lebenden nochmals versöhnt sehen wird. Die Kirche sollte ihr Mysterium und ihr Arkanum pflegen, dann wird sie auch für kirchenferne Journalisten wieder interessant. Aber der säkularen Medienwelt wie ein Erfüllungsgehilfe und Nachrichtenbeschaffer hinterherzulaufen, das macht kein Sinn und verunsichert vor allem die einfachen Gläubigen.

Die Tagespost - Lesen Sie, was Kirche und Welt bewegt. Fordern Sie jetzt Ihre kostenlose Leseprobe für 2 Wochen (6 Ausgaben) an - völlig unverbindlich für Sie!


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Vatikan

  1. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  2. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  3. Vatikan prüft Teilnahme an Trumps Friedens-Rat für Gaza
  4. Kurienerzbischof Gallagher: Leihmutterschaft ist eine „neue Form des Kolonialismus“
  5. „Synoden sind gute, nützliche Instrumente zur Entwicklung praktischer pastoraler Strategien, aber…“
  6. Vatikan hebt Pfarraufhebungen in US-Diözese Buffalo auf
  7. Latein nicht mehr erste Amtssprache im Vatikan
  8. Nicht nur Kardinäle an der Spitze: Papst ändert Vatikanverfassung
  9. Vatikan kündigt bevorstehende Veröffentlichung eines Dokuments zu Monogamie an
  10. Bemerkenswert großer Andrang bei „Alter Messe“ im Petersdom - Kard.-Burke-Predigt in voller Länge!






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. ADIOS!
  4. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  5. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  6. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  7. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  8. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  9. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  10. Kardinal Zen: Papst Leo „ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!“
  11. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  12. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  13. Sterilisationen, schlechte Lebensbedingungen: Grönländer kritisieren dänische Herrschaft
  14. Maria 1.0: Immer wieder Deutschland - „Deutsch-Synodale“ Reformatoren schaffen Realität
  15. Entfremdung und Annäherung – Für einen Katholiken in Deutschland gibt es doch immer noch Rom

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz